Arbeiten auf einer Bohrinsel: Das Wichtigste in Kürze
Übersicht
- Bohrinseln sind technische Anlagen auf dem Meer, auf denen Öl oder Gas gefördert werden.
- Die Arbeitsbedingungen sind hart, dafür ist das Gehalt oft weit überdurchschnittlich.
- 12-Stunden-Schichten über mehrere Wochen sind normal, als Ausgleich gibt es längere freie Phasen an Land.
- Jobs auf Bohrinseln sind körperlich sehr belastend. Hinzu kommen Isolation, Lärm und schlechte Wetterbedingungen.
- Pflicht sind spezielle Sicherheitszertifikate und gute Englischkenntnisse.
Für manche ist das Arbeiten auf einer Bohrinsel unvorstellbar, andere sehen darin die Chance zu einem hochbezahlten Beruf in einem spannenden Arbeitsumfeld. Sie sollten unbedingt wissen, worauf Sie sich einlassen und was Sie mitbringen müssen.
Was ist eine Bohrinsel?
Eine Bohrinsel ist eine Offshore-Anlage zur Förderung von Erdöl oder Erdgas. Diese befinden sich meist weit vor der Küste im Meer. Es gibt verschiedene Bauformen: fest installierte Plattformen, schwimmende Anlagen oder Bohrschiffe.
Zunächst wird eine Bohrplattform eingesetzt, um ein Vorkommen zu erschließen. Sobald die Förderung läuft, übernimmt oft eine spezielle Produktionsplattform den Betrieb. Allein in der Nordsee gibt es rund 400 Bohrinseln, weltweit sind es etwa 3.000 solcher Offshore-Plattformen.
Voraussetzungen für die Arbeit auf einer Bohrinsel
Der Einstieg in Offshore-Jobs ist anspruchsvoll, denn Sicherheit und Belastbarkeit stehen an erster Stelle.
- Körperliche Fitness und Belastbarkeit
- Keine schweren gesundheitlichen Einschränkungen
- Bestandene medizinische Offshore-Tauglichkeitsprüfung
- BOSIET (Basic Offshore Safety Induction and Emergency Training)
- HUET (Helicopter Underwater Escape Training)
- MIST (Minimum Industry Safety Training)
- Technische Berufe
- Handwerk
- Ingenieurwesen
- Maritime Berufe
- Stressresistenz
- Disziplin
- Teamfähigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- Belastbarkeit (körperlich und psychisch)
1. Körperliche und gesundheitliche Eignung
Arbeiten auf einer Bohrinsel erfordert eine gute körperliche Verfassung. Typisch sind:
Viele der typischen Tätigkeiten auf Bohrinseln sind körperlich anspruchsvoll, weshalb Gesundheit ein entscheidendes Kriterium ist. Überzeugen Sie beim Gesundheitscheck nicht, haben Sie kaum eine Chance.
2. Sicherheitszertifikate
Das Arbeiten auf einer Bohrinsel ist an strenge Regularien gebunden. Sie müssen spezielle Schulungen zur Sicherheit absolvieren, um für eine Offshore-Tätigkeit infrage zu kommen. Zu den wichtigsten zählen:
Diese Zertifikate sind in der Branche Standard und verpflichtend. Kümmern Sie sich rechtzeitig um die entsprechenden Sicherheitszertifikate, um diese bei der Bewerbung bereits angeben zu können.
3. Sprachkenntnisse
Auf einer Bohrinsel arbeiten Sie in internationalen Teams mit unterschiedlichsten Nationen zusammen. Die Arbeitssprache ist fast überall Englisch und wird vorausgesetzt. Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihre Sprachkenntnisse getestet werden.
4. Fachliche Qualifikation
Für die Jobs auf einer Bohrinsel brauchen Sie fast immer eine entsprechende Ausbildung oder Berufserfahrung. Gefragt sind zum Beispiel:
Eine umfangreiche Liste mit Jobs auf einer Bohrinsel finden Sie weiter unten im Artikel. Teilweise gibt es auch Möglichkeiten für Quereinsteiger, um als Hilfs- oder Facharbeiter auf einer Bohrinsel einzusteigen.
5. Persönliche Eigenschaften
Sie sollten persönlich für die Arbeit auf einer Bohrinsel geeignet sein. Längst nicht jeder kommt mit den Arbeits- und Lebensbedingungen zurecht. Neben Fachwissen brauchen Sie deshalb hauptsächlich diese Eigenschaften:
Das Leben und Arbeiten auf engem Raum und unter harten Bedingungen verlangt viele soziale Kompetenzen und Anpassungsfähigkeit.
Aufgaben und Arbeitsalltag auf der Bohrinsel
Sie dürfen Offshore-Alltag nicht mit einem klassischen Job an Land vergleichen. Mit einem normalen Bürojob hat die Arbeit auf einer Bohrinsel kaum etwas gemeinsam.
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Schichtsystem und Arbeitszeiten
Für Tätigkeiten auf einer Bohrinsel müssen Sie sich auf lange Arbeitszeiten einstellen. Einen 9-to-5-Job werden Sie hier nicht finden. Typisch sind stattdessen 12-Stunden-Schichten für mehrere Wochen am Stück. Beispiel: Sie arbeiten für 14 Tage durchgehend in einer 12-Stunden-Schicht. Als Ausgleich haben Sie im Anschluss mehrere Wochen frei und verbringen die Zeit nicht auf der Bohrinsel, sondern zu Hause an Land.
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Arbeitsbedingungen
Die Bedingungen auf einer Bohrinsel gelten als besonders herausfordernd und gehören zu den schwierigsten Arbeitsumfeldern der Welt. Zu den größten Belastungen zählen: wenig Privatsphäre, soziale Isolation, wechselhafte Wetterbedingungen, hohe Sicherheitsanforderungen und die körperliche Last. Schwierig sind nicht nur Arbeits-, sondern auch die gesamten Lebensbedingungen. Außerhalb Ihrer Tätigkeit leben Arbeitnehmer auf einer Bohrinsel in kleinen Gemeinschaftsunterkünften. Der Platz ist begrenzt, teilweise gibt es aber ein Freizeitangebot für den Feierabend.
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Aufgaben
Da die Jobs auf einer Bohrinsel sehr unterschiedlich sind, unterscheiden sich auch die Aufgaben stark. Es gibt zahlreiche technische Aufgaben (Bohranlagen bedienen, Anlagen warten, Förderprozesse überwachen), organisatorische Aufgaben (Sicherheitskontrollen durchführen, Logistik koordinieren) und viele unterstützende Tätigkeiten (Verpflegung organisieren, Arbeiter medizinisch betreuen, Räume und Anlagen reinigen).
Welche Jobs gibt es auf einer Bohrinsel?
Oft wird unterschätzt, wie groß die Vielfalt an möglichen Jobs auf einer Bohrinsel ist. Sie müssen kein Experte aus der Öl- oder Gasindustrie sein, um eine Tätigkeit zu finden. Hier sind einige Beispiele für typische Jobs:
- Bohrarbeiter
- Bohrmeister
- Fördermeister
- Offshore-Monteur
- Ingenieur
- Elektrotechniker
- (Industrie-)Mechaniker
- Hydrauliktechniker
- Gerüstbauer
- IT-Techniker
- Chemiker
- Chemielaborant
- Geowissenschaftler
- Instrumentation Engineer
- Lagerist
- Supply Chain Manager
- Materialkoordinator
- Arzt
- Medizinische Fachangestellte
- Krankenpfleger
- Notfallsanitäter
- Koch / Küchenchef
- Küchenhilfe
- Reinigungskraft
- Wäschereipersonal
Berufe in der Bohrindustrie
Technische Berufe
Wissenschaftliche Berufe
Berufe in Logistik
Berufe in der Medizin
Berufe in Versorgung und Service
Karrierehierarchie auf einer Bohrinsel
Auf Bohrinseln gibt es oft eine klare Hierarchie. Der Karriereweg reicht von einfachen Einstiegsjobs bis zu Führungspositionen. Der typische Aufbau:
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Einstieg
Berufsanfänger oder Quereinsteiger starten als „Roustabout“. Hier lernen Sie die grundlegenden Abläufe kennen und entwickeln die Fähigkeiten, die Sie für die weitere Arbeit auf einer Bohrinsel benötigen. Sie können auch eine Ausbildung als Offshore-Trainee machen.
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Facharbeiter
Haben Sie bereits Erfahrung oder eine passende Ausbildung, steigen Sie auf Facharbeiterstufe ein. Als „Roughneck“ arbeiten Sie direkt am Bohrgestänge, der „Derrickman“ arbeitet hoch oben im Bohrturm, hinzu kommen verschiedene Techniker oder Ingenieure für reibungslose Abläufe an den Anlagen.
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Vorarbeiter
Vorarbeiter und Spezialisten übernehmen auf Bohrinseln erste Führungsverantwortung. Der „Assistant Driller“ ist typischerweise Stellvertreter des Bohrmeisters und überwacht den gesamten Bohrprozess. Als „Lead Technician“ sind Sie verantwortlich für das Wartungsteam und planen notwendige Reparaturen. Wichtig ist auch die Rolle als „HSE Supervisor“, hier überwachen Sie die Sicherheit und die Einhaltung von Vorschriften auf der Bohrinsel.
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Management
Im Management haben Sie eine wichtige Leitungsfunktion für ein Team. Der „Driller“ ist hauptverantwortlich für die Bohrung, führt das Team und steuert die Anlage. Als „Toolpusher“ sind Sie Leiter des gesamten Bohrpersonals, kümmern sich um die Schichten und agieren als Schnittstelle zum Management.
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Plattformleitung
Die höchste Karrierestufe auf einer Bohrinsel ist die Plattformleitung. Der „Offshore Installation Manager“ (OIM) ist die oberste Instanz und trägt die Gesamtverantwortung für alle Bereiche – Betrieb, Personal und Sicherheit. Er entscheidet bei Problemen oder Notfällen. Am Festland gibt es zusätzlich einen „Operations Manager“, der meist mehrere Plattformen koordiniert.
Gehalt: Wie viel verdient man auf einer Bohrinsel?
Für viele ein ausschlaggebendes Argument für die Arbeit auf einer Bohrinsel ist das Gehalt. Die Bezahlung ist sehr gut, schon Einstiegspositionen und Hilfsarbeiter werden anständig bezahlt. Unsere Übersicht zeigt einige Beispiele für das Gehalt auf einer Bohrinsel:
- Bohrhelfer: 45.000 bis 50.000 Euro
- Ingenieur: 75.000 bis 80.000 Euro
- Elektrotechniker: 55.000 bis 60.000
- Hilfskräfte: 30.000 bis 36.000 Euro
Teilweise werden Jobs für Bohrhelfer mit bis zu 3.000 Euro netto im Monat angeboten, andere Berufe bringen 4.500 Euro netto und mehr. Zusätzlich werden Kosten für die An- und Abreise übernommen. Zum Aufenthalt gehören auch die kostenlose Unterkunft und Verpflegung.
Warum ist die Bezahlung so hoch?
Das Gehalt ist Ausdruck der schwierigen Arbeitsbedingungen, der Sicherheitsrisiken und der langen Abwesenheit von zu Hause. Entsprechend verdienen Offshore-Beschäftigte teilweise deutlich mehr als vergleichbare Jobs an Land.
Vor- und Nachteile der Arbeit auf einer Bohrinsel
Für manche ist das Arbeiten auf einer Bohrinsel ein großer Wunsch, für andere kaum vorstellbar. Ein solch ausgefallener Job hat Vor- und Nachteile, die Sie kennen und abwägen sollten:
Vorteile
- Hohe Verdienstmöglichkeiten
Die Bezahlung liegt meist deutlich über dem Durchschnitt. - Lange Freizeitphasen
Nach Einsatzzeiten folgen mehrere Wochen frei. - Internationale Erfahrung
Sie arbeiten in internationalen Teams und erweitern Ihre Kompetenzen. - Geringe Kosten
Durch viele Zusatzleistungen haben Sie geringere Kosten durch Unterkunft, Verpflegung oder Anreisen.
Nachteile
- Physische und mentale Belastung
Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll und oft stressig. - Lange Abwesenheit
Mehrwöchige Einsätze bedeuten Trennung von Familie und Freunden. - Isolation
Das Leben auf engem Raum kann psychisch belastend sein. - Sicherheitsrisiken
Arbeiten auf einer Bohrinsel und mit schweren Maschinen birgt Risiken für Arbeitsunfälle.
FAQ: Häufige Fragen zum Arbeiten auf einer Bohrinsel
Wie finde ich einen Job auf einer Bohrinsel?
Der Einstieg erfolgt meist über spezialisierte Offshore-Unternehmen, Personaldienstleister oder Karriereseiten von Energie- und Förderfirmen. Idealerweise bringen Sie bereits eine passende Ausbildung, Berufserfahrung oder eine technische Qualifikation mit. Zusätzlich benötigen Sie verpflichtende Sicherheitszertifikate und eine Offshore-Tauglichkeitsprüfung. Viele Bewerber starten zunächst in Einstiegspositionen und arbeiten sich schrittweise nach oben.
Gibt es Altersgrenzen für Offshore-Jobs?
Eine feste Altersgrenze existiert in der Regel nicht. Entscheidend sind Ihre körperliche und gesundheitliche Eignung. Da die Arbeit körperlich anspruchsvoll ist, sind Offshore-Mitarbeiter häufig zwischen 20 und 50 Jahren alt. Ältere Fachkräfte finden primär in leitenden, technischen oder organisatorischen Rollen Beschäftigung.
Kann man ohne Erfahrung auf einer Bohrinsel arbeiten?
Ein direkter Einstieg ohne Erfahrung ist möglich, aber größtenteils nur in einfachen Hilfstätigkeiten wie Logistik, Reinigung oder als Bohrhelfer. Selbst für diese Positionen verlangen Arbeitgeber jedoch Sicherheitszertifikate und körperliche Fitness. Langfristig verbessern sich Ihre Karrierechancen deutlich durch Weiterbildung und praktische Offshore-Erfahrung.
Wie lange bleibt man am Stück auf einer Bohrinsel?
Die Einsatzdauer hängt vom Unternehmen und Einsatzgebiet ab. Typische Rotationsmodelle sind 2-4 Wochen Arbeit, gefolgt von einer langen Freizeitphase. In manchen Regionen dauern Einsätze auch bis zu 6 Wochen. Während dieser Zeit leben Sie vollständig auf der Plattform.
Wie ist das Leben auf einer Bohrinsel organisiert?
Das Leben ist stark strukturiert. Neben der Arbeit verbringen Sie Ihre Zeit in Gemeinschaftsbereichen wie Kantinen, Fitnessräumen oder Aufenthaltsräumen. Die meisten Plattformen bieten Internet, Freizeitangebote und medizinische Betreuung. Privatsphäre ist jedoch begrenzt, da Zimmer geteilt werden.
Ist die Arbeit auf einer Bohrinsel gefährlich?
Offshore-Arbeit gilt grundsätzlich als risikoreich, da sie mit schweren Maschinen, extremen Wetterbedingungen und komplexer Technik verbunden ist. Moderne Sicherheitsstandards und regelmäßige Trainings reduzieren die Risiken. Strenge Vorschriften sorgen dafür, dass Sicherheit oberste Priorität hat.
Wie läuft der Transport zur Bohrinsel ab?
Mitarbeiter gelangen meist per Helikopter oder Versorgungsschiff zur Plattform. Der Transport wird vom Arbeitgeber organisiert und ist kostenlos. Vor dem ersten Flug müssen Sie ein spezielles Sicherheitstraining für Notfälle absolvieren.
Wie wirkt sich Offshore-Arbeit auf das Privatleben aus?
Die langen Abwesenheitszeiten können Beziehungen und Familienleben belasten. Gleichzeitig profitieren viele Mitarbeiter von langen, zusammenhängenden Freizeitphasen, die sie flexibel nutzen können. Für Menschen mit starkem Bedürfnis nach Nähe und Alltag ist Offshore-Arbeit jedoch schwierig.
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