Erst vor Kurzem berichtete die Karrierebibel über ein relativ frisches Phänomen, dass derzeit Einzug in immer größere Teile der Wirtschaft findet: Enterprise 2.0. Die stetig steigende Nutzung sozialer Plattformen im privaten Bereich veranlasst auch immer mehr Unternehmen dazu, selbst solche Netzwerke zu entwickeln und für die eigenen Ziele einzusetzen.

Eine aktuelle Studie der Deutsche Bank Research (pdf) liefert nun neben weiteren Statistiken neue Erkenntnisse zur Verbreitung von Enterprise 2.0 sowie zu möglichen Erfolgsfaktoren. Wir haben die wichtigsten Aspekte für Sie zusammengefasst und liefern einige Anregungen, wie Enterprise 2.0 auch in Ihrem Unternehmen funktionieren kann.

Enterprise 2.0 vs. Web 2.0: Was ist was?

Streng genommen müssen die Begriffe Enterprise 2.0 und Web 2.0 unterschieden werden. Unter Web 2.0 versteht man in der Regel alle sozialen Plattformen im Internet, die der Öffentlichkeit zugänglich sind und nicht von einem einzelnen Unternehmen genutzt werden; beispielsweise YouTube, Facebook und Twitter. Häufig wird der Begriff Social Media synonym verwendet.

Entwickeln Unternehmen Ihre eigenen Netzwerk-Plattformen, in denen Sie selbst Funktionen, Teilnehmer und Themen bestimmen, so spricht man von Enterprise 2.0. Diese Plattformen können entweder unternehmensintern oder für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Partnern oder Kunden genutzt werden. Typische Instrumente des Enterprise 2.0 sind Wikis, Blogs, Foren und soziale Netzwerke.

Aktuelle Verbreitung

Aktuelle Umfragen haben ergeben, dass 20 Prozent der Unternehmen in Europa und den USA heute Enterprise 2.0-Instrumente einsetzen. Am häufigsten werden Foren, Blogs (jeweils 20 Prozent) und Wikis (17 Prozent) genutzt; auch eigene soziale Netzwerke spielen eine Rolle (14 Prozent). Andere Plattformen zur Ideenentwicklung und Microblogs sind hingegen weniger relevant. Besonders Wikis sind in den befragten Unternehmen zukünftig fest eingeplant (35 Prozent), rund ein Viertel plant die Schaffung von Blogs und/oder Foren.

Die Vorteile von Enterprise 2.0

Bei aller Verschiedenheit dient jedes Instrument des Enterprise 2.0 dazu, das Wissen und die Erfahrungen jedes Mitarbeiters für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Prozesse können optimiert, unerkannte Schwächen im Unternehmen identifiziert und die Zusammenarbeit verbessert werden. Gerade in großen Konzernen, in denen Abteilungen oft isoliert arbeiten und wenig Kontakt zu anderen Teilen des Unternehmens haben, können störende Informationsbarrieren durch gemeinsame Plattformen umgangen werden.

Wird die Öffentlichkeit in die Kommunikation mit einbezogen, beispielsweise in Corporate Blogs, so dient Enterprise 2.0 auch der Imagebildung, der Personalsuche und dem Marketing. Besonders gut funktioniert das natürlich bei Unternehmen und Produkten, die im Lifestyle- und Konsumbereich angesiedelt sind und leicht „Fans“ anhäufen können. Dass Anwender häufig Fehler und Optimierungspotenziale erkennen, die dem Unternehmen sonst verborgen geblieben wären, ist ein weiterer Vorteil der externen Nutzung von Enterprise 2.0.

Wie aber wirken sich diese theoretischen Überlegungen in der Realität aus? Laut einer etwas älteren Bitkom-Studie von 2008 bewerteten von 361 befragten Unternehmen 62 Prozent die Auswirkungen von Web 2.0-Technologien auf den Unternehmenserfolg als positiv, während nur ein Prozent negative Effekte feststellte. Der Rest der Befragten erkannte keinen Einfluss (18 Prozent) oder konnte noch keine Wirkung nachweisen (18 Prozent).

Die richtige Planung

Sowohl im internen als auch im öffentlichen Einsatz bietet Enterprise 2.0 einige Fallstricke, die schlecht vorbereiteten Unternehmen zum Verhängnis werden können. Wenn jedoch bereits im Vorfeld die wichtigsten Fragen beantwortet werden, kann die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs verringert werden:

  • Passen moderne Enterprise 2.0-Instrumente überhaupt zur Unternehmenskultur?
  • Verträgt das Image des Unternehmens auch kritische und provokante Kommentare?
  • Herrscht eine negative Stimmung im Unternehmen, die sich durch eine verstärkte Kommunikation der Mitarbeiter aufheizen könnte?
  • Ist mit Konflikten zwischen Mitarbeitern zu rechnen? Sind diese vermeidbar?
  • Erlaubt die Unternehmenskultur die flachen Hierarchien in der Kommunikation, die mit Enterprise 2.0 einhergehen?

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Sind diese grundsätzlichen Fragen beantwortet, kann die Planung spezifiziert werden:

  • Welche Ziele werden mit den Instrumenten verfolgt? (Informationsaustausch, Innovationen und Produktverbesserungen, Pflege der Kundenbeziehungen…)
  • Wer ist Zielgruppe der verschiedenen Maßnahmen; für wen sollen die Inhalte zugänglich sein? (Alle Kunden oder Mitglieder, ganzes Unternehmen oder Teams…)
  • Sollen interne oder externe Instrumente verwendet werden? (Häufig experimentieren Unternehmen im internen Umfeld, bevor sie Enterprise 2.0 öffentlich einsetzen.)
  • Welche Art von Instrument ist für die angestrebten Ziele überhaupt geeignet? (Beispielsweise sind Wikis besonders gut zur Wissensbündelung geeignet, während Blogs den Dialog zwischen Mitarbeitern fördern.)

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Der Schlüssel zum Erfolg

Zusätzlich zu den aufgeführten Fragen sind weitere Faktoren für den erfolgreichen Einsatz von Enterprise 2.0 von Bedeutung, die in der Grafik links aufgeführt sind (klicken zum Vergrößern). Vor allem die Akzeptanz der Angebote durch Mitarbeiter, Partner und Kunden ist entscheidend. Dafür müssen die Instrumente gut in den Arbeitsalltag integriert sein. Zudem sollten Führungskräfte bei der Nutzung mit gutem Beispiel vorangehen oder die Maßnahmen zumindest wohlwollend unterstützen.

Werden all diese Punkte berücksichtigt, kann Enterprise 2.0 in beinahe jedem Unternehmen positiven Einfluss auf die Kommunikation und den Unternehmenserfolg haben.