Stimme verändern: Knarrende Stimme kostet Job

In Zeiten, in denen wir uns weder auf den Wahrheitsgehalt von Worten noch die Beweiskraft von Bildern verlassen können, bekommt die Stimme ein völlig neues Gewicht. Sie ist nicht nur eindeutiges Erkennungsmerkmal, sondern nahezu unverfälschlich und damit eine ebenso authentische wie intime Visitenkarte der Persönlichkeit. Mithilfe unserer Stimme bestimmen wir maßgeblich, wie wir auf andere wirken – ob wir sie überzeugen, uns durchsetzen, ihnen sympathisch sind oder nicht. Über die Stimme bekommen wir unmittelbaren Zugang zu den Gefühlen unseres Gegenübers. Sie ist ein sublimer Türöffner, ein Eisbrecher, ein Brückenbauer. Sie wirkt auf die Partnerwahl ebenso wie auf den beruflichen Erfolg. Insbesondere Menschen mit knarrenden, knackenden Stimmen haben hier echte Nachteile…

Stimme verändern: Knarrende Stimme kostet Job

Die Macht der Stimme

Das menschliche Gehirn verarbeitet das gesprochene Wort bereits nach 140 Millisekunden. Viel zu oft konzentrieren wir uns dabei auf die Inhalte und die Wirkung der Worte – und vergessen die Macht der Stimme.

Macht der Stimme

Bereits Intonation und Atmung lösen Sympathien aus. Das hängt mit dem sogenannten psychorespiratorischen Effekt zusammen: Wir imitieren unbewusst, wenn wir zuhören.

Der Redner, der nervös am Pult radebrecht, verursacht auch bei seinen Zuhörern Atemkrämpfe. Genauso spürt man ein herannahendes Räuspern oder nimmt es vorweg, wenn das Knarren des Redners unerträglich wird. Umgekehrt: Wer uns durch seine Stimme beruhigt und entspannt, vielleicht sogar stimuliert, ist uns sofort sympathisch.

Immer wieder bestätigen Studien, wie der Ton nicht nur die Musik macht, sondern auch Karrieren beeinflusst. Zum Beispiel Casey Klofstad von der Universität von Miami: Sie konnte nachweisen, dass sich selbst der Wahlerfolg durch den Klang der Stimme beeinflussen lässt. Oder anders ausgedrückt: Wir würden jemandem mit einer tiefe Stimme mehrheitlich unsere Stimme geben.

Die Stimme ist aber zugleich auch ein gefährlicher Verräter. Sie entlarvt die Gemütslage des Sprechers ebenso wie dessen Absichten. Das Limbische System, die Schaltzentrale unseres Gehirns für Gefühle, beeinflusst sämtliche Zwischentöne:

  • Ist jemand traurig oder niedergeschlagen, so erschlafft seine Sprechmuskulatur automatisch, die Stimmlippen reagieren verzögert und vibrieren sanfter. Prompt klingt die Stimme tiefer, kraftloser, undeutlicher.
  • Desinteresse oder Frust dagegen machen die Stimme flach und monoton, der Sprachmelodie fehlt jede Modulation.
  • Wer gestresst oder nervös ist, klingt wiederum gepresst und dünn, dem Sprecher schnürt es sprichwörtlich die Kehle zu.

Diese Stimmlippenbekenntnisse sind global gleich und unabhängig vom Kulturkreis. Eines der bekanntesten Experimente dazu lieferte vor einigen Jahren schon der Psychologe Klaus Scherer an der Universität Genf: Er ließ Schauspieler inhaltlich sinnlose Sätze aus Elementen verschiedener Sprachen auf Band sprechen und dudelte das Kauderwelsch Menschen diverser Nationen vor. Obwohl allesamt kein Wort verstanden, erkannten sowohl Engländer wie Spanier, Italiener, Franzosen oder Deutsche sofort, ob die Mimen erfreut, verärgert, traurig oder ängstlich waren.

Selbst ungeübte Ohren können aus der Stimme das Alter eines Menschen heraushören, wie wiederum der Berliner Sprachforscher Markus Brückl herausfand.

Das Bemerkenswerte an Brückls Studien ist: Was wir heraushören, ist weniger das chronologische Alter eines Menschen, dafür aber sein biologisches, also wie fit der Sprecher ist. Dieses biologische Alter kann im Schnitt bis zu vier Jahre vom numerischen abweichen, was zugleich bedeutet: Durch gezieltes Stimmtraining lässt sich das persönliche Image um ein paar Jahre verjüngen – oder altern.

Bewerberinnen mit knarrender Stimme werden benachteiligt

Eine Studie der Duke Universität kommt nun zum Ergebnis: Menschen mit knarrenden, knackenden Stimmen haben vor allem auf dem Jobmarkt das Nachsehen – insbesondere Frauen.

Die Forscher um Rindy C. Anderson, Casey A. Klofstad, William J. Mayew und Mohan Venkatachalam ließen für ihre Experimente sieben Frauen und Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren den Satz „thank you for considering me for this opportunity“ aufnehmen – einmal mit normaler Stimme, mal bewusst knarrend und verfälscht.

Anschließend ließen die Wissenschaftler rund 800 Probanden die Aufnahmen hören und beurteilen. Bemerkenswert: Obwohl die knarrenden Stimmen gewöhnlich tiefer klingen (was generell sympathischer und kompetenter wirkt als Piepsstimmen) und die Sprecher dabei auch langsamer (also deutlicher) sprachen, weckten sie bei den Zuhörern mehrheitlich negative Assoziationen.

Sie unterstellten den Sprechern Eigenschaften wie…

  • weniger kompetent
  • weniger gut ausgebildet
  • weniger vertrauenswürdig
  • weniger attraktiv

Am Ende waren sich die Zuhörer sogar einig, diese Sprecher eher nicht einzustellen. Am meisten aber galt dies für die Sprecherinnen.

Als Grund vermuten die Forscher einen anderen Effekt: die Abweichung von der sogenannten Indifferenzlage.

Noch entscheidender, ob uns eine Stimme berührt und überzeugt, ist eben dieser individuelle Grundton, um den jeder individuell aber regelmäßig herumredet. Finden lässt sich diese mittlere Sprechlage, indem man zum Beispiel an ein gutes Essen denkt und ein wohliges „Mmmmmh“ summt.

Beim Sprechen zirkuliert unsere Stimme normalerweise bis zu einer Quinte um diesen Ton herum. Wenn sie sich aber dauerhaft aus diesem Bereich entfernt – was bei knarrenden Stimmen oft der Fall ist -, schlagen die Ohren der Zuhörer Alarm. Prompt sind wir ihnen weniger sympathisch – oder bekommen den Job nicht.

[Bildnachweis: jesadaphorn by Shutterstock.com]

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24. Mai 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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