Wie funktioniert das Lebenskurve-Modell?
Das Lebenskurve-Modell stammt aus dem Coaching und der Biografiearbeit. Anders als ein klassischer Lebenslauf, der vor allem berufliche Stationen dokumentiert, betrachtet die Lebenskurve Ihre persönliche Geschichte: Welche Ereignisse haben Sie geprägt? Wann waren Sie besonders glücklich? Welche Krisen haben Sie gemeistert? Und wie sind Sie zu dem Menschen geworden, der Sie heute sind?
Für die Übung benötigen Sie lediglich ein Blatt Papier im Querformat und einen Stift. Nehmen Sie sich dafür etwa 30 Minuten Zeit und gehen Sie in vier Schritten vor:
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Zeitachse zeichnen
Zeichnen Sie eine horizontale und eine vertikale Achse. Die waagerechte Achse bildet Ihren bisherigen Lebensweg ab – von der Kindheit bis heute. Die senkrechte Achse steht für Ihr emotionales Erleben: oben Hochstimmung, unten Tiefstimmung.
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Lebensereignisse eintragen
Markieren Sie wichtige Meilensteine und Wendepunkte im Leben: Schulabschluss, Ausbildung, Jobs, Beziehungen, Erfolge, Verluste oder persönliche Krisen. Ordnen Sie die Ereignisse chronologisch ein.
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Erlebnisse bewerten
Wie haben Sie diese Lebensabschnitte damals empfunden? Positive Ereignisse markieren Sie oberhalb, negative unterhalb der Zeitachse. Je intensiver die Gefühle, desto höher oder tiefer setzen Sie den Punkt. Beschriften Sie die wichtigsten Stationen mit kurzen Stichworten.
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Lebenskurve verbinden
Verbinden Sie nun die Punkte chronologisch zu einer Linie. So entsteht Ihre persönliche Lebenskurve oder „Lebenslinie“ mit allen Höhen, Tiefen und Wendepunkten.

Tipp: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Erinnerungen
Manche Lebensabschnitte fallen Ihnen sofort ein, andere geraten in Vergessenheit. Alte Fotos, Kalender oder Gespräche mit vertrauten Menschen helfen, Erinnerungen wieder wachzurufen. Bewerten Sie die Ereignisse aus Ihrer damaligen Perspektive. Ein Erlebnis, das Sie heute positiv sehen, kann sich früher ganz anders angefühlt haben. Ihre Lebenskurve ist eine persönliche Momentaufnahme, keine objektive Bewertung Ihres Lebens.
Analyse der Hochphasen
Betrachten Sie zuerst jene Abschnitte, in denen Sie besonders glücklich und zufrieden waren. Was hat diese Phasen so besonders gemacht? Oft entdecken Sie dabei Bedürfnisse, Fähigkeiten oder Lebensumstände, die Ihnen guttun und die Sie im Alltag vielleicht aus den Augen verloren haben.
Stellen Sie sich dazu folgende Fragen:
- Was waren die schönsten Phasen in meinem bisherigen Leben und warum?
- Welche Menschen, Tätigkeiten oder Erfolge haben dazu beigetragen?
- Welche meiner Stärken und Fähigkeiten konnte ich damals einsetzen?
- Was habe ich selbst dazu beigetragen, dass es mir gut ging?
- Welche dieser positiven Bedingungen fehlen mir heute?
Achten Sie besonders auf Gemeinsamkeiten. Vielleicht waren Sie immer dann zufrieden, wenn Sie eigenständig arbeiten, etwas Neues lernen oder anderen Menschen helfen konnten. Solche Muster geben Hinweise auf Ihre persönlichen Werte und Bedürfnisse!
Analyse der Tiefphasen
In jedem Leben gibt es ebenso Täler und Phasen, in denen nicht alles nach Plan oder rund läuft. Auch diese sollten Sie genauer anschauen. Dabei geht es weniger darum, alte Fehler aufzuwärmen, sondern zu verstehen, was Ihnen damals Kraft geraubt hat und wie Sie mit schwierigen Situationen umgegangen sind.
Hilfreiche Fragen sind:
- Warum waren diese Lebensabschnitte negativ?
- Welche Umstände, Konflikte oder Entscheidungen haben dazu beigetragen?
- Was genau will ich davon nie wieder erleben?
- Wer oder was hat mir geholfen, die schwierige Zeit zu überstehen?
- Welche Fähigkeiten habe ich dadurch entwickelt?
- Was würde ich heute anders machen?
Gerade die letzte Frage ist aufschlussreich: Viele Menschen erkennen im Rückblick, dass sie aus früheren Krisen wichtige Erfahrungen und Resilienz gewonnen haben. Vielleicht haben Sie gelernt, Grenzen zu setzen, Unterstützung anzunehmen oder sich beruflich neu aufzustellen.
Allerdings müssen Sie nicht jeder negativen Erfahrung im Nachhinein einen positiven Sinn geben. Manche Ereignisse waren schlicht schmerzhaft oder ungerecht. Auch das darf Ihre Lebenskurve zeigen.
Welche Muster zeigt Ihre Lebenskurve?
Nach der Betrachtung einzelner Hoch- und Tiefphasen folgt die eigentliche Selbstreflexion: Betrachten Sie Ihre Lebenskurve jetzt als Ganzes. Gibt es viele Auf und Abs? Wie schnell wechseln die Phasen? Geht es insgesamt eher bergauf oder bergab? Und wodurch entstanden die wichtigsten Wendepunkte?
Besonders interessant sind wiederkehrende Zusammenhänge:
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Persönliche Stärken
Welche Fähigkeiten haben Ihnen wiederholt geholfen, Herausforderungen zu meistern oder Erfolge zu erzielen?
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Werte und Bedürfnisse
Welche Bedingungen brauchen Sie, um zufrieden zu sein – etwa Freiheit, Sicherheit, Anerkennung oder sinnvolle Aufgaben?
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Beziehungen und Umfeld
Welche Menschen haben Sie unterstützt, gefördert oder ausgebremst? In welchem Umfeld konnten Sie sich besonders gut entwickeln?
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Wiederkehrende Verhaltensmuster
Geraten Sie beispielsweise häufig in ähnliche Konflikte? Übernehmen Sie zu viel Verantwortung oder bleiben Sie zu lange in unbefriedigenden Situationen?
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Persönliche Wendepunkte
Welche Entscheidungen haben Ihrem Leben eine neue Richtung gegeben? Was hat Sie damals zum Handeln bewegt?
Wichtig: Die Lebenskurve zeigt Zusammenhänge, aber keine eindeutigen Ursachen. Ein beruflicher Rückschlag kann mit einer privaten Krise zusammenfallen, ohne dass das eine das andere verursacht hat. Hinterfragen Sie deshalb Ihre ersten Schlussfolgerungen.
Das Lebenskurve-Modell erklärt – im Video
Wie kann ich das Lebenskurve-Modell nutzen?
Wir nutzen die Lebenskurve häufig in unseren Coachings – insbesondere bei einer beruflichen Neuorientierung und der Vorbereitung auf einen Jobwechsel. Zusammen mit unserem Big-Five-Persönlichkeitstest gibt sie Ihnen wertvolle (und visuelle) Impulse, woher Sie kommen, was Sie können und vor allem: was Sie brauchen, um (in einem Job) glücklich zu werden.
Die Lebenskurve eignet sich aber ebenso zur persönlichen Standortbestimmung, wenn Sie unzufrieden sind, vor einer wichtigen Entscheidung stehen oder nach einer schwierigen Lebensphase einen neuen Anfang suchen.
Ein Beispiel: Sie erkennen, dass Ihre beruflichen Hochphasen stets mit viel Eigenverantwortung, kreativen Aufgaben und einem guten Team verbunden waren. Ihre Tiefphasen entstanden dagegen häufig durch starre Hierarchien und fehlende Entwicklungsmöglichkeiten. Daraus lassen sich konkrete Kriterien für die nächste Stelle ableiten – und Fragen, die Sie im Vorstellungsgespräch stellen sollten.
Ich will einen Job, der zu mir passt!
Sind Sie gerade unglücklich mit Ihrem Job und ohne klares Ziel? Dann nutzen Sie unser bewährtes Coaching zum erfolgreichen Jobwechsel: Wir begleiten Sie auf dem systematischen Weg zum Wunschjob, der perfekt zu Ihnen passt:
Aus der Vergangenheit lernen und Ziele ableiten
Der größte Nutzen entsteht, wenn Sie die Erkenntnisse aus Ihrer Lebenskurve in die Gegenwart übertragen. Fragen Sie sich zum Abschluss:
- Was möchte ich aus meinen bisherigen Hochphasen wiederholen?
- Welche negativen Muster möchte ich künftig durchbrechen?
- Welche meiner Stärken und Ressourcen nutze ich heute zu wenig?
- Was sollte sich in meinem Leben oder Beruf konkret verändern?
- Welchen ersten Schritt kann ich dafür schon diese Woche gehen?
Schreiben Sie sich mindestens eine konkrete Veränderung auf. Das kann ein Gespräch mit dem Vorgesetzten sein, die Suche nach einer neuen Aufgabe oder der Entschluss, künftig klarere Grenzen zu setzen. Die Lebenskurve zeigt Ihnen, wie Sie geworden sind, wer Sie heute sind. Ihre nächste Entscheidung bestimmt mit, wie die Linie weitergeht.
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