Was versteht man unter guten Manieren?
Gute Manieren bezeichnen die in einer Gesellschaft üblichen Verhaltensregeln, um ein höfliches, respektvolles und rücksichtsvolles Miteinander von Menschen zu ermöglichen. Gute Manieren zeigen sich zum Beispiel darin, wie jemand spricht, zuhört, handelt und auf andere eingeht – unabhängig von Situation, Status oder persönlichem Vorteil.
Manieren oder gutes Benehmen sind jedoch kein starres Regelwerk, sondern Ausdruck von sozialer Kompetenz, Empathie und Selbstkontrolle. Im Kern bedeutet es, die Wirkung des eigenen Verhaltens auf andere zu reflektieren und Verantwortung dafür zu übernehmen.
Typische Beispiele für gute Manieren:
- Alle Menschen mit Respekt behandeln.
- Auf andere Rücksicht nehmen.
- Bitte, Danke und Entschuldigung sagen.
- Zuhören und andere ausreden lassen.
- Zusagen einhalten und pünktlich sein.
- Sich angemessen kleiden und sprechen.
- In Warteschlangen nicht vordrängeln.
Wer gute Manieren besitzt, stellt nicht nur die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt, sondern berücksichtigt im Alltag oder Berufsleben ebenso die Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen seines Gegenübers. Gerade in Konfliktsituationen wird sichtbar, ob die Umgangsformen nur Fassade sind oder Ausdruck einer festen Grundhaltung.
Bedeutung: Woher kommt das Wort Manieren?
Der Begriff „Manieren“ geht über mittelhochdeutsch „maniere“ auf das altfranzösische „manière“ zurück, das „Art“ oder „Betragen“ bedeutet und wiederum aus dem lateinischen „manuarius“ (= handlich, handhabbar) abgeleitet wurde. Ursprünglich beschreiben Manieren also die Art und Weise, wie etwas allgemein „gehandhabt“ wird.
Was sind schlechte Manieren?
Analog zu den allgemeinen Verhaltensregeln wird abweichendes und unangenehmes Verhalten oftmals als „schlechte Manieren“ oder „schlechte Kinderstube“ bezeichnet. Dazu zählen etwa lautes Schmatzen, Rülpsen oder Furzen bei Tisch, öffentlich in der Nase bohren sowie generell rücksichtsloses Benehmen im Straßenverkehr oder Alltag.
Aber auch obszöne Gesten und Handzeichen, verbale Entgleisungen, Gossenjargon und Fäkalsprache oder Wutausbrüche gelten als Zeichen für schlechte Manieren.
Die Bewertung ist kulturabhängig
Die Bewertung von Manieren ist jedoch abhängig vom jeweiligen Kulturkreis. Was in Deutschland als höflich gilt kann anderswo für Irritation sorgen – und umgekehrt. Beispiel: In Deutschland begrüßen sich Personen jeden Geschlechts mit einem Handschlag. Im arabischen Raum gilt es hingegen als respektlos als Mann eine Frau zu berühren, während sich in asiatischen Ländern die Menschen zur Begrüßung mehrheitlich verbeugen. Hierbei gilt sogar: Je höher die andere Person in der Hierarchie steht, desto tiefer die eigene Verbeugung (siehe: Auslandsknigge). Diese Unterschiede zu kennen und anwenden zu können, ist nicht nur ein Zeichen für gute Manieren, sondern mehr noch für interkultureller Kompetenz.
Ist gutes Benehmen noch heute wichtig?
Gerade weil die Kommunikation schneller, direkter und oft anonymer wird, ist gutes Benehmen heute sogar wichtiger denn je. Gute Manieren zu haben, wirkt wie ein sozialer Stabilitätsfaktor. Es fördert das Zusammenleben und den toleranten Dialog in einer vielfältigen, pluralistischen Gesellschaft, in der unterschiedliche Werte und Kulturen aufeinandertreffen. In Zeiten von Social Media verschwimmen die Grenzen zusehens: Der Ton wird schärfer und radikaler, gleichzeitig nimmt die Rücksichtnahme ab. Genau hier setzt gutes Benehmen an: Es sorgt für mehr Respekt, Orientierung und Wertschätzung im Umgang miteinander.
Gutes Benehmen ist dabei weniger ein Zeichen von Förmlichkeit oder Anpassung, sondern von sozialer Intelligenz. Wer taktvoll, respektvoll und aufmerksam handelt, zeigt, dass er oder sie die Wirkung des eigenen Verhaltens versteht. Das erzeugt Vertrauen und Ansehen – im privaten Umfeld genauso wie im Berufsleben. Menschen mit guten Umgangsformen gelten als charmant, professionell und glaubwürdig.
Besonders im Arbeitsalltag sind gute Manieren ein echter Erfolgsfaktor: Fachliche Kompetenz wird zunehmend vorausgesetzt, doch wie jemand kommuniziert, mit Kritik umgeht oder Verantwortung übernimmt, entscheidet oft über Zusammenarbeit, Aufstieg und Reputation. Unhöflichkeit, Rücksichtslosigkeit oder mangelnde Verlässlichkeit werden schneller sanktioniert als früher – wenn auch oft still, dafür langfristig.
Business-Knigge: Was sind die 10 wichtigsten Regeln im Berufsleben
Unabhängig von Job, Position oder Hierarchie: Gerade im Job ist gutes Benehmen essenziell. Es beweist nicht nur eine gute Kinderstube, sondern zugleich Niveau und Professionalität. Ohne entsprechende Manieren verbauen sich viele Chancen – bei der Bewerbung ebenso wie in der späteren Karriere. Das sind die 10 wichtigsten Knigge-Regeln im Job:
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Grüßen und verabschieden Sie sich.
Die Mindestanforderung ist, Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte stets freundlich mit Blickkontakt und passender Anrede zu begrüßen oder zu verabschieden und nicht einfach wortlos zu verschwinden.
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Erscheinen Sie pünktlich.
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Erscheinen Sie zu Meetings, Terminen oder Online-Calls 1-2 Minuten vorher und sagen Sie bei Verspätungen rechtzeitig Bescheid.
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Kleiden Sie sich angemessen.
Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist im Job absolutes Muss. Die Grundregel lautet: Kleiden Sie sich nicht nur für den Job, den Sie haben, sondern für den Job, den Sie wollen (engl. dress for success).
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Sprechen Sie Kollegen und Kunden professionell an.
Als offizielle Anrede im Berufsleben gilt das Siezen. Warten Sie ab, bis man Ihnen das „Du“ anbietet. Laut Knigge darf das im Job nur die ranghöhere Personen! Auch die Sprache und Wortwahl sollten zur Unternehmenskultur passen.
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Hören Sie aufmerksam zu.
Wie schon bei den Alltagsregeln gilt auch im Beruf: Lassen Sie andere ausreden, unterbrechen Sie niemanden, hören Sie aktiv zu und fragen Sie nach, um Missverständnisse zu reduzieren. Und vermeiden Sie, Gespräche zu dominieren.
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Bleiben Sie höfliche und sachlich – auch digital.
Achten Sie auch in der digitalen Kommunikation auf einen respektvollen Ton. Auch in E-Mails oder Chats sollten eine höfliche Anrede und Grußformel nutzen und auf korrekte Rechtschreibung achten (siehe: Netiquette-Regeln).
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Respektieren Sie Distanz und Privatsphäre.
Wahren Sie einen angemessenen körperlichen Abstand (siehe: Distanzzonen) und respektieren Sie persönliche Grenzen. Unerwünschte Berührungen oder indiskrete Fragen und Kommentare sind im Job tabu.
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Formulieren Sie Kritik konstruktiv, nie bloßstellend.
Geben Sie negatives Feedback möglichst immer unter vier Augen und bleiben Sie dabei unbedingt sachlich. Formulieren Sie Ich-Botschaften und nennen Sie konkrete Beispiele. Persönliche Angriffe oder Bloßstellungen vor dem Team sind ein Beziehungskiller.
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Bieten Sie Ihre Mithilfe an.
Beweisen Sie Teamgeist und bieten Sie Kolleginnen und Kollegen Ihre Unterstützung an, wenn Sie können. Teilen Sie Wissen und beanspruchen Sie bei gemeinsamen Ergebnissen und Erfolgen die Lorbeeren nicht nur für sich.
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Bleiben Sie souverän – auch unter Stress
Gerade unter Druck zeigt sich, ob das gute Benehmen nur aufgesetzt oder eine echte Haltung ist. Wer sich wirklich zu Benehmen weiß, bleibt auch bei Stress höflich, wertschätzend und lösungsorientiert.
Gute Manieren sind ein Türöffner
Für Adolf Freiherr von Knigge waren gute Manieren übrigens ein Grundprinzip, wonach man sich so verhalten sollte, „dass das Verhalten von Freundlichkeit und Rücksichtnahme geprägt ist.“ Das kann jeder lernen. Im Kern geht es bei den Manieren sowieso darum, ein Gefühl für Situationen und Menschen zu bekommen: Was ist gerade angebracht und angemessen – was nicht? Was steckt hinter der Reaktion? Wie wird meine Reaktion wirken?
Wer hierfür sein Einfühlungsvermögen und seine Menschenkenntnis trainiert, öffnet sich viele Türen im Leben. Gute Umgangsformen werden überall auf der Welt geschätzt und gewürdigt.
Wie kann ich höfliche Manieren lernen?
Um Ihre Manieren zu verbessern, braucht es nicht viel. Unsere Empfehlungen dazu:
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Beobachten Sie andere
Gemeint ist natürlich kein Voyeurismus. In vielen Lebensbereichen hilft jedoch eine Portion Zurückhaltung und Beobachtung: Wie verhalten sich andere? Was sind die heimlichen Spielregeln? Wichtig ist, sich dabei nicht nur das eigene Milieu als Vorbild zu nehmen, sondern sich auch zunehmend sicherer in fremden Kreisen zu bewegen.
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Seien Sie höflich
Begrüßen Sie Fremde freundlich, stellen Sie sich mit ruhiger Stimme mit Namen vor und nehmen Sie eine offene Körperhaltung ein. Allein mit derart kleinen Verhaltensweisen gewinnen Sie bereits viele Sympathien, bevor Sie überhaupt etwas Substanzielles gesagt haben. Vokabeln wie „Bitte“ und „Danke“ sollten ebenso selbstverständlich zum Repertoire gehören wie höfliche Worte beim Verabschieden.
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Erscheinen Sie pünktlich
Pünktliches Erscheinen wird in Deutschland noch immer vorausgesetzt und geschätzt. Andere warten zu lassen, ist nicht nur ein Zeichen von mangelnder Wertschätzung – es ist gelebte Arroganz, Motto: „Meine Zeit ist mir wichtiger als deine!“ In Fällen, in denen Sie sich unverschuldet und unvorhersehbar verspäten, sollten Sie zumindest frühzeitig Bescheid geben. Kommt das jedoch häufiger vor, steckt eher mangelhaftes Selbstmanagement dahinter.
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Hören Sie aufmerksam zu
Aufmerksames und vor allem aktives Zuhören bedeutet, dass Sie Ihrem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenken und ab und an, Aussagen mit eigenen Worten wiedergeben oder Fragen dazu stellen. Wer zuhört, erfährt nicht nur mehr – die meisten Menschen erinnern Gespräche als besonders angenehm, wenn Sie selbst mehr Redezeit erhalten.
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Zeigen Sie sich zuverlässig
Für eine vertrauensvolle und respektvolle Basis ist es unerlässlich, dass Sie Ihre Zusagen einhalten. Das gilt für private Versprechen genauso wie für Deadlines im Job. Wer das Vertrauen anderer regelmäßig enttäuscht, dessen Wort gilt bald weniger ein Penny. Ein Zeugnis guter Manieren ist es ohnehin nicht, mehr zu versprechen, als man halten kann oder will.
Häufige Fragen zum Thema Benimmregeln
Gute Umgangsformen sind nach wie vor wichtig. Sie erleichtern den Umgang mit anderen Menschen – in der Schule, im Privatleben und im Berufsalltag. Andere zu grüßen, ausreden zu lassen oder ihnen beim Gespräch in die Augen zu schauen, zeigt wichtige soziale Kompetenzen. Hinzu kommt: Wer die wichtigsten Umgangsformen kennt, bewegt sich selbstsicherer im Alltag und eckt weniger an.
Verschiedene Situationen erfordern unterschiedliche Regeln. Aber zu den allgemeinen 10 Grundregeln gehört:
1. Andere höflich begrüßen und verabschieden.
2. Bitte, Danke und Entschuldigung sagen (können).
3. Zu Verabredungen pünktlich erscheinen.
4. Zuhören und andere ausreden lassen.
5. Generell auf andere Rücksicht nehmen.
6. Angemessene Worte wählen.
7. Im Ton stets ruhig und sachlich bleiben.
8. Distanzzonen respektieren und einhalten.
9. Bei Warteschlangen nicht vordrängeln.
10. Mitmenschen grundsätzlich respektvoll behandeln.
Gutes Benehmen ist nach Ansicht vieler Experten so wichtig, um sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen, dass es ein Schulfach dafür geben sollte. Insbesondere weil auch die interkulturelle Kompetenz in Deutschland immer wichtiger wird und gute Manieren immer seltener. Gleichzeitig bleibt es Aufgabe der Eltern, gute Umgangsformen zu vermitteln.
Der Begriff „Netiquette“ setzt sich aus „Net“ (für das Internet) und „Etiquette“ (für gute Umgangsformen) zusammen. Es geht dabei also um gutes Benehmen im Internet. Grundsätzlich gelten hier dieselben Benimmregeln wie im realen Leben und Alltag. Besonderheiten sind aber z.B. der Umgang mit Emojis, Werbemails oder Großschrift (was als Anschreien interpretiert wird). Fotos von anderen ohne deren Zustimmung zu veröffentlichen, gilt wiederum als tabu.
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