Duzen oder Siezen: Die wichtigsten Regeln
Höflichkeit ist eine Haltung. Sie zeigt sich unabhängig vom Duzen oder Siezen. Selbst bei Meinungsverschiedenheiten sollten Wertschätzung und Respekt erhalten bleiben – unabhängig vom Du oder Sie.
Die allgemeine Knigge-Regel: Wen Sie nicht kennen, siezen Sie in Deutschland beim ersten Kontakt – bis etwas anderes angeboten wird. Das gilt im Beruf gegenüber Kollegen, Vorgesetzten, Kunden sowie bei Behörden, Ärzten oder Lehrern.
Regeln beim Duzen und Siezen
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Alter
Traditionell bietet der Ältere dem Jüngeren das Du an, nicht umgekehrt.
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Geschlecht
Privat gilt: Ladies first! Die Dame bietet dem Herrn das Du an.
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Rang
Im Job hebelt die Hierarchie alle bisherigen Regeln aus: Hier darf nur der Ranghöhere das Du anbieten.
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Gegenseitigkeit
Es gibt kein einseitiges Du: Per Du oder per Sie sind immer beide gleichzeitig.
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Dauer
Das Du gilt lebenslänglich. Einmal erteilt, sollte man es nicht zurücknehmen, das wäre eine Herabsetzung.
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Online & Social Media
In sozialen Netzwerken gilt fast immer das Du. Ausnahme: Linkedin, weil es sich offiziell um ein Berufsnetzwerk handelt.
Wer dennoch unsicher ist, darf sein Gegenüber jederzeit direkt darauf ansprechen, etwa mit: „Wie möchten Sie angesprochen werden: Du oder Sie – was ist Ihnen lieber?“ Das ist legitim und respektvoll zugleich.
Was ist das Hamburger Sie?
In Hamburg und vielen nördlichen Regionen gibt es eine Mischform im Arbeitsleben: Vorname + Sie. Beispiel: „Julia, könnten Sie bitte…?“ Das wirkt persönlicher, bleibt aber förmlich genug. Auch hier kann man aber das komplette Du anbieten, etwa: „Wollen wir uns duzen?“ Oder: „Sagen Sie ruhig Du zu mir.“
Was sind die Vor- und Nachteile vom Duzen und Siezen?
Beim Duzen oder Siezen geht es im Kern immer um gute Manieren, allgemeine Höflichkeitsregeln und Ausdruck von Vertrauen bzw. Vertrautheit. Beide Formen – Duzen und Siezen – haben spezifische Vor- und Nachteile. Hier ein kompakter Überblick:
Vorteile von Duzen und Siezen
- Baut Barrieren ab
- Erzeugt persönliche Nähe
- Fördert offene Kommunikation
- Wirkt modern, teamorientiert
Vorteile Duzen
- Beweist Höflichkeit
- Respektiert formelle Rollen
- Schafft professionelle Distanz
- Vermeidet Vertraulichkeit
Vorteile Siezen
Nachteile von Duzen und Siezen
- Kann respektlos wirken
- Verwischt Hierarchien
- Nicht überall akzeptiert
- Schwer zurückzunehmen
Nachteile Duzen
- Wirkt oft steif & kühl
- Erschwert Vertrauensaufbau
- Gilt als altmodisch
- Kann Hierarchien verstärken
Nachteile Siezen
Einige Soziologen warnen gar, dass ein Streit beim generellen Du in einem Unternehmen schneller unter die Gürtellinie geht und eskalieren kann. Oft würden Konflikte dadurch viel persönlicher als beim förmlichen Sie.
Arbeitsrecht: Ist Duzen eine Beleidigung?
Juristisch ist das Duzen im Job zunächst keine Beleidigung. Erst recht nicht, wenn es einem ungewollt herausrutscht. Zur Beleidigung wird Duzen erst, wenn es unerwünscht ist und trotzdem konsequent angewendet wird – z.B. mit dem Ziel, sein Gegenüber herabzuwürdigen. Dann verstößt es gegen das Persönlichkeitsrecht, wonach jeder Erwachsene das Recht hat, die Art und Weise zu bestimmen, wie er oder sie angesprochen werden will.
Gegenüber Beamten wiederum kann das Du richtig teuer werden. So musste ein Mann, der sich von einem bayerischen Grenzbeamten nicht gut behandelt fühlte und diesen mit „Du blöde Sau!“ beschimpfte, tief in die Tasche greifen: 2500 Euro für die Beleidigung und 300 Euro extra für das Duzen.
Duzen oder Siezen im Arbeitsleben: Teil der Firmenkultur?
In Deutschland gehen schon seit Jahren immer mehr Unternehmen zum generellen Du in der Firma über. Beim schwedischen Möbelhaus Ikea gehört das Du – sogar gegenüber Kunden – seit Jahren zur Firmenkultur. Der Vorstand des Versandhauses Otto, Hans-Otto Schrader, sorgte vor einiger Zeit für mediales Aufsehen, als er allen 53.000 Mitarbeitern das Du anbot. Für die Kollegen sei er ab sofort nur noch der „Hos“.
Umfragen bestätigen den Trend. So sagt etwa jeder vierte Arbeitnehmer (23,8 %), das förmliche Sie sei zwar die höflichere Anrede, aber nicht mehr zeitgemäß. Das gilt jedoch nur unter Kollegen. Beim ersten Kennenlernen besteht die Mehrheit auf ein Sie – Frauen mit 43,2 Prozent sogar deutlich mehr als Männer (34,1 Prozent).
Wie sollte ich mich im Job verhalten?
Wie immer kommt es zunächst auf die herrschende Unternehmenskultur an. Wer neu im Job ist, sollte erstmal beim Sie bleiben, auch wenn sich schon alle anderen duzen. Warten Sie, bis man Ihnen die neue Anrede anbietet – das ist dann wie ein Aufnahmeritual und Ritterschlag, Motto: „Jetzt gehörst DU dazu!“
Ansonsten orientieren Sie sich bitte an diesen Regeln:
Wie kann ich jemandem richtig das Du anbieten?
Wollen Sie vom förmlichen Sie zum persönlichen Du wechseln, geht das ganz einfach. Um jemanden das Du anzubieten, sagen Sie zum Beispiel:
- „Wir arbeiten jetzt schon so lange zusammen. Wollen wir uns nicht einfach duzen? Wenn Ihnen das unangenehm ist, ist das für mich aber auch in Ordnung.“
- „Vielen Dank für das nette Angebot. Bitte verstehen Sie mich: Ich möchte im Beruf eine professionelle Distanz wahren und daher beim Sie bleiben. Bitte haben Sie Verständnis.“
Darf ich das Du ablehnen – auch vom Chef?
Wer das „Du“ angeboten bekommt, darf es jederzeit ablehnen. Nur bitte stets höflich und respektvoll, ansonsten könnte sich die andere Person gekränkt fühlen. Eine Begründung ist zwar nicht nötig, kann aber helfen. Eine gute Beispielformulierung könnte lauten:
Gegenüber dem Chef braucht eine solche Absage jedoch viel Fingerspitzengefühl. Sie bleibt grundsätzlich erlaubt, nur könnte sich der Chef dadurch zurückgewiesen fühlen. Die Entscheidung sollten Sie also gut abwägen.
Sonderfall: Das Party-Du
Wenn die Stimmung mit dem Alkoholpegel steigt, kommen sich Chef und Kollegen schnell näher – bis zum Duzen. Das Party-Du gilt jedoch nur vorerst! Wenn Sie sich am nächsten Morgen sehen, siezen Sie bitte zunächst wieder. Erwidert der Chef daraufhin verwundert und nüchtern: „Aber wir sind doch beim Du?!“, gilt das Du weiterhin. Entschuldigen Sie sich einfach, dass Sie das vergessen hatten. Erinnert sich der Chef hingegen nicht mehr, bleiben Sie bitte beim Sie.
Kann ich vom Du zurück zum Sie wechseln?
Schwierig. Laut Knigge-Regel bleibt einem nur eine Karenzzeit von 24 Stunden. Nachdem man eine Nacht darüber geschlafen hat, lässt sich ein Du noch zurücknehmen bzw. ablehnen. Natürlich nur extrem höflich und mit viel Taktgefühl. Zum Beispiel so:
- „Es ist mir furchtbar unangenehm, aber ich möchte doch lieber beim Sie bleiben. Ich fühle mich mit dem Du einfach unwohl. Und wir können doch sicher auch so gut zusammenarbeiten.“
Einen solchen Rückzug kann man sich aber nur am nächsten Tag leisten. Wer nach Wochen zurück zum Sie will, begeht einen Affront. Das lässt sich kaum anders als persönliche Abstandsgewinnung interpretieren. Bei manchen aufdringlichen Kollegen muss das vielleicht trotzdem sein. Rechnen Sie aber mit entsprechenden Konsequenzen: Gekränkte Seelen sind unberechenbar!
Nie vorschnell duzen!
Beachten Sie deshalb bei allen Benimmregeln: Nie vorschnell auf ein spontanes Du-Angebot eingehen und „Ja“ sagen. Gerade wenn Sie noch neu im Job oder in der Probezeit sind, können Sie diesen Trumpf perfekt ausspielen. Zum Beispiel mit der Begründung, dass Sie die Übergangszeit noch abwarten wollen:
- „Vielen Dank für das charmante Angebot. Mir wäre aber lieber, wir würden damit noch bis zum Ende meiner Probezeit warten, bis ich sicher weiß, ob wir auch künftig zusammen arbeiten werden.“
Falls Ihnen bis heute noch niemand das Du angeboten hat: Machen Sie sich keinen Kopf deswegen! Das muss nichts heißen. Fordern Sie das Duzen aber bitte auch niemals ein. Fragen Sie lieber subtil unter Kollegen nach: „Wie läuft das mit dem Duzen oder Siezen hier eigentlich?“ Mancher versteht den Wink mit dem Zaunpfahl vielleicht sogar…
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