Nehmen wir an, Sie fragen sich gerade: Wie mache ich Karriere? Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich ausgerechnet diese Frage stellen, liegt aktuell reltiv hoch: Sie haben immerhin diesen Artikel angeklickt (oder lesen ihn im Feedreader). Naturgemäß wissen auf diese Frage eine Menge Leute eine Menge Antworten: Die einen, indem sie Beobachtungen und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen zu fundierten Erkenntnissen und eigenen Ideen addieren. Andere, indem Sie Kaffeesätze lesen und das damit verdiente Honorar zu ihrem Bankkonto addieren. Funktioniert beides, unterscheidet sich nur in der Zahl derer, die damit tatsächlich Karriere machen.

Drehbuchautor und Hollywood-Legende Woody Allen befand dazu einmal, dass Dabeisein schon 80 Prozent des Erfolgs sei. Woody Allen neigt bekanntermaßen zum Exaltierten, darunter leidet seine Glaubwürdigkeit ein wenig. Doch im Kern hat er gar nicht mal zu Unrecht. Erfolg ist ein Rindvieh: Er gesellt sich gern zu seinesgleichen. Heißt: Hat man erst mal einen Lauf, geht es mit der Karriere relativ flott voran. Dahin gilt es erst zu kommen.

Karriere ist kein Zufall

Sie wird gemacht. Schon das Wort Karriere stammt vom französischen carrière und bedeutete einmal Rennbahn. Und kein Mensch gewinnt ein Wettrennen, indem er abwartet, bis sich im das Ziel von selbst entgegen schiebt. Daraus ergibt sich dann allerdings die Frage, ob es ein paar Eigenschaften gibt, die erfolgreiche Menschen eint, beziehungsweise, die den beruflichen Erfolg anziehen. Sozusagen die hübschen Schwestern des Erfolgs.

Die Antwort lautet: Ja, es gibt sie. Einige sogar, manche klüger und schöner als die anderen. Deshalb heute eine Auswahl der glorreichen Sieben:

  1. Selbstreflexion. Erfolg – soweit eine allgemeine Definition – heißt, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Dazu muss sie allerdings erst einmal kennen. Ebenso sollten sie erreichbar, sprich realistisch sein. Und das setzt voraus, dass man seine individuellen Stärken und Schwächen kennt und seine Ziele danach ausrichtet. Selbstreflexion beinhaltet aber noch mehr: Wer diese Fähigkeit besitzt, trifft Entscheidungen bewusster, kann besser mit Fehlern umgehen (was bedeutet sie ebenso zu analysieren, um sie nicht zweimal zu begehen, wie diese emotional hinter sich zu lassen) und ist meist optimistischer was seine Zukunft anbelangt, denn er fühlt sich ihr nicht ohnmächtig ausgeliefert.
  2. Zielvorgaben. Ein klares Ziel zu haben, macht nicht automatisch erfolgreich. Was erfolgreiche Menschen aber eint, ist, dass sie ihre Ziele strukturiert und spezifisch benennen können. Nicht wenige schreiben sie sogar auf – wie bei Managern, deren Zielvorgaben in messbaren Zahlen vereinbart werden. Es sind keine Fernziele, sondern eine Kette von Nahzielen, die schließlich in ein großes münden. So hangeln sich diese Leute von Meilenstein zu Meilenstein, erleben Teilerfolg nach Teilerfolg und bleiben obendrein hochmotiviert. Können Sie auf Anhieb Ihre Ziele benennen?
  3. Netzwerke. Dass gute Beziehungen Karrieren beflügeln, wurde bereits vielfach untersucht und bestätigt. Eine Studie der EU-Kommission etwa zeigte: Rund ein Drittel aller europäischen Arbeitnehmer zwischen 16 und 29 Jahren finden ihre Jobs über persönliche Kontakte. Bei Managern rangiert das Vitamin B gar auf Platz 1 der Karrierebeschleuniger: Rund 70 Prozent aller Führungspositionen in Deutschland werden über Beziehungen besetzt. Natürlich helfen solche Kontakte nicht nur bei der Jobsuche. Starke Netzwerke zeichnen sich auch durch gegenseitigen Informationsaustausch und gemeinsames Coaching aus.
  4. Zuversicht. Übertriebene Skepsis wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Irgendwann scheitert man tatsächlich. Zwar spürt jeder einen Fluchtreflex, sobald Probleme auftauchen, Erfolgreiche aber erzeugen eine Atmosphäre, in der dieser Reflex statistisch nur ungefähr 1,13 Sekunden dauert.
  5. Biss. Hartnäckigkeit und Disziplin sind oft wichtiger als Können. Tatsächlich lassen sich viele Karrierefehler auf mangelnde Beharrlichkeit statt auf fehlendes Talent zurückführen. Jemand, der diese Eigenschaft besitzt, setzt sich ein langfristiges Ziel und verschreibt sich diesem mit Haut und Haaren. Man könnte auch sagen: Er hat Terrier-Qualitäten. So jemand verbeißt sich regelrecht in sein Projekt, seine Aufgabe, sein Ziel und lässt erst wieder locker, wenn das Ziel erreicht ist und sich der gewünschte Erfolg einstellt. Lewis Terman, der Erfinder des Stanford-Intelligenztests verfolgte beispielsweise über Dekaden die Entwicklung besonders talentierter (und erfolgreicher) Studenten – und musste feststellen: Intelligenz wird überschätzt, Beharrlichkeit hatte oft die größeren Auswirkungen auf den Erfolg.
  6. Pragmatismus. Gemeinsam mit der Zuversicht, die auch einen gesunden Optimismus beinhaltet, und der Beharrlichkeit ist es schließlich der Pragmatismus, der die Erfolgreichen ihren Zielen näherbringt. Sie verharren weder in Theorien, noch verteidigen sie alte Entscheidungen – sie machen einfach das Mögliche. Dabei untertreiben sie nicht, beschönigen nichts, generalisisieren nicht. Sie sind präzise (vielleicht auch ein bisschen konservativ) bei ihrer Einschätzung des Machbaren, der Kosten und der Potenziale.
  7. Neugier. Erfolgreiche lernen nicht einfach nur hinzu – sie wollen lernen. Und zwar möglichst viel. Der Motor dazu ist ihre Neugier: Warum ist das so? Was haben andere in der Situation gemacht? Was sind die Eigenschaften, die erfolgreiche Menschen einen? Wobei das Interesse dieser Leute stets fachübergreifend ist: Sie sind aufgeschlossen gegenüber Politik, Management, Sport und Religion, interessieren sich ebenso für die Börse wie für Bildungsfragen, für das Kochen oder die Psychologie. Sie haben vielleicht keinen Doktor-Titel, aber promovieren praktisch in allen Lebensfragen.