Es kommt der Tag, da erkennt der Mensch seinen wahren Wert. Für den freundlichen Baumarktangestellten kam der Tag, kurz nachdem er mir das Wesen billiger Kleistererzeugnisse erklärt hatte, um hernach sein Lächeln in konzentrierter Miene zu ersticken und dazu leise in seine rote Latzhose zu brummeln: „Die bezahlen mir gar nicht genug für diesen Job!“ Was seine Klebstoffkenntnisse anbelangt, trifft das voll zu. Ansonsten eher nicht.
Wohl jeder denkt zuweilen über seine Arbeit, dass er eigentlich mehr verdient hätte. Von gewöhnlichem Verdruss abgesehen, liegt darin ein gefährlicher Denkfehler: Einkommen ist keine Entschädigung – es wird erworben. Dahinter steckt ein einfaches ökonomisches Prinzip: Wer etwas kauft, erhofft sich einen Nutzen. Je höher dieser Nutzen, desto größer der subjektive Wert. Zum Beispiel ein Auto: Es bringt seinen Besitzer von A nach B. Das ist nützlich. Verleiht es ihm zusätzlich noch Status, ist das ein enormer Mehrwert. Arbeitgeber sind ebenfalls Kunden – Ihre. Sie kaufen Ihre Leistung und fragen sich, welchen Mehrwert sie daraus ziehen werden. Deswegen bekommen die meisten ihren Gehaltsscheck auch erst am Monatsende: Sie müssen sich ihr Geld erst verdienen.
Nun denken manche, dass sie ihren Job besser machten, würde man ihnen mehr bezahlen. Das ist Selbstbetrug! Genauso gut könnte einer mehr Schnaps bechern, um seine Leberwerte zu verbessern. Wer seinen Job nicht gut macht, weil er einen Stundenlohn von 15 Euro bekommt, wird ihn nicht besser machen, wenn man ihm 80 Euro überweist. Erst andersrum wird ein Schuh daraus: Mehrwert bieten, dann fragen, ob mehr Gehalt drin ist. Mit Gehaltsspannen ist es so: Wer immer nur exakt tut, wofür er bezahlt wird, leistet letztlich Durchschnittliches und dessen Gehalt entspricht ziemlich genau dem, was er verdient. Alles andere sind Gehaltsspanner.
1. Kommentar
markus
24.04.08 um 11:00 Uhr
Ein sehr guter Artikel, ist mal aus einer anderen Denkweise geschrieben!
2. Kommentar
Gerhard Zirkel
24.04.08 um 11:52 Uhr
Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Kompliziert wird die ganze Angelegenheit dann, wenn ein Mitarbeiter der scheinbar gar nichts leistet, mehr verdient als ein anderer der sich abrackert.
Für den der schwer arbeitet ist es meistens schwer zu verstehen, dass der andere druchaus einen Mehrwert bietet. Auch wenn er nur den Status seines Chefs verbessert.
Gerhard Zirkel
3. Kommentar
Erfolgs-Blogger
24.04.08 um 13:34 Uhr
… ich wünschte, ver.di läse hier mit und verstünde. Das wäre schön.
Herzlichst Guido
Fokus-Erfolg.de
4. Kommentar
Ulrich
24.04.08 um 16:05 Uhr
Ein Auto fährt ja auch schneller und weiter, je später und sparsamer es
betankt wird, gelle! Typisch deutsch, der Artikel wie die bisherigen Kommentare.
1. Ob körperliche oder geistige Arbeit, es handelt sich immer um die
durch nichts zu ersetzende Lebenszeit des jeweiligen Menschen.
2. gibt es nicht, so weit denkt bisher niemand.
Die wahre “Wertschätzung” sieht man weiters zum Beispiel auch daran, wieviel
Weiterbildung die Arbeitgeber den Arbeitern und Angestellten noch “gönnen”.
Und der Umgang (sorry, die Kommunikation) der Vorgesetzten mit den MAn…
So gut die Beiträge (und das Buch i.A.) sind: “Mehr Wert” greift viel zu kurz.
5. Kommentar
Norbert Glaab
24.04.08 um 17:56 Uhr
Schade, dass dies zu wenige Menschen begreifen.
Jeder Arbeitnehmer hat die Wahl seines Arbeitsplatzes selber getroffen.
Jeder Arbeitnehmer ist ein Teil des Marktes, weil er sein Können und Wirken dem Markt – Arbeitgeber – anbietet.
Doch das mit dem Schnaps bringt ihm schnell mal 35% mehr. Da kommt verdi nicht mit.
6. Kommentar
Menachem
24.04.08 um 18:46 Uhr
Gäbe es jetzt eine Abstimmung, ich würde Jochen absolut zustimmenl. Schwierig ist tatsächlich die Frage, wie bringt “man” das rüber? Ich habe bisher nur enttäuschte und unverständliche Gesichter mir dabei gegenüber gehabt. Ich gäb`was drum, würde ich hierzu die richtige Message finden ( Muß ja nicht grad wie bei Dieter B. sein)
7. Kommentar
Jochen Mai
24.04.08 um 20:11 Uhr
Ich räume ein: Das Problem ist ein Doppeltes. Einmal die oben beschriebene eigene Haltung. Hinzu kommt aber auch der Chef, der erkennen muss, dass einer mehr leistet als er muss. Wird die Wertschätzung gegenüber Leistungsträgern nie ausgedrückt – monetär oder sonstwie – nutzt natürlich auch eine solche Gesinnung nichts. Dann schiebt jeder irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift.
8. Kommentar
Harald Kern
24.04.08 um 22:56 Uhr
Sehr richtig. Erst Leistung, dann Gegenleistung, eigentlich ein einfaches Prinzip. Wer es versteht, wird profitieren, wer nicht, wird auf Dauer zurückbleiben. Leider sind bei uns die Strukturen in manchen Bereichen schon stark von diesem Prinzip abgerückt, so dass der Zusammenhang nicht jedem so klar ist.
9. Kommentar
Netztaucherin
25.04.08 um 11:07 Uhr
Der Artikel kommt arg simpel daher. Der Teufel steckt doch im Detail: Wer bemisst den Wert? Und nach welchen Prinzipien? Und Geld ist nicht der einzige Maßstab für den Wert der geleisteten Arbeit. Wertschätzung für geleistete Arbeit fehlt dennoch in vielen Unternehmen. Mehrwert bieten und dann fragen ob mehr Gehalt drin ist – reden Sie darüber mal mit einem Arzt an einer deutschen Universitätsklinik und dem Vorstand eines Dax-Unternehmens. Wenn es so einfach wäre…
10. Kommentar
Jochen Mai
25.04.08 um 11:20 Uhr
@Netztaucherin: Diese Kritik kommt auch arg simpel daher, vor allem greift sie zu kurz: Nur weil der Text sich leicht liest, ist das Thema nicht simpel. Davon abgesehen geht es gar nicht um die Bemessung von Wert oder Wertschätzung durch andere (insb. den Arbeitgeber), sondern vielmehr um die eigene Einstellung zum Geld. Es geht um die Frage, ob man erst etwas leistet, wenn man sich fair bezahlt fühlt – oder schon vorher investiert, was – zugegeben – ein Risiko beinhaltet. Das ist aber bei jeder unternehmerischen Entscheidung so. Und da jeder letztlich sein eigener (Leistungs-)Unternehmer ist, ist das aus meiner Erfahrung der bessere Weg.
Erst der zweite Schritt ist die Verhandlung darüber, dass dieser geleistete Mehrwert (falls bislang unerkannt) auch honoriert wird. Dass das leicht wäre, behauptet niemand. Entscheidend ist aber doch überhaupt erst einmal Leistung zu zeigen. Nur die ist ein Argument für mehr Gehalt.
11. Kommentar
Réka
28.04.08 um 04:46 Uhr
„jeder letztlich sein eigener (Leistungs-)Unternehmer ist” Damit bin ich einverstanden, und das ist, was vielen Arbeitnehmer schwierig fällt: sich selbst als Unternehmer und den Arbeitgeber als Kunde zu betrachten.
Der Gehalt von den meisten Angestellten ist von der am Arbeitsplatz verbrachten Zeit, so vom Input, abhängig, und nicht vom Output. Viele denken darüber überhaupt nicht nach, ob sie etwas Nützliches der Firma, den Kunden leisten. Wer weiß, was er/sie leistet und wozu fähig ist, kann auch ein Stellenabbau besser überstehen. „Ich habe meine Stelle verloren – es ist schlecht. Aber mit meiner Fähigkeiten (Ausbildung, Erfahrung usw.) kann ich darauf hoffen, in einigen Monaten eine andere Firma, die mich braucht, zu finden.“
12. Kommentar
Simone Janson
04.05.08 um 14:28 Uhr
“Wer seinen Job nicht gut macht, weil er einen Stundenlohn von 15 Euro bekommt, wird ihn nicht besser machen, wenn man ihm 80 Euro überweist.” Das mag für 15 Euro zutreffen, wenn der Job insgesamt so ausgestaltet ist, dass man davon leben kann (Als Honorar für einen VHS-Kurs sind selbst 15 Euro zu wenig, da man sämtliche Kosten der Selbständigkeit sowie die Sozialversicherung abziehen muss). Wenn das Gehalt aber nur bei der Hälfte liegt, etwa 7 Euro oder darunter, wird es schwierig: Dann ist so mancher unter Umständen gezwungen, noch einen Zweitjob anzunehmen und hat schon rein kräftetechnisch keine Resourcen mehr, beide auch wirklich hundertprozentig auszufüllen.
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