Wie lassen sich Geschäftsideen finden? Viele stellen sich das so vor, dass einen aus dem Nichts ein Geistesblitz in Gestalt einer fertigen Geschäftsidee ereilt. Doch das ist eher Wunschdenken und hat wenig mit der Realität zu tun. Solche Einfälle sind wenn überhaupt der Anfang, eine erste Sprosse auf einer Leiter, die zu einer runden Idee führt. Und häufig wechselt man am Weg nach oben sogar auf eine völlig andere Leiter oder nimmt am Ende dann doch den Aufzug...

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Geschäftsideen finden: Ein systematischer Prozess

Nicht nur Existenzgründer wollen Geschäftsideen finden. Innovationen sind für jedes Unternehmen von Bedeutung - sei es, dass die Produktpalette erweitert oder das Unternehmen insgesamt ausgebaut werden soll. Aber im Laufe der Zeit steckt jeder Mensch in gewissen Denkmustern fest.

Um am Markt überleben und neue Zielgruppen erschließen zu können, sind kreative Konzepte notwendig. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass zündende Einfälle aus dem Nichts stammen. Insofern leitet der gern verwendete Begriff "Geistesblitz" in die Irre, denn zumeist geht dem ein langer Vorlauf der Ideenfindung voraus.

Geschäftsideen finden ist vielmehr ein systematischer Prozess, der sehr dem Forschen ähnelt. Dafür richten Sie den Fokus darauf, gezielt bessere Ideen zu finden anstatt darauf zu warten, dass Sie zufällig eine Eingebung überkommt.

Wir zeigen Ihnen nachfolgend, wie Sie mit einem 4-Stufen-Plan Geschäftsideen finden können, der Ihren Ideen einerseits genügend Raum lässt und gleichzeitig ausreichend Struktur verleiht.

Geschäftsideen finden: Eröffnen Sie ein Ideenlabor

Aufkommende Ideen sollten Sie niemals einfach verwerfen, sondern ihnen stattdessen genügend Raum geben. Häufig brauchen Ideen eine gewisse "Inkubationszeit", bis sie zu zu etwas Konkretem heranreifen. Der Gründerberater und Inhaber der Gründerberatung Ideenchecker, Reinhold Lackner, rät daher dazu, ein Ideenlabor zu eröffnen.

Ideenlabor deshalb, weil der Begriff "Labor" direkt zum Erforschen einlädt und das Experimentelle in diesem Schritt der Ideenfindung unterstreicht. Es geht darum, grundsätzlich alle Ideen aufzunehmen, kreativ zu probieren und verschiedene Möglichkeiten miteinander zu kombinieren.

Sie werden bewusst zum Ideenforscher, indem Sie diese Kreativitätstechnik anwenden. Der erste Schritt ist nämlich, dass Sie sich ein simples Notizbuch anschaffen. Wer schreibt, der bleibt ist nicht umsonst ein geflügeltes Wort und das Prinzip vieler Geschäftsleute.

Lackner dazu: "Manchmal führen die sonderbarsten Einfälle bei dritter Betrachtung doch noch zu einer runden Idee. Das mag als kleiner Schritt erscheinen, aber unterschätzen Sie nicht welch positive Wirkung es hat, wenn Sie bewusst ein Ideenlabor eröffnen. Unser Gehirn liebt experimentelle Aufgaben. Und es liebt Struktur."

Tipps für Ihr Ideenlabor

Tolle Geschäftsideen finden leicht gemacht die besten verrückteKreativitätstechniken rund um das Aufschreiben haben bei vielen erfolgreichen Menschen Tradition. Sei es, dass sie Morgenseiten gestalten oder ein Erfolgstagebuch führen.

Wichtig ist, dass Sie die Zensur in Ihrem Kopf abschalten und jeden noch so kleinen Einfall aufschreiben. Hier einige Tipps dazu:

  • Verwenden Sie ein blanko Notizbuch (nicht liniert oder kariert). Völlig leere Seiten schränken Sie am wenigsten ein.
  • Führen Sie es immer mit sich. Dadurch halten Sie Ihren Fokus dauerhaft offen.
  • Ein farbiges Bändchen hilft schnell die nächste leere Seite zu finden.
  • Geben Sie Ihren Ideen Struktur.

Ein Beispiel dafür, wie Sie beim Geschäftsideen finden Ihr Notizbuch gestalten können, zeigt das folgende Beispiel von Reinhold Lackner:

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Geschäftsideen finden: Denken Sie in Kategorien

Sie wollen Geschäftsideen finden, die zu Ihnen passen. Dafür brauchen Sie einen bestimmten Rahmen. Der ist im Prinzip vorgegeben, denn Sie haben bereits ein gewisses Schubladendenken, das sich sich an Ihren Wünschen und Interessen orientiert. Also denken Sie in diesen Kategorien, sortieren Sie sie entsprechend.

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist doch die generelle Losung "Think out of the box". Lackner schlägt hingegen vor, gedanklich drei Schubladen mit den Zutaten zu befüllen, die unsere Wunschidee enthalten soll.

  • Erste Schublade: Überlegen Sie, was Ihnen leicht fällt, über welche Fähigkeiten Sie verfügen, die andere nicht oder nicht in dem Umfang haben. Listen Sie hier Hobbys, Interessen, Leidenschaften und Träume auf.
  • Zweite Schublade: Welche Merkmale sollte Ihre Geschäftsidee haben, stellen Sie sich viele Dienstreisen vor? Legen Sie Wert auf Home Office oder ist Ihnen viel Kundenkontakt wichtig?
  • Dritte Schublade: Was braucht es dafür an beruflichen Qualifikationen, reicht die bisherige Ausbildung und Berufserfahrung, müssen Sie weitere Kenntnisse in einer Weiterbildung gewinnen oder planen Sie einen kompletten Bruch mit Ihrem bisherigen Berufsleben?

Geschäftsideen finden: Beobachten Sie den Markt und Trends

Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Geschäftsidee ist die Analyse des Marktes und das Erkennen von Trends. Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie allein sich für eine Idee interessieren, die keiner haben will. Das ist dann keine Geschäftsidee, sondern ein Hobby.

Es geht darum, Bedürfnisse zu erkennen. Dafür muss das bisher innen geführte Ideenlabor nach außen erweitert und geprüft werden, ob eine Idee am Markt denn überhaupt gefragt ist.

Eine Idee ist dann rund und rentabel, wenn Sie es schaffen, die Schnittmenge zwischen Interessen und Stärken einerseits und Marktbedürfnissen und Trends andererseits zu treffen. Sie haben dann Ihre Geschäftsidee gefunden.

Marktbedürfnisse erkennen: Painspotting und Trends

Tolle Geschäftsideen finden Beispiel die besten verrückteEs klingt so leicht, dass jeder immer neugierig und offen sein soll für Neues - aber wie geht das konkret? Nicht jeder ist ein Trendscout. Aber das lässt sich üben.

Das Prinzip ist dahin zu gucken, wo es "weh tut", also schmerzt und wird neudeutsch auch gerne "Painspotting" genannt. Das schließt sowohl die eigene Erfahrung als Konsument ein als auch die anderer, beispielsweise aus dem sozialen Umfeld. Lackner hat dafür folgenden Tipp:

Reibung entsteht immer dann, wenn Kundenbedürfnis und Angebot nicht zusammenstimmen, sondern aufeinanderprallen. Wann immer Sie eine solche Diskrepanz erkennen, sollten Sie hellhörig werden und es in Ihrem Ideenlabor notieren. Diese Reibung kann sehr unauffällig sein. In den seltensten Fällen schreien Kunden heraus, was sie wollen, weil sie es ja oft selbst nicht wissen.

  • Painspotting

    Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen, Reibung zu erkennen:

    • Wo plagt sich jemand?
    • Wer beschwert sich und worüber?
    • Was könnte man einfacher machen?
    • Was ist viel zu teuer?
    • Was ist kompliziert zu beschaffen?
    • Was ärgert mich so richtig an manchen Produkten?
  • Trends

    Folgende Online-Tools liefern Indizien für Trends:

    • Quora: Was liegt derzeit im Trend? Worüber denkt die Community momentan nach? Auf Quora können Sie das Geschehen entspannt verfolgen.
    • Trendosaur: Wenn Sie wissen wollen, welches Produkt gerade beginnt richtig trendy zu werden und bald völlig durch die Decke geht, sind Sie hier richtig. Trendosaur scannt abertausende Anzeigen und Onlineshops und zeigt Ihnen in unterschiedlichsten Kategorien, die bald angesagtesten Produkte. Selfie-Sticks hat Trendosaur gerüchteweise schon Monate, bevor der Trend losging, vorausgesagt.

Geschäftsideen finden: Gängige Geschäftsmodelle als Vorbild

Um geeignete Geschäftsideen finden zu können, müssen Sie nicht das Rad neu erfinden. Es kann sehr hilfreich sein, sich an bestehenden Geschäftsmodellen zu orientieren. Häufig lassen sich bestimmte Konzepte auch auf andere Branchen und Märkte übertragen und voilà - schon können Sie Ihre Geschäftsideen finden.

  • Berufung

    Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Sie machen sich als Gründer selbständig in dem, was Sie erlernt haben. Der Vorteil ist, dass Sie auf Ihrer Expertise aufbauen können und nicht völlig bei Null anfangen. Dazu kommt, dass Gründer bei solchen Unternehmungen zumeist auf einen Kundenstamm zurückgreifen können, der ihre bisherige Arbeit kennt und schätzt. Die Selbständigkeit in Ihrem erlernten Beruf kommt natürlich nur dann infrage, wenn Sie überhaupt Freude an dieser Tätigkeit haben. Ist das nicht der Fall, halsen Sie sich lediglich mehr Arbeit auf.

    Die zweite Möglichkeit ist, dass Sie Ihr Hobby zum Beruf machen. Der Vorteil ist, dass sich das häufig langsam neben der eigentlichen Hauptarbeit vorbereiten lässt. Allerdings sollten Sie hier wiederum gut den Markt im Blick haben und kontrollieren, ob Sie ein existentes Bedürfnis mit Ihrem Hobby abdecken: Selbst getöpferte Vasen finden in der Verwandtschaft vielleicht Anklang, aber wenn Sie dauerhaft von dieser Geschäftsidee leben wollen, muss sie finanziell tragfähig sein.

  • Inspiration aus dem Ausland

    Um Geschäftsideen zu finden sind die USA als Inspirationsquelle gut geeignet. Es lohnt sich immer, über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu gucken, was andere Länder so machen. So besteht die Möglichkeit, neue Anreize für die eigene Idee zu bekommen und sie noch weiter auszufeilen.

    Teilweise werden bei dieser Art der Ideenfindung auch Geschäftsideen absolut imitiert, die Rede ist dann von Copycats. Eins der bekanntesten Beispiele dafür ist die Entstehung des sozialen Netzwerks "StudiVZ", das letztlich auf Facebook beruht. Das Kopieren von Geschäftsideen stößt nicht immer auf Begeisterung, es haftet ihm immer etwas von "Diebstahl" an. Letztlich können so jedoch Monopolstellungen unterbunden werden - dieser Wettbewerb wirkt sich zumindest für den Kunden positiv aus.

  • Zwischenstationen ausschalten

    Erwerben Sie ein gefragtes Produkt, dass Sie durch Verkürzung der Lieferkette zu deutlich günstigeren Preisen anbieten können. So hat es Günter Faltin gemacht, einer der bekanntesten Gründer. Er kauft Darjeeling Tee direkt im Herkunftsland und verkauft diesen in 1-Kilo Großpackungen an den Kunden weiter.

    Dieses von ihm als Teekampagne bezeichnete Konzept gibt es als Kampagnenkonzept mittlerweile für etliche Produkte wie Olivenöl, Gewürz, Energiesparlampen und andere.

  • Abonnementsystem

    Ganz ähnlich funktioniert das Abonnementsystem: Wie bei einer Zeitung oder einem Newsletter bieten Sie potenziellen Kunden etwas, das er häufig braucht, als Abo an. Dieses System ist für ihn eine Erleichterung, da er nicht jedes Mal erneut bestellen muss. Sie können ihm bessere Konditionen verschaffen, da er größere Mengen bestellt, indem er sich an Sie bindet. Als Unternehmer erhalten Sie dafür größere Bestellmengen und eine vereinfachte Abwicklung, da sich die Bestellungen alle gleichen.

    Ein Beispiel hierfür ist Blacksocks, wo Sockenabos angeboten werden oder Gemüseabos wie die grüne Kiste, bei der Ihnen das frische Gemüse direkt nach Hause geliefert wird.

  • Franchise

    Wer sich mit dem Geschäftsideen finden schwer tut, kann immer noch auf fertige Unternehmenskonzepte zurückgreifen. Bekannte Beispiele hier für sind Extrablatt Cafés, Sunpoint Sonnenstudios, Segafredo Zanetti Bar, Palmers, Town & Country Haus, Unimarkt, Vodafone Shop, McDonalds - sie alle fahren das Franchise-Modell.

    Vorteil ist, Sie bauen auf ein bestehendes Netzwerk auf und profitieren vom Marketing des Franchisepartners. Diese Geschäftsidee ist häufig bereits länger am Markt, so dass Sie durch Beobachten teure Fehler vorbeugen können.


    Nachteilig ist, dass Sie viele unternehmerische Freiheiten opfern und Gebühren an den Franchisegeber entrichten müssen. In der Regel haben Sie auch einen anteiligen Investitionskostenbetrag vorzuschießen. Auch haben Sie häufig mit Konkurrenz zu rechnen, woraus sich die Frage ergibt: Warum sollte der Kunde bei mir kaufen?


    Lackner dazu: "Es gibt Systeme, die mit relativ wenig Eigenmittel auskommen und durchaus im Trend liegen. Es gibt einige gute Portale im Netz, die die unterschiedlichen Franchisesysteme vergleichen." Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Franchising: Worauf Franchisenehmer achten müssen.

[Bildnachweis: Peter Bernik by Shutterstock.com, Reinhold Lackner]

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