Was ist ein Zwischenbescheid nach Vorstellungsgespräch?
Ein Zwischenbescheid nach dem Vorstellungsgespräch ist eine formelle Rückmeldung des Arbeitgebers, dass das Auswahlverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt also weder eine Jobzusage noch eine Absage. Das Unternehmen teilt im Zwischenbescheid lediglich mit, dass es mehr Zeit benötigt, bevor eine finale Entscheidung getroffen wird.
Besser als nichts: Für Bewerberinnen und Bewerber ist ein Zwischenbescheid vor allem eines: eine erste Information gegen die wachsende Unsicherheit. Statt wochenlang im Unklaren zu bleiben, wissen sie zumindest, dass ihre Bewerbung weiterhin im Rennen ist.
Was steht im Zwischenbescheid?
Typischerweise enthält ein Zwischenbescheid folgende Informationen und Aussagen:
- Dank für die Bewerbung und Gespräch
- Das Auswahlverfahren dauert noch an
- Die Entscheidung wird später getroffen
- Sie werden automatisch wieder kontaktiert
Professionelle Arbeitgeber versenden Zwischenbescheide, um Wertschätzung zu zeigen und ihr Employer Branding zu stärken. Selbst wenn es später nicht zur Einstellung kommt, zeigt die Reaktion zumindest einen respektvollen Umgang und Verständnis für Bewerber und deren Ungewissheit.
Ist ein Zwischenbescheid ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Kurz gesagt: Weder noch. Ein Zwischenbescheid nach dem Vorstellungsgespräch ist neutral. Er bedeutet lediglich, dass es noch keine endgültige Entscheidung gibt. Mehr nicht – aber auch nicht weniger.
Mögliche Gründe für einen Zwischenbescheid sind unter anderem:
- Es stehen noch weitere Vorstellungsgespräche an
- Ein Entscheidungsträger ist im Urlaub oder krank
- Es ist eine zweite oder dritte Auswahlrunde geplant
- Die Position wird intern neu bewertet oder umstrukturiert
- Einige Budget- oder Freigabeprozesse verzögern sich
Wichtig für Bewerber: Ein Zwischenbescheid ist kein versteckter Hinweis auf eine Absage, im Gegenteil: Wären Sie bereits ausgeschieden, hätten Sie eine offizielle Bewerbungsabsage erhalten.
Trotzdem sollten Sie sich nicht in falscher Sicherheit wiegen: Bewerbungsprozesse können sich jederzeit ändern. Teilweise versuchen Arbeitgeber Kandidaten auch nur hinzuhalten, bis sich ein Favorit entschieden hat (siehe: Benching). Deshalb lautet die wichtigste Regel: Bewerben Sie sich immer weiter, bis Sie einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in den Händen halten!
Warum verschicken Unternehmen Zwischenbescheide?
Nicht jedes Unternehmen kommuniziert transparent. Immer mehr Arbeitgeber erkennen aber den Wert eines professionellen Bewerbermanagements. Ein Zwischenbescheid erfüllt dabei gleich mehrere Zwecke: Er zeigt Wertschätzung gegenüber Bewerbern; interessante Bewerber werden „warmgehalten“; gleichzeitig gewinnt das Unternehmen Zeit für den Auswahlprozess. Gerade bei begehrten Fach- oder Führungskräften signalisiert ein Zwischenbescheid oft: „Wir haben weiterhin Interesse an Ihnen!“
Was sind typische Formulierungen im Zwischenbescheid?
Zwischenbescheide sind meist sachlich und bewusst zurückhaltend formuliert. Unternehmen vermeiden konkrete Aussagen, um keine falschen Erwartungen zu wecken oder gar missverstanden zu werden. Beispiele für typische Formulierungen sind:
- „Vielen Dank für Ihre Bewerbung und das angenehme Vorstellungsgespräch am TT.MM.JJJJ. Wir prüfen derzeit alle Kandidaten, die in der engeren Wahl sind und werden uns innerhalb von 2 Wochen unaufgefordert mit Ihnen in Verbindung setzen. In der Zwischenzeit bitten wir Sie noch um etwas Geduld und Verständnis.“
- „Wir danken Ihnen nochmal für das freundliche Vorstellungsgespräch und Ihre aussagekräftige Bewerbung. Der Auswahlprozess dauert derzeit noch an. Aufgrund interner Abstimmungen können wir Ihnen aktuell noch keine finale Entscheidung mitteilen. Wir werden uns unaufgefordert bei Ihnen melden, sobald der Auswahlprozess abgeschlossen ist und bitten Sie daher noch um etwas Geduld.“
- „Herzlichen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an unserer ausgeschriebenen Stelle als [Jobtitel]. Unser Auswahlprozess dauert leider länger als geplant, deshalb bitten wir Sie noch um etwas Geduld. Wir werden uns in 2 Wochen erneut melden und Ihnen unsere Entscheidung mitteilen. Wir danken für Ihr Verständnis.“
Lässt das Unternehmen einen konkreten Zeitraum offen, ist das zwar unbefriedigend, aber nicht ungewöhnlich. Auch hier gilt: Ruhe bewahren, professionell bleiben – und parallel immer weiter bewerben!
Hier weiterlesen: Tipps zur Vorstellungsgespräch Nachbereitung
Wie lange ist die Wartezeit nach einem Vorstellungsgespräch?
Die Wartezeit variiert stark und hängt von mehreren Faktoren ab: von der Unternehmensgröße, der Anzahl der Bewerber, der Hierarchieebene der Position sowie internen Entscheidungswegen. Als grobe Orientierung können Sie sich merkem:
- 1-2 Wochen Wartezeit: bei einfachen Positionen
- 3-4 Wochen Wartezeit: bei qualifizierten Fachkräften
- 4-8 Wochen Wartezeit: bei gehobenen Führungsjobs
Hat man Ihnen schon im Bewerbungsgespräch einen Zeitraum genannt, sollten Sie diesen zunächst unbedingt respektieren und abwarten – zuzüglich einer Pufferzeit von etwa 3 Werktagen. Erst danach dürfen Sie nachfassen ohne zu drängeln.
Wann und wie sollte ich selbst um einen Zwischenbescheid bitten?
Haben Sie nach 2-3 Wochen noch immer keine Rückmeldung vom Unternehmen erhalten und wurde kein klarer Zeitrahmen genannt, dürfen – und sollten – Sie höflich nachfragen. Das zeigt sowohl Ihr noch immer hohes Interesse, Eigeninitiative sowie Ihre Professionalität.
Telefonisch nach dem Zwischenstand fragen
Der direkte Anruf ist oft der schnellste und einfachste Weg. Bleiben Sie dabei stets freundlich, kurz und respektvoll. Stellen Sie sich zunächst mit Namen vor, nennen Sie Datum und Position und bleiben Sie sachlich: Vermeiden Sie unbedingt Druck oder Vorwürfe!
Muster: Nach Zwischenstand am Telefon fragen
- „Guten Tag Frau Beispiel,
ich möchte gar nicht lange stören. Mein Name ist Max Muster. Ich war am 15. Mai bei Ihnen im Vorstellungsgespräch für die Position als Projektmanager. Ich wollte mich nur kurz erkundigen, wie der aktuelle Stand des Auswahlverfahrens ist und ob Sie mir einen kurzen Zwischenstand nennen können.“
Seriös und professionell per E-Mail nachfragen
Wenn Sie telefonisch niemanden erreichen oder sich den Anruf nicht zutrauen, ist eine E-Mail die bessere Wahl. Achten Sie auch hierbei auf eine höfliche und wertschätzende Tonalität. Wichtig ist, dass Sie weder Forderungen formulieren noch mehrfach nachhaken.
Muster: Nach Zwischenstand per E-Mail fragen
- „Sehr geehrte Frau Beispiel,
vielen Dank für das angenehme Vorstellungsgespräch am TT.MM.JJJJ. Es hat noch einmal mehr mein Interesse an der Position als [Jobtitel] bekräftigt.
Deshalb möchte ich mich auf diesem Weg kurz erkundigen, ob Sie schon etwas zum aktuellen Stand des Auswahlprozesses oder zum Stand meiner Bewerbung sagen können. Vielleicht können Sie mir auch schon mitteilen, wann ich mit einer Antwort rechnen kann?
Bei Rückfragen oder für weitere Informationen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Sie erreichen Sie mich unter der Nummer 0123 4567890 und unter dieser E-Mail-Adresse. Bis dahin verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Signatur„
Alternativ zur Telefon- und E-Mail-Nachfrage können Sie sich auch über Social Media (z.B. Linkedin) bei Ihrem Ansprechpartner melden und den Stand der Bewerbung erfragen. Beachten Sie aber, dass natürlich auch hierbei dieselben Umgangsformen gelten wie am Telefon oder per E-Mail!
Wie reagiere ich professionell auf einen Zwischenbescheid?
Haben Sie einen Zwischenbescheid erhalten, sollten Sie darauf immer kurz antworten. Das gehört zum guten Ton und unterstreicht ebenfalls Ihr Interesse bzw. Ihre Professionalität. Wenn Sie weiterhin interessiert sind, bestätigen Sie den Erhalt kurz und signalisieren Sie Geduld sowie weiterhin hohes Interesse am Job. Beispiele:
- „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und den Zwischenstand meiner Bewerbung. Ich habe den Zwischenbescheid erhalten und warte gerne auf Ihre endgültige Entscheidung.“
- „Ich bestätige den Erhalt Ihres Zwischenbescheids und danke Ihnen für die Information. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, sobald Ihr Auswahlverfahren abgeschlossen ist.“
Falls Sie sich inzwischen anders entschieden haben und die Bewerbung zurückziehen wollen, sollten Sie auch das in Ihrer Antwort schreiben. Schon aus Fairnessgründen anderen Bewerbern gegenüber, die damit die Chance auf Ihren Platz bekommen. Beispielformulierungen:
- „Vielen Dank für Ihre Nachricht und den Zwischenbescheid. Ich habe mich in der Zwischenzeit jedoch für ein anderes Angebot entschieden und ziehe meine Bewerbung hiermit zurück. Ich danke für Ihr Verständnis und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihr Auswahlverfahren.“
- „Herzlichen Dank für Ihren Zwischenbescheid. Leider muss ich Ihnen jedoch absagen und meine Bewerbung aus persönlichen Gründen zurückziehen. Ich bitte, die Umstände zu entschuldigen und wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Besetzung der Position.“
Eine professionelle Absage hinterlässt trotzdem noch einen guten Eindruck. Und auf den kommt es bei Ihrer Antwort an. Sie wissen ja: Man sieht sich im Berufsleben oft zweimal!
Was sind häufige Fehler bei Zwischenbescheiden?
Vermeiden Sie unbedingt folgende Fehler:
- Mehrfaches Nachfragen im Wochenabstand
- Anrufe zum ungünstigen Zeitpunkt (z.B. kurz vor Feierabend)
- Latent vorwurfsvolle Formulierungen
- Emotionale Reaktionen aus Frust
- Passives Warten über Monate hinweg
Ein Zwischenbescheid nach dem Vorstellungsgespräch ist kein Grund zur Panik – aber auch kein Freifahrtschein. Er ist vor allem eines: ein Zeichen laufender Prozesse. Er sagt nichts über Ihre Chancen aus – weder positiv noch negativ.
Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen: Bleiben Sie auf jeden Fall professionell, bewerben Sie sich stets parallel weiter und reagieren Sie darauf kurz, höflich und sachlich. Indem Sie Interesse zeigen ohne Druck zu machen, behalten Sie die Kontrolle über Ihre Bewerbung und erhöhen langfristig Ihre Erfolgschancen.
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