Als aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor der Volksmenge und sprach: „Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten.“ Dann gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und überlieferte ihn, damit er gekreuzigt werde.
Händewaschen ist mehr als ein hygienischer Akt. Es seift auch unser Hirn ordentlich ein. Glaubt man den Untersuchungen der US-Psychologen Spike Lee and Norbert Schwarz von der Universität von Michigan, dann lassen sich sogar Entscheidungszweifel mit etwas Seife einfach wegspülen.
So ganz neu ist das freilich nicht. In zahlreichen Religionen dienen rituelle Waschungen nicht nur der körperlichen Sauberkeit, sondern auch der symbolischen Reinigung der Seele. In der oben zitierten Szene aus dem Matthäus-Evangelium wäscht sich beispielsweise auch der ungläubige Pontius Pilatus moralisch rein. Ein literarisches Zitat findet sich einige Jahrhunderte später ebenso in Shakespeares Lady Macbeth, wobei ihr all das Händewaschen wenig hilft gegen die Wahnvorstellung von einem Blutfleck.
Doch offenbar ist dies mehr als eine Metapher: Wie das Duo Lee und Schwarz im Fachmagazin „Science“ schreibt, haben wir nach jeder Wahl das Bedürfnis, die Entscheidung vor uns selbst zu rechtfertigen. Sei es, weil jede Wahl für eine Alternative immer auch eine Wahl gegen andere Optionen (oder Personen) ist. Oder weil uns hernach ein schlechtes Gewissen plagt („Mussten die Schuhe jetzt wirklich sein?“). Was dann passiert, ist im Grunde eine simple Form des Selbstbetrugs: Wir reden uns die Wahl schön. Helfen würde aber auch, sich einfach die Hände zu waschen.
Wie das?
Nun, für ihr Experiment gaben die Forscher ihren Probanden 30 CDs, aus denen sie sich zehn aussuchen sollten, die sie selbst gerne besitzen würden. Danach sollten sie aus diesen zehn Alben eine Art Top10-Liste machen. Der Trick war: Zum Dank erhielten die Probanden nicht ihr Lieblingsalbum, sondern hatten die Wahl zwischen der CD auf Platz 5 oder 6 der Hitliste.
Danach folgte ein kleines aber nicht unwesentliches Ablenkungsmanöver: Die Teilnehmer sollten zusätzlich eine neue Flüssigseife bewerten. Die eine Gruppe kommentierte lediglich deren Verpackung, die zweite Gruppe sollte die Seife gleich am eigenen Leib testen – per Händewaschen.
Nun baten die Forscher ihre Testpersonen noch einmal die zehn CDs in eine Rangfolge zu bringen – aus irgendwelchen Pseudogründen. Das eigentliche Interesse galt natürlich dem Einfluss des Händewaschens. Und tatsächlich: Wer zuvor nur die Seifenverpackung bewertet hatte, fing nun an, seine CD-Wahl zu stützen. Wer sich zum Beispiel zuvor für Album 5 entschieden hatte, reihte es nun höher ein, Album 6 dagegen tiefer und umgekehrt. Nicht so diejenigen, die sich die Hände gewaschen hatten: Sie bewerteten die CDs genauso wie beim ersten Mal. Oder wie Schwarz erklärt:
People who merely examined the soap bottle dealt with their doubts about their decision by changing how they saw the CDs: As in hundreds of earlier studies, once they had made a choice, they saw the chosen CD as much more attractive than before and the rejected CD as much less attractive. But hand-washing eliminated this classic effect. Once participants had washed their hands, they no longer needed to justify their choice when they ranked the CDs the second time around.
Offenbar beseitigt also Händewaschen zugleich den Drang sich moralisch zu rechtfertigen. Und nicht nur das: Schon vor rund zwei Jahren hatte die Psychologin Simone Schnall von der Universität von Plymouth festgestellt, dass Händewaschen milder stimmt. Damals mussten 40 Studenten moralische Dilemmata bewerten. Zuvor jedoch wurden die einzelnen Gruppen gebeten, Wortpaare zu bilden. Während sich die einen mit neutralen Begriffen arbeiteten, hantierten die anderen mit Wörtern rund um das Thema Sauberkeit, Seife und Waschen. Und siehe da: Letztere fanden anschließend prompt das Behalten einer gefundenen Geldbörse gar nicht mehr so schlimm wie die Kontrollgruppe.




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Lars Hahn
Händewaschen macht vor allen Dingen auch sauberer und duftender!
Im Ernst:
Vor Gesprächsterminen mit Kunden aber auch vor Meetingsterminen empfiehlt es sich immer, sich “frisch” zu machen.
Insbesondere saubere Hände geben einen charmanteren Händedruck bei der Begrüßung. Das alles gilt natürlich besonders für Erstgespräche, speziell auch Vorstellungs- und Bewerbungsgespräche.
Aber Achtung:
- Die Hände zeitig und gut abtrocknen, anderenfalls kommt es zu Missverständnissen!
- Beim Händewaschen nicht auf die Kleidung kleckern, auch das käme sonst seltsam rüber…
In diesem Sinne:
Mit sauberen Fingern grüßt
Lars Hahn
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