Definition: Was ist das Trolley-Problem?
Das Trolley-Problem (auch: Straßenbahn-Problem) ist eines der bekanntesten moralischen Dilemmata und ein klassisches Gedankenexperiment der Philosophie. Es stellt die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, einen Menschen zu opfern, um mehrere andere zu retten. Das Grundszenario lautet:
- Ein führerloser Zug rast auf eine Weiche zu.
- Auf dem Hauptgleis arbeiten fünf Menschen, die den Zug nicht bemerken.
- Sie können die Weiche umstellen und den Zug auf ein Nebengleis lenken.
- Dort befindet sich jedoch eine einzelne Person, die dadurch sicher stirbt.
- Wie würden Sie sich entscheiden?
Die zentrale Frage des Trolley-Problems lautet: Ist es ethisch vertretbar, aktiv den Tod eines Menschen in Kauf zu nehmen, um fünf andere Menschen zu retten? Dabei geht es nicht nur um das Ergebnis, sondern auch darum, ob aktives Handeln moralisch anders zu bewerten ist als passives Nichtstun.
Die zwei Hauptvarianten des Trolley-Problems
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Das Weichen-Szenario
Eine Straßenbahn rast auf fünf Gleisarbeiter zu. Sie stehen an einer Weiche und können den Zug auf ein Nebengleis umlenken, auf dem sich nur ein Arbeiter befindet. Die Mehrheit der Menschen entscheidet sich dafür, den Hebel umzulegen und fünf Leben auf Kosten eines einzelnen zu retten.
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Das Brücken-Szenario (Footbridge Problem)
In dieser Variante gibt es keine Weiche. Sie stehen auf einer Brücke neben einem sehr schweren Mann. Würden Sie ihn auf die Gleise stoßen, könnte sein Körper den Zug stoppen und die fünf Arbeiter retten. Obwohl das Ergebnis rechnerisch identisch ist – ein Mensch stirbt, fünf überleben –, lehnen die meisten Menschen diese Handlung als moralisch falsch ab.
Trolley-Problem Ursprung
Das Trolley-Problem bzw. Trolley-Dilemma wurde ursprünglich 1967 von der britischen Philosophin Philippa Foot beschrieben. Der Name „Trolley“ leitet sich vom englischen Namen für Straßenbahn ab. Philippa Foot ging es um die Frage, ob es moralisch besser ist, einen Schaden nicht zuzufügen, als aktiv Gutes zu tun.
Warum ist das Trolley-Problem heute wieder aktuell?
Mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) gewinnt das Gedankenexperiment neue Bedeutung: Selbstfahrende Autos, autonome Roboter oder andere intelligente Systeme könnten in Extremsituationen Entscheidungen treffen müssen, bei denen Menschenleben gegeneinander abgewogen werden. Das Trolley-Problem dient deshalb bis heute als zentraler Ausgangspunkt für Diskussionen über Ethik, Verantwortung und die Programmierung autonomer Systeme. Tatsächlich weiß man heute, dass sich selbst KI aufgrund von menschlichen Beurteilungsfehlern (sog. Bias) im Trainingsmaterial eher noch rassistisch, sexistisch oder diskriminierend entscheiden würde, und daher moralisch zweifelhafte Entscheidungen trifft.
Die meisten Menschen (82 %) in Deutschland entscheiden sich laut Umfragen übrigens dafür, die Weiche umzustellen und einen Menschen zu opfern, um mehrere andere zu retten. Anders im asiatischen Raum: Laut Studien von Iyad Rahwan vom Max-Planck-Institut in Berlin entscheiden sich in China nur 58 % dafür, die Weiche umzustellen. In Südkorea und Taiwan sind es je knapp 70 %. Die Erklärung: In Ländern, in denen es außerhalb von Familie oder Beruf schwierig ist, neue Beziehungen zu knüpfen, ist die Bereitschaft, einen Menschen zu opfern, geringer. „Die Menschen befürchten, dass sie als Monster wahrgenommen werden könnten“, sagt Rahwan.
Was sind Varianten des Trolley-Problems?
Zu dem klassischen Trolley-Problem gibt es inzwischen noch drei weitere Varianten:
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Switch-Szenario
Das Switch-Szenario entspricht dem klassischen Dilemma. Ein Weichensteller hat die Option, die Straßenbahn auf ein Nebengleis umzuleiten und einen solchen Menschen zu opfern, um fünf zu retten. Durch das Umlegen der Weiche töten Sie den einen Gleisarbeiter jedoch nicht aktiv, sondern nehmen dessen Tod nur in Kauf – mit der Chance, dass er den herannahenden Zug doch noch bemerkt.
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Loop-Szenario
Beim Loop-Szenario wird die Straßenbahn per Weiche auf das Nebengleis gelenkt und kehrt danach auf das Hauptgleis zurück. Durch das Umstellen der Weiche, wird der eine Arbeiter zwar bewusst getötet. Der Unfall verhindert jedoch, dass die Bahn auf das Hauptgleis zurückkehrt und die fünf anderen überrollt. Bei diesem Szenario muss also der Tod der einzelnen Person aktiv genutzt werden, um die anderen zu retten. Der Unfall stoppt den Zug.
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Footbridge-Szenario
Beim Footbridge-Szenario gibt es wiederum keine Weiche. Stattdessen kann ein Mensch von einer Brücke vor die Straßenbahn gestoßen werden. Das stoppt ebenfalls den Zug und rettet so die Gleisarbeiter. Bei diesem Szenario und Dilemma muss man jedoch aktiv einen Mord begehen, um andere zu retten.

Alle drei Szenarien fordern zum Nachdenken heraus: In allen drei Fällen muss ein Mensch sterben, damit andere überleben – jedoch greifen Sie dabei unterschiedlich stark ein. Es ist enorm schwer zu entscheiden, welche Handlung gerechtfertigt ist.
Wie lässt sich das Trolley-Dilemma lösen?
Das klassische Trolley-Problem kennt nur zwei Handlungsoptionen: Sie greifen nicht ein und der Zug überfährt fünf Menschen – oder Sie stellen die Weiche um und retten fünf Leben, nehmen dafür aber den Tod einer einzelnen Person bewusst in Kauf. Welche Entscheidung ist moralisch richtig? Die wichtigsten ethischen Ansätze kommen zu unterschiedlichen Antworten:
- Utilitarismus (Jeremy Bentham, John Stuart Mill)
Der Utilitarismus bewertet Handlungen nach ihren Folgen. Ziel ist das größtmögliche Wohl für die größtmögliche Zahl. Deshalb gilt das Umstellen der Weiche als richtige Entscheidung, weil dadurch insgesamt weniger Menschen sterben. - Deontologie (Immanuel Kant)
Nach der Pflichtethik sind moralische Regeln wichtiger als die Folgen einer Handlung. Das aktive Umlenken der Weiche wäre daher unzulässig, weil Sie bewusst den Tod eines unschuldigen Menschen verursachen – selbst wenn dadurch fünf andere gerettet werden. - Tugendethik (Aristoteles)
Die Tugendethik fragt weniger nach Regeln oder Folgen, sondern danach, wie ein tugendhafter Mensch handeln würde. Die Entscheidung hängt deshalb von Eigenschaften wie Mitgefühl, Weisheit, Gerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein ab und lässt sich nicht allein mathematisch begründen.
Eine objektiv richtige Lösung gibt es bis heute nicht. Genau deshalb beschäftigt das Trolley-Problem Philosophen, Psychologen und Ethiker bis heute. Studien zeigen, dass sich die Mehrheit im Weichen-Szenario für das kleinere Übel entscheiden und einen Menschen opfern würde, um fünf zu retten. Sinkt jedoch die räumliche oder moralische Distanz – etwa wenn jemand im Brücken-Szenario aktiv gestoßen werden müsste –, lehnen die meisten diese Handlung ab.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, bewusst nicht einzugreifen. Dahinter steht die Überzeugung, dass man für ein Unglück, das man nicht verursacht hat, auch keine aktive Verantwortung übernehmen muss. Das wirft jedoch eine weitere ethische Frage auf: Ist Untätigkeit tatsächlich moralisch neutral – oder ist sie ebenfalls eine Entscheidung mit Verantwortung?
Empathie macht hilfsbereiter
Als sich Wiener Wissenschaftler um den Psychologen Claus Lamm mit dem Trolley-Problem beschäftigten, baten sie ihre Versuchsteilnehmer, sich zuvor in den Arbeiter auf dem Nebengleis hineinzuversetzen. Ergebnis: Die Empathie erhöhte den Stress bei der Entscheidung deutlich – und es waren signifikant weniger Probanden bereit, den Nebenarbeiter zu opfern.
Die Studie deutet darauf hin, dass soziales Verhalten und die Wahl im Trolley-Problem stark davon abhängt, ob wir die Betroffenen kennen und mit ihnen mitfühlen können. Was uns selbst auf ein Nebengleis bringt: das Sozialverhalten im Internet! Oft zeigen sich die Menschen in ihren Kommentaren herzlos und kalt. Sie „opfern“ eine Person auf dem Scheiterhaufen des Shitstorms mit Hass, Häme und Hohn. Laut den Wiener Forschern nehmen wir in der von Pixeln dominierten Umgebung des WWW andere nicht als Menschen, sondern als Objekte wahr und verhalten uns entsprechend ekpathisch.
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