Extraversion: Bedeutung, Merkmal + Big Five

Extrovertierte Menschen suchen gerne den Austausch oder die Bühne, gehen auf Fremde leicht zu und fühlen sich unter vielen Menschen wohl. In der Psychologie heißt das Persönlichkeitsmerkmal „Extraversion“ und gehört zu den Big Five – den fünf zentralen Charaktermerkmalen. Wir erklären, was extrovertiert genau bedeutet, welche Merkmale typisch sind und warum Extraversion weder automatisch Lautstärke noch Selbstbewusstsein bedeutet…

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Was bedeutet Extraversion?

Extrovertiert bzw. extravertiert zu sein, bedeutet, dass sich die Person vergleichsweise stark nach außen orientiert. Extrovertierte haben Freude an sozialen Kontakten, Aktivität, Geselligkeit und bringen sich aktiv ins Geschehen oder in Gespräche ein. Zu dem Persönlichkeitsmerkmal gehören neben Kontaktfreude und Gesprächigkeit ebenfalls Durchsetzungskraft, ein höheres Aktivitätsniveau sowie die Tendenz zum Optimismus.

Extrovertiert sein, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit „laut sein“. Auch ein ruhiger Mensch kann gerne Kontakte knüpfen oder tiefe Gespräche führen. Umgekehrt kann jemand selbstbewusst auftreten, ohne besonders extravertiert zu sein.

Extrovertiert oder extravertiert – was ist richtig?

Der psychologische Fachbegriff lautet „Extraversion“, entsprechend heißt es fachsprachlich „extravertiert“. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch „extrovertiert“ durchgesetzt. Beide Schreibweisen sind richtig und erlaubt. Der Begriff geht auf das Lateinische „extra“ für „außen“ und „vertere“ für „wenden“ zurück. Der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung machte Extraversion und Introversion Anfang des 20. Jahrhunderts als Persönlichkeitsmerkmale populär.

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Psychologie: Extraversion bei den Big Five

Extraversion ist eine der fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen im Big-Five-Modell. Die englischen Anfangsbuchstaben bilden das Akronym OCEAN:

  1. O – Offenheit (Openness)
  2. C – Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)
  3. E – Extraversion (Extraversion)
  4. A – Verträglichkeit (Agreeableness)
  5. N – Neurotizismus (Neuroticism)

Die Big Five sind jedoch keine Persönlichkeitstypen! Extraversion wird auf einer Skala gemessen: Hohe Werte stehen für eine stärker nach außen gerichtete, aktive und kontaktorientierte Persönlichkeit. Niedrige Werte entsprechen einer stärkeren Introversion. Introversion und Extraversion sind daher keine getrennten Eigenschaften, sondern unterschiedliche Ausprägungen derselben Persönlichkeitsdimension.

Ist Extraversion angeboren?

Die Eigenschaft ist zum Teil angeboren, ein „Extrovertiert-Gen“ gibt es aber nicht. Gene beeinflussen unsere Persönlichkeit – sie schreiben diese jedoch nicht vollständig fest. Erfahrungen, Alter, Umwelt und persönliche Entwicklung wirken ebenfalls auf die Ausprägung und das Verhalten.

Welche Merkmale haben extrovertierte Menschen?

Eine hohe Extraversion zeigt sich vor allem darin, dass Betroffene häufiger sozialen Kontakt suchen und diesen auch aktiv gestalten. Sie warten also weniger darauf, angesprochen zu werden, sondern ergreifen selbst die Initiative.

Typische Eigenschaften sind:

  • kontaktfreudig und gesellig
  • gesprächig und mitteilsam
  • aktiv und energiegeladen
  • begeisterungsfähig
  • sozial initiativ
  • durchsetzungsorientiert
  • offen für äußere Anregung

Nicht jedes dieser Merkmale muss gleich stark ausgeprägt sein. Persönlichkeit besteht aus Abstufungen. Ein extrovertierter Mensch kann beispielsweise gerne unter Leuten sein, ohne ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen.

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Extrovertiert oder introvertiert: Was ist der Unterschied?

Der Gegenpol einer hohen Extraversion ist Introversion. Introvertierte Menschen bevorzugen kleinere Gruppen oder ruhigere Umgebungen und werden oftmals von anderen als still oder zurückgezogen erlebt.

Extrovertiert

Introvertiert

sucht den Austausch bevorzugt Ruhe
ergreift die Initiative beobachtet lieber
spricht Gedanken aus verarbeitet Gedanken zuerst
mag lebhafte Situationen bevorzugt weniger Reize
sucht und liebt die Bühne hält sich eher im Hintergrund

Wichtig: Keiner der beiden Pole ist grundsätzlich besser. Welche Ausprägung Vorteile bietet, hängt allein von Ihrer Aufgabe, Ihrem Umfeld und den persönlichen Bedürfnissen ab.

Was bedeutet ambivertiert?

Die meisten Menschen liegen eher in der Mitte der Extraversionsskala. Umgangssprachlich werden sie als ambivertiert bezeichnet. Sie können also etwa gesellige Abende genießen und gleichzeitig viel Ruhe brauchen oder beruflich äußerst kommunikativ sein und privat Zurückgezogenheit bevorzugen. Ambiversion ist im Big-Five-Modell kein zusätzlicher Persönlichkeitstyp. Sie bezeichnet lediglich eine mittlere Ausprägung der Extraversion bzw. Introversion.

Introvertiert ist nicht schüchtern

Introversion und Schüchternheit werden häufig verwechselt. Schüchternheit bezeichnet Unsicherheit oder Hemmungen in sozialen Situationen. Introversion beschreibt dagegen ein geringeres Bedürfnis nach sozialer Stimulation. Deshalb können Introvertierte ausgesprochen souverän auftreten – und Extrovertierte ebenso schüchtern sein.

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Welche Vor- und Nachteile hat Extraversion?

Eine hohe Ausprägung kann in vielen sozialen Situationen von Vorteil sein. Dieselben Tendenzen können jedoch Nachteile haben, wenn sie nicht zur Situation passen:

Vorteile

Nachteile

leicht Kontakte knüpfen zurückhaltende Menschen überrollen
hohe soziale Initiative anderen zu wenig Raum geben
sichtbares Auftreten Aufmerksamkeit suchen
Freude an Austausch Ruhephasen unterschätzen
leichteres Netzwerken vorschnelles Handeln

Hohe Extraversion wirkt am besten mit ausgeprägter Selbstregulation: Wer Initiative zeigt und zugleich beobachten, zuhören und sich zurücknehmen kann, nutzt die Stärke optimal aus.

Ist Extraversion im Beruf ein Vorteil?

Extraversion hilft, aber nicht überall. Studien zeigen zwar einen positiven Zusammenhang zwischen Extraversion und Erfolg in Bewerbung, Ausbildung und Beruf. Das gilt aber vor allem für Tätigkeiten, in denen soziale Interaktion, sichtbares Auftreten und häufige Kommunikation eine große Rolle spielen. Beispiele:

Arbeitsbereich

Vorteile

Vertrieb Leichter Kunden ansprechen und Beziehungen aufbauen
Networking Aktiv neue berufliche Kontakte knüpfen
Führung Sichtbar auftreten und Gruppen aktiv beeinflussen
Beratung Häufiger Austausch und direkte Kommunikation
Präsentation Größere Bereitschaft, öffentlich aufzutreten

Ein allgemeiner Erfolgsfaktor ist die Eigenschaft aber nicht. Für viele Aufgaben bleiben Fachkompetenz, Intelligenz sowie organisatorische wie analytische Fähigkeiten mindestens genauso wichtig.

Sind Extrovertierte bessere Führungskräfte?

Jein. Extraversion hilft, als Führungspersönlichkeit wahrgenommen zu werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Extrovertierte automatisch bessere Chefs wären. Sichtbarkeit, Energie und Durchsetzungsvermögen erleichtern es zwar, Führung zu übernehmen. Gute Führung verlangt aber zusätzlich Empathie, Urteilsvermögen und Entscheidungsfreude.

Kann ich extrovertierter werden?

Zunächst: Sie müssen Ihre Persönlichkeit nicht verändern, nur weil Sie introvertiert sind! Beides ist vollkommen okay. Bestimmte extravertierte Verhaltensweisen lassen sich jedoch trainieren. Bewährt haben sich hierfür vor allem kleine Schritte:

  • Gespräche beginnen
    Überwinden Sie sich und sprechen Sie selbst jemanden an.
  • Meinung äußern
    Bringen Sie sich in Meetings oder Gruppen ein und sagen Sie Ihre Meinung.
  • Smalltalk üben
    Nutzen Sie einfache Fragen als Gesprächsöffner.
  • Initiative zeigen
    Übernehmen Sie gelegentlich Aufgaben mit mehr sozialem Kontakt.
  • Komfortzone erweitern
    Steigern Sie die Herausforderung schrittweise und wagen Sie z.B. einen Vortrag.

Ein sinnvolles Ziel ist schon ein größeres Verhaltensrepertoire. So können Sie bei Bedarf stärker nach außen treten, ohne Ihre natürliche Persönlichkeit abzulehnen.

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