Macht Geld glücklich? Das sagen Studien & Statistik

Macht Geld glücklich? – Die Frage ist so alt wie das Geld selbst. Klar ist: Ein hohes Einkommen oder Reichtum geben Sicherheit, steigern das Wohlbefinden und helfen, ein gutes Leben zu finanzieren. Aber macht mehr Geld darüber hinaus glücklicher? Studien kommen zu überraschenden und teils gegensätzlichen Ergebnissen…

Macht Geld Gluecklich Studien Beispiele Reich Werden

Macht Geld glücklich?

Zu der Frage gibt es inzwischen zahlreiche Studien – aus der Glücksforschung ebenso wie von Ökonomen und Sozialwissenschaftlern. Die Ergebnisse sind leider nicht eindeutig. Dennoch – so zumindest der Konsens – gibt es einen Zusammenhang zwischen Geld und Glück. Jedenfalls bis zu einem bestimmten Betrag. Die wohl meistbeachtete Studie dazu stammt aus dem Jahr 2010 von dem Psychologen Daniel Kahneman und dem Ökonomen Angus Deaton. Sie fanden heraus, dass Glücksempfinden und Zufriedenheit bis zu einem Jahresgehalt von 75.000 US-Dollar (umgerechnet: 64.000 €) steigen – danach jedoch nicht mehr nennenswert. Auf heutige Verhältnisse und die Inflation der vergangenen Jahre übertragen, entspricht das einem heutigen Jahresbruttoeinkommen von 102.000 €. Ökonomen sprechen hierbei auch vom „abnehmenden Grenznutzen“ des Geldes.

Geld mach glücklich Glückskurve Einkommen Gehalt bis 100.000 Euro

Anzeige

Mehr Geld macht glücklich – aber nicht jeden

Im Jahr 2020 sorgte der Glücksforscher Matthew Killingsworth für frischen Wind in der Debatte. Seine Studie stellte die 75.000-Dollar-Grenze infrage. Killingsworth nutzte dazu eine rückblickende Einschätzung der Probanden („Wie ging es Ihnen gestern?“) und erfasste das Wohlbefinden in Echtzeit – direkt im Alltag. Ergänzt durch feinere Skalen und mehr Gutverdiener in der Stichprobe ergab sich ein anderes Bild: kein Plateau – mehr Einkommen bedeutete zugleich mehr Wohlbefinden. Rund 2 Jahre später folgte der Realitätscheck gemeinsam mit Barbara Mellers. Die erneute Analyse brachte ein noch differenzierteres Bild: Für unglücklichsten 20 % der Teilnehmer gab es tatsächlich eine Grenze. Bei den glücklichsten 30 % wirkte Geld dagegen überproportional: Ab etwa 100.000 Dollar nahm der positive Effekt sogar noch zu.

Was bedeuten die Studien genau?

Letztlich darf man beide Studien nicht überinterpretieren. Ob und wo genau die Grenze liegt, hängt vom sozialen Umfeld und den eigenen Wünschen und Lebensansprüchen ab. Die Ergebnisse zeigen aber auch: Glück ist vor allem eines – eine Entscheidung. Wer generell unglücklich ist und nur auf die Schattenseiten des Lebens blickt, den machen auch 100.000 € nicht glücklicher. Gleichzeitig kann mehr Geld auch mehr finanzielle Freiheit und Freizeit bringen. Oder wie Marcel Reich-Ranicki einmal gesagt haben soll: „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“

Geld und die Maslow-Pyramide

Bereits im Jahr 1943 entwickelte der Psychologe Abraham Maslow das Modell der Bedürfnispyramide (daher auch: Maslow-Pyramide) mit ihren 5 Ebenen. Danach müssen zunächst die Grundbedürfnisse (sog. Defizitbedürfnisse) eines Menschen erfüllt sein (Essen, Wohnen, Schlafen, Beziehungen), bevor er sich um Anerkennung oder Selbstverwirklichung bemüht. Geld spielt für diese Bedürfnisse oft eine große Rolle: Wer sich die Defizitbedürfnisse nicht leisten kann, kann auch nicht glücklicher werden. Oder wie das Sprichwort sagt: „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein.“

Geld ist Zeit

Was an steigendem Einkommen oder Reichtum primär glücklich macht, ist der damit verbundene Zeitgewinn. Viel Geld bedeutet oft mehr Freizeit: Mit einem hohen Gehalt können sich Betroffene z.B. Reinigungshilfen, Einkaufshilfen, Kinderbetreuer oder Gärtner leisten – mit entsprechender Wirkung: Bei Studien der Universität von British Columbia kam heraus, dass das „Kaufen von Zeit“ einen enormen Effekt auf das Wohlbefinden und empfundene Lebensglück hat. Mehr Freizeit ist jedoch nicht für alle Generationen gleich wichtig. So zeigen Umfragen einen deutlichen Unterschied zwischen den „Babyboomern“ und der „Generation Z“: Während von den Älteren nur 27 % großen Wert auf viel Freizeit legen, sind es bei den Jüngeren rund doppelt so viele (53 %) – siehe auch: Quiet Ambition.

Anzeige

Für wen geben wir unser Geld aus?

Forscher der Harvard-Universität entdeckten wiederum einen verblüffenden Zusammenhang zwischen dem Geld und wofür wir es ausgeben. Kurz gesagt: Wer Geld für andere ausgibt, fühlt sich besser – und zwar weltweit! In 120 von 136 Ländern stieg das Wohlbefinden laut der Studie messbar, nachdem Menschen anderen etwas spendierten. Kultur, Einkommen, Herkunft? Spielten praktisch keine Rolle. Allein wer sich daran erinnerte, jemandem etwas geschenkt zu haben, war glücklicher als jemand, der an einen Kauf für sich selbst zurückdachte. Geld verstärkt also nicht nur das eigene Wohlbefinden – es entfaltet seine größte Wirkung, wenn es weitergegeben wird. Oder anders formuliert: Wer sich selbst etwas Gutes tun will, sollte anfangen, anderen etwas Gutes zu tun.

Anzeige

Auch Reichtum macht nur bedingt glücklich

Mit steigendem Vermögen wächst vor allem eines: der Abstand. Während zusätzliches Einkommen bei Normalverdienern nur bis zu individuellen Plateaus wirkt, öffnet sich bei Millionären die Schere spürbar. Wer zwischen 3 und 8 Millionen besitzt, erlebt oft ein deutlich höheres Glücksniveau als weniger Vermögende – vorwiegend in ungleichen Gesellschaften. Doch an der Spitze kippt der Effekt: Ultrareiche (ab 30 Millionen) vergleichen sich nicht mehr „nach unten“, sondern mit ihresgleichen. Das Ergebnis: Trotz Überfluss bleibt das Gefühl, „es könnte mehr sein!“ Dazu kommt ein Preis, über den selten gesprochen wird – soziale Distanz. Beziehungen wirken in diesen Sphären schneller zweckgebunden, Vertrauen wird schwieriger. Ab einem gewissen Punkt verändert Reichtum damit weniger das Wohlbefinden als die Perspektive. Entscheidend ist nicht nur, wie viel wir haben, sondern womit wir uns vergleichen – und mit wem wir uns verbunden fühlen.

Auch Lottogewinne machen nicht glücklicher

Der inzwischen verstorbene Bildungsexperte Philip Brinckman konnte schon 1978 in seiner berühmten Studie zeigen, wie relativ unser Glücksempfinden ist. Befragt wurden Lottogewinner, Querschnittsgelähmte und eine Kontrollgruppe – mit dem überraschenden Ergebnis: Die Unterschiede im langfristigen Glück waren minimal. Selbst nach extremen Lebensereignissen pendelt sich das Wohlbefinden wieder ein. Das Prinzip dahinter nennt sich „hedonische Anpassung“ – oder salopper „Glückstretmühle“: Wir gewöhnen uns an fast alles: Erfolg, Besitz, Rückschläge. Und kehren emotional zum Ausgangsniveau zurück. Entscheidend ist daher nicht, was passiert, sondern woran wir uns gewöhnen. Wer langfristig zufriedener sein will, braucht keinen Lottogewinn, sondern neue Gewohnheiten!

Verdirbt Geld den Charakter?

„Geld verdirbt den Charakter“, lautet ein häufiges Klischee. Reiche seien egoistisch, gierig und kaltherzig. Falsch! Studien beweisen das Gegenteil: Reichtum verdirbt den Charakter nicht – es verstärkt allenfalls vorhandene Charakterzüge. Was wirklich passiert: Geld verändert die Identifikation mit sozialen Schichten. Reiche tun sich leichter damit, kulturellen Institutionen, Hochschulen, Universitäten oder Krankenhäusern Geld zu spenden. Arme erkennen sich hingegen in ebenfalls armen Menschen und helfen diesen. Dramatisch daran ist nur: Je stärker dieser Effekt wirkt, desto größer wird die Kluft zwischen arm und reich in einer Gesellschaft.

8 spannende Erkenntnisse über Geld und Glück

Die Frage, ob Geld glücklich macht, in welcher Höhe und wen, hat bereits unzählige Wissenschaftler beschäftigt. Neben den genannten Studien gibt es viele weitere über den Zusammenhang von Geld und Glück. Wir haben die acht spannendsten Erkenntnisse zusammengefasst:

1. Gehaltsplus motiviert erst ab 7 %

Eine Gehaltserhöhung steigert die Motivation erst ab einem Plus von 7-8 %. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Management-Professors Atul Mitra. Bei kleineren Erhöhungen fühlen sich Mitarbeiter nicht ausreichend gewürdigt. Umgekehrt zeigte Mitra: Ein gefühltes Gehaltsminus von 5 % (etwa bedingt durch Inflation) reicht aus, damit Mitarbeiter verärgert reagieren und weniger hart arbeiten.

2. Geld motiviert nur die Überdurchschnittlichen

Produktive Mitarbeiter sind besonders glücklich über eine leistungsgerechte Bezahlung. Forscher um Uwe Jirjahn zeigten, dass eine leistungsabhängige Vergütung bei Leistungsträgern und überdurchschnittlichen Arbeitnehmern den größten Effekt hat. Ihr Tipp: Arbeitgeber sollten bei Bezahlungsmodellen selektieren, für besonders produktive Mitarbeiter sei eine Leistungsbeteiligung das beste Instrument.

3. Geld verändert Beziehungen

Geld verändert Beziehungen: Hat jemand vorwiegend materielle Lebensziele, sucht Ruhm und Reichtum, verändert das seine Perspektive. Er stuft Arbeit und Erfolg höher ein, persönliche Beziehungen dagegen niedriger. Für die Geldstreber werden andere Menschen dann oft nur Mittel zum Zweck – das zeigen Studien von Richard Ryan an der Universität von Rochester in New York.

4. Mehr Einkommen motiviert nur 4 Jahre

Eine bessere Bezahlung motiviert – aber 4 Jahre lang. Spätestens dann verpufft der Effekt laut Wissenschaftlern der Universität Basel. Grund hierfür ist der Gewöhnungseffekt: Das Plus auf dem Konto wird zur Normalität, gleichzeitig steigen Ansprüche und Wünsche weiter. Hinzu kommt: Einkommensreichtum ist relativ. Mitarbeiter messen ihr Einkommen nicht nur in absoluten Zahlen, sondern vergleichen sich mit Kollegen, Freunden, Nachbarn. Der Gewöhnungseffekt wirkt daher besonders schnell, wenn das Gehalt anderer das eigene übersteigt.

5. Geld macht einsam

Es muss sich nicht einmal um echtes Geld handeln – schon die Nähe zu Geld-Symbolen reichte in Experimenten von Kathleen Vohs, damit die Teilnehmer mehr an sich dachten. Wer etwa unter einem Geldscheinposter saß, widmete sich lieber allein einem Buch, statt mit Freunden ins Café zu gehen. Und wer beim Monopoly abkassierte, half anschließend nicht beim Einsammeln von Bleistiften, die der Versuchsleiter „zufällig“ fallen gelassen hatte. Überspitzt: Geldgedanken machen weniger sozial.

6. Wer an Geld denkt, hat weniger Zeit

Wer in seiner Freizeit ausschließlich über Geld und das Geldverdienen nachdenkt, hat deutlich mehr Stress. Ein Experiment von Cassie Mogilner Holmes zeigte: Probanden, die in ihrer Kaffeepause durch einen Fragebogen auf finanzielle Themen fokussiert wurden, beeilten sich danach mehr. Beschäftigte sich der Fragebogen mit dem Faktor Zeit, waren die Teilnehmer hernach gelassener, glücklicher und pflegten soziale Kontakte in der Pause.

7. Wer an Geld denkt, dem wird kalt

Wenn Sie an Geld denken, wird Ihnen kalt. In einer Gemeinschaftsstudie der Universitäten Basel und Salzburg schätzten Probanden die Temperatur im Raum durchschnittlich kälter ein, wenn ihr Fokus auf Geldsorgen lag. Auch die Temperatur von einem Eimer Wasser fühlte sich für sie deutlich kälter an.

8. Geld entwertet Ziele

Sobald wir für etwas Geld bekommen, sinken die intrinsische Motivation und das freiwillige Engagement. Bei der Studie von Theresa Amabile schrieben die Teilnehmer Gedichte. Wurden sie dafür bezahlt, formulierten sie weniger Zeilen und die auch weniger gut als jene, die einfach mit Worten spielen und sich selbst ausdrücken sollten – siehe auch: Korrumpierungseffekt.


Was andere dazu gelesen haben