Was ist der Unterschied zwischen Erfolg und Nicht-Erfolg? Ganz einfach: 10.000 Stunden. Allerdings 10.000 harte Stunden, bestehend aus Fleiß, Disziplin, Ausdauer. Die These vertritt zum Beispiel Malcolm Gladwell, dessen neuer Bestseller „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ nächste Woche Donnerstag auf deutsch erscheint. Jedoch stammt die These nicht von Gladwell selbst, sondern vielmehr von dem US-Neurologen Daniel Levitin von der McGill Universität in Montreal. Der stellte die sogenannte 10.000-Stunden-Regel auf, als er herausfand, dass sich jeder mit einer Sache mindestens 10.000 Stunden beschäftigen müsse, bevor er über die nötigen Kenntnisse verfüge, um in seinem Bereich überhaupt zur Weltspitze gehören zu können. Zitat:
“Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything. In study after study, of composers, basketball players, fiction writers, ice skaters, concert pianists, chess players, master criminals, and what have you, this number comes up again and again. Ten thousand hours is the equivalent to roughly three hours per day, or twenty hours per week, of practice over ten years. Of course, this doesn’t address why some people don’t seem to get anywhere when they practice, and why some people get more out of their practice sessions than others. But no one has yet found a case in which true world-class expertise was accomplished in less time. It seems that it takes the brain this long to assimilate all that it needs to know to achieve true mastery.”
[Quelle: Daniel Levitin : “This is Your Brain on Music”]
Egal, ob als Musiker, Sportler oder Geschäftsmann – hinter jedem Erfolg stehen zu einem Gutteil Blut, Schweiß und Tränen. Untermauert wird die These übrigens auch durch Untersuchungen des Psychologen K. Anders Ericsson, heute Professor an der Florida State Universität. Der verglich schon Anfang der Neunziger Jahre die Lebensläufe von Studenten einer Musikakademie. Fazit: Die besten Studenten des Jahrgangs hatten schon seit frühester Kindheit regelmäßig mehr Stunden mit dem Üben verbracht als ihre mittelmäßigen Kommilitonen.
1. Kommentar
Dave
09.01.09 um 10:07 Uhr
Hat was… ich als Musiker kann dies bestätigen!! Wenn ich zurückdenke wie viele Stunden investiert wurden um weiterzukommen und das hat bis heute nicht aufgehört.
2. Kommentar
birgit permantier
09.01.09 um 10:34 Uhr
Das ist sicher richtig.
Eine Formel, die wahrscheinlich aus dem Buch “Strategien erfolgreicher Menschen” des Denkforschers Edward de Bono stammt, lautet sinngemäß: Erfolgreiche Menschen behandeln im Gegensatz zu weniger erfolgreichen Menschen angenehme und unangenehme Dinge gleich. Oder anders ausgedrückt: Jammer nicht, tu es einfach!
3. Kommentar
Jörg
09.01.09 um 12:01 Uhr
Auch beim Golf ist es ähnlich. Schon für das Verinnerlichen eines neuen Schwungs fordert mein Trainer so zwischen 2.000 und 3.000 Schläge, bevor es sitzt.
Wenn ich mir anschaue, wieviele Stunden Tiger Woods oder Bernhard Langer so täglich üben und über wie viele Jahre, dann scheint auch das die These zu bestätigen.
Ich zweifele allerdings an, dass jemand es schafft, diese vielen, vielen Stunden nur mit seiner Disziplin durchzuhalten. Ich glaube vielmehr, dass es ziemlich schnell zu einer Gewohnheit wird und man dann einfach weitermacht. Und oft auch gar nicht mehr darüber nachdenkt, ob man nun Spaß daran hat oder nicht.
4. Kommentar
Gerhard Zirkel
09.01.09 um 13:04 Uhr
Mit Disziplin alleine wird das keiner schaffen, viel wichtiger ist es schon früh herauszufinden was man gerne tut. Denn je lieber man seine Arbeit macht, desto leichter wird es durchzuhalten. Wobei es ja auch Menschen geben kann, die gerne Disziplin üben …
Zudem heißt “sich mit etwas beschäftigen” nicht zwingend vor Büchern zu sitzen und zu pauken oder sich gar zu quälen. Macht man etwas gerne, beschäftigt man sich auch dann gedanklich damit wenn man eigentlich gerade etwas ganz anderes macht. Man lebt irgendwann in der Welt der eigenen Tätigkeit, beschäftigt sich also ganz automatisch viel damit.
Gerhard Zirkel
5. Kommentar
Christian
09.01.09 um 15:38 Uhr
Wow, wer gut in einer Sache werden möchte, der muss sich mit ihr intensiv beschäftigen. Das sagte mir mein Vater schon in der Jugend “üben, üben, üben”. Hätte er darüber mal ein Buch geschrieben und es so gut vermarktet wie Gladwell!
6. Kommentar
BG
07.07.09 um 21:27 Uhr
Wichtige Ergänzung zur 10.000 Stunden Regel… “deliberate practice”, d.h. man muss nicht nur üben, sondern dabei auch konstant seine Leistung überwachen und nach Verbesserung streben.
“For example: Simply hitting a bucket of balls is not deliberate practice, which is why most golfers don’t get better. Hitting an eight-iron 300 times with a goal of leaving the ball within 20 feet of the pin 80 percent of the time, continually observing results and making appropriate adjustments, and doing that for hours every day – that’s deliberate practice. ” (von http://money.cnn.com/magazines/fortune/fortune_archive/2006/10/30/8391794/index.htm)
7. Kommentar
bee
10.07.09 um 09:00 Uhr
Kurzer Hinweis: Der Link tut leider nicht mehr :(
8. Kommentar
Daniel Rettig
10.07.09 um 14:55 Uhr
@bee: Danke für den Hinweis – jetzt funktioniert er wieder :-)
9. Kommentar
Christopher Stanik
13.07.09 um 17:53 Uhr
Ich würde das eher als 10.000 Stunden Begeisterung und Leidenschaft über mein lieblingsthema- -materie oder -tätigkeit nennen. Die Sportler motivieren sich schließlich zu ihren Topleistungen anders als beispielsweise Buchhalter oder Steuerberater. Entscheidend ist was uns zu der Ttigkeit bewegt.
10. Kommentar
Christopher Stanik
13.07.09 um 20:19 Uhr
Das Buch von Malcolm Gladwell (Überflieger) kann ich jedem Empfehlen. Er hat schon in zwei seinen früheren Büchern (Tipping Point und Blink) bewiesen, dass er komplizierte, wissenschaftliche Sachverhalte verständlich interprätieren kann. Der Leser wird das Buch nicht aus den Händen lassen können.
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