Definition: Was ist Staffing am Arbeitsplatz?
Staffing im Berufsleben bezeichnet eine Sonderform des Mobbings, bei der Mitarbeiter systematisch gegen ihre eigene Führungskraft vorgehen, meist um den ungeliebten Chef loszuwerden. Fachleute sprechen hierbei auch vom „Mobbing von unten nach oben“ (Englisch: staff = Belegschaft).
Der Begriff wurde um das Jahr 2000 von der Fairness-Stiftung zur Beschreibung dieses Phänomens eingeführt. Im Englischen bedeutet „staffing“ hingegen neutral Personalbesetzung oder Personaleinsatzplanung.
Typische Anzeichen für Staffing sind:
- Zurückhalten von Informationen
- Blockadehaltung in Meetings
- Gemeinsame Kritik der Person
- Streuen von Gerüchten
- Heimliche Sabotage
- Offene Arbeitsverweigerung
Von Staffing betroffen sind häufig junge und unerfahrene Führungskräfte, die als schwach wahrgenommen werden – Frauen mehr als Männer. Die Schikane von unten vergiftet nicht nur die Arbeitsatmosphäre, sondern sorgt meist auch zu einer deutlichen Verringerung der Produktivität.
Das Gegenteil zu Staffing heißt „Bossing“ – hierbei mobbt der Boss gezielt einzelne Mitarbeiter z.B. durch erzwungene Langeweile und Aufgabenentzug (siehe: Straining).
Arbeitsrecht: Wann ist Staffing Mobbing?
Nicht jede Kritik oder Schickane am Arbeitsplatz ist gleich Mobbing. Damit man von „Mobbing“ sprechen kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Systematisch
Erst wenn die Anfeindungen systematisch und zielgerichtet gegen eine Person sind, liegt eine strafbare Handlung vor. - Wiederholt
Mobbing muss über einen längeren Zeitraum erfolgen, oft 3-6 Monate. Zum Nachweis braucht es daher einen Leidensweg und eine solide Dokumentation (siehe: Mobbingtagebuch).
Mobbing – egal, in welcher Form – gilt in Deutschland als „Verstoß gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht“ (§ 823 Absatz 1 BGB) und ist strafbar. Betroffene bekommen teils Schmerzensgeld in Höhe von bis zu 20.000-50.000 Euro zugesprochen.
Was sind typische Staffing Beispiele?
Typische Staffing Beispiele sind Situationen, in denen Mitarbeitende gezielt ihren Vorgesetzten schwächen oder aus dem Amt drängen wollen. Dazu gehören etwa:
- Bewusste Missachtung oder Verweigerung von Anweisungen des Vorgesetzten, z.B. Aufgaben nicht ausführen, Aufträge immer wieder vergessen.
- Mutwillige Arbeitsverzögerung, um Projekte scheitern zu lassen und die Verantwortung dann beim Chef zu verorten.
- Streuen von Gerüchten über angebliche Inkompetenz, Faulheit oder schlechten Charakter des Vorgesetzten, etwa in Pausen, Chats oder E-Mails.
- Öffentliche Bloßstellung des Chefs, z.B. lächerlich machen in Meetings, ständiges ins Wort fallen, abfällige Gestik wie Augenrollen.
- Systematische, oft unbegründete Kritik an Entscheidungen, um dessen Autorität zu untergraben.
- Vorenthalten oder verspätetes Weitergeben wichtiger Informationen, sodass der Vorgesetzte schlecht dasteht oder falsch entscheidet.
- Manipulation von Projektergebnissen oder Zahlen, damit der Eindruck entsteht, der Chef arbeite schlecht oder habe nichts im Griff.
- Koordiniertes Fehlverhalten im Team (z.B. mehrere halten sich nicht an Absprachen), um den Vorgesetzten zu überfordern und als unfähig erscheinen zu lassen.
- Abwälzen eigener Fehler auf den Vorgesetzten, etwa gegenüber höheren Ebenen.
- Verstärken von Vorurteilen gegenüber dem Chef – z.B. bezüglich seines Alters, Geschlechts oder Herkunft, um dessen Akzeptanz im Betrieb zu senken.
Je nach Ausmaß hat die Mobbing-Methode oft sogar Erfolg und die Vorgesetzten werfen das Handtuch. Nicht zuletzt, weil sie selber psychologisch unter dem Staffing leiden und auf Dauer Ihre Reputation riskieren – was einen erfolgreichen Jobwechsel immer schwieriger macht.
Was sind häufige Staffing Ursachen?
Staffing kann mehrere Ursachen haben. So können schon Eifersucht und Missgunst von übergangenen Mitarbeitern dazu führen, dass sie sich feindselig gegenüber ihrem neuen Chef verhalten. Meist liegen die Auslöser und Gründe in einer Mischung aus Unzufriedenheit, Machtkonflikten und Führungsproblemen.
- Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen oder Entwicklungsperspektiven
- Antipathie gegen die Persönlichkeit des Chefs
- Neid auf Position, Gehalt oder Status der Führungskraft
- Gekränkter Ehrgeiz, weil jemand bei einer Beförderung übergangen wurde
- Widerstand gegen Veränderungen, die der Chef anstoßen soll
- Schwache oder unsichere Führungskompetenz
- Blinder Aktionismus direkt nach Amtsantritt
- Mikromanagement oder autoritärer Führungsstil
- Mangelnde Transparenz oder Mitsprache bei Entscheidungen
- Als „unfair“ empfundenes Verhalten (z.B. fehlende Wertschätzung)
- Allgemein schlechtes Betriebsklima (hohe Frustration)
- Geringe Identifikation mit dem Unternehmen
- Unklare Befugnisse und Prozesse
- Großes Hierarchiegefälle bei geringem Handlungsspielraum
- Hoher Druck, knappe Budgets, viele Regeln und wenig Gestaltungsfreiheit
Ursachen bei Mitarbeitern:
Ursachen bei der Führungskraft:
Rahmenbedingungen, die Staffing begünstigen:
Staffing entsteht vor allem dort, wo Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen, die Persönlichkeit des Chefs und dessen Entscheidungen auf eine schwache Führungskraft und ein ungünstiges Organisationsumfeld treffen. Am Anfang ist Führung nur eine Funktion. Erst wenn Vertrauen und Respekt dazu kommen, wird ein Chef als Autorität akzeptiert.
Was tun gegen Staffing?
Gegen Staffing hilft oft nur ein Mix aus klarer Positionierung, sauberer Dokumentation und konsequentem Handeln – idealerweise unterstützt durch die Personalabteilung und den Betriebsrat. Das können Sie tun:
- Beobachten und protokollieren Sie das Verhalten genau und detailliert – mit Datum, Handlungen, Beteiligten, Wortlaut und Auswirkungen. Sammeln Sie klare, nachweisbare Fakten.
- Führen Sie mit den beteiligten Mitarbeitern Einzelgespräche. Dabei sollten Sie das Fehlverhalten eindeutig benennen, die Wirkung schildern und klare Grenze ziehen: „Dieses Verhalten akzeptiere ich nicht!“.
- Fordern Sie eine deutliche Veränderung des Verhaltens ein und kündigen Sie mögliche Konsequenzen an, falls sich das Verhalten wiederholt – also z.B. Ermahnung, Abmahnung, Versetzung, im Extremfall Kündigung.
- Holen Sie sich überdies Unterstützung, etwa beim nächsthöheren Vorgesetzten, der HR-Abteilung und dem Betriebsrat. Auch ein externer Coach oder Mediator kann helfen.
- Sorgen Sie für mehr gemeinsame Teamgespräche sowie Workshops zur Zusammenarbeit und Kommunikation. Darin sollten sich alle auf feste Teamregeln, Werte und Erwartungen einigen.
- Schärfen Sie ein Bewusstsein für das Unternehmensleitbild, Compliance-Richtlinien und Führungsgrundsätze – auch bei sich selbst. Und machen nochmal klar, dass Staffing eine Form von Mobbing ist und nicht geduldet wird.
- Reflektieren Sie die Arbeitsbedingungen und das eigene Führungsverhalten: Gibt es strukturelle Konflikte, Ungerechtigkeiten oder Kommunikationsprobleme, die Sie verbessern können und sollten?
- Gegen hartnäckige Rädelsführer sollten Sie konsequent arbeitsrechtlich vorgehen, mit Abmahnung, Versetzung und Kündigung, um ein klares Signal an das gesamte Team zu senden.
- Nehmen Sie die eigene psychische Belastung beim Staffing ernst. Nutzen Sie Coaching oder psychologische Beratung, um handlungsfähig zu bleiben.
- Suchen Sie sich Verbündete im Kollegenkreis der anderen Führungskräfte, um nicht zu isoliert zu agieren und von deren Erfahrungen oder Empfehlungen zu profitieren.
- Hinterfragen Sie die eigene Rolle kritisch, aber konstruktiv: Wo kann ich meine Kommunikation, Klarheit oder Konsequenz verbessern?
Sofortmaßnahmen für Führungskräfte
Mittel- bis langfristige Schritte
Maßnahmen zum persönlichen Schutz
Selbst bei harmloserem Fehlverhalten der Mitarbeiter sollten Führungskräfte schnell handeln. Ein frühzeitiges Kritikgespräch kann noch Vieles entschärfen und bewirken.
Welche Fehler sollten Führungskräfte vermeiden?
Wenn es hart auf hart kommt, halten Sie als Chef zwar viele Trümpfe in der Hand. Dennoch wollen Sie eine Kündigung und Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht in der Regel vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Reaktion genau planen und nicht im Affekt handeln. Diese Fehler machen es oft nur schlimmer:
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Mit Bossing zurückschlagen
Mobbing mit Mobbing zu bekämpfen, ist die dümmste Idee. Das sorgt nur für noch mehr Zündstoff und am Ende machen Sie sich noch selbst strafbar.
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Kompromisslosigkeit demonstrieren
Härte bewirkt in der Regel das genaue Gegenteil von dem, was Sie wollen. Bieten Sie eine Lösung und einen Kompromiss an, der zeigt, wie Sie wirklich ticken.
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Das Verhalten ignorieren
Auch Aussitzen ist eine schlechte Strategie. Wer solche Probleme im Team ignoriert, riskiert, dass diese nur noch stärker werden und dann tatsächlich die Führungskompetenz infrage stellen.
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Delegieren an Vorgesetzte
Versuchen Sie nicht, Ihr Problem einfach nach oben weiterzugeben. Auch das beweist eher eigene Führungsschwäche. Indem Sie selbst die Handlungskontrolle behalten, gewinnen Sie Respekt.
Was sind die Folgen von Staffing?
Mobbing – egal, ob von oben oder unten – ist für Betroffene immer eine Belastung. Die persönlichen Folgen reichen von Selbstzweifeln, Ess- und Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder Depressionen.
Gleichzeitig ist Staffing kein Kavaliersdelikt! Allenfalls vordergründig richtet es sich „nur“ gegen den Vorgesetzten. Tatsächlich aber schaden die Mitarbeiter damit dem gesamten Unternehmen – finanziell und ideell. Häufige Folgen sind: Produktions- und Leistungseinbußen, nachlassende Qualität, Verzögerungen im Ablauf sowie Abwanderung von anderen Talenten und Imageverlust, sodass auch neue Führungskräfte nur schwer zu finden sind. Studien schätzen den volkswirtschaftlichen Schaden durch Mobbing in Deutschland auf rund 40 Millionen Euro im Jahr.
Ist Staffing strafbar?
Mobbing gegen den eigenen Chef ist rechtlich kein eigener Tatbestand. Einzelne Verhaltensweisen im Rahmen von Staffing können jedoch strafrechtlich relevant sein. Dazu gehören zum Beispiel:
- Beleidigung (§ 185 StGB)
- Üble Nachrede (§ 186 StGB)
- Verleumdung (§ 187 StGB)
- Körperverletzung (§ 223 StGB)
Die Täter müssen in nachweisbaren Fällen mit Geld- und in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe rechnen. Zusätzlich haben von Staffing betroffene Führungskräfte ein zivilrechtlichen Anspruch auf Schmerzensgeld.
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