Redewendung: Was bedeutet „einen Toast ausbringen“?
Ob Geburtstag, Hochzeit oder Richtfest: In Deutschland ist es üblich, hierbei mit einem Glas Sekt anzustoßen und eine kurze Rede zu halten – den „Toast“. Die deutsche Redewendung „Toast ausbringen“ oder „Toast aussprechen“ hat tatsächlich mit dem Weißbrot zu tun und geht auf eine Sitte im England des 19. Jahrhunderts zurück.
Weil der Wein dort aufgrund des Klimas oft zu sauer schmeckte, gaben die Lords vorher ein Stück geröstetes Brot in den Wein. Dann schmeckte er besser. Der Ausdruck „sich zutoasten“ bzw. „einen Toast ausbringen“ beschreibt damit bildhaft eine kurze Tischrede, die eine Feier würzt und jemanden ehrt.
Worauf muss ich beim Toast ausbringen achten?
Ein Toast kann wunderbar sein, Wertschätzung ausdrücken oder einfach nur kurzweilig und amüsant sein. Gleichzeitig ist es eine kleine Kunst eine solche Tischrede zu halten. Wohl jeder hat schon mal einen Toast gehört, der eher zum Fremdschämen war. Damit Ihnen das nicht passiert, sollten Sie dabei stets folgende Grundregeln beachten:
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Toast kurz halten
In der Kürze liegt die Kraft. Eine Tischrede sollte nie länger als 2-5 Minuten dauern. Alles darüber hinaus strapaziert die Laune der Zuhörer.
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Text niemals ablesen
Ein Toast ist stets eine freie Rede. Absolut Tabu: die Tischrede vom Blatt oder Redemanuskript ablesen!
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Nicht über sich reden
Wer eine kurze Rede bei Tisch hält, sollte nicht über sich sprechen. Die Tischrede thematisiert stets den Ehrengast oder Anlass, aber niemals den Redner.
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Keine peinlichen Geschichten
Wenn Sie über andere sprechen – z.B. das Hochzeitspaar oder Geburtstagskind – darf die Person nicht das Gesicht verlieren. Peinliche Storys aus der Vergangenheit sind Stimmungskiller.
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Positive Rede halten
Die Tischrede sollte zwar kurzweilig und humorvoll sein. Zotige Witze sind dabei dennoch verboten. Ein Toast ist im Grundton immer positiv und frei von sexuellen Anspielungen oder negativen Spitzen.
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Gefülltes Glas halten
Vor der Tischrede haben Sie stets ein Glas Sekt parat. Sorgen Sie dafür, dass vorab auch alle anderen ein gefülltes Glas haben. Denn nach dem Toast ist es Sitte, zusammen anzustoßen.
Idealerweise setzen Sie beim Toast ausbringen auf originelle Sprachpointen oder amüsante Geschichten, die nach vorne schauen und alle auf die Feier einstimmen. Es geht grundsätzlich darum, zu loben oder jemandem zu gratulieren.
Bei welchen Gelegenheiten eignet sich ein Toast?
Anlässe und Gelegenheiten, einen Toast auszubringen, gibt es viele. Zu den häufigsten gesellschaftlichen Ereignissen gehören:
- Geburtstagsfeier
- Verlobung
- Hochzeit
- (Firmen)Jubiläum
- Beförderung
- Pensionierung
- Dinner-Party
- Weihnachtsfeier
- Silvesterparty
Beispiel für eine Tischrede zum Geburtstag
Lieber [Name],
es gibt Menschen, die kommen in dein Leben, um zu bleiben. Du gehörst ganz klar in diese Kategorie. Und dafür feiern wir dich und deinen Geburtstag heute. Du weißt ja: Die ersten 100 Jahre sind die schwersten!
Du bist der Freund, der jede Situation besser macht: Wenn alles läuft – feierst du mit; wenn nichts läuft – bleibst du trotzdem. Und wenn man nur kurz auf ein Getränk vorbeikommen will – dann wird es oft sehr spät.
Mit dir haben wir gelacht und Unsinn gemacht, viel erlebt und Erinnerungen geschaffen, die man nicht planen kann – und die deshalb so wertvoll sind. Du hast die Gabe, Menschen zusammenzubringen und sich in deiner Nähe einfach wohlzufühlen. Lieber [Name] – ich bin enorm dankbar für deine Freundschaft, für deinen Humor und dein großes Herz!
Bleib genauso, wie du bist – oder zumindest fast so, nur ein kleines bisschen älter. Auf dein neues Lebensjahr, auf deine Gesundheit und viele, viele weitere Erinnerungen, die wir noch schaffen werden und unsere Enkel damit nerven…
Lasst uns anstoßen – auf dich und alles, was noch kommt!
Tipps zum Toast ausbringen: Regeln für den Tischrede-Aufbau
Wenn Sie gebeten werden, einen kurzen Toast auszusprechen, betrachten Sie dies als Ehre. Offenbar hält man viel von Ihrer Eloquenz und Beziehung zum Anlass oder Ehrengast. Nicht wenige haben aber zugleich Angst vor der Ansprache und Stegreifrede: Was tun, wenn mir nichts Gutes einfällt?
Keine Bange: So eine Tischrede ist kein Hexenwerk. Mit den folgenden Tipps und Strategien können Sie nicht nur ganz einfach Ihre Redeangst überwinden, sondern auch spontan eine spritzige und humorvolle Tischrede halten:
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Aufmerksamkeit erzeugen
Wenn Sie einen Toast ausbringen, sollten Sie zunächst sicher sein, dass Ihnen alle Anwesenden zuhören. Dazu stellen Sie sich am besten hin, klopfen an das Glas, lächeln, suchen Blickkontakt – und machen erstmal eine rhetorische Pause, bis alle still sind und Sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums haben.
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Niemals entschuldigen
Beginnen Sie Ihren Toast niemals mit Tiefstapeln („Eigentlich bin ich kein guter Redner“). Das schmälert die Wirkung Ihrer Worte, und mancher schaltet jetzt erst recht ab. Starten Sie lieber gleich Ihre Rede mit einem guten Geburtstagsspruch oder Zitat.
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Tischrede halten
Folgen Sie beim Toast aussprechen einem klassischen, dreiteiligen Aufbau: Beginnen Sie mit einem lockeren Einstieg, amüsanten Spruch oder Zitat, das zum Anlass passt. Danach folgt der persönliche Teil: Hier stellen Sie den Jubilar oder Anlass in den Mittelpunkt und erzählen kleine, positive Anekdoten oder betonen besondere Eigenschaften – emotional, humorvoll und wertschätzend. Am Schluss verbinden Sie das Gesagte mit guten Wünschen für die Zukunft und leiten zum „Toast“ über – der direkten Aufforderung, die Gläser zu erheben und sich zuzuprosten.
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Authentisch bleiben
Sie steigern die Wirkung Ihrer Tischrede nochmal, indem Sie authentisch eigene Emotionen zeigen. Es ist immer das Storytelling, das einen Toast zu etwas Besonderem macht. Erinnern Sie sich also ruhig an gemeinsame Momente und schildern Sie kurz, was Ihnen diese bedeuten.
Wichtig ist, dass Sie während der gesamten Tischrede immer wieder Blickkontakt zum Ehrengast und dem Publikum suchen, sodass sich alle angesprochen fühlen. Den Abschluss machen Sie dann immer mit der direkten Ansprache an alle – z.B. mit: „Lasst uns nun aufstehen, das Glas erheben und gemeinsam anstoßen auf…“ Zum Wohl!
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