DaumenDaumenrunterEs ist noch nicht allzu lange her, da sorgte die Meldung des Dimap-Instituts zum Karrierekiller Internet für großes Aufsehen. Kernaussage: Bereits jeder Dritte Personaler (28 Prozent) recherchiert bei der Auswahl von Bewerbern gezielt im Internet nach Informationen über die Kandidaten – und nicht selten führt das zum Ausschluss des Jobaspiranten. Keine Frage, Social Media bringen eine Menge Transparenz und dabei steht meist der Aspekt des Bewerber-Profilings im Vordergrund.

Doch das geht auch umgekehrt. Bewerber können heute ebenso gut nach Mitarbeitern oder potenziellen Vorgesetzten ihres Traumarbeitgebers etwa auf Xing, Facebook und Twitter suchen und deren Statusmeldungen für sich auswerten – zum Beispiel wie zufrieden diese mit ihrem Job, ihren Vorgesetzten oder dem Betriebsklima sind. Wesentlich unkomplizierter geht das mithilfe sogenannter Arbeitgeber-Bewertungsportale, die in der Vergangenheit zahlreich im Internet entstanden sind – allerdings mit recht unterschiedlichem Erfolg. Allen gemein ist, dass sie versuchen, die Attraktivität eines Arbeitgebers anhand verschiedener Kriterien zu messen und durch ihre Nutzer, in der Regel aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter, bewerten zu lassen. Das schreit natürlich danach, die Bewerter selbst mal einer Bewertung zu unterziehen. Entscheidend waren dabei sieben Kriterien:

  • Anzahl der Bewertungen – Je mehr Unternehmens-Bewertungen vorhanden sind, desto wertvoller wird das Informationsangebot. Und desto größer der Nutzen für Bewerber. Zumindest statistisch.
  • Suchfunktion – Können die Nutzer gezielt nach Unternehmen Ihrer Wahl suchen? Womöglich auch nach Branchen oder Unternehmen in Ihrer Nähe?
  • Arbeitgeber-Ranking – Gibt es Ranglisten, auf denen schnell ersichtlich wird, welche Arbeitgeber besonders gut abschneiden?
  • Feedback/Kommentarfeld – Natürlich wecken solche Portale immer Begehrtlichkeiten bei Arbeitgebern, ihr Image aufzupolieren. Trotz eines teilweise vorhandenen Regelwerks lassen sich Manipulationen kaum ausschließen. Mit einer Kommentarfunktion können aber zumindest allzu auffällig freundliche Stimmen von den anderen Nutzern relativiert werden. Umgekehrt gilt das freilich für verbitterte Ex-Mitarbeiter genauso.
  • Community/Forum – Ein solches Forum erweitert den Nutzen solcher Seiten um wertvolle Zusatzinformationen durch die Nutzer selbst. Hier können Tipps ebenso ausgetauscht werden wie persönliche Erfahrungen – vorausgesetzt es ist vorhanden und wird gepflegt.
  • Zusatzinformationen – Werden zusätzliche Informationen bereitgestellt – etwa Bewerbungstipps, Expertenratschläge, Berichte aus den Unternehmen?
  • Seitenstruktur/Design – Zu guter Letzt: Wie klar ist die Seite aufgebaut? Findet der Nutzer sofort, was er sucht? Spricht die Seite an, lädt sie schnell?

Im Fokus der folgenden Analyse standen die vier Bewertungsportale Kununu, Kelzen, Jobvoting und BizzWatch. Die Plattformen Arbeitgebertest, Jobvote, Yourcha und Evaluba wurden dagegen nicht berücksichtigt, weil deren Seiten entweder kaum noch Dynamik aufweisen (Evaluba), die Arbeitgeber-Bewertung in den Hintergrund getreten ist (Yourcha) oder keinerlei nennenswerte Bewertungsanzahl (Jobvote, Arbeitgebertest) vorhanden waren. Damit das Erbebnis übersichtlicher wird, wurden die einzelnen Punkte in Form einer Ampel bewertet: Grün = vorbildlich, Gelb = Vorhanden, aber mit Mängeln, Rot = Gar nicht existent oder ungenügend gelöst.

Die Arbeitgeber-Bewertungsportale im Überblick

Kategorie
Anzahl Bewertungen

37.408

6000

2216

400

Suchfunktion AmpelGrün AmpelGelb AmpelGelb AmpelGrün
Arbeitgeber-Ranking AmpelGelb AmpelGrün AmpelGelb AmpelGrün
Feedback/Kommentarfeld AmpelGrün Ampel-Rot Ampel-Rot AmpelGelb
Community/Forum AmpelGrün Ampel-Rot AmpelGrün Ampel-Rot
Zusatzinformationen Ampel-Rot Ampel-Rot AmpelGrün AmpelGelb
Seitenstruktur/Design AmpelGrün AmpelGelb Ampel-Rot AmpelGelb

Fazit und Noten

  • Kununu ist nicht nur das älteste aller deutschsprachigen Arbeitgeberbewertungsportale, sondern gemessen an den Bewertungen auch das größte. Die sind zudem recht umfangreich und reichen über 13 Kriterien. Die Suchfunktion gefiel mir von allen untersuchten Portalen am besten. Und besonders praktisch: Die Arbeitgeberurteile sind oft mit vakanten Stellenangeboten gekoppelt. Von der Bewertung zur Bewerbung ist es dann nur ein Klick.

    Gesamtnote: sehr gut.

  • Kununu
  • Kelzen ist stärker international aufgestellt und konzentriert sich sehr stark auf die Kernfunktion des Bewertens und Rankens. Die Seite ist zwar übersichtlich, ruckelt aber zuweilen. Zudem sind die Funktionen recht schlank, Zusatzinformationen, ein Forum oder Feedbackfunktionen fehlen ganz. Wer nur schnell eine Bewertung sucht, ist bei Kelzen zwar gut aufgehoben; wer mehr erwartet, wird jedoch enttäuscht.

    Gesamtnote: befriedigend.

  • Kelzen
  • Jobvoting bietet reichlich Budenzauber, doch ist die Seite derart unübersichtlich aufgebaut, dass man schon eine Weile braucht, um sich überhaupt zurecht zu finden. Die Suchfunktion ist sehr simpel, das Arbeitgeber-Ranking auf den ersten Blick nicht modifizierbar nach Branchen oder Orten. Dafür ist die Bewertung eines Arbeitgebers in einer Kurzvariante oder ausführlichen Version möglich. Und: Eine Community, Karriere- und Ratschlagseiten sowie Arbeitsmarktnachrichten werden angeboten. Dafür lässt die Zahl der Bewertungen noch zu Wünschen übrig.

    Gesamtnote: gut (-).

  • Jobvoting
  • BizzWatch ist der Newcomer unter den Bewertungsportalen. Layout und Funktionalität der Seite sind vorbildlich. Zudem können die Nutzer nicht nur Unternehmen, sondern auch Vorgesetzte beurteilen. Ein großes Manko ist allerdings, dass man sich zuerst registrieren muss, um die Seite voll nutzen zu können (deshalb auch nur Gelb bei der Struktur). Das soll wohl vor Missbrauch schützen, führt aber auch dazu, dass bisher kaum nennenswerte Bewertungen eingegangen sind. Die Extras sind dafür ordentlich: Neben zusätzlichen Rankings wie etwa den Chef oder die Firma der Woche sowie Karrieretipps gibt es auch noch Bizzwatch.TV – Kurzvideos und Straßenumfragen zu Themen wie “Was zeichnet einen guten Chef aus”.

    Gesamtnote: gut (-).

  • Bizzwatch