Es kommt der Tag, da erkennt der Mensch seinen wahren Wert. Für den freundlichen Baumarktangestellten kam der Tag, kurz nachdem er mir das Wesen billiger Kleistererzeugnisse erklärt hatte, um hernach sein Lächeln in konzentrierter Miene zu ersticken und dazu leise in seine rote Latzhose zu brummeln: „Die bezahlen mir gar nicht genug für diesen Job!“ Was seine Klebstoffkenntnisse anbelangt, trifft das voll zu. Ansonsten eher nicht.

Wohl jeder denkt zuweilen über seine Arbeit, dass er eigentlich mehr verdient hätte. Von gewöhnlichem Verdruss abgesehen, liegt darin ein gefährlicher Denkfehler: Einkommen ist keine Entschädigung – es wird erworben. Dahinter steckt ein einfaches ökonomisches Prinzip: Wer etwas kauft, erhofft sich einen Nutzen. Je höher dieser Nutzen, desto größer der subjektive Wert. Zum Beispiel ein Auto: Es bringt seinen Besitzer von A nach B. Das ist nützlich. Verleiht es ihm zusätzlich noch Status, ist das ein enormer Mehrwert. Arbeitgeber sind ebenfalls Kunden – Ihre. Sie kaufen Ihre Leistung und fragen sich, welchen Mehrwert sie daraus ziehen werden. Deswegen bekommen die meisten ihren Gehaltsscheck auch erst am Monatsende: Sie müssen sich ihr Geld erst verdienen.

Nun denken manche, dass sie ihren Job besser machten, würde man ihnen mehr bezahlen. Das ist Selbstbetrug! Genauso gut könnte einer mehr Schnaps bechern, um seine Leberwerte zu verbessern. Wer seinen Job nicht gut macht, weil er einen Stundenlohn von 15 Euro bekommt, wird ihn nicht besser machen, wenn man ihm 80 Euro überweist. Erst andersrum wird ein Schuh daraus: Mehrwert bieten, dann fragen, ob mehr Gehalt drin ist. Mit Gehaltsspannen ist es so: Wer immer nur exakt tut, wofür er bezahlt wird, leistet letztlich Durchschnittliches und dessen Gehalt entspricht ziemlich genau dem, was er verdient. Alles andere sind Gehaltsspanner.