Phantomklingeln: Woher kommt der Fehlalarm?
Hinter dem Phantomklingeln bzw. Phantom-Vibrations-Syndrom steckt ein fundamentales Prinzip der Neuropsychologie: das sogenannte perzeptive Lernen. Je öfter wir einen Reiz hören, desto mehr trainiert das Gehirn, darauf schnell zu reagieren. Das Problem daran: Auf Reize, die ähnlich klingen oder sich ähnlich anfühlen, reagieren wir genauso schnell und unwillkürlich – wie ein Pawlowscher Hund.
Häufige Ursachen für den Handy-Spuk sind:
- akuter Stress oder
- die Angst etwas zu verpassen (siehe: FOMO).
Je öfter wir das Handy benutzen, desto stärker ist der Effekt, weil der Filter im Gehirn noch sensibler ausgebildet ist. Im positiven Fall ruft tatsächlich jemand an, im negativen stimmt etwas mit der Hose oder Sensorik nicht und Betroffene sehen ein bisschen albern bis peinlich aus.
Wir hören unseren Klingelton auch bei Lärm
Beim Phantomklingeln oder sprichwörtlichen Fehlalarm handelt es sich um eine klassische Wahrnehmungsstörung. Meistens ist man ja doch unsicher, ob es wirklich stimmt und wir müssen uns entscheiden, was das größere Übel ist: einen Anruf verpassen – oder wie ein Depp dastehen. Die meisten entscheiden sich für die zweite Variante. Völlig okay, übrigens.
Dasselbe passiert, wenn wir ein Klingeln hören, das unserem Klingelton gleicht. Das hören wir selbst aus lautem Stimmengewirr oder bei Hintergrundmusik noch heraus. Dafür ist wiederum der sogenannte Cocktailparty-Effekt verantwortlich.
Falls Ihnen das mit dem Phantom-Vibrations-Syndrom oder Phantomalarm also regelmäßig passiert: Kein Grund zur Sorge! Ihr Oberstübchen macht nur seinen Job – und den sehr gut. Es bedeutet sogar, dass Sie beim perzeptiven Lernen besonders gut sind.
Hintergrundgeräusche machen kreativer
Studien kommen zu dem Ergebnis: Moderate Hintergrundgeräusche machen kreativer. Dazu zählen Stimmengewirr im Café oder der dezente Lärm einer fernen Autobahn. Der Effekt der Hintergrundgeräusche ist vergleichbar mit einem umgedrehten U: Ab einem Geräuschpegel von rund 70 Dezibel erreicht der positive Einfluss ein Maximum. Wird es lauter nimmt diese Wirkung ab und verkehrt sich ins Gegenteil.
Ab 100 Dezibel wird Konzentration zur Herausforderung oder unmöglich. Das entspricht der Lautstärke eines Ghettoblasters, Diskomusik kommt auf 110 Dezibel, ein Presslufthammer auf 120. Zum Vergleich: Flüstern erreicht gerade mal 30 Dezibel, leise Musik 40, Kantinenlärm 65.
Was sich gegen Fehlalarme tun lässt
Schon das Bewusstsein darüber, dass es so etwas wie ein Phantomklingeln gibt, hilft Ihnen, Phänomen des halluzinierten Alarms besser einzuordnen. Falls die Fake-Alarme jedoch überhand nehmen, gibt es noch weitere Alternativen, wie Sie darauf reagieren:
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Klingelton lauter stellen
Stellen Sie die Vibration – soweit möglich – ein paar Stufen stärker ein oder den Klingelton lauter. Damit werden Sie sicherer, dass Ihr Telefon wirklich klingelt.
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Klingelton wechseln
Verändern Sie regelmäßig den Klingelton – etwa alle 2 Monate. So verhindern Sie einen Gewöhnungseffekt. Und falls Sie dann den alten Ton halluzinieren, wissen Sie, dass es Ihr Telefon nicht sein kann.
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Stress abbauen
Weil das Phantomklingeln auch ein Hinweis auf übermäßigen Stress sein kann, sollten Sie versuchen, diesen zu reduzieren und abzubauen. Zum Beispiel mit einem Spaziergang oder Meditation.
Was auch hilft: Sie bewahren das Handy an einer anderen Stelle am Körper auf, die etwas sensibler ist. Auch dann wissen Sie besser, ob das Smartphone vibriert oder nur die Synapsen im Kopf…
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