Was sind sympathische Schwächen im Vorstellungsgespräch?
Jeder Mensch hat Schwächen. Keine Bewerberin, kein Bewerber ist perfekt. Kleinere Defizite im Bewerbungsgespräch zuzugeben und sich damit ehrlich, selbstbewusst und konstruktiv auseinanderzusetzen, macht Kandidaten nicht nur menschlicher und authentischer, sondern auch glaubwürdiger und sympathischer.
Sympathische Schwächen sind zwar immer echte, aber nie jobkritische Unzulänglichkeiten, die Sie menschlicher wirken lassen und mit denen Sie – nachvollziehbar – eine persönliche Entwicklung zeigen. Für die angestrebte Position dürfen Sie jedoch nicht weiter relevant sein oder Ihre beruflichen Leistungen beeinträchtigen. Es sollten keine „Killer-Schwächen“ sein, wie etwa mangelnde Konflikt- oder Teamfähigkeit oder fehlenden Lernbereitschaft!
Psychologie: Warum überhaupt Schwächen nennen?
Eigene Schwächen zuzugeben, beweist nicht nur, dass Sie ein selbstreflektierter Mensch sind, der an sich arbeitet und deshalb großes Potenzial mitbringt. Gleichzeitig wirkt im Vorstellungsgespräch der sogenannte Pratfall-Effekt: Kleine Fehler und Makel machen Menschen sofort nahbarer und sympathischer, eine scheinbar fehlerfreie Fassade führt hingegen zu Abneigung.
Warum fragen Personaler nach Schwächen?
Mit der Frage nach den Schwächen im Vorstellungsgespräch wollen Personaler vor allem herausfinden, wie ehrlich, authentisch und selbstreflektiert ein Bewerber ist und ob er oder sie bereits an einer Lösung arbeitet. Die Frage nach den Schwächen zählt zugleich zu den Stressfragen im Interview, sodass es auch ein Test sein kann, wie Kandidaten unter Stress reagieren.
Liste: Was sind Beispiele für sympathische Schwächen?
In der Vorstellungsgespräch Vorbereitung sollten Sie grundsätzlich auswählen, welche Schwächen für die angestrebte Stelle irrelevant sind bzw. ein Problem sein könnten. Das variiert von Beruf zu Beruf teils erheblich – Beispiele:
Schwäche Beispiel |
Beruf |
Bewertung |
| Probleme mit der Rechtschreibung | Mechatroniker | sympathisch |
| Probleme mit der Rechtschreibung | Führungskraft | problematisch |
| Redeangst vor Gruppen | Programmierer | sympathisch |
| Redeangst vor Gruppen | Pressesprecher | problematisch |
| Geringe Englischkenntnisse | Pflegefachkraft | sympathisch |
| Geringe Englischkenntnisse | Int. Vertrieb | problematisch |
Sympathische Schwächen Beispiele
Ansonsten können Sie sich an der folgenden Liste mit Beispielen für sympathische Schwächen orientieren, die Sie in den meisten Fällen nennen können – idealerweise verbunden mit ersten Maßnahmen wie Tools oder Coachings, mit denen Sie bereits an der Schwäche arbeiten…
- Schwache Rechtschreibung oder Grammatik
- Rudimentäre Fremdsprachenkenntnisse
- Schwächen in Mathematik oder Kopfrechnen
- Schwaches räumliches Vorstellungsvermögen
- Schlechter Orientierungssinn
- Mangelhaftes Namengedächtnis
- Geringes technisches Verständnis
- Wenige Erfahrungen mit bestimmter Software
- Schlechte rhetorische Fähigkeiten
- Eingeschränkte Kreativität
- Tendenziell grobmotorische Fähigkeiten
- „Ich bin manchmal unorganisiert und leicht chaotisch – und arbeite deshalb mit To-Do-Listen.“
- „Ich verzettele mich gelegentlich in Details – und setze mir daher bewusst Deadlines.“
- „Ich bin kein Morgenmensch und brauche etwas Anlaufzeit – bin dafür aber später zu 100% zuverlässig.“
- „Ich bin manchmal etwas tollpatschig – nehme das aber mit Humor und korrigiere meine Fehler natürlich sofort.“
- „Ich bin tendenziell introvertiert und brauche Pausen für mich – in den bin ich aber hochkonzentriert und effektiv.“
- „Ich brauche etwas länger beim Umstieg auf neue Tools – lerne jedoch sehr systematisch.“
- „Ich habe so viele Ideen, dass ich manchmal den roten Faden verliere – deshalb sammle ich diese inzwischen in einem Notizbuch.“
- „Ich bin in Gruppen eher zurückhaltend bis schüchtern – bin dafür aber stark im 1:1-Gespräch.“
- „Ich bin bei Präsentationen sehr nervös – arbeite aber an meiner Rhetorik.“
- „Ich neige dazu, mit zu überfordern – arbeite aber daran, meine Grenzen besser einzuschätzen.“
- „Ich nehme Kritik schnell persönlich – lernst aber gerade, Feedback mehr als Chance zu sehen.“
- „Ich werde schnell ungeduldig – versuchst aber aktiv, mehr Gelassenheit zu trainieren.“
- „Ich bin sehr hilfsbereit und vernachlässige dadurch teils eigene Aufgaben – lerne jedoch gerade bessere Prioritäten zu setzen.“
Liste mit allgemeinen, sympathischen Schwächen
Sympathische Schwächen in der Arbeitsweise
Sympathische Schwächen im Umgang mit Menschen
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Adjektive für sympathische Schwächen
Sie können kleinere, persönliche Defizite ebenso mit Adjektiven im Vorstellungsgespräch umschreiben und nennen. Idealerweise schränken Sie diese nochmal mit Begriffen wie „manchmal“, „teilweise“ oder „gelegentlich“ ein:
- leicht lärmempfindlich
- bisweilen introvertiert
- manchmal unentschlossen
- leicht chaotisch
- mitunter zögerlich
- teils impulsiv
- gelegentlich zu skeptisch
- oft zu gutmütig
- zeitweise ungeduldig
Was sind Beispiele für unsympathische Schwächen?
Wie bei allen Stärken und Schwächen macht auch hier wieder die Dosis das Gift. Sympathische Schwächen lassen sich immer durch einfache Maßnahmen kurzfristig ausgleichen. Gelingt das nicht mehr oder haben die Schwächen echtes Störpotenzial für den Betriebsfrieden und die Teamarbeit werden Sie unmittelbar unsympathisch und damit zum Bewerbungskiller.
Folgende „Schwächen“ und Beispiele sollten Bewerber auf keinen Fall nennen – definitiv nicht mehr sympathisch:
- Häufiges Verschlafen
- Große Vergesslichkeit
- Fehlende Eigeninitiative
- Starkes Konkurrenzdenken
- Hang zu cholerischen Ausbrüchen
- Mangel an Empathie
- Wenig Lust auf Teamarbeit
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Wie sollte auf die Frage nach den Schwächen antworten?
Fragen zu den Stärken und Schwächen gibt es in nahezu jedem Vorstellungsgespräch. Insbesondere mit den Schwächen tun sich viele Bewerberinnen und Bewerber schwer. Wir empfehlen hierfür schon seit Jahren eine 3-teilige Antwort-Formel nach folgendem Muster „Schwäche – Aktion – Veränderung“:
-
Situation schildern
Nennen Sie zuerst ehrlich und authentisch eine oder maximal zwei sympathische Schwächen, etwa: „Deshalb neige ich, mich vor größeren Gruppen oder in Meetings unsicher zu fühlen.“
-
Gegenmaßnahme nennen
Anschließend erwähnen Sie sofort eine Aktion, mit der Sie bereits an dieser Schwäche arbeiten, zum Beispiel: „Um selbstsicherer zu werden, habe ich vor 3 Wochen einen Rednerkurs bei einem namhaften Coach belegt.“
-
Positive Entwicklung zeigen
Im dritten Schritt sollten Sie eine erste positive Veränderung nennen, die die Schwäche zu einem Erfolg macht, etwa: „Das hat bereits dazu geführt, dass ich mich häufiger zu Wort melde.“
Wichtig ist, dass keine Dinge erfinden, sondern ruhig 1-2 Schwächen ehrlich zugeben und zeigen, dass und wie Sie damit reflektiert und konstruktiv umgehen. Gleichzeitig dürfen die genannten Schwächen kein relevantes Einstellungskriterium sein.
Beispiele und Formulierungen für den Umgang mit Schwächen
- „Es fällt mir manchmal schwer, meine Meinung in großer Runde zu vertreten. Deshalb suche ich mir neuerdings im Vorfeld Kollegen, die ich im 4-Augen-Gespräch überzeuge und die mich später im Meeting unterstützen.“
- „Eine meiner Schwächen ist, dass ich manchmal zu direkt bin. Kollegen schätzen zwar meine Ehrlichkeit, mir fehlt es aber zuweilen noch an der richtigen Diplomatie. Deshalb arbeite ich bewusst daran, meine Einschätzungen sensibler zu formulieren, ohne meine Aufrichtigkeit zu verlieren.“
- „Eine starke Geräuschkulisse wie im Großraumbüro macht mir schnell Probleme. Deshalb habe ich mir Gegenschall-Kopfhörer gekauft. Den Tipp gab mir eine Kollegin. Damit habe ich das praktisch im Griff und kann mich besser konzentrieren.“
- „Gelegentlich neige ich zum Chaos auf meinem Schreibtisch. Um den Überblick zu behalten, habe ich die To-Do-Liste für mich neu entdeckt: Seit ich diese Listen jeden Morgen anfertige, priorisiere und abarbeite, bin ich strukturierter und produktiver.“
Welche Fehler sollte ich in der Antwort vermeiden?
-
Leugnen
Selbstbewusstsein schlägt leicht in Arroganz um, wenn Bewerber behaupten, keine Schwächen zu haben. Nobody is perfect! Wer Schwächen leugnet, wirkt sofort unglaubwürdig und unsympathisch. Überlegen Sie also immer schon im Vorfeld, was Sie auf die Frage antworten könnten.
-
Umetikettieren
Ein angeblicher Trick soll sein, Schwächen zu nennen, die eigentlich Stärken sind – also etwa besonders hohe Sorgfalt oder Perfektionismus. Das ist aber Quatsch. Erstens kennen Personaler solche Manöver; zweitens kann Perfektionismus dazu führen, dass Betroffene nie Deadlines einhalten.
-
Herumalbern
Eine weitere beliebte Strategie: mit Humor antworten – z.B. mit „Schokolade“, „Schuhe“ oder „Katzenbabys“. Auch das macht nicht sympathisch, sondern entlarvt eher einen unreifen Charakter, zumal der Arbeitskontext komplett fehlt.
Entscheidend ist allein, dass Sie eine ehrliche und reflektierte Antwort geben und darin einen lösungsorientiert Umgang mit Ihren Defiziten hervorheben. So werden daraus automatisch sympathische Schwächen!
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