Es ist ein paar Jahrhunderte her, da haben Alchemisten ahnungslosen Königen weisgemacht, sie könnten Blei in Gold verwandeln. Die Sache ging in der Regel doppelt schlecht aus: Die Könige blieben auf dem Schwermetall sitzen, und die Alchemisten verloren den Kopf. Gut 300 Jahre läuft das genauso: Suchmaschinenoptimierung (kurz: SEO) und Suchmaschinen-Marketing (SEM) sind die Alchemie der Moderne. Mit ihrer Hilfe soll digitales Blech in Google-Gold verwandelt werden. Kann funktionieren, ist aber nicht klug.
Nichts gegen SEO und SEM. Das ist mitunter sinnvoll und kann enorm weiterbringen. Diverse SEO Agenturen helfen ihren Klienten dabei und verdienen nicht schlecht daran. Und ja: Wer heute Inhalte im Netz publiziert – Texte, Bilder, Videos – kommt an Suchmaschinenoptimierung kaum noch vorbei. Qualität setzt sich im Web eben nicht automatisch durch. Aber man sollte nie den Fehler begehen und Ursache mit Wirkung verwechseln. Inhalte durch SEO nicht besser und enttäuschte Leser kommen auch nicht wieder, das machen nur Crawler. Und für die schreiben Sie hoffentlich nicht.
Deshalb vorweg: Erliegen Sie nie der Versuchung für Suchmaschinen zu schreiben! Zuerst kommen die Leser – dann die Optimierung.
10 ganz legitime SEO-Tricks für Ihr Blog
In der Regel dreht sich bei SEO der erste Gedanke um Links, Links, Links. Solche Verweise, die auf Ihre Webseite führen (sogenannte Inbound Links) sind das Elixier zahlreicher SEO-Maßnahmen. Aber nicht jeder Link zählt dabei! Wer Sie gezieltes Linkmarketing betreiben will, sollte hier systematisch vorgehen und sein Augenmerk auf hochwertige Links richten – also solche, die zur eigenen Website und deren Inhalten passen. Und natürlich sollten die verweisenden Seiten ebenfalls wertig sein. Links aus ebenso namen- wie seelenlosen Linkfarmen können Sie gleich wieder vergessen. Die werten Ihre Seite eher noch ab.
Die Kollegen von t3n haben einen spannenden US-Artikel zum nachhaltigen Linkaufbau ausgegraben, der insgesamt 131 legitime Link-Building-Strategien vorstellt. Einige davon sind so naheliegend, dass sie hier keiner weiteren Erwähnung bedürfen, andere kreative Ideen wollen wir hier vorstellen und kommentieren sowie um weitere, eigene ergänzen:
![]() | Eigene Links setzen. Bevor Sie damit anfangen, externe Links einzusammeln, denken Sie immer auch daran, eigene passende Artikel zu verlinken – entweder im Text oder an dessen Ende mit einer Liste vom Typ “Diese Artikel könnten Sie auch interessieren”. Verlinken Sie dabei aber nicht nur von neuen auf alte Artikel. Es kann sich auch lohnen, die Neuerscheinungen zu stärken, indem Sie einen neuen Verweis in einem schon erschienenen Artikel nachträglich setzen. Nur bitte gezielt – auf sogenannte Keywords. |
![]() | Soziale Links generieren. Der zweite einfache Weg, an Links zu kommen, ist, eigene Soziale Netzwerke zu nutzen. Haben Sie eine Facebook-Seite? Einen Google+-Account? Ein Twitter- oder Pinterest-Profil? Dann verlinken Sie dort auf jeden Fall schon mal in den Profil-Angaben oder Kurzvitas Ihre Seite. Dasselbe machen Sie anschließend mit Ihren Beiträgen. Kommen dann Kommentare, Likes, Shares, Retweets und Repins dazu, sammeln Sie automatisch das, was der Profi Social Trust nennt. |
![]() | Links nicht automatisieren. Auch wenn es mehr Arbeit macht: Die gerade erwähnten Social-Links sollten Sie stets manuell einfügen, also Artikel per Hand in den Social Media verlinken, nicht automatisch per Tool. Bei Twitter ist der Tipp nicht ganz so wichtig, bei Facebook umso mehr. Hier werden solche Link-Tools, die Sie mit Ihrem Blog koppeln können erkannt – und deren Einträge aber später seltener bei Ihren Fans in der Timeline eingeblendet. |
![]() | Link-Netzwerk bauen. Identifizieren Sie Webseiten, die zu Ihnen passen und fragen Sie – immer persönlich, nie per Massenmail! – ob sie sich mit Ihnen stärker vernetzen und verlinken wollen. Aber bitte nicht einfach einen Link hin und einen zurück. Das bringt nichts und sieht in Google’s Augen auch nicht gut aus. Natürliche Links gehen anders. Deshalb ist es besser, nicht über kreuz auf Startseiten zu verlinken, sondern auf einzelne Artikel. Viel natürlicher – und obendrein auch besser für ein differenziertes Linkmarketing. |
![]() | Auch Nofollows sammeln. Im HTML gibt es den Befehl rel=”nofollow”. Das heißt für Suchmaschinen übersetzt: Achtung, den Link nicht weiter verfolgen und beachten! So kann man zum Beispiel auf eine Skandalseite hinweisen, ohne diese gleichzeitig noch zu stärken. Heute weiß man: Suchmaschinen registrieren solche Nofollows trotzdem. Sie haben zwar nicht denselben Wert wie normale Links, aber viele davon werten trotzdem auf – und sie bringen in jedem Fall Traffic. Wenn Sie also andere fragen und bitten Sie zu verlinken – nicht ärgern, wenn es nur ein Nofollow-Link wird. Einfach weitersammeln! |
![]() | Linklisten erzeugen. Was beim Netzwerken funktioniert, kann beim SEO-Linkbuilding nicht verkehrt sein: Erst geben, dann nehmen. Fangen Sie zum Beispiel damit an, so etwas wie eine wöchentliche Best-of-Blog-Liste zu erstellen und Ihre, sagen wir, zehn besten Artikel der vergangenen Woche (die aber zu Ihrem Blogthema passen) anzuteasern und zu verlinken. Laden Sie anschleßend die Mitblogger ein, daraus eine wöchentliche und gemeinsame Serie zu machen. Heißt: Jeder steuert später seinen Lieblingsartikel aus seinem Blog bei und alle veröffentlichen die Liste (exklusive des eigenen) und verlinken die jeweils anderen. Dann noch ein jeweils ein individueller Text dazu, damit sich das nicht alles doppelt – fertig ist ein kleines Zitier-Kartell und Netzwerk. Obendrein schenkt sich dabei jeder gegenseitig Leser und Links. Jeder Woche. |
![]() | Gastbeiträge anbieten. Etwas aufwendiger, aber nicht weniger wirkungsvoll, ist es, Gastbeiträge anderen Blogs und Webseiten anzubieten. Der Deal ist klar: Der andere bekommt Gratis-Content, Sie erhalten mindestens einen Link. Allerdings gilt auch hier: Schreiben Sie nicht irgendwelches Zeugs. Denken Sie zuerst an die Leser und erst danach an das SEO. Erstens, weil Sie so die Chancen steigern, dass der Gastbeitrag überhaupt genommen wird. Zweitens, weil die so interessierten Leser dann vielleicht auch öfter bei Ihnen vorbei schauen. Wie gesagt: Lieber Leser als Links! |
![]() | Nützliches verschenken. Seit einiger Zeit schon gibt es eine Blüte der Infografiken. Nicht ganz zufällig, bieten deren Urheber diese ohne copyrights an. Heißt: Jeder kann die Grafik in sein Blog oder seine Website einbauen. Einzige Bedingung: Er verlinkt auf die Quelle. Solche Infografiken kann heute jeder kinderleicht im Web selbermachen – ohne große Vorkenntnisse und kostenlos. Infografik-Tools wie Infogr.am, Visual.ly oder PiktoChart helfen dabei. Aber natürlich können Sie auch anderes gegen einen Link “verschenken”: E-Books, PDFs, Fotos. |
![]() | Kommentare schreiben. Die Gefahr hierbei ist, zum Spammer zu werden. Das empfehlen wir definitiv nicht. Aber natürlich können Sie Ihr Blog bekannter machen, indem Sie auf anderen passenden oder populären Blogs und Websites Kommentare hinterlassen. Nur bitte: Hinterlegen Sie den Link zu Ihrer Seite oder einem speziellen Artikel nur in der Absenderkennung. Nichts hassen Blogger (und Leser) so sehr, wie Kommentare vom Typ: “Super Artikel, hab ich auch schon drüber geschrieben und zwar hier: http://…” |
![]() | Vorträge halten. Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, wie ein Vortrag zu Links führen soll. Tut er aber. Ich selbst werde häufig als Redner engagiert. Der Effekt ist jedes Mal derselbe: War die Rede gut, googeln dich die Leute und finden dein Blog. Wer selbst bei Twitter, Facebook, Google & Co. ist oder gar selber bloggt, kommentiert den Vortrag vielleicht sogar – und setzt einen Link. Noch cleverer ist, den Vortrag anschließend etwa (auszugsweise) als Video hochzuladen oder als Slideshare anzubieten. Ist im Grunde auch wie verschenken – und lockt Links wie Leser an. |











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Torben G
Guter Artikel, aber ich denke, dass nur sehr wenige die Chance erhalten, einen Vortrag zu halten. Dafür muss man doch bereits sehr bekannt sein. Trotzdem sehr lesenswert.
Jochen Mai
Ist ja auch nur eine von 10 Anregungen.
Kevin Pliester (@K_Pliester)
Vorträge halten kann man doch eigentlich überall? Es müssen ja nicht direkt 1000 Personen sein.
Aber Du kannst auch selbst in der Öffentlichkeit bei irgendwelchen Personen die Du kennst, Vorträge halten, in dem Du von deiner Seite und den Themen erzählst?
@Jochen: Sehr hilfreicher Artikel, i like it. Danke!
Michael Neumayr
Der Artikel gefällt mir und gibt mir in gewisser Weise den Kick meinen Blog wieder zu beleben. Wird irgendwie Zeit. Obwohl ich ein Thema bearbeite, das blogtechnisch kaum relevant ist.
Jochen Mai
Das ust doch erst mal nicht entscheidend. Jedes Thema kann spannend sein. Du interessierst dich ja auch dafür – und bist bestimmt nicht allein.
Hans
@Michael: Unterschätze Dein Thema nicht.
Ein alter Freund der Familie begann vor 20 Jahren, plötzlich Zuckerstücke und-tütchen in Restaurant zu sammeln. Einfach so. Dann sortierte er sie in Zigarrenschachteln und beschriftete sie. Er dachte damals, er wäre der einzige, der “so blöd ist und Zucker sammelt”.
Später stellte sich raus, dass es eine riesige Szene mit Landesverbänden und allem drum und dran gibt.
Ich kenne viele Leute, die auch heute noch für ihn Zucker sammeln. So do I und schicke Sie ihm jährlich zu seinem Geburtstag – er ist fast 80.
Was hat das mit Bloggen zu tun?
- Zucker sammeln = Erfahrungen in Deiner Nische sammeln
- Zucker in Zigarrenkistchen einsortieren = Darüber bloggen
- anderen von der Zuckerleidenschaft erzählen = Gastbeiträge schreiben
- Zucker von anderen bekommen = Backlinks bekommen
- … got it.
Backlinks aus der zweiten und dritten Reihe:
Wenn ich mit Leuten in Restaurants gehe, schauen diese verwundert, wenn ich Zuckerstücke (nur die besonderen mit Haus-Aufdruck) einstecke. Dann erzähle ich oben genannte Geschichte. Es kommt immer wieder vor, dass diese Leute mir Wochen später Zuckerstücke in die Hand drücken :) Backlinks von überall :)
-Hans Steup, Berlin
Hans
… oh Elend, so viele Schreibfehler in einem Kommentar :) Erst schreiben, dann lesen, dann senden :)
AlexanderM
Vielen Dank, sehr guter Artikel. Gute Übersicht von klassischen Methoden. Die Infografik ist ebenfalls TOP :)
Ben
Jetzt fühle ich mich dazu angehalten hier einen Kommentar anzufügen ;-)
Hans
… mh, Ben, wo bleibt er denn, der Kommentar :) ?
Pingback: Wissens-Schatz 20.07.: diese Woche im Netz - Social Media ...nachhaltig!
schneeschwade
Verstehe Punkt 9 nicht: “Nichts hassen Blogger (und Leser) so sehr, wie Kommentare vom Typ: ‘Super Artikel, hab ich auch schon drüber geschrieben und zwar hier: http://…‘”
Warum denn?
Widerspricht zum einen meiner Erfahrung, zum anderen: Wie denn sonst? Bei “Website” unter Absenderdaten gehört ja wohl kaum ein Artikellink hin, oder? Soll ich das etwa so machen: “Guter Text, übersieht meiner Meinung nach aber einen Punkt. Dazu hab ich mal was gebloggt: Bitte auf den Link des Kommentarabsenders klicken.” Zumal: Das geht nur, wenn es sich um einen Artikel handelt. Manchmal will man im Kommentar aber auch auf mehrere eigene hinweisen.
In meinen Augen hört bei Website die URL des “Gesamtblogs” hin und im Kommentar dann ein Verweis auf einen Einzelartikel. Oder mehrere.
Jochen Mai
Nö, seh ich komplett anders – und sprechen auch meine Erfahrungen dafür: Kommentare sind dazu da, um sich mit dem Artikel auseinander zu setzen – und nicht, um Aufmerksamkeit und Traffic auf die eigene Seite zu lotsen. Und nichts anderes ist das, was du beschreibst. In Übersetzung: “Seht alle mal her, ich hab dazu auch was geschrieben – bitte kommt auf meine Seite…” Für diesen Zweck aber gibt es Trackbacks oder Backlinks! Und die kannst du auch nachträglich noch in deinem (bereits erschienenen) Artikel setzen. Trägt dein Artikel etwas zur Debatte bei? Bringt er einen neuen Aspekt, der hier nicht bedacht wurde? Prima, dann setze einen (Back-)Link und erwähne auch bei dir, dass es einen anderen Artikel zu dem Thema gibt. DAS ist der Gedanke von Blogs und Netzwerken. Ein Kommentar aber mit einem Link zur eigenen Seite dient nur einem Zwecke: Eigenwerbung.
Denn ganz ehrlich: Wenn du in diesem Fall wirklich zu Debatte beitragen wolltest, könntest du auch ganz selbstlos die entsprechende Passage aus deinem Artikel nehmen, kopieren oder umformulieren und als Kommentar einfügen. Dann wäre dieser Aspekt den hiesigen Lesern auch bekannt und sie könnten auch hier (wo sie ja schon sind) weiterdiskutieren. Tatsächlich aber wählst du den Weg eines Links zu dir – und zwar aus nur einem Grund: Die Diskussion möge bitte bei dir weiterlaufen. Und das halte ich für eine unhöfliche Missachtung gegenüber dem Blogautor und seinem Text, bei dem du das machst. Im Grunde sagt ein solcher Kommentar: Es ist es dir egal, was er schreibt – er liefert dir nur einen Anlass, Aufmerksamkeit abzustauben.
Darum.
Davon abgesehen kann die Absenderkennung sehr wohl auch einen Deeplink zu einem passenden Artikel enthalten. Wenn du wirklich etwas Gehaltvolles zur Debatte beiträgst, werden sich die anderen Mitleser und Mitkommentatoren für dich interessieren, den Link vielleicht klicken und erfahren so noch mehr zu Thema – diesmal von dir. Wo ist das Problem? Geht es dir um die Auseinandersetzung mit dem Autor und mit dem Thema – oder nur um Linkmarketing?
Und für Letzteres sind Kommentare primär nicht gedacht. Und richtig schamlos wird es, wenn der Kommentar gar aus nicht mehr besteht als: “Dazu hab ich auch schon was geschrieben – bitte hier klicken: http:…”
Pingback: Links der Woche – KW30-12: Bloggen, WordPress-Tipps, Dateien konvertieren, SEO und phpBB › Hubert Mayer
Viktor J.
Klasse Artikel! Man kann noch so viel fürs eigene Bloggen lernen :)
Auch die Kommentare waren hilfreich für mich. DANKE
Pingback: Social Media und PR-Rückblick
Marco
Kann ich nur unterstreichen wie wichtig Links sind. Eigentlich sagte man auch immer Content ist King, aber ohne Links läuft selbst damit nichts mehr.
McMeidi
Backlinks sammeln ist schon ein sehr mühsames Geschäft. Wie überall : Ohne Fleiß kein Preis.
Jochen Mai
Nur, wenn man keine guten Inhalte bietet… ;) Sonst reicht auch Geduld.
Bettina Mertinkat
Gefällt mir gut der Beitrag. Schlimm finde ich z.B. solche Beiträge (Artikel) wenn irgendein sinnlosen SEO-Wettbewerb läuft. Dann werden Beiträge geschrieben ohne Sinn und Verstand. Hauptsache die entsprechende Wortkombination ist möglichst oft vertreten. Das ganze zielt darauf möglichst viele Backlinks zu bekommen.
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