Warum die Frage: „Haben Sie sich noch woanders beworben?“
Arbeitgeber dürfen grundsätzlich nach anderen Bewerbungen fragen. Weil dahinter ein berufsbezogenes Interesse steckt, ist das keine unzulässige Frage. Sie müssen darauf allerdings auch nicht vollständig und wahrheitsgemäß antworten.
Dennoch hat es die Frage in sich und ist ein Wolf im Schafspelz – aus mehreren Gründen:
- Zum einen wollen Arbeitgeber mit der Frage herausfinden, ob Sie nur einen Job oder Broterwerb suchen oder wirklich genau diesen Job bei diesem Unternehmen wollen. Es geht also nicht um „andere“ Bewerbungen, sondern de facto um „diese“, bei diesem Arbeitgeber.
- Gleichzeitig dürfen Bewerber bei ihrer Antwort nicht wie Bittsteller oder ein Firmen-Groupie klingen. Denn das macht sie klein und prompt weniger attraktiv. Nicht nur der Arbeitgeber will das Gefühl haben, erste Wahl zu sein – vom Selbstverständnis her sind auch Sie erste Wahl und damit die Bestbesetzung für diesen Job!
Wer also allzu ehrlich zugibt, sich noch viele Male woanders beworben zu haben, macht seine Bewerbung bei diesem Unternehmen latent beliebig. Motto: „Schön, wenn es klappt. Falls nicht, habe ich noch andere Eisen im Feuer.“ Und das hört kein Recruiter gerne.
Umgekehrt wäre eine Notlüge zwar ebenfalls legitim („Nein, habe ich nicht.“). Das könnte allerdings zum Bumerang werden: Fehlende Alternativen schwächen Ihre Verhandlungsposition und drücken potenzielle Gehaltsaussichten. Zudem ist die Antwort nicht glaubwürdig. Mehr noch: Wer zu offensichtlich schleimt, verliert Sympathien.
Ist die rhetorische Gegenfrage eine Alternative?
Wer auf die subtile Fangfrage nicht gleich mit einer Lüge antworten will, könnte ebenfalls eine rhetorische Gegenfrage stellen: „Wenn es so wäre: Inwiefern Wäre das für unser Gespräch relevant?“ Aber ist das auch eine gute Idee?
Jein. Wenn Sie die Gegenfrage freundlich und mit einem Lächeln – also nicht schnippisch – formulieren, ist dagegen nichts einzuwenden. Die Frage darf aber nie wie ein Gegenangriff wirken, sonst kostet Sie das ebenfalls unnötig Sympathiepunkte.
Gefährliche Gegenfrage an Personaler
Wer mutig ist, kann auch eine weitere Gegenfrage stellen: „Haben Sie auch andere Bewerber eingeladen?“ Die Frage ist natürlich ebenfalls rhetorischer Natur. Ein souveräner Personaler wird damit umgehen können. Viele aber können es nicht. Die forsche Frage ist zwar smart und legitim, aber nicht ungefährlich. Sie kann Ihnen als vorlaut und arrogant ausgelegt werden. Wir empfehlen daher andere, bessere Alternativen…
Haben Sie sich bei anderen Unternehmen beworben? 2 kluge Antworten
Grundsätzlich haben Sie zwei gute Alternativen, wie Sie auf die typische Bewerberfrage nach anderen Bewerbungen antworten:
1. Ehrliche Antwort mit Kompliment
Erste mögliche Antwort: „Nein. Ich habe tatsächlich noch keine andere Stelle gefunden, die meinem Profil so gut entspricht wie dieser Job. Sie sind meine erste Wahl.“ Falls Sie sich bisher tatsächlich noch nicht woanders beworben haben, klingt diese Antwort weniger passiv als „Nein, habe ich nicht.“ Sie sind aktiv auf Jobsuche, haben Optionen, aber keine davon hat Sie bisher überzeugt! Darin steckt ein indirektes Kompliment, nur ohne Schleim.
Manchmal kommt auf diese Antwort noch die Nachfrage: „Aber Sie haben doch bestimmt Favoriten?“ In dem Fall lassen Sie sich davon bitte nicht aus der Ruhe bringen und antworten ausweichend – zum Beispiel so: „Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass sich mein Werdegang und meine Qualifikationen am besten mit den Anforderungen Ihrer Stelle decken. Die Alternativen interessieren mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“
2. Ehrliche Antwort mit Marktwert
Zweite mögliche Antwort: „Wie Sie sich denken können, habe ich mich parallel bei anderen attraktiven Arbeitgebern der Branche beworben und schon erste Gespräche geführt. Die Bewerbungsprozess laufen noch, ich würde aber am liebsten hier anfangen.“
Diese Antwort ist ebenfalls authentisch, ehrlich und deshalb glaubwürdig. Und sie hat gleich mehrere Vorteile:
-
Sie steigern Ihren Marktwert
Es macht Sie als Bewerberin oder Bewerber attraktiver, wenn Sie zeigen, dass Sie nicht alternativlos sind. Wenn andere Unternehmen bereits Interesse signalisieren, steigert das Ihren Marktwert. Misslungene Bewerbungsversuche sollten natürlich unerwähnt bleiben.
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Sie beschleunigen Entscheidungen
Sie erhöhen subtil den Druck auf das aktuelle Unternehmen. Motto: „Hier ist eure Gelegenheit zuzuschnappen, sonst tut es ein anderer!“ Das kann für ein besseres Gehalt oder mehr Zusatzleistungen sorgen. Obendrein können Sie dadurch später glaubhaft auf eine baldige Entscheidung drängen.
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Sie setzen klare Prioritäten
Gleichzeitig unterstreichen Sie mit der Antwort, dass dieser Arbeitgeber immer noch Ihre erste Wahl ist. Ja, Sie kennen und nutzen Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Alles andere wäre ja auch naiv. Sie setzen aber zugleich klare Prioritäten für dieses Unternehmen. Damit hinterlassen Sie einen starken Eindruck – ohne sich „unter Wert“ zu verkaufen.
Nachteile hat diese Strategie allerdings auch ein paar:
- Wenn Sie zu hoch pokern, sind Sie raus. Eine schnellere Entscheidung kann ebenso eine schnellere Absage bedeuten. Sie müssen deshalb unbedingt glaubhaft vermitteln, dass Sie den Job bei diesem Unternehmen bevorzugen.
- Auf keinen Fall dürfen Sie in der Antwort lügen. Falls der Personaler nachfragt, bei wem Sie sich beworben haben, und Sie dann keine Namen nennen oder ins Stottern geraten, ist Ihre Glaubwürdigkeit verspielt – und damit meist auch alle Bewerbungschancen.
- Sie müssen bei dieser Strategie und Antwort indirekt zeigen, dass Sie sich nicht ziellos und überall beworben haben, sondern planvoll. Wenn Sie Namen nennen, sollten in der Liste mindestens gleichwertige Unternehmen auftauchen.
Kurz: Sie müssen dem Personaler zeigen, dass Sie – trotz opportuner Bewerbungsstrategie – genau wissen, was Sie wollen und Ihren Marktwert kennen. Ohne dabei arrogant oder überheblich zu werden.
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4 Fehler, die Sie vermeiden sollten
Leider reden sich manche Bewerber bei der Frage um Job und Karriere. Damit Ihnen das nicht passiert, sollten Sie folgende, typische Fehler auf jeden Fall vermeiden:
Unfreundlich werden
Die Frage „Haben Sie sich noch woanders beworben“ ist legitim. Darauf beleidigt zu reagieren, zeugt nicht gerade von mentaler Reife. Was für typische Stressfragen gilt, trifft auch hierbei zu: Bleiben Sie stets gelassen, souverän und antworten Sie ehrlich bis ausweichend. Je mehr Ihre Antwort wie die „normalste Sache der Welt“ klingt, desto überzeugender wirkt sie.
Details ausplaudern
Wie viele Bewerbungen Sie schreiben mussten, wie viele Vorstellungsgespräche Sie schon geführt haben und wie diese verlaufen sind – all das bleibt bitte Ihr Geheimnis! Alles andere, wäre erstens indiskret; zweitens kann es Ihre Verhandlungsposition schwächen. Für die Entscheidung des Personalers sollte es sowieso nicht relevant sein. Also schweigen Sie dazu.
Zahlen nennen
Was Ihnen wenig vorkommt, kann auf einen Personaler schon verzweifelt wirken. Sagen Sie also bitte nie konkret, dass Sie schon 20 oder 50 Bewerbungen geschrieben haben. Einzig zulässig ist hierbei eine ausweichende Antwort nach dem Muster: „Ich habe mich nur bei jenen Unternehmen beworben, die perfekt zu meinem Profil passen und gute Perspektiven bieten.“ Mehr müssen Sie auch hierzu nicht sagen.
Über Arbeitgeber lästern
Absolut tabu ist, über andere Arbeitgeber zu lästern, bei denen Sie sich schon beworben haben. Selbst das vielleicht als Kompliment für dieses Unternehmen gemeint ist, weil der Bewerbungsprozess bei der Konkurrenz schrecklich ist: Lassen Sie das! Negative Vergleiche – z.B. „Die anderen zahlen kein Weihnachtsgeld.“ – fallen immer negativ auf Sie zurück.
Grundsätzlich gilt: Ehrlich und selbstbewusst hat die besten Bewerbungschancen. Im Bewerbungsgespräch kommt es vor allem auf Ihre Glaubwürdigkeit und Motivation an. Solange Sie überzeugend versichern, dass dieses Unternehmen Ihre erste Wahl ist, können Sie sich parallel auch woanders bewerben, ohne Ihr Chancen zu reduzieren.
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