BlogrhythmusDie Mehrheit der Corporate Blogs publiziert unrhythmisch. Mal erscheint nur ein Artikel und am Montag, dann eine Woche lang nichts, dann wieder kommt ein Artikel an einem Donnerstag. Eben so wie die Mitarbeiter Zeit zum Bloggen finden oder Themenideen haben. Gerade einmal fünf Blogs in unserer Corporate Blog Studie 2014 publizieren regelmäßig, haben also einen erkennbaren Erscheinungsrhythmus mit festen Tagen und Uhrzeiten. Es sind nicht ganz zufällig auch jene mit höherer Interaktion...

Blogs brauchen gerade anfangs einen Takt

Warum ist das so? Oder anders gefragt: Warum ist ein fester Erscheinungsrhythmus so wichtig?

Ein solcher Blogtakt ist natürlich kein Allheilmittel, schon gar nicht, wenn die Inhalte selbst keinen Leser interessieren, weder Relevanz oder Substanz besitzen oder komplett an der Zielgruppe vorbei geschrieben sind. Allerdings startet kein Blog sofort als Erfolgsgeschichte, sondern muss sich vielmehr erst einmal etablieren und seine Leser finden beziehungsweise Reichweite aufbauen.

Und genau an der Stelle ist ein fester Blog-Rhythmus von Vorteil:

  • Aktualität. Ein Blog lebt von frischen Inhalten. Daher ja auch sein Ursprung und Name: Web-Logbuch (oder Tagebuch), kurz: Blog. Ein Blog, das nur sporadisch gefüllt wird und damit die meiste Zeit inaktuell bleibt, lockt keinen an und wirkt schon wie eine "Blog"-Mogelpackung.
  • Gewohnheit. Mithilfe des festen Taktes haben insbesondere neue Leser die Chance, sich an das Blog zu gewöhnen und diesen Rhythmus wiederum in ihre Lesegewohnheiten fest einzuplanen. Sie lernen beispielsweise: "Montag ist Karrierebibeltag. Also schaue ich da gleich morgens mal rein, was es Neues gibt..."
  • Erwartung. Mit einem erkennbaren Rhythmus entsteht zugleich so etwas wie eine Erwartungshaltung, gespeist durch Neugier, Motto: "Über was die wohl nächsten Mittwoch wieder schreiben?" Das funktioniert freilich nur, wenn die Inhalte auch wirklich jedes Mal spannend und zum Teil überraschend sind sowie Mehrwert bieten, auf den man sich freuen kann. Dann aber ist es letztlich derselbe Psychoeffekt, den Sie vielleicht als Kind kannten, wenn Sie auf das nächste YPS-Heft hingefiebert haben.
  • Disziplin. Eine feste Erscheinungsweise diszipliniert nicht zuletzt auch den oder die Blogautoren. Zugegeben, hierin liegt zugleich eine Gefahr: Wer trotz fehlenden Inhalts bloggt, nur weil mal wieder Dienstag ist, vergrault irgendwann seine Leserschaft und schadet der Markenbildung nachhaltig. Das Gegenmittel: ein gut gepflegter Redaktionsplan mit knackigen Themen.

Tipps zum Redaktionsplan

ToDoArbeiten Sie möglichst mit zwei Redaktionsplänen: einer kurz- und einer langfristig angelegten Version. Im langfristigen Plan legen Sie die Themenschwerpunkte etwa für ein Quartal oder Jahr fest; der kurfritige koordiniert die Themen einer Woche und eines Monats. Beide Pläne sollten dennoch flexibel bleiben - insbesondere, um auf aktuelle Themen oder Kommunikationszwischenfälle reagieren zu können. Vergessen Sie bei den kurzfristigen Themenlisten auch bitte nie, genug Zeit zum Redigieren einzuplanen. Die Abgabetermine der Autoren sollten entsprechende Zeit vor dem Erscheinungsdatum liegen.

Optimierte Erscheinungsrhythmen erhöhen Reichweiten

Zu jedem professionell betriebenen Blog gehört auch das umfängliche Monitoren:

  • Woher kommen die Leser?
  • Wann kommen die Leser auf die Seite?
  • Welche Seiten bilden starke Referenzquellen (Fachjargon: Referral)?
  • Welche Themen und Artikel erzielen größte Aufmerksamkeit?
  • An welchen Tagen wird mehr gelesen?
  • ...

Es gibt sicher noch eine Reihe weiterer Fragen, die interessant sein können. Aber spätestens wenn ein neues Blog einigermaßen etabliert ist und eine gewisse Reichweite von, sagen wir, 500 Lesern am Tag hat, sind solche Daten schon recht aussagekräftig, um die Seite zu optimieren.

Vermutlich wissen Sie, dass es etwa beim Facebook-Algorithmus längst auch darauf ankommt, wie oft ein Beitrag gleich nach Erscheinen geliked, geteilt oder kommentiert wird. Danach bemisst Facebook unter anderem dessen Relevanz - und entsprechend mehr Fans sehen den Beitrag anschließend - oder eben auch nicht.

Damit hat der Zeitpunkt (Tag, Uhrzeit) des Erscheinens einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Reichweite und damit den Erfolg eines Beitrags. Wer öffentlich publiziert, will schließlich auch gelesen werden.

Und das gilt ebenso für Websites:

Die Frequenz zu optimieren, ist essenziell für den Aufbau eines Blogs.

Wenn Sie also beispielsweise feststellen, dass die meisten Leser vor allem mittags Ihre Seite ansteuern, hat es wenig Sinn, den einzigen Beitrag des Tages schon morgens um 8 Uhr oder nach 15 Uhr zu veröffentlichen, sondern eher zwischen 11 und 12 Uhr. Klar, im Falle von 8 Uhr lesen ihn die einen dann eben erst später, die anderen (15 Uhr) erst am nächsten Tag. So oder so ist der Beitrag dann aber schon dem Anschein nach veraltet. Und was viel wichtiger ist: Wenn Sie ihn zeitgleich in den sozialen Netzwerken streuen, verpufft dort seine Wirkung und Sie verschenken wertvolle Interaktion - nur, weil Sie am Leserhythmus Ihrer Leser vorbei schreiben.

Beobachten Sie einfach mal, was große Nachrichtenseiten machen: Die publizieren nicht ständig neue Inhalte. Aber zu den Hauptansturmzeiten, also dann wenn erwiesenermaßen am meisten Leser auf die Seite strömen, bauen Sie die Startseite geschickt um, damit diese neu und frisch aussieht. Offenbar mit Erfolg, denn das machen inzwischen alle so.

Das Prinzip lässt sich zugleich auf Blogs übertragen: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Seite immer dann einen frischen Artikel bietet, wenn die meisten Leser sie besuchen. Was bleibt, ist das Gefühl von großer Aktualität und dass es sich lohnt, die Seite wieder und wieder zu besuchen, weil es dort immer Neues zu entdecken gibt.

Lesegewohnheiten und -rhythmen

Leider ist es so: Lesegewohnheiten ändern sich mit der Zeit und dem Wachstum einer Seite. Haben Sie einmal einen optimalen Erscheinungsrhythmus gefunden, dürfen Sie sich darauf nicht ausruhen. Alle sechs Monate sollten Sie eine neue Analyse starten und wochenweise Tests absolvieren, ob ein anderer Rhythmus nicht besser ist.

Die optimalen Tage und Uhrzeiten

WeckerUhrLaut unserer Studie publizieren die meisten Corporate Blogs an einem Dienstag. Erstaunlicherweise waren dies aber nicht die Tage mit der höchsten Interaktion. Rein statistisch erzielten die untersuchten Blogs an eine Mittwoch signifikant mehr Kommentare. Ebenso montags und freitags.

Nun ist das mit der Statistik allerdings so eine Sache: Sie liefert meist Mittelwerte. Diese können zwar einen wichtigen Anhaltspunkt liefern, je nach Branche, Thema und Blog können diese Bestzeiten allerdings individuell abweichen. Deshalb vorweg: An eigenen Testreihen kommen Sie leider nicht vorbei.

Statistisch und damit über alle Blogs, Branchen und Themen hinweg zeigt sich aber:

  • Ein Artikel pro Woche ist zu wenig. Vor allem, um ein neues Blog bei der Leserschaft zu etablieren und Reichweite aufzubauen. Das Minimum sind zwei, das Optimum drei Artikel pro Woche. Mehr geht immer, ist aber oft schlicht ein Ressourcenproblem.
  • Gute Uhrzeiten sind Freizeiten im Wortsinn. Also morgens (zum ersten Kaffee), mittags (kurz vor oder nach der Mittagspause) und abends (kurz vor oder nach Feierabend). Die meisten Businessblogs dürften diesen Leser-Rhythmus ausweisen. Bei Freizeit oder Modeblogs etwa zeigt sich in der Regel noch ein deutlicher Schwerpunkt am Abend und am Wochenende.

Zugegeben, das ist leichter gefordert als umgesetzt. Nicht wenige Unternehmen berichten mir in meiner Beratungspraxis immer wieder, dass es genau daran hapert:

  • Zu wenige Autoren.
  • Keine ausgebildeten Schreiber (für einen Artikel brauchen sie sehr lange)
  • Zu wenig (wirklich interessante) Themenideen.

Volles Verständnis. Aber all diese Probleme lassen und ließen sich lösen - durch Workshops, Schulungen, Gastautoren, Kooperationen und und und. Viel wichtiger aber ist die Frage: Warum überhaupt als Unternehmen ein Blog eröffnen, wenn ich dann nicht auch bereit bin, es optimal und professionell zu füllen? Würde man genauso halbherzig und unfertig in eigene Produkte investieren? Eben.

Das PDF der Corporate Blog Studie hier gratis herunterladen

Blogstudie-2014-PDF-CoverDie Ergebnisse unserer Corporate Blog Studie 2014 haben wir auch noch mal kompakt in einem PDF zusammengefasst - plus einige Empfehlungen. Das Exzerpt können Sie HIER als PDF herunterladen. Kostenlos natürlich. Falls Sie weitere Fragen haben oder von uns beraten werden wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf, unter: info@karrierebibel.de.

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