Definition: Was ist die Fast-Phobia-Cure?
Die Fast-Phobia-Cure – auch Fast-Phobia-Technique oder Visual-Kinesthetic-Dissociation (V/K-D) genannt – ist eine Visualisierungstechnik aus dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP). Sie soll die emotionale Reaktion auf einen angstauslösenden Reiz verändern. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine wissenschaftlich nachgewiesene „Schnellheilung“ von Phobien. Die Methode arbeitet vielmehr mit mentaler Distanz: Betroffene stellen sich die gefürchtete Situation wie einen Film vor, den sie von außen betrachten und anschließend verändert wiedergeben.
Woher kommt die Fast-Phobia-Cure?
Die Technik wird dem NLP-Mitbegründer Richard Bandler zugeschrieben und entstand Ende der 1970er-Jahre. Im NLP wird angenommen, dass Merkmale innerer Vorstellungen – sogenannte Submodalitäten wie Farbe, Perspektive, Größe oder Geschwindigkeit – beeinflussen, wie intensiv ein Erlebnis empfunden wird. Werden diese Merkmale verändert, soll sich auch die emotionale Reaktion verändern. Diese Erklärung stammt aus dem NLP-Modell. Sie ist nicht mit einem wissenschaftlich nachgewiesenen neurologischen Wirkmechanismus gleichzusetzen!
Wie funktioniert die Fast-Phobia-Cure?
Das zentrale Prinzip ist die Distanzierung von der angstauslösenden Vorstellung. Statt die Situation gedanklich unmittelbar aus der Ich-Perspektive zu erleben, betrachten Sie sich selbst von außen. Häufig dient dafür ein imaginärer Kinosaal. Bei der klassischen visuellen Fast-Phobia-Cure wird diese Distanz noch vergrößert: Sie stellen sich vor, dass Sie im Kino sitzen und sich selbst auf der Leinwand beobachten. Anschließend nehmen Sie gedanklich eine weitere Beobachterposition ein und sehen sich dabei zu, wie Sie im Kinosessel den Film betrachten. Im NLP wird dies als doppelte Dissoziation bezeichnet. Der Film läuft zunächst in Schwarz-Weiß vom sicheren Ausgangspunkt durch die gefürchtete Situation bis zu einem sicheren Endpunkt. Anschließend wird er in Farbe und hohem Tempo rückwärts abgespielt.
Was bedeutet Dissoziation bei der Methode?
Dissoziation bezeichnet hier den Wechsel von der Ich- in eine Beobachterperspektive. Sie erleben die angstauslösende Szene also nicht unmittelbar, sondern betrachten sich selbst darin. Der NLP-Begriff ist in diesem Zusammenhang nicht mit einer dissoziativen psychischen Störung gleichzusetzen.
Fast-Phobia-Cure: Anleitung in 7 Schritten
Der klassische visuelle Ablauf folgt einem festen Muster aus sicherem Ausgangspunkt, Distanzierung, Vorwärtsfilm und schnellem Rückwärtslauf:
1. Schaffen Sie einen sicheren Ausgangspunkt
Erinnern Sie sich zunächst an einen Moment, in dem Sie sich ruhig und sicher gefühlt haben. Im NLP wird eine solche positive Erinnerung häufig als Ressourcenanker bezeichnet. Sie bildet den gedanklichen Ausgangs- und Rückkehrpunkt der Übung.
2. Stellen Sie sich einen Kinosaal vor
Versetzen Sie sich gedanklich in ein Kino. Sie sitzen im Zuschauerraum und schauen auf eine Leinwand. Dort sehen Sie die betreffende Situation nicht mit Ihren eigenen Augen, sondern beobachten sich selbst von außen.
3. Vergrößern Sie die Distanz
Stellen Sie sich nun zusätzlich vor, dass Sie sich selbst im Kinosessel beobachten. Sie sehen damit eine Person, die wiederum einen Film von sich selbst betrachtet. Diese doppelte Beobachterperspektive soll den emotionalen Abstand zur angstauslösenden Szene erhöhen.
4. Lassen Sie den Film vorwärtslaufen
Beginnen Sie mit einem Schwarz-Weiß-Bild kurz vor dem gefürchteten Ereignis, als noch alles in Ordnung war. Lassen Sie den Film durch die betreffende Situation hindurch bis zu einem Zeitpunkt laufen, an dem die Gefahr beziehungsweise Angst vorüber und wieder Sicherheit erreicht ist.
5. Wechseln Sie in das Schlussbild
Halten Sie den Film am sicheren Endpunkt an. Stellen Sie sich jetzt vor, in dieses letzte Bild hineinzusteigen. Sie wechseln damit von der Beobachterperspektive zurück in die eigene Wahrnehmung. Der imaginäre Film bekommt nun Farbe.
6. Spulen Sie den Film schnell zurück
Lassen Sie die komplette Handlung vom sicheren Ende bis zum Ausgangspunkt in sehr hohem Tempo rückwärtslaufen. Bewegungen, Personen und Ereignisse bewegen sich entsprechend rückwärts. Manche NLP-Varianten arbeiten zusätzlich mit ungewöhnlichen Geräuschen oder anderen bewusst verfremdeten Elementen.
7. Wiederholen und überprüfen Sie
Wiederholen Sie den schnellen Rückwärtslauf mehrmals. Stellen Sie sich danach die ursprünglich gefürchtete Situation erneut vor und beobachten Sie, ob und wie sich Ihre Reaktion verändert hat. Im NLP wird dieser abschließende Test häufig durch einen „Future Pace“ ergänzt: Sie stellen sich eine vergleichbare zukünftige Situation vor und prüfen Ihre Reaktion darauf.
Beispiel: Fast-Phobia-Cure bei Flugangst
Angenommen, schon der Gedanke an einen Flug löst starke Angst aus. Für die Übung wählen Sie zunächst einen sicheren Zeitpunkt vor der Reise – beispielsweise einen entspannten Moment zu Hause. Aus der imaginären Kinoperspektive beobachten Sie anschließend, wie Ihr Film-Ich zum Flughafen fährt, eincheckt, ins Flugzeug steigt und den Flug erlebt. Der Film endet nicht auf dem Höhepunkt der Angst, sondern erst nach der Landung, wenn Sie wieder festen Boden unter den Füßen haben. Nun steigen Sie gedanklich in dieses sichere Schlussbild und lassen die gesamte Handlung schnell und in Farbe rückwärtslaufen: von der Ankunft über Landung und Flug zurück durch den Flughafen bis zum Ausgangspunkt. Diesen Rückwärtsfilm wiederholen Sie mehrmals.
Welche Varianten der Fast-Phobia-Cure gibt es?
Neben der bekannten visuellen Methode mit dem imaginären Kinofilm beschreiben NLP-Anbieter eine kinästhetische Variante. Dabei steht nicht das innere Bild, sondern die körperlich empfundene Angst im Mittelpunkt. Betroffene sollen zunächst wahrnehmen, wo sie das Gefühl im Körper spüren und welche Bewegung oder „Drehrichtung“ sie ihm subjektiv zuschreiben. Anschließend wird diese vorgestellte Bewegung gedanklich verändert beziehungsweise umgekehrt.
Die Vorstellung, Emotionen hätten eine bestimmte Drehrichtung und ließen sich durch deren Umkehr gezielt verändern, stammt ebenfalls aus dem NLP. Ein entsprechender neurologischer Mechanismus ist wissenschaftlich aber nicht nachgewiesen.
Variante |
Vorgehen |
| Visuelle Fast-Phobia-Cure | Angstauslösende Situation als distanzierten Film betrachten und anschließend verändert rückwärtslaufen lassen. |
| Kinästhetische Fast-Phobia-Cure | Körperliches Angstgefühl lokalisieren und dessen subjektiv vorgestellte Bewegung beziehungsweise Richtung verändern. |
Für welche Ängste wird die Methode eingesetzt?
NLP-Anbieter verwenden die Fast-Phobia-Cure vor allem bei klar umrissenen Ängsten, bei denen sich ein bestimmter Auslöser oder eine konkrete Situation vorstellen lässt. Dazu zählen beispielsweise:
- Flugangst und Höhenangst
- Angst vor Spinnen oder anderen Tieren
- Prüfungsangst und Angst vor einem Blackout
- Redeangst und Nervosität vor Präsentationen
- Bewerbungsangst und Angst vor Vorstellungsgesprächen
Nicht jede starke Angst ist automatisch eine Phobie. Bei einer spezifischen Phobie wird die Angst durch bestimmte Situationen oder Objekte ausgelöst; bereits deren Vorstellung kann Erwartungsangst hervorrufen. Betroffene vermeiden den Auslöser häufig oder ertragen die Situation unter starker Furcht.
Kritik: Wie wirksam ist die Fast-Phobia-Cure?
Die Fast-Phobia-Cure wird teilweise mit dem Versprechen beworben, Ängste oder Phobien besonders schnell auflösen zu können. Wissenschaftlich ist eine zuverlässige Überwindung jedoch nicht ausreichend belegt. Ein systematischer Review untersuchte etwa zehn experimentelle Studien zu NLP und verschiedenen gesundheitlichen Problemen. Zwar zeigten manche Untersuchungen Verbesserungen bei den behandelten Gruppen, vier von fünf Studien fanden jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Evidenz der Methode gilt aufgrund der geringen Zahl und Qualität der Studien daher als schwach.
Fast-Phobia-Cure: Wirkung richtig einordnen
Die Fast-Phobia-Cure lässt sich als Visualisierungsübung ausprobieren. Aus der bisherigen Forschung folgt jedoch nicht, dass sie eine diagnostizierte Phobie zuverlässig oder innerhalb weniger Minuten „heilt“. Entsprechende Versprechen sollten Sie deshalb kritisch und mit Vorsicht betrachten!
Was hilft nachweislich bei Phobien?
Für spezifische Phobien ist die wissenschaftliche Datenlage klarer: Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt etwa Verhaltenstherapie unter Nutzung von Expositionstechniken. Dabei setzen sich Betroffene – immer unter therapeutischer Begleitung – gezielt mit der gefürchteten Situation oder dem entsprechenden Reiz auseinander. Statt die Angst dauerhaft zu vermeiden, können sie dabei erfahren, dass die erwarteten Folgen ausbleiben und die Angst bewältigbar ist.
Je nach Phobie kann eine solche Behandlung vergleichsweise kurz sein. Bei Spinnen-, Höhen- oder Flugphobie kann zudem die Konfrontation mittels Virtual Reality infrage kommen, wenn eine reale Auseinandersetzung nicht möglich ist. Die Fast-Phobia-Cure ist davon klar zu unterscheiden: Sie stammt aus dem NLP und verändert primär die mentale Vorstellung einer Situation. Eine evidenzbasierte Expositionstherapie konfrontiert Betroffene dagegen systematisch mit dem gefürchteten Reiz beziehungsweise der Situation.
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