Was glauben Sie ist der gefährlichste Job der Welt: Löwenbändiger? Soldat? Bergsteiger? Pustekuchen. Es ist der stinknormale Bürojob. Wie ich darauf komme? Erstens ist es die in unserer westlichen Hemisphäre am weitesten verbreitete Arbeitsform. Zweitens schaden wir uns dabei wie in keinem anderen Beruf – vor allem weil wir dabei so viel Sitzen. Manchmal mehr als acht Stunden pro Tag. Steven Blair, Professor an der Universität von South Carolina, untersuchte erst 2010 die gesundheitlichen Auswirkungen des vielen Sitzens, Ergebnis:

Männer, die mehr als 23 Stunden pro Woche im Sitzen arbeiteten, hatten ein um 64 Prozent größeres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben, als jene, die nur 11 Stunden saßen. Rikke Krogh-Madsen vom Centre of Inflammation and Metabolism in Kopenhagen kam zuvor schon zu einem ähnlichen Resultat: Nur zwei Wochen vermehrtes Sitzen setzten dem Herz-Kreislauf-System merklich zu – negativ.

Seit Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit der besseren Ergonomie im Büro, mit optimalen Arbeitsmöbeln und produktivitätssteigernden Arrangements aus Schreibtisch, Stuhl und Blumenpott. Schließlich verbringt der deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich 212 Tage an seinem Arbeitsplatz. Rund acht Stunden am Stück. Und die meiste Zeit davon eben im Sitzen. Riesenfehler!

Dabei gäbe es eine ganz einfache und ebenso effektive wie billige Lösung für das Problem: einfach öfter aufstehen. Wer häufiger bei der Arbeit steht, trainiert seine Rumpfmuskulatur, vor allem den Bauch und Rücken, senkt die Gefahren von Diabetes und Thrombose und erhöht seine Lebenserwartung. Und das ist noch gar nichts! Denn glaubt man einer Studie des Psychologen Frank Fischer von der Münchner LMU, dann bringt uns simples Aufstehen sogar auf bessere Gedanken.

Schon vor einigen Jahren analysierten Fischer und seine Kollegen in einer Reihe von empirischen Studien die “Effekte unterschiedlicher Möbelarragements auf das individuelle und kooperative Lernen und Entscheiden”, so der Titel der Studie (siehe auch hier: PDF). Dazu wurden verschiedene Testbüros eingerichtet, mit ergonomischen Stühlen, Pinnwänden, Notebooks, höhenverstellbaren Tischen und unterschiedlichen Schreibtischarten (wie beispielsweise hier) versehen sowie mehrere Probanden gebeten, darin typische Bürotätigkeiten zu verrichten. Das alles wurde auf Video aufgezeichnet, beobachtet, ausgewertet und die Teilnehmer hinterher noch dazu befragt.

Am Ende zeigte sich: Wer öfter aufstand und im Stehen arbeitete, hatte 24 Prozent mehr Ideen und traf in 25 Prozent der Fälle bessere Entscheidungen als die sitzengebliebene Fraktion.

Daraus lässt sich freilich noch eine weitere Schlussfolgerung ziehen: Klassische Brainstorming-Meetings, in denen alle auf Stühlen hocken, um Innovationen zu gebären, sind eine ziemlich dumme Idee. Auch wenn es vielleicht ungewohnt ist und komisch aussieht: Viel effektiver wäre es, solche Brainstormings im Stehen abzuhalten und die Teilnehmer auch noch herumlaufen zu lassen. Dadurch werden die Initiativkräfte erst so richtig gefördert.

Also, worauf warten Sie noch? Aufstehen!