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Irrtum, Malheur, Patzer, Fehltritt, Missgeschick, Lapsus oder auch Fauxpas - die Möglichkeiten, einen Fehler zu benennen, sind zahlreich. Sie alle haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Niemand will etwas mit ihnen zu tun haben. Fehler sind verpönt, gelten als Zeichen der Schwäche und werden als Stigma der Persönlichkeit betrachtet. Wer Fehler macht, ist nicht gut in dem, was er tut. Der größte Fehler, den die meisten Menschen begehen, ist es eben diese Behauptungen über Fehler zu glauben, aus denen nur negative Folgen resultieren, allen voran Unsicherheit und Stress. Darum der ausdrückliche Appell: Erlauben Sie sich selbst die Freiheit, Fehler zu begehen...

Angst prägt den Umgang mit Fehlern

PathDoc/shutterstock.comFehler gehören zum Leben dazu und zwar in jedem Bereich. Egal ob beruflich oder privat, jeder greift im Laufe der Zeit viele Male daneben. Wie mit dieser Situation umgegangen wird, ist nicht nur ein Zeichen der Persönlichkeit, sondern auch Ausdruck der Fehlerkultur, mit der sich die Person konfrontiert sieht.

Genau an diesem Punkt gibt es noch eine Menge Luft nach oben, denn die Fehlerkultur - nicht nur im privaten Umfeld oder beim Arbeitgeber, sondern in der gesamten Gesellschaft - befindet sich in einem zweifelhaften Stand.

Anders ausgedrückt: Der oft angepriesene offene Umgang mit Fehlern, die Wertschätzung des Nicht-Perfekten, bleibt in den meisten Fällen graue Theorie.

In der Praxis weckt jeder Fehler die Angst vor möglichen Konsequenzen und wird so gut wie möglich unter den Teppich gekehrt, welcher anschließend noch im Keller verstaut wird, um zu garantieren, dass der Fehltritt für immer unentdeckt bleibt.

Der falsche Umgang mit Fehlern trägt jedoch nicht dazu bei, die Situation zu entschärfen. Ganz im Gegenteil. Der Druck durch Fehler wird zusätzlich erhöht und durch den Stress, diese um jeden Preis vermeiden zu wollen, nur noch weiter verstärkt.

4 Gute Gründe, mehr Fehler zu machen

Kris Tan/shutterstock.comWarum die Sache nicht mal von der anderen Seite betrachten, sich nicht über einen gemachten Fehler ärgern, sondern die Chancen dahinter erkennen? Das ist zugegeben nicht ganz so leicht, wie es klingt, denn die Angst sitzt nach den Jahren, in denen man versucht hat, vor seinen Fehlern die Augen zu verschließen, besonders tief. Doch es lohnt sich, diese zu überwinden und Ihre innere Fehlerkultur umzukrempeln und langfristig neu zu gestalten. Diese vier guten Gründe sprechen dafür, dass Sie in Zukunft mehr Fehler machen sollten, ohne sich dafür zu schämen oder Angst zu empfinden.

  1. Sie lernen etwas dazu

    Fehlerfreies Handeln wird gerne als Optimum deklariert. Was dabei außer Acht gelassen wird, ist die Möglichkeit der Entwicklung. Zwar mag es gerade im beruflichen Kontext wichtig sein, in bestimmten Situationen keinen Fehler zu machen, der ein Ergebnis verschlechtern könnte, doch nur an solchen Fehler können Fähigkeiten wachsen.

    Wer alles immer scheinbar richtig macht, muss sich nie hinterfragen, nie dazu lernen oder sein Handeln erklären. Er vergibt schlichtweg die Chance, seine Stärken noch weiter zu verbessern.

  2. Sie stärken Ihre Persönlichkeit

    Eine gefestigte Persönlichkeit kann sich nur dann entwickeln, wenn sie sich auch mit den eigenen Fehlern auseinandersetzen muss. Eine positivere Einstellung gegenüber Fehlern und der feste Glaube, dass man nach einem Rückschlag wieder aufstehen kann, entsteht nur, wenn man mit diesen konfrontiert wurde und gelernt hat, dass es weitergeht.

    Fehler selbst können also dafür sorgen, in Zukunft weniger Angst vor Fehlern zu haben. Je häufiger Sie diese Erfahrung gemacht haben, desto mehr verinnerlichen Sie, dass Fehler nichts sind, vor dem man sich fürchten sollte.

  3. Sie werden effizienter arbeiten

    Auf den ersten Blick eine paradoxe These, doch wenn Sie sich selbst erlauben, Fehler zu begehen, wird Ihre Arbeitsweise davon profitieren und die Effizienz steigern. Kaum etwas bremst diese so stark aus wie Perfektionismus, da alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und am besten mehrfach geprüft werden soll.

    Akzeptieren Sie, dass Perfektion nahezu unerreichbar und für gute Leistungen nicht zwingend erforderlich ist, können Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren, Aufgaben schneller und trotzdem in guter Qualität bearbeiten.

  4. Sie steigern Ihre Erfolgschancen

    Fehler machen erfolgreicher? Ja, in der Tat, denn nun wissen Sie, was nicht funktioniert, wo eventuell Potenzial besteht oder welche Ideen noch einmal überdacht werden sollten. Mit anderen Worten: Mit jedem Fehler nähern Sie sich Ihrem Erfolg weiter an und schließen Alternativen, die nicht funktioniert haben, aus.

    Fehler tragen so zur Selbstreflexion bei und schärfen das eigene Selbstbild auf eine Weise, die Erfolg nicht bieten kann. Gleichzeitig ist es eine Frage des Selbstvertrauens und des Durchhaltevermögens, es immer wieder zu versuchen.

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