Reframing: Bedeutung, Methode + 7 Beispiele

Reframing bedeutet, einer Situation, einem Verhalten oder einem Gedanken einen neuen Deutungsrahmen zu geben. Nicht das Ereignis selbst wird verändert, sondern dessen Bewertung: Aus „Ich bin gescheitert“ wird reframt ein „Jetzt weiß ich, was nicht funktioniert“. Die psychologische Methode wird unter anderem in systemischer Beratung und Coaching eingesetzt. Wir erklären Reframing – mit sieben Beispielen und praktischen Übungen für Alltag und Beruf…

Reframing Definition Bedeutung Beispiele Tipps

Einfach erklärt: Was ist Reframing?

Reframing ist eine Methode, bei der eine Situation, ein Verhalten oder ein Glaubenssatz bewusst in einen anderen Bedeutungszusammenhang gestellt wird. Der englische Begriff „Reframing“ bedeutet wörtlich „neu rahmen“ bzw. „einen neuen Rahmen geben“. Die Idee dahinter: Ereignisse haben für uns nicht nur eine sachliche Ebene – wir interpretieren und bewerten sie. Verändert sich diese Einordnung, kann dieselbe Situation anders wirken und neue Reaktionen oder Handlungsoptionen eröffnen.

Ein einfaches Beispiel: Sie machen bei einer Präsentation einen Fehler. Ihre spontane Bewertung lautet: „Das war peinlich.“ Wer dieselbe Situation reframt sagt stattdessen: „Der Fehler zeigt mir, was ich beim nächsten Mal besser machen kann.“ Das Missgeschick bleibt bestehen, erhält aber eine neue Bedeutung.

Reframing bedeutet allerdings nicht, alles positiv zu sehen. Die alternative Interpretation sollte schon plausibel sein. Dann aber hilft sie Ihnen, konstruktiver oder differenzierter zu denken.

Reframing oder Perspektivwechsel – was ist der Unterschied?

Perspektivwechsel und Reframing sind enge Verwandte, aber nicht identisch: Beim Perspektivwechsel verändern Sie vorrangig Ihren Standpunkt, von dem aus Sie eine Situation betrachten. Beim Reframing verändern Sie deren Deutungsrahmen. Beide Ansätze können sich ergänzen: Ein anderer Standpunkt liefert häufig neue Informationen, die anschließend eine neue Bewertung ermöglichen.

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Wie funktioniert die Reframing-Methode?

Der erste Schritt besteht darin, Ereignis und Interpretation voneinander zu trennen. „Ich habe eine Jobabsage bekommen“ beschreibt zunächst eine Tatsache. „Ich bin beruflich nicht gut genug“ ist dagegen eine Schlussfolgerung. Womöglich sogar eine falsche. Prüfen Sie deshalb zunächst: Was ist tatsächlich passiert – und welche Bedeutung gebe ich dem Geschehen? Anschließend suchen Sie nach weiteren Erklärungen oder Zusammenhängen, die ebenfalls mit den Fakten vereinbar sind.

Aus der Jobabsage könnte beispielsweise werden: „Mein Profil hat zu dieser Position nicht gepasst. Ich bewerbe mich in Zukunft zielgenauer.“ Die erste Enttäuschung verschwindet dadurch natürlich nicht, aber aus einem pauschalen Urteil über die eigene Person entsteht mit der Umdeutung ein konkreter Ansatzpunkt.

Reframing verändert nicht die Wirklichkeit. Es erweitert aber Ihren Interpretationsspielraum und kann Ihnen dadurch neue Chancen eröffnen.

Reframing: 7 Beispiele aus Alltag und Beruf

Die Methode lässt sich auf zahlreiche Ereignisse oder Verhaltensweisen anwenden. Entscheidend ist, dass die neue Einordnung nachvollziehbar bleibt:

Erste Bewertung

Mögliches Reframing

„Die Jobabsage beweist, dass ich nicht gut genug bin.“ „Diesmal hat mein Profil nicht überzeugt. Ich kann daraus Hinweise für die nächste Bewerbung gewinnen.“
„Mein Chef kritisiert mich.“ „Er kritisiert nur einen Fehler, nicht meine Person.“
„Ich bin komplett gescheitert.“ „Ich kenne eine Schwachstelle, die ich korrigieren kann.“
„Das Projekt ist eine Vollkatastrophe.“ „Wir sollten bisherige Annahmen und Lösungen nochmals prüfen.“
„Ich bin viel zu vorsichtig.“ „Bei Entscheidungen mit hohen Risiken wäge ich umso gründlicher ab.“
„Jetzt muss ich noch einmal von vorn anfangen.“ „Beim zweiten Versuch starte ich mit mehr Erfahrung als beim ersten.“
„Immerzu widerspricht mir der Kollege.“ „Seine Einwände zeigen Schwachstellen, bevor sie zum Problem werden.“

Alle diese Beispiele zeigen: Beim Reframing wird ein Nachteil nicht einfach zum Vorteil erklärt. Stattdessen wird die erste Bewertung um eine weitere mögliche Lesart ergänzt.

Reframing-Beispiel: 600.000 Dollar Lehrgeld

Eine bekannte Management-Anekdote wird dem früheren IBM-Chef Thomas J. Watson zugeschrieben: Ein Mitarbeiter hatte durch einen Fehler einen Verlust von rund 600.000 Dollar verursacht. Als er damit rechnete, entlassen zu werden, soll Watson sinngemäß geantwortet haben: „Warum sollte ich Sie entlassen? Ich habe gerade 600.000 Dollar in Ihre Ausbildung investiert.“

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Welche Arten von Reframing gibt es?

Häufig werden zwei Grundformen unterschieden: Bedeutungsreframing und Kontextreframing. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen an:

Art

Bedeutung

Bedeutungsreframing Eine Situation oder ein Verhalten erhält im selben Zusammenhang eine andere Interpretation.
Kontextreframing Eine Eigenschaft oder ein Verhalten wird in einem anderen Zusammenhang betrachtet, in dem es nützlich oder angemessen sein kann.

Beim Bedeutungsreframing könnte aus „Mein Kollege stellt nervige, kritische Fragen“ beispielsweise werden: „Der Kollege will mir helfen, mögliche Schwachstellen zu entdecken.“ Beim Kontextreframing lautet die zentrale Frage dagegen: „In welcher Situation könnte diese Eigenschaft hilfreich sein?“ Wer etwa sehr skeptisch ist, kann bei wichtigen Entscheidungen Risiken frühzeitig erkennen.

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Was ist Reframing in der systemischen Beratung?

Reframing gehört zum klassischen Methodenrepertoire der systemischen Beratung und Therapie. Dabei werden Beschreibungen und Bewertungen nicht als einzig mögliche Wirklichkeit behandelt. Durch einen veränderten Bedeutungsrahmen können andere Sicht- und Handlungsoptionen entstehen. Beispiel: Ein Mitarbeiter wird als „stur“ beschrieben. Eine mögliche Umdeutung lautet: „Er bleibt auch bei Widerstand hartnäckig an einer Sache dran.“ Damit wird das problematische Verhalten nicht bestritten. Die Eigenschaft erhält jedoch eine zusätzliche Bedeutung.

Im systemischen Ansatz geht es in erster Linie darum, Klienten alternative Deutungen anzubieten und gemeinsam zu überprüfen, was davon passt. Reframing ist deshalb eine gern genutzte Methode im Coaching, in der Kommunikation oder in der Pädagogik – bei Kindern wie Erwachsenen.

Wie kann ich Reframing üben?

Für eine einfache Reframing-Übung brauchen Sie nur Papier und Stift. Schreiben Sie zunächst möglichst sachlich auf, was passiert ist. Notieren Sie darunter Ihre spontane Bewertung und trennen Sie damit Beobachtung und Interpretation. Suchen Sie anschließend nicht sofort nach der „positiven Seite“, sondern nach weiteren möglichen Interpretationen. Nutzen Sie hierfür etwa diese Reframing-Fragen:

  • Welche andere Bedeutung könnte die Situation haben?
  • Was könnte ich daraus lernen?
  • Welche Information übersehe ich möglicherweise?
  • Welche andere Erklärung ist ebenfalls denkbar?
  • In welchem Zusammenhang könnte dieses Verhalten sinnvoll sein?
  • Wie werde ich die Situation in einem Jahr beurteilen?
  • Was würde ich einem Freund in derselben Lage raten?

Prüfen Sie jetzt Ihre Antworten: Welche alternative Deutung passt tatsächlich zu den bekannten Fakten und eröffnet zugleich eine hilfreiche Handlungsoption? Genau diese Kombination macht ein gutes Reframing aus!

Wo liegen die Grenzen von Reframing?

Reframing ist kein Schönreden. Darf es auch nicht sein. Ein schlechtes Ergebnis bleibt ein schlechtes Ergebnis, verletzendes Verhalten wird durch eine andere Interpretation nicht akzeptabel und unangenehme Gefühle müssen nicht verschwinden. Problematisch wird die Methode daher, wenn Tatsachen geleugnet, Emotionen verdrängt oder Fehlverhalten entschuldigt werden. Wer beispielsweise Mobbing als „Chance für persönliches Wachstum“ umdeutet, übersieht definitiv notwendige Grenzen.

Ebenso wenig müssen Sie in jedem Rückschlag zwanghaft etwas Positives entdecken. Eine solche Haltung kann in Richtung toxische Positivität gehen. Ein hilfreicher neuer Rahmen muss deshalb immer zwei Bedingungen erfüllen: Er sollte mit den Tatsachen vereinbar sein und zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Die beste Umdeutung ist nicht die schönste, sondern diejenige, die Sie eine Situation realistischer, differenzierter oder konstruktiver betrachten lässt.


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