Berufsbegleitende Ausbildung: Neben dem Job zum Abschluss

Eine berufsbegleitende Ausbildung bringt Ihnen neben dem Job einen anerkannten Berufsabschluss. Es ist für Arbeitnehmer ein Schlüssel zu mehr Gehalt, besseren Jobchancen und persönlicher Weiterentwicklung – je nach Beruf können Sie Ihr Gehalt um 30 Prozent und mehr steigern. Wir erklären, wie die berufsbegleitende Ausbildung funktioniert, für wen das Modell geeignet ist und welche Vor- sowie Nachteile es hat…

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Schnellcheck: Berufsbegleitende Ausbildung

  • Mit einer berufsbegleitenden Ausbildung erlangen Sie einen anerkannten Berufsabschluss, während Sie gleichzeitig in einem festen Arbeitsverhältnis stehen.
  • Sie richtet sich hauptsächlich an Berufstätige, Quereinsteiger oder Rückkehrer nach längerer beruflicher Auszeit.
  • Die Dauer einer berufsbegleitenden Ausbildung in Vollzeit liegt zwischen 1-3 Jahren, in Teilzeit brauchen Sie entsprechend länger.
  • Der Unterricht findet meist abends, am Wochenende oder online statt. Das ermöglicht die Kombination aus Berufstätigkeit und schulischer Qualifikation.
  • Mit erfolgreichem Abschluss können Sie beruflich aufsteigen, andere Aufgabenbereiche übernehmen und haben eine anerkannte Qualifikation als Nachweis.

Ob für einen beruflichen Neustart als Quereinsteiger oder zum Ausbau Ihrer beruflichen Kompetenzen im eigenen Bereich: Eine berufsbegleitende Ausbildung bringt Ihre Karriere einen Schritt voran. Gleichzeitig sammeln Sie weiter praktische Erfahrung und sind finanziell besser abgesichert.

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Definition: Was ist eine berufsbegleitende Ausbildung?

Eine berufsbegleitende Ausbildung ist eine formale Qualifizierung, die parallel zu einer bestehenden Berufstätigkeit absolviert wird. Sie müssen also nicht Ihren Job kündigen und pausieren, um eine Berufsausbildung zu beginnen – Ihr Arbeitsverhältnis läuft weiter und übernimmt den praktischen Teil der Ausbildung.

Die berufsbegleitende Ausbildung ist rechtlich einer klassischen Vollzeitausbildung gemäß dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) gleichgestellt. Es handelt sich nicht um eine schlechtere Variante – Sie erwerben damit einen staatlich anerkannten Berufsabschluss und dürfen als Fachkraft in Ihrem Bereich arbeiten.

Unterschied zu Teilzeitausbildung und dualer Ausbildung

Bei den Begrifflichkeiten gibt es Ähnlichkeiten und teilweise Überschneidungen, trotzdem dürfen die Konzepte nicht einfach gleichgesetzt werden:

  • Berufsbegleitende Ausbildung

    Hierbei machen Sie eine Ausbildung neben einem bestehenden Arbeitsverhältnis für die Dauer von 1-3 Jahren. Zielgruppe sind Berufstätige, Assistenz- und Hilfskräfte mit erster Berufserfahrung.

  • Teilzeitausbildung

    Diese Ausbildung hat deutlich weniger Stunden pro Woche. Das erhöht die Dauer bis zum 1,5-fachen der normalen Zeit. Zielgruppe sind Eltern; Menschen, die Angehörige pflegen, einen Nebenjob haben oder durch gesundheitliche Einschränkungen keine Vollzeitausbildung machen können.

  • Duale Ausbildung

    Dies ist die klassische Ausbildungsform in Schule und Betrieb für eine Dauer von 2,5 bis 3,5 Jahren, je nach Job. Zielgruppe sind Schüler direkt nach dem Abschluss.

Für wen lohnt sich eine Ausbildung neben dem Job?

Eine berufsbegleitende Ausbildung richtet sich an Erwachsene, die bereits Berufserfahrung gemacht haben. Dabei gibt es mehrere Zielgruppen, für die das Konzept viele Chancen bietet:

    1. Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss

    Viele Beschäftigte arbeiten jahrelang ohne formalen Abschluss. Beim Berufseinstieg gab es noch keine offizielle Qualifikation oder Ausbildung. Sie arbeiten häufig als Hilfskraft oder werden durch Berufserfahrung auch für andere Aufgaben eingesetzt – es fehlt aber der Berufsabschluss. Eine berufsbegleitende Ausbildung ermöglicht Ihnen:

  • einen offiziell anerkannten Abschluss
  • bessere Jobperspektiven
  • höhere Arbeitsplatzsicherheit
  • neue Gehaltsperspektiven
  • 2. Quereinsteiger

    Wollen Sie in eine andere Branche und einen neuen Beruf wechseln, kann die berufsbegleitende Ausbildung ein guter Weg sein. Sie sammeln praktische Erfahrung direkt im Job und lernen alles, was Sie für die Arbeit benötigen. Gleichzeitig sichern Sie sich durch die Berufstätigkeit finanziell ab. So können Sie:

  • notwendige Qualifikationen erwerben
  • Praxiswissen aufbauen
  • berufliche Glaubwürdigkeit gewinnen
  • einen strukturierten Neustart beginnen
  • 3. Höherqualifizierung

    Sie stehen bereits im Berufsleben, wollen sich aber höher qualifizieren – um langfristig mehr Verantwortung zu übernehmen und als Führungskraft zu arbeiten? Auch dies ist über eine berufsbegleitende Ausbildung möglich. Hier streben Sie aber nicht die Ausbildung in einem Beruf an, sondern etwa Aufstiegsqualifikationen wie Fachwirt oder einen Meistertitel. Das bringt Ihnen:

  • höheres Qualifikationsniveau
  • neue Karrierechancen
  • verantwortungsvollere Positionen
  • mehr Gehalt

Checkliste: Ist eine berufsbegleitende Ausbildung das Richtige für mich?

Sie spielen mit dem Gedanken an eine berufsbegleitende Ausbildung? Dann prüfen Sie mit unserer Checkliste, ob es wirklich zu Ihnen passt:

  • Disziplin: Bin ich bereit, auch nach einem Arbeitstag noch 2 Stunden zu lernen?
  • Support-System: Steht mein Partner, meine Familie hinter der Entscheidung (weniger Freizeit)?
  • Arbeitgeber: Ist mein aktueller Chef offen für dieses Modell (Stichwort: Fachkräftesicherung)?
  • Finanz-Check: Habe ich eine Aufstellung gemacht, wie viel Geld ich zum Überleben brauche?
  • Lernfähigkeit: Fällt es mir leicht, theoretische Konzepte direkt in die Praxis umzusetzen?
  • Langfristigkeit: Sehe ich in dem angestrebten Abschluss eine echte Perspektive für die nächsten 10 Jahre?
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Wie läuft eine berufsbegleitende Ausbildung ab?

Eine berufsbegleitende Ausbildung ähnelt im Ablauf einer Ausbildung im klassischen dualen System. Abhängig von Träger, Ausbildungsform und Job variiert der Prozess teilweise, das grundsätzliche Schema ist aber fast immer gleich:

  1. Anmeldung und Voraussetzungen

    Im ersten Schritt folgt die Anmeldung auf einen schulischen Ausbildungsplatz. Möglich sind Berufsschulen, Bildungszentren und zahlreiche andere Anbieter. Die Voraussetzungen werden individuell festgelegt: Typisch sind erste Berufserfahrung von einigen Jahren, ein Mindestalter, gute Sprachkenntnisse oder auch eine Aufnahmeprüfung.

  2. Unterrichtsphase

    Das grundlegende Wissen für Ihre berufsbegleitende Ausbildung lernen Sie im theoretischen und schulischen Unterricht. Häufig findet dieser als Blockseminar an Wochenenden oder abends (z.B. zwischen 18 und 21 Uhr) statt. Viele Anbieter setzen auch auf Online-Seminare und ein digitales Selbststudium.

  3. Praxisphase

    Sie wenden das Gelernte direkt im Job an. Da Sie in der Zeit der berufsbegleitenden Ausbildung weiterhin berufstätig sind, entsteht ein hoher Lerntransfer. Der Weg von der Theorie in die Praxis ist besonders kurz. Sie setzen die neuen Kompetenzen direkt im Arbeitsalltag ein.

  4. Abschlussprüfung

    Am Ende der Ausbildungsdauer steht eine offizielle Prüfung. Diese erfolgt mündlich, schriftlich oder teilweise auch projektbezogen. Mit bestandener Prüfung erhalten Sie ein anerkanntes Zertifikat über Ihre neue Qualifikation. In Zukunft können Sie als Fachkraft arbeiten.

Jochen Mai Karriereexperte Bewerbungscoach Buchautor„Die Trennung von Arbeit und Bildung ist ein Relikt alter Beschäftigungsmodelle. Wer heute erfolgreich sein will, muss beides parallel schalten. Die berufsbegleitende Ausbildung ist das effizienteste Hybrid-Modell dafür.“

Jochen Mai, Bewerbungsexperte mit über 20 Jahren Erfahrung und Autor zahlreicher Karrierebücher. Seine Empfehlungen basieren auf Analysen von mehr als 1000 erfolgreichen Bewerbungen und zahlreichen Interviews mit Personalentscheidern.

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In welchen Berufen gibt es die Ausbildungsform?

Eine berufsbegleitende Ausbildung ist vorwiegend in sozialen und medizinischen Berufen möglich. Es handelt sich um Berufe, die auch sonst als rein schulische Ausbildung angeboten werden. Typische Berufe für eine Ausbildung neben dem Job sind:

  • Sozialarbeiter/in
  • Sozialpädagogische/r Assistent/in
  • Erzieher/in
  • Heilerziehungspfleger/in
  • Haus- und Familienpfleger/in
  • Pflegefachkraft
  • Ergotherapeut/in
  • Logopäde/in
  • Physiotherapeut/in

Vor- und Nachteile des Ausbildungsmodells

Durch eine berufsbegleitende Ausbildung können Sie zahlreiche Vorteile haben, vor der Entscheidung sollten Sie aber auch mögliche Nachteile kennen. Wir stellen beide Seiten gegenüber:

Vorteile

  • Festes Gehalt
    Sie arbeiten in Ihrem Beruf und haben keinen großen Verdienstausfall. In der Ausbildung bekommen Sie weiterhin Ihr Gehalt.
  • Längere Berufserfahrung
    Durch tägliche Arbeit im Job sammeln Sie Berufserfahrung. Sie unterbrechen Ihre Karriere nicht für die Zeit der Ausbildung.
  • Praxisnahes Lernen
    Das Gelernte wird sofort in den Berufsalltag übertragen. Das ist ein enormer Vorteil gegenüber rein theoretischen und schulischen Ausbildungen.
  • Bessere Karrierechancen
    Mit dem anerkannten Abschluss erhöhen Sie Ihre Aufstiegschancen, Gehaltsaussichten und Jobwechseloptionen.
  • Persönliche Weiterentwicklung
    Sie wachsen persönlich und entwickeln sich weiter. Neben Fachwissen arbeiten Sie an Ihrer Disziplin, entwickeln Stressresistenz, stärken das Verantwortungsbewusstsein und verbessern Ihr Zeitmanagement.

Nachteile

  • Hohe Doppelbelastung
    Neben dem Job müssen Sie das Lernen und Ihr Privatleben managen. Es kommt eine große Belastung auf Sie zu.
  • Weniger Freizeit
    Freizeit, Hobbys und soziale Aktivitäten werden eingeschränkt. An Ihren „freien Abenden“ müssen Sie lernen.
  • Unbekannte Ausbildungsform
    Nicht alle Arbeitgeber kennen das Konzept und stimmen sofort zu. Sie müssen erklären und Ihren Chef überzeugen.

Vorlage: So überzeugen Sie Ihren Chef

Ihr Chef steht der berufsbegleitenden Ausbildung skeptisch gegenüber? Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, dass es dieses Modell gibt. Nutzen Sie diese Argumente für das Gespräch:

  • Mitarbeiterbindung: „Ich möchte im Unternehmen bleiben, mich aber professionalisieren.“
  • Kosten: „Die Ausbildung wird gefördert, und Sie erhalten eine voll ausgebildete Fachkraft, die interne Prozesse bereits kennt.“
  • Auswirkungen: „Auf meine Arbeit hat es keine negativen Auswirkungen – im Gegenteil: Ich lerne ständig Neues und entwickle meine Kompetenzen.“

FAQ: Häufige Fragen zur berufsbegleitenden Ausbildung

Gibt es Altersgrenzen für eine berufsbegleitende Ausbildung?

Grundsätzlich gibt es keine Altersbeschränkung. Berufsbegleitende Ausbildungen richten sich ausdrücklich auch an ältere Arbeitnehmer, Wiedereinsteiger oder Menschen in der beruflichen Neuorientierung. Entscheidend sind Motivation, Belastbarkeit und die Erfüllung der fachlichen Voraussetzungen. Viele Teilnehmer starten erst mit 30, 40 oder 50 Jahren.

Ist eine berufsbegleitende Ausbildung steuerlich absetzbar?

Sie können anfallende Kosten als Werbungskosten oder Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Dazu zählen Lehrgangsgebühren, Fachliteratur, Fahrtkosten oder Prüfungsgebühren. Besonders bei berufsbezogenen Weiterbildungen erkennt das Finanzamt diese Ausgaben meist vollständig an. Dadurch reduziert sich die finanzielle Belastung.

Wie viel Zeit muss ich pro Woche einplanen?

Der Zeitaufwand variiert, liegt aber häufig zwischen 10 und 20 Stunden pro Woche. Dazu zählen Unterrichtszeiten sowie Lern- und Vorbereitungsphasen. Besonders vor Prüfungen kann der Aufwand kurzfristig steigen.

Welche Rolle spielt Berufserfahrung bei der Zulassung?

Berufserfahrung ist oft eine zentrale Voraussetzung. Sie müssen bereits einige Zeit im Job arbeiten – zum Beispiel als Quereinsteiger ohne vorherige Ausbildung. Die konkreten Voraussetzungen legt jedoch das jeweilige Ausbildungsprogramm fest.

Wie anerkannt ist eine berufsbegleitende Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt?

Sie erwerben einen voll anerkannten Berufsabschluss. Ihren Abschluss machen Sie bei einer staatlichen Schule, offiziellen Kammern oder zertifizierten Bildungsträgern. Auf dem Arbeitsmarkt haben diese denselben Stellenwert wie zum Beispiel eine abgeschlossene duale Ausbildung. Eine berufsbegleitende Ausbildung signalisiert zudem Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.


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