Wir erinnern uns: Vor nicht allzu langer Zeit sorgte die Schweizer Bank UBS mit einer mehr als 40-seitigen Kleiderordnung für Furore. Die Richtlinien-Broschüre ließ wirklich keinen Aspekt des Arbeitsalltags außer Acht: Neben Standard-Tabus wie weißen Socken, enger Kleidung und auffälligem Schmuck wurde den Angestellten ebenso von dicken Brieftaschen und sichtbaren Haarfärbungen abgeraten. Damit nicht genug: Das Parfum sei bitte nur morgens aufzutragen und auch auf den Genuss von Knoblauch und Zwiebeln sei eher zu verzichten. Selbst vor Intimitäten machte das Dokument nicht Halt: Die Kolleginnen sollten doch bitte fleischfarbene Unterwäsche tragen und Feuchtigkeitscreme benutzen.
Und wie sieht das in Deutschland aus? Sind die Konzerne hierzulande ähnlich streng, wenn es um das Erscheinungsbild Ihrer Angestellten geht? Wir haben bei den Dax-Unternehmen aktuell noch mal nachgefragt:
Dresscode: selbstverständlich!
Ob es an der damaligen UBS-Kleiderschranke liegt, wissen wir nicht. Vielleicht wollen einige Unternehmen auch nur um jeden Preis verhindern, wie die schweizerischen Kollegen den Aufdruck „militärische Zustände“ zu erhalten. Jedenfalls ist das Thema Kleiderordnung und Büro-Garderobe weiterhin ein heikles.
So scheint es in keinem einzigen DAX-Unternehmen eine schriftlich festgelegte Regelung zu geben. Aber auch zu den unausgesprochenen Richtlinien wollten sich viele Firmen nicht äußern oder leugneten diese sogar, wie bei einer der größten Versicherungen: „Bei der Allianz Deutschland gibt es keinen Dresscode“, ließ ein Sprecher ausrichten. Seltsam. Denn gerade die Versicherungen sind für ihre eher strengere Kleiderordnung bekannt. Auch auf der Karriere-Seite der Allianz wird kaum eine Person ohne dunklen Blazer oder Anzug gezeigt. Zufall?
Bei unseren Nachfragen erhielten wir sogar Antworten mit der Klassifizierung „Confidential“. Eine oft genannte Begründung: „Wir wollen bei den Angestellten anderer Standorte nicht für Verwirrung sorgen“ – was eher nach einer Ausrede klingt. Oder wie unter anderem von HeidelbergCement und der Commerzbank geäußert: „Das ist selbstverständlich für unsere Mitarbeiter“. Wie selbstverständlich konkret aussieht, wollte dann aber doch keiner sagen. Warum? Sind die Kollegen damit so unansehnlich? Oder geht es am Ende dort auch noch um die Farbe der Dessous?
Immerhin, einige moderne und aufgeschlossene Unternehmen (und deren Pressestellen) waren so freundlich wie kompetent, uns eine Stellungnahme zum Thema Dresscode zu geben. Wir haben gefragt:
Wie sieht die Kleiderordnung in Ihrem Unternehmen aus?
Silke Wünsche, Merck Employer Branding & Talent Acquisition
Einen schriftlich festgelegten Dresscode gibt es bei Merck nicht, einen unausgesprochenen dagegen schon, auch wenn dieser nicht allzu strikt ist. Im Büro sollten die Mitarbeiter ordentlich gekleidet sein, was aber nicht gleich Anzug oder Kostüm bedeutet. Damen können zum Beispiel im Sommer Röcke auch ohne Strumpfhosen oder Blusen mit kurzen Ärmeln tragen. Ein No-Go sind dagegen Oberteile mit Spaghetti-Trägern oder bauchfreie Tops. Für Herren gilt, dass sie Schuhe nicht ohne Socken tragen sollten. Einen Casual Friday gibt es unternehmensweit nicht, wohl aber in einzelnen Abteilungen. Generell ist es kein Problem, freitags in Jeans zur Arbeit zu kommen, wenn diese bürotauglich kombiniert sind und es sich nicht um ausgewaschene Fetzenjeans handelt. Außerdem sollte der betreffende Mitarbeiter dann keine Termine außerhalb seines Büros mit externen Kunden oder Partnern haben. In diesem Fall ist Business-Kleidung angesagt, bei Herren dann auch eine Krawatte.
Jens Hartung, Leiter Personalmarketing RWE
Einen festgeschriebenen Dresscode gibt es bei RWE nicht. Wir legen allerdings viel Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich angemessen kleiden und den Konzern so auch gut nach außen präsentieren können. T-Shirts, sehr kurze Röcke, kurze Hosen oder Schlappen gehören nicht ins Büro. Wir setzen auf das Gespür und die Selbstverantwortung unserer Mitarbeiter. Echte Kleidungs-Fauxpas sehen wir selten.
Elke Ickenstein, Bayer AG Human Resources
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bayer AG gibt es keine offiziellen Vorschriften, in welcher Kleidung (außer Schutzkleidung, Schutzbrillen in den Labors und Betrieben) sie am Arbeitsplatz erscheinen sollen. Maßgebend für die Wahl des Outfits sind in erster Linie der persönliche Geschmack sowie Funktion und Aufgabenbereich. Beispielsweise gilt in der Leverkusener Konzernzentrale der Casual Friday. Die Mitarbeiter können dann Anzug oder Kombination mit Hemd, Rolli oder Poloshirt tragen – ohne Krawatte. Allzu leger sollte es allerdings nicht sein. Daher wird empfohlen, die Freizeitkleidung außen vor zu lassen. Ob sich die Beschäftigten bei Bayer nach den Regeln des business casual kleiden wollen, bleibt aber jedem selbst überlassen.
Wolfgang Fassnacht, SAP HR Director DACH
Bei der SAP gibt es keinen besonderen Dresscode. Wir überlassen die Wahl der Kleidung unseren Mitarbeitern und vertrauen darauf, dass sie sich der jeweiligen Situation angemessen anziehen. Wir setzen auch hier – wie bei unseren Arbeitszeitmodellen – auf Individualität und Vertrauen. Jeder SAP-Mitarbeiter repräsentiert das Unternehmen. So achtet auch jeder Mitarbeiter selbständig darauf, dass er oder sie entsprechend ihrer Rolle oder Aufgabe auftritt. Unserer Meinung nach sollte das Erscheinungsbild den Ansprüchen und Anforderungen des jeweiligen Jobs Rechnung tragen. Während sich zum Beispiel die Entwickler der SAP eher legerer anziehen, trifft man die Vertriebsmitarbeiter im Außendienst überwiegend im Anzug an.
Jela Götting, Adidas Senior HR Manager Future Talent Programs
Einen generellen Kleiderkodex gibt es bei der Adidas Gruppe nicht. Uns ist wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen. Ob in Turnschuhen oder High Heels – bis auf die Produkte der direkten Konkurrenz, ist bei uns alles erlaubt. Die meisten Mitarbeiter kommen jedoch sportlich leger in die Arbeit. Einmal im Jahr feiern wir den international Tracksuitday und fordern alle Mitarbeiter auf, ihre schönsten und originellsten Trainingsanzüge aus dem Schrank zu holen.
Anke Baumann, Konzernkommunikation Deutsche Post DHL
Bei der Deutschen Post DHL sind bundesweit rund 203.000 Mitarbeiter beschäftigt. Deren Tätigkeitspalette ist breit gefächert und je nach beruflichem Aufgabenfeld variieren entsprechend auch Bedarf und Anforderungen an die Bekleidung. Unsere rund 82.800 Briefzusteller und etwa 10.900 Paketzusteller sind beispielsweise verpflichtet, eine vorgeschriebene Unternehmensbekleidung zu tragen, da sie in direktem Kundenkontakt stehen und damit die Visitenkarte des Unternehmens nach außen sind. Im Bereich der Verwaltung gibt es für unsere Mitarbeiter keine festgelegte Kleiderordnung oder diesbezüglich fixierte Richtlinien. Generell sollte die Bekleidung der Arbeitsumgebung angemessen und gepflegt sein.
Georg Oppermann, E.ON Personalsprecher
Die Anforderungen ergeben sich zum Teil aus der Arbeitssicherheit (Arbeit in Kraftwerken, an Stromleitungen, etc.) und den praktischen Erfordernissen. Das würde ich aber nicht Dresscode nennen. Was die Verwaltung und das Management betrifft, gibt es keine expliziten Vorschriften, höchstens einen common sense, der sich über die Jahre entwickelt hat. Aber auch dieser ist von Unternehmenseinheit zu Unternehmenseinheit unterschiedlich. So wird zum Beispiel bei unserer relativ neuen und internationalen Einheit Energy Trading in Düsseldorf – wo die Unternehmenssprache Englisch ist – nur selten Schlips getragen. Auch in der Konzernzentrale in Düsseldorf gibt es keine geschriebenen Regeln – auch wenn die Anzüge mit Krawatte bei den Herren überwiegen.
Christian Schwolow, Deutsche Telekom AG Leiter Kommunikation Personal
Bei der Deutschen Telekom gibt es keinen expliziten Dresscode. Im Prinzip ist erlaubt, was gefällt. Jeans und T-Shirt sind an den Arbeitsplätzen der Telekom ebenso zu sehen wie Rock und Bluse oder Anzug und Krawatte. Natürlich haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kunden persönlich beraten und betreuen, ausreichend Gespür und Erfahrung dafür, sich angemessen zu kleiden. Einen Dresscode gibt es allerdings in unseren Telekom-Shops: Schließlich soll der Kunde den Telekom-Mitarbeiter sofort erkennen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können aber unter verschiedenen Bekleidungsstücken auswählen beziehungsweise diese kombinieren. In unseren 4010-Shops, mit denen wir uns an ein jüngeres Publikum richten, ist der Kleidungsstil der Mitarbeiter wiederum individuell.
Helge Kroll, ThyssenKrupp AG Corporate Center Human Resources
Allein in Deutschland beschäftigt ThyssenKrupp mehr als 65.000 Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Branchen. Es lässt sich daher keine generelle Aussage zu Kleiderordnungen machen. Die Kleidung sollte stets dem Aufgabengebiet, der Funktion, der Position und dem Umfeld angepasst sein. Bewerber und neuen Mitarbeiter ermuntern wir, bei Unsicherheit zukünftige Kollegen offen anzusprechen. Gerade im Bewerbungsprozess als auch als Berufsstarter möchte man ja nicht nur durch seine Kleidung von sich reden machen, sondern vor allem durch Inhalte und gute Argumente auffallen. So ist es stets hilfreich seine Wirkung auf andere zu reflektieren und sich selbst zu fragen, welchen Eindruck man erzeugen möchte. Unser Tipp an Berufsstartet ist hier, sich an den neuen Kollegen zu orientieren und die Firmenkultur auf sich wirken zu lassen.
Vielleicht wollen aber auch Sie uns ein paar Einblicke aus Ihrem Arbeitsalltag geben (gerne auch anonym, zumindest aber das Unternehmen sollten Sie nennen): Gibt es bei Ihnen Dresscodes und wie wirken sich diese auf den Auftritt der Kollegen aus?








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Frank Thomas
Gratulation, ich denke gerade Berufseinsteigern wird so ein Artikel sehr helfen. Ich arbeite selbst auch bei adidas und weiß das sportlich-legere Umfeld sehr zu schätzen – trotzdem muss man natürlich immer wissen, wann die Situation ein feineres Auftreten fordert. Mehr über den tracksuit day bei adidas sowie fotos findet ihr auch auf dem adidas Group blog: http://blog.adidas-group.com/2011/11/adidas-group-celebrates-tracksuit-day/
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