Lange Zeit galt er als uncool, out und völlig undenkbar für einen Mann, der jung, dynamisch und gepflegt wirken wollte: der Bart. Seit einiger Zeit aber feiert der Bart ein enormes Comeback, gilt als lässig, männlich und wird wieder kunstvoll rasiert, getrimmt, gezwirbelt, geflochten, gefärbt und sogar parfümiert. Wie hieß es so schön in der Antike: Barba decet virum – der Bart macht den Mann. Aber gilt das auch im Job?

Die kurze Antwort lautet: Ja, Barttragen ist auch im Büro kein tabu mehr. Vielleicht noch nicht in allen konservativen Branchen und bei älteren Chefs. In den meisten anderen Branchen und Berufen wird der Bart aber längst toleriert – mit einer Einschränkung: gepflegt muss er sein.

Ein Vollbart vom Typ Methusalem wird auch weiterhin eher Stirnrunzeln auslösen und der Schnauzbart vom Typ Tom Selleck wirkt leider immer noch pornös und dürfte auch die Kolleginnen latent abschrecken. Wesentlich verbreiteter sind da der sogenannte Drei-Tage-Bart, den sich laut einer Men’s Health-Umfrage rund 37 Prozent der Bartträger wachsen lassen oder der Kinnbart (zwölf Prozent). Weitere vier Prozent lassen sich einen sogenannten Henriquatre stehen – also eine Kombination aus Schnauzer und Kinnbart, wie man ihn etwa bei Pop-Sänger George Michael schon gesehen hat. Es gibt für diese Form noch eine andere Bezeichnung, die ist aber nicht jugendfrei und vulgär.

Kleine Bartkunde

Apropos: Kennen Sie auch die anderen, modernen Barttypen, die derzeit im Trend liegen?

  • Der Chin Puff ist im Grunde kein richtiger Bart, eher ein Überbleibsel: Der schmale Bartsteg beginnt direkt unter der Unterlippe und reicht maximal über das Kinn hinaus. Dadurch lässt er das Gesicht länger erscheinen und wirkt am besten bei runden Gesichtern. Oder an Männern, die irgendwie cool aussehen wollen. Der Chin Puff muss allerdings unbedingt täglich getrimmt werden, damit er nicht wie eine vergessene Stoppelpiste aussieht.
  • Der Ziegenbart Auch Kinnbart oder Goatee genannt, genießt nicht gerade das beste Image: Wer will schon aussehen wie eine Ziege? Und werden die Haare zu lang, sieht Mann damit gleich aus wie Catweazle – jedenfalls schneller als bei dem nahen Verwandten, dem Chin Puff. Bei dichtem Bartwuchs und sehr kurzem Haar wirkt der Ziegenbart aber durchaus temperamentvoll – verspielter noch in seiner Variante als French Fork: Hierbei wird der Ziegenbart per Rasur in der Mitte geteilt, sodass die übrig gebliebenen Stege an eine Gabel erinnern. Daher auch der Name.
  • Der Chin Strap ist eine Variante des Kinnbarts – oder wenn man so will die Edelversion einer Schifferkrause. Beim Chin Strap läuft eine dünne Bartlinie von der einen Wange über das Kinn bis zur anderen Wange entlang und zeichnet so die Kieferlinie nach. Das macht kantige Gesichter weicher und ovaler und lässt den Träger sanfter und romantischer erscheinen. Voraussetzung allerdings: kurzes dunkles Haar und ein dichter Bartwuchs an der Kieferlinie entlang. Außerdem lässt sich der Chin Strap gut mit dem Chin Puff kombinieren.
  • Der Rap Industry Standard Dieser Bart kombiniert diverse Barttypen – Chin Strap, Chin Puff und Schnauzer – ist aber durchweg viel feiner geschnitten und wirkt dadurch sehr gepflegt, ist aber auch aufwendig zu rasieren und zu pflegen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine sauber geschnittene Konturlinie, die einmal am Kiefer entlang und um den Mund herum führt und dabei alle Teile mit einander verbindet. Passt gut zu runden Gesichtern, steht aber auch ovalen und fällt auf jeden Fall auf.
  • Der Soul Patch erinnert an den sogenannten D’Artagnan-Bart. Er ist eine Kombination aus schmal geschnittenem Schnauzer und kleinem Dreieck an der Unterlippe. Passt ausnahmslos gut zu ovalen Gesichtern, Rundschädel sollten ihn aber meiden – trägt auf. Allerdings: Trotz hohem Coolness-Faktor wirkt dieser Bart schnell affektiert, wenn sein Träger nicht wirklich cool ist.
  • Der Backenbart ist leicht zu rasieren und zu pflegen: Alles Barthaar im Gesicht kommt weg, nur an den Wangen bleibt es stehen. Das sieht ein bisschen wie zu groß gewachsene Koteletten aus, beim richtigen Typ kommt das aber ungemein kernig und männlich rüber. Nur: Der Backenbart muss täglich gestutzt werden, damit die Haare hübsch in Form bleiben. Sonst mutiert Mann zum Gesichtstaliban.
  • Der Zuhälterbart ist schon wegen seines Namens nicht die erste Wahl – aber ein typischer Retrobart, der unter vielen Kreativen hipp ist. Er sieht aus wie ein verlängerter Schnurrbart, bei dem die Streifen links und rechts vom Mund nach unten ragen. Wird er dünn rasiert, heißt er auch Fu-Manchu- oder Mongolenbart. Keine Frage, mit einer Tropfensonnenbrille aus den Siebzigern wirkt das ungemein lässig – im Büro aber weniger. Ein typischer Freizeitbart eben.

Pflege & Wirkung

Wie jedes Haar sollte auch der Bart regelmäßig gepflegt werden. Heißt: Auch wenn Mann es sprießen lässt, gehören die Stoppeln täglich gewaschen und rasiert. Insbesondere die Stellen, wo kein Haar hingehört beziehungsweise die restliche Form stören würde.

Interessant: Die Hamburger Soziologin Christina Wietig hat sich schon 2005 in ihrer Dissertation (PDF) mit dem Phänomen Bart beschäftigt und dabei herausgefunden: Er gilt nach wie vor als Symbol urwüchsiger Männlichkeit, Gesundheit und Fertilität. Mehr als 30 Prozent der 524 Befragten verbanden mit dem üppigem Gesichtsbewuchs eine gesteigerte Potenz im Bett.

Noch etwas älter, aus dem Jahr 2004, ist eine Studie von der Psychologin Barbara Strauß von der Universität Kiel. Die ging der Frage nach, wie Bärte wirken. Resultat: Der Bart lässt Männer sympathischer und intelligenter erscheinen. Dazu ließ sie 85 männliche und weibliche Studenten Fotos von 48 Männern ansehen – die Hälfte davon trug Vollbart, der Rest war vollfächig rasiert. Der Trick war: Alle Abgebildeten schauten gleich ausdruckslos drein. Dennoch wurden die Bärtigen im Durchschnitt von den Probanden deutlich positiver beurteilt.

Ob der Bart die Träger auch sexy macht, ist unklar. Das dürfen nun Sie gerne in den Kommentaren beurteilen.