Es ist schrecklich, was gestern in Duisburg auf der Loveparade passiert ist. Nach aktuellem Stand sind dabei 21 Menschen gestorben und mehr als 500 verletzt worden. Nun beginnen Analyse und Ursachenforschung, die Suche nach den Schuldigen (so es welche gibt) und die Trauerarbeit. Auch unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.
Doch trotz der tragischen Ereignisse kommt man nicht umhin festzustellen, dass es leider immer wieder zu solchen Massenpaniken kommt. Sei es in Diskotheken, in Fußballstadien (wie etwa 1989 im Hillsborough-Stadion im englischen Sheffield) oder wie jedes Jahr wieder in Mekka, wenn zu viele Pilger dicht an dicht zum selben Ziel drängen. Dann sitzen die Betroffenen plötzlich in einer Art Menschenfalle. Es gibt kein vor und zurück mehr. Der Druck steigt. Panik bricht aus. Die Menschen reagieren hysterisch, unkontrolliert, unkoordiniert – und plötzlich schwebt man in Lebensgefahr, entweder nieder- und zu Tode getrampelt zu werden oder im Gedränge zu ersticken.
Was bei diesen sogenannten Massenpaniken tatsächlich passiert, fühlt sich jedoch selten direkt wie eine Panik an (siehe auch Video). Eher ist es vergleichbar mit dem Verlust von Orientierung und Organisation und einem Aussetzen der Intelligenz der Masse. Die hochverdichtete Menschenmenge setzt sich ziellos in Bewegung, auch wenn keiner weiß wohin. Andere sitzen fest, kommen weder vor noch zurück. Das ungute Gefühl steigt auf: Irgendwas stimmt hier nicht. Ebenso Fragen wie: Was ist hier los? Warum geht es nicht weiter? Bei manchen macht sich dann abrupt Beklemmung breit, Fluchtreflexe werden ausgelöst. Und in dieser hochexplosiven Stimmung reicht es dann schon, wenn zunehmend mehr Menschen eine drohende Gefahr spüren – auch wenn keiner weiß, woher oder was wirklich so bedrohlich ist. Dann will keiner mehr abwarten oder stehenbleiben. Alle schieben und drängen – egal, wohin. Der physische Druck, der dabei auf einem Einzelnen lastet, kann schnell das Gewicht einer Tonne übersteigen. Dazu reichen laut Desaterforschern schon 50 Menschen, die von hinten schieben.
Da man selbst leicht in eine solche Situation kommen kann, insbesondere wenn man gerne zu Großveranstaltungen geht, haben wir uns gefragt: Was kann man tun, wenn man selbst in eine Massenpanik gerät? Wie kann man der Menschenfalle entfliehen und sein Leben (und das von anderen retten)?
Im Internet gibt es einige Tipps dazu. Die wichtigsten sind etwa: sich rechtzeitig zu informieren, wo die Notausgänge sind. Sobald echte Gefahr erkennbar wird, ruhig aber zielstrebig dorthin gehen. Nicht versuchen, gegen die Masse zu arbeiten – das verschlimmert alles nur noch. Aber auch für die Situation selbst wird am meisten zu Folgendem geraten:
- Lassen Sie sich nicht anstecken und versuchen Sie selbst stets ruhig zu bleiben. Bloß nicht kopflos losrennen! Versuchen Sie lieber Ihre Ruhe auch durch Stimme und Gestik auszudrücken und tragen Sie so zur Deeskalation in Ihrer unmittelbaren Umgebung bei.
- Beruhigen Sie die Menschen um sich herum – auch im Eigeninteresse. Versuchen Sie gleichzeitig eine psychologische (!) Gegenwelle zu starten, indem Sie andere bitten ebenfalls beruhigend auf ihr Umfeld einzuwirken. Appellieren Sie an deren Vernunft und Verantwortung für die Menschen um sie herum. Aber ruhig! Bitten Sie diese Menschen um Mithilfe oder fragen Sie konkret: “Was können wir tun, um die Situation zu entschärfen?”
- Falls Sie an eine Wand oder Säule gedrängt werden, versuchen Sie sich seitlich zu stellen. Niemals mit der Brust oder dem Rücken zur Wand! So bleibt ihnen auch bei steigendem Druck noch die Chance, zu atmen.
- Wenn Sie selbst in Panik geraten, sprechen Sie das aus und bitten Sie jemanden in unmittelbarer Umgebung um Hilfe. Manchmal reicht es schon, wenn Sie der- oder diejenige in den Arm nimmt und verbal Mut zuspricht.






