Handschlag: Richtig Hände geben

Ein Handschlag dauert selten länger als 3-5 Sekunden. Längeres Händedrücken – nicht Händeschütteln! – bleibt engen Freunden vorbehalten. Gleichzeitig schwingt in der Geste mehr mit, als viele denken: Der Händedruck ist nicht nur eine Begrüßung – er ist ein nonverbales Signal, mit wem man es zu tun hat und entscheidet nicht selten darüber, ob wir unser Gegenüber sympathisch finden…

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Definition: Was bedeutet ein Handschlag?

Ein Handschlag ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Gesten zur Begrüßung, Verabschiedung oder Besiegelung von Verträgen – besonders im Berufsleben. Zum Händeschütteln reichen sich beide Personen die rechte Hand, drücken sie für 3-5 Sekunden und halten dabei Blickkontakt. Je nach Art des Handschlags – fest, locker, kurz, lang – werden dabei zusätzlich Informationen über Charakter oder Absicht der Beteiligten vermittelt.

Ursprünglich stammt der Handschlag (englisch: Shakehands) aus dem Orient und diente dazu, seinem Gegenüber die waffenlose Hand zu zeigen. Bis heute symbolisiert der Handschlag Vertrauen, Respekt und Verbindlichkeit. Intimere Alternativen sind – je nach Kultur – die Umarmung zur Begrüßung oder der Wangenkuss (französisch: „Akkolade“).

Was sagt Händedruck aus?

Im Laufe des Lebens geben wir unseren Mitmenschen bis zu 15.000 Mal die Hand. Der erste Händedruck sollte vor allem fest und trocken sein. Andernfalls spricht man vom „Dead-Fish-Handshake“. Auch andere Eigenschaften des Handschlags spielen bei der Adhoc-Sympathie eine Rolle und werden unbewusst wahrgenommen:

  • Kraft: fest oder schlaff?
  • Textur: rau oder weich?
  • Temperatur: kalt oder warm?
  • Humidität: feucht oder trocken?
  • Griff: voll oder partiell?
  • Dauer: kurz oder lang?
  • Geschwindigkeit: langsam oder schnell?
  • Komplexität: drücken oder schütteln?
  • Augenkontakt: keiner oder lang?

Ist ein Handschlag rechtlich bindend?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) erlaubt in Deutschland Verträge mündlich oder schriftlich zu schließen. Beide sind bindend. Damit ist der Vertragsabschluss per Handschlag genauso rechtsgültig wie ein schriftlicher Kontrakt. Einzig der Nachweis ist im Zweifelsfall jedoch schwierig.

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Knigge-Regeln: Wie geht ein richtiger Handschlag?

Tatsächlich gibt es für den „richtigen“ Handschlag feste Knigge-Regeln. Die formal korrekte Anleitung, wie Sie sich perfekt die Hand geben, sieht so aus:

  1. Stehen Sie zum Händedruck immer auf.
  2. Die Hand sollte möglichst trocken sein.
  3. Im Business reicht stets der Ranghöchste die Hand zuerst.
  4. Privat ist es der Gastgeber, der den Gästen die Hand reicht.
  5. Der richtige Abstand zum Gegenüber beträgt eine Armlänge.
  6. Halten Sie beim Händedruck unbedingt Blickkontakt.
  7. Stellen Sie sich dabei kurz mit Namen vor.
  8. Profis wiederholen den Namen Ihres Gegenübers: „Hallo Herr Muster!“
  9. Drücken Sie kräftig, aber nicht zu fest, maximal 5 Sekunden.

Der perfekte Handschlag – als Formel

Geoffrey Beattie von der Universität von Manchester hat vor einiger Zeit eine mathematische Formel für den perfekten Händedruck ermittelt. Relevant waren für ihn die Länge des Blickkontakts, Handtemperatur, Position beim Zusammenprall, Schütteldauer und andere Variablen. Zwölf waren es insgesamt. Herausgekommen ist diese Formel:

PH = √ (e2 + ve2)(d2) + (cg + dr)2 + π{(4<s>2)(4<p>2)}2 + (vi + t + te)2 + {(4<c>2 )(4<du>2)}2

Die Übersetzung und vereinfachte Zusammenfassung lautet: Geben Sie Ihrem Gegenüber einen festen Händedruck, nicht länger als 3 Sekunden.. Die Handfläche sollte warm und trocken sein. Sehen Sie Ihrem Gegenüber dabei in die Augen, nicht auf die Hand, und lächeln Sie dazu.

Wen noch die englische Erklärung und Ableitung dazu interessiert:

  • (e) is eye contact (1=none; 5=direct) 5; (ve) is verbal greeting (1=totally inappropriate; 5=totally appropriate) 5; (d) is Duchenne smile – smiling in eyes and mouth, plus symmetry on both sides of face, and slower offset (1=totally non-Duchenne smile (false smile); 5=totally Duchenne) 5; (cg) completeness of grip (1=very incomplete; 5=full) 5; (dr) is dryness of hand (1=damp; 5=dry) 4; (s) is strength (1= weak; 5=strong) 3; (p) is position of hand (1=back towards own body; 5=other person’s bodily zone) 3; (vi) is vigour (1=too low/too high; 5=mid) 3; (t) is temperature of hands (1=too cold/too hot; 5=mid) 3; (te) is texture of hands (5=mid; 1=too rough/too smooth) 3; (c) is control (1=low; 5=high) 3; (du) is duration (1= brief; 5=long) 3.
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Handschlag Arten: Wie geben Profis die Hand?

Was sagt der Händedruck über jemanden aus? Natürlich gehört es ins Reich der Küchenpsychologie, aus einem ritualisierten Händeschütteln eine Charakterstudie abzuleiten. Trotzdem haben wir uns verschiedene Handschlag-Varianten mal genauer angesehen und kühn interpretiert:

1. Der Distanz-Handschlag

Die Hand wird dazu weit vom Körper gestreckt, sodass zwischen beiden der größtmögliche Abstand bleibt. Das kann ein Zeichen von Antipathie sein – oder für Reserviertheit sprechen, Motto: „Mein Vertrauen musst du dir erst noch verdienen!“

2. Der intime Handschlag

Das Gegenteil zum Distanz-Handschlag: Hier wird die Hand kaum vom Körper abgerückt, sodass sich beide extrem auf die Pelle rücken. Manchmal hat das einen sexuellen Hintergrund, um jemandem näherzukommen, als der oder die will. Es kann aber genauso eine subtile Dominanzgeste sein, weil man so zwangsläufig in die Intimzone seines Gegenübers eindringt. Die Variante macht deshalb oft unsympathisch!

3. Der schlaffe Händedruck

Den meisten Menschen gilt er als Indiz für einen schüchternen oder schwachen Zeitgenossen. Psychologen sagen sogar, er sei typisch für Pessimisten. Laut Untersuchungen des Management-Professors Greg Stewart von der Universität von Iowa bekommen Bewerber mit diesem Händedruck seltener den Job. Er ist deshalb der Karrierekiller unter den Handschlägen.

4. Der Zangen-Handschlag

Hierbei wird die Hand nicht nur gedrückt, sondern regelrecht gepresst – und auch nicht so schnell wieder losgelassen. Einerseits ein Indiz für ausgeprägte Willensstärke. Andererseits eine Dominanzgeste – erst recht, wenn der Handreicher dabei seinen Handrücken nach oben dreht und den seines Gegenübers nach unten.

5. Der Roboter-Handschlag

Sie selbst sind noch nicht mal in Reichweite – schon kommt Ihnen der oder die andere mit ausgestreckter Hand entgegen. Anschließend wird automatisch und emotionslos das Programm abgespult: Hand drücken, begrüßen, loslassen, Arm runterfahren… Willkommen in Metropolis! Sie grüßen gerade eine Arbeitsmaschine oder jemanden, für den gutes Benehmen ein Fremdwort ist.

6. Der Frontal-Handschlag

Ihr Gegenüber strahlt vor Testosteron: Der Handschlag ist energisch fest, fast dominant, die Augen aufgerissen, der Blick stier. Womöglich haben Sie es hier mit einer Engstirne zu tun, die nicht gerne von ihrem Weg abweicht, kaum zuhört, sich aber gerne durchsetzt.

7. Der Hand-Kanten-Schlag

Kommt in der Regel nur unter Männern vor und ist ein verkappter Kräftevergleich, wer den größeren Druck ausüben und aushalten kann. Dabei wird gegenseitig und immer fester zugedrückt. Bis einer nachlässt. Danach ist eigentlich alles klar und nichts mehr zu sagen.

8. Der normale Handschlag

Kurz, fest, mit freundlichem Augen- und Blickkontakt. So begrüßen sich Profis und höfliche Menschen mit Manieren.

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Handschlag Varianten: Alternativen und Affronts

Im Alltag gibt es neben den bekannten und typischen Arten, wie sich Leute heute die Hand geben, noch ein paar, teils weniger freundliche oder finanziell attraktive Alternativen:

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  • Die Ghetto-Faust

    Sie kam mit der Corona-Pandemie weltweit in Mode. Denn das Handgeben und Händeschütteln ist eine echte Keimschleuder und erhöht das Infektionsrisiko! Britische Forscher der Aberystwyth Universität konnten nachweisen, dass die Ghetto-Faust (zwei geballte Fäuste treffen aufeinander) deutlich hygienischer ist als der normale Handschlag und zum Infektionsschutz beiträgt.

  • Der verweigerte Handschlag

    Die Geste ist grob unhöflich und ein Zeichen für Geringschätzung oder Uneinigkeit. Insbesondere unter Politikern kommt diese Variante manchmal vor. Prominentestes Beispiel ist der verweigerte Handschlag von US-Präsident Donald Trump gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Staatsbesuch in Washington im Jahr 2017. Die Szene markierte einen Tiefpunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

  • Der goldene Handschlag

    Ein „goldener Handschlag“ ist gar keiner. Vielmehr beschreibt der Begriff die vorzeitige Auflösung eines Arbeitsvvertrags, bei der die Zustimmung mit einer hohen Geldsumme und Abfindung erkauft wird. Ein Euphemismus: Goldener Handschlag klingt positiv, meint aber das Ende einer unliebsamen Beziehung.

Internationaler Handschlag: Regeln im Ausland

Falls Sie international und viel im Ausland unterwegs sind, finden Sie hier noch eine Infografik mit Tipps, wie Sie Ihrem Gegenüber in anderen Kulturkreisen korrekt die Hand geben:

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Lesetipp: Gefährliche Handzeichen im Ausland

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Studien: Was weiß die Wissenschaft über den Handschlag?

Überraschend, aber wahr: Die Wirkung des Handschlags ist in der Wissenschaft schon vielfach erforscht worden – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen:

  • Handschlag aktiviert Gehirn

    Studien um Florin und Sanda Dolcos vom Beckman Institute an der Universität von Illinois kamen zum Ergebnis: Der Handschlag verstärkt die positive Wirkung einer Person. Als erste soziale Interaktion zwischen zwei Menschen aktiviert er diverse Hirnregionen – viel stärker als verbale Begrüßungsrituale.

  • Händedruck macht Verhandlungen fairer

    Als Francesca Gino das Händeschütteln erforschte, experimentierte sie mit fiktiven Immobiliengeschäften. Erwartungsgemäß versuchten beide Verhandlungspartner das Maximum für sich herauszuholen – zur Not auch durch Lügen. Gaben sich Käufer und Makler vorher jedoch die Hand, war das Verhandlungsergebnis jedes Mal fairer als wenn sie direkt ins Geschäft einstiegen.

  • Warme Hände machen barmherziger

    Menschen mit warmen Händen verhalten sich wohlwollender gegenüber Mitmenschen. Laut Wissenschaftsmagazin Science urteilten Frauen mit einer heißen Tasse Kaffee in den Händen positiver über andere. Ein zweiter Versuch zeigte, dass die physische Wärme auch das Verhalten beeinflusst: Probanden mit warmen Händen waren barmherziger und beschenkten gerne andere – mit kalten Händen beschenkten sie sich vorzugsweise selbst.

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Häufige Fragen zum Handschlag

Warum den Handschlag mit rechts?

Kulturell bedingt reichen wir uns zur Begrüßung die rechte Hand als Geste des Friedens. Weil die meisten Menschen Rechtshänder sind, zeigen sie so, dass sie in der Hand keine Waffe tragen. Durch das Schütteln wurde überdies sichergestellt, dass kein Dolch im Ärmel versteckt ist.

Woher stammt der Handschlag?

Wissenschaftler nehmen an, dass der Ursprung im 5. Jahrhundert vor Christus in Griechenland liegt. Da war der Handschlag aber noch eher ein Winken. Man hielt seinem Gegenüber die leere rechte Hand hin, um zu zeigen: „Ich komme in Frieden, ich halte keine Waffe in der Hand!“ Im Römischen Reich tauchte die Geste erstmals auf Münzen auf. Im Mittelalter entwickelte sie sich zur allgemeinen Grußform.

Was bedeutet ein Händedruck?

Der Händedruck ist zunächst ein formelles Begrüßungsritual. Er drückt Wohlwollen und Vertrauen aus. An der Intensität lässt aber erkennen, wie dominant, zielstrebig oder selbstbewusst der Handgeber ist. Der Händedruck am Ende eines Gesprächs oder einer Verhandlung besiegelt wiederum das Ergebnis als gemeinsamen Konsens.

Kann man am Händedruck den Charakter erkennen?

Für eine veritable Charakterstudie dauert der Händedruck zu kurz. Dennoch leiten viele daraus ihren ersten Eindruck ab. Ein schlaffer, feuchter Händedruck steht für unsichere, durchsetzungsschwache Charaktere; ein fester, kräftige Handschlag für einen dominanten, zielorientierten Menschen.

Wo gibt man sich nicht die Hand?

In Asien, speziell in Japan und Thailand und teilweise in China gibt man sich zur Begrüßung nicht die Hand, sondern verbeugt sich voreinander. In muslimischen Ländern, in Nordafrika oder Indonesien geben sich wiederum nur Menschen desselben Geschlechts die Hand.


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