Definition: Was ist Crowdworking?
Crowdworking (deutsch: Schwarmarbeit) ist eine Arbeitsform, bei der Unternehmen Aufgaben über digitale Plattformen an eine große Gruppe von Menschen vergeben. Registrierte Crowdworker übernehmen einzelne Aufträge und erhalten dafür eine Vergütung. Häufig handelt es sich um sogenannte Mikrojobs, die nur wenige Minuten dauern. Andere Projekte erfordern Fachkenntnisse und mehrere Stunden Arbeit. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „crowd“ (Menschenmenge) und „working“ (Arbeiten) zusammen. Crowdworking gehört zur Plattformarbeit und ist eine Form des Crowdsourcings.
Typisch für Crowdworking ist die digitale Auftragsvermittlung. Die Jobs werden über Websites oder Apps angeboten, angenommen und abgerechnet. Viele Aufgaben lassen sich bequem von zu Hause erledigen. Andere erfordern einen Einsatz vor Ort, beispielsweise um Produkte in Geschäften zu fotografieren oder Preise zu überprüfen.
Crowdworking: Beispiele für typische Jobs
Das Spektrum reicht von einfachen Klickaufgaben bis zu anspruchsvollen Dienstleistungen. Häufige Crowdworking-Jobs sind:
- Dateneingabe und Datenprüfung
- Online-Recherchen und Informationssuche
- Texterstellung und Produktbeschreibungen
- Online-Umfragen und Produkttests
- Fotografieren von Produkten und Verkaufsflächen
- Bewertung von Bildern und KI-Trainingsdaten
- Testen von Websites und Apps
- Übersetzungen und Transkriptionen
- Grafikdesign und Programmierung
Für einfache Mikrojobs benötigen Sie meist keine Qualifikationen. Bei anspruchsvolleren Projekten zählen dagegen Erfahrung, Fachwissen und gute Arbeitsproben. Entsprechend unterschiedlich fällt die Bezahlung aus.
Wie funktioniert Crowdworking?
Unternehmen veröffentlichen ihre Aufträge auf einer digitalen Plattform. Registrierte Nutzer sehen die verfügbaren Aufgaben und wählen passende Angebote aus. Nach erfolgreicher Bearbeitung erhalten sie die vereinbarte Vergütung. Der typische Ablauf besteht aus fünf Schritten:
-
Registrieren
Sie erstellen ein Nutzerkonto auf einer Crowdworking-Plattform. Manche Anbieter verlangen einen Identitätsnachweis oder einen kurzen Eignungstest.
-
Aufträge auswählen
Sie suchen nach passenden Jobs und prüfen Aufgabenbeschreibung, Vergütung, Zeitaufwand und Abgabefrist.
-
Aufgaben erledigen
Sie bearbeiten den Auftrag nach den Vorgaben der Plattform – online am Computer, per Smartphone oder direkt vor Ort.
-
Ergebnisse einreichen
Nach Abschluss übermitteln Sie Ihre Arbeit. Häufig wird diese vor der Freigabe der Bezahlung geprüft.
-
Geld erhalten
Das Honorar wird Ihrem Nutzerkonto gutgeschrieben und nach den jeweiligen Auszahlungsbedingungen überwiesen.
Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Jobs: Bei vielen Plattformen gibt es weder eine feste Anzahl von Aufträgen noch eine garantierte monatliche Vergütung. Wer nichts findet oder keinen Auftrag erhält, verdient auch nichts.
Crowdworking-Plattformen: Wo finde ich Jobs?
Für Crowdworking gibt es verschiedene Plattformen. Einige vermitteln einfache Mikrojobs, andere richten sich an erfahrene Freiberufler und Spezialisten. Die folgende Übersicht zeigt bekannte Anbieter und ihre Schwerpunkte:
Plattform |
Typische Aufträge |
| Clickworker | Datenerfassung, Recherchen, Umfragen, Fotos und KI-Trainingsdaten |
| AppJobber | Fotoaufträge und Kontrollen in Geschäften |
| Testbirds | Testen von Websites, Apps und digitalen Produkten |
| Upwork | Texte, Programmierung, Design und größere Freelancer-Projekte |
| 99designs | Grafikdesign, Logos und Designwettbewerbe |
| DasAuge | Kreative Aufträge für Designer, Fotografen und Texter |
Für Einsteiger sind klassische Mikrojob-Plattformen interessant. Wer bereits gefragte Fachkenntnisse besitzt, findet auf Projektplattformen häufig besserbezahlte Aufträge. Allerdings handelt es sich dort eher um klassische Freelancer-Arbeit als um Crowdworking im engeren Sinne. Prüfen Sie vor der Anmeldung überdies die Zugangsvoraussetzungen, Gebühren und Auszahlungsbedingungen. Die Zahl verfügbarer Jobs schwankt je nach Plattform, Standort und Qualifikation. Bei internationalen Anbietern ist zudem nicht immer eine Registrierung aus Deutschland möglich!
Verdienst: Wie viel Geld bringt Crowdworking?
Crowdworking eignet sich vor allem als Nebenverdienst oder um online Geld zu verdienen. Bei einfachen Mikrojobs werden oft nur wenige Cent pro Aufgabe gezahlt. Andere Aufträge bringen mehrere Euro, ein festes Gehalt gibt es bei selbstständigem Crowdworking aber nie. Rechnen Sie deshalb immer den tatsächlichen Stundenverdienst aus: Eine Aufgabe für 2 Euro klingt ordentlich. Benötigen Sie dafür aber 30 Minuten, verdienen Sie rechnerisch nur 4 Euro pro Stunde! Wartezeiten oder unbezahlte Korrekturen verschlechtern das Ergebnis zusätzlich.
Crowdworking: Verdienstbeispiele
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich Vergütung und Zeitaufwand auf den Stundenverdienst auswirken. Die Beträge sind Modellrechnungen, keine durchschnittlichen Plattformhonorare:
Vergütung und Zeitaufwand |
Verdienst pro Stunde |
| 0,50 Euro für 5 Minuten | 6 Euro |
| 2 Euro für 10 Minuten | 12 Euro |
| 5 Euro für 30 Minuten | 10 Euro |
| 30 Euro für 2 Stunden | 15 Euro |
Ihr tatsächlicher Verdienst hängt vor allem von der Auftragslage, Ihren Qualifikationen und Ihrer Arbeitsgeschwindigkeit ab. Für einfache Klickaufgaben werden meist niedrigere Honorare gezahlt als für Programmierung, Übersetzungen oder Grafikdesign. Gleichzeitig kosten die Suche nach passenden Jobs und die Einarbeitung Zeit, die niemand bezahlt. Unser Tipp: Dokumentieren Sie über 2 Wochen sämtliche Einnahmen und Arbeitszeiten – einschließlich Auftragssuche, Vorbereitung und Nachbearbeitung. Teilen Sie anschließend den Gesamtverdienst durch die investierten Stunden. So sehen Sie schwarz auf weiß, ob sich Crowdworking für Sie lohnt.
Crowdworking: Vorteile und Nachteile
Von zu Hause arbeiten, selbst über Aufträge entscheiden und nebenbei Geld verdienen: Crowdworking klingt verlockend. Allerdings erkaufen sich viele Crowdworker ihre Flexibilität mit unsicheren Einnahmen und niedrigen Honoraren. Vor dem Einstieg sollten Sie beide Seiten kennen:
Vorteile von Crowdworking
- Hohe Flexibilität bei der Auftragsauswahl
- Häufig freie Wahl von Arbeitszeit und Arbeitsort
- Einfacher Einstieg bei vielen Mikrojobs
- Zusätzliches Einkommen ohne feste Arbeitszeiten
- Unterschiedliche Aufgaben und Auftraggeber
- Chance, Erfahrungen zu sammeln und ein Portfolio aufzubauen
Nachteile von Crowdworking
- Oft niedrige Bezahlung pro Auftrag
- Schwankende Einnahmen ohne Planungssicherheit
- Unbezahlte Wartezeiten und Auftragssuche
- Teilweise monotone und wenig anspruchsvolle Tätigkeiten
- Abhängigkeit von Plattformregeln und Bewertungen
- Bei Selbstständigkeit kein bezahlter Urlaub und keine gesetzliche Entgeltfortzahlung wie bei Arbeitnehmern
- Eigene Verantwortung für Steuern und soziale Absicherung
Besonders kritisch sehen wir Plattformen, die Aufträge erst nach einer Qualitätsprüfung vergüten, ohne klare Kriterien zu nennen. Lesen Sie deshalb stets die Nutzungsbedingungen und achten Sie darauf, unter welchen Umständen Aufträge abgelehnt oder Konten gesperrt werden.
Crowdworking: Vor- und Nachteile für Unternehmen
Unternehmen nutzen Crowdworking, um Aufgaben flexibel an externe Arbeitskräfte zu vergeben. Besonders bei großen Datenmengen, standardisierten Tätigkeiten oder kurzfristigen Projekten lassen sich zusätzliche Kapazitäten nutzen. Auch kreative Ideen und spezielles Fachwissen kommen auf diesem Weg ins Unternehmen. Allerdings schwankt die Qualität der Ergebnisse. Aufträge müssen sorgfältig beschrieben, kontrolliert und gegebenenfalls nachgebessert werden. Hinzu kommen Fragen des Datenschutzes, der Vertraulichkeit und des Arbeitsrechts. Werden Crowdworker eng in die eigenen Abläufe eingebunden, drohen bei einer falschen rechtlichen Einordnung erhebliche Folgen.
Crowdworking und Arbeitsrecht: Was gilt?
Viele Crowdworker gelten als selbstständige Auftragnehmer. Sie erhalten ein Honorar für erledigte Aufgaben und organisieren ihre Tätigkeit eigenverantwortlich. Doch längst nicht jede vermeintlich selbstständige Plattformarbeit ist rechtlich tatsächlich eine Selbstständigkeit. Nach § 611a BGB kommt es unter anderem darauf an, wie stark Beschäftigte an Weisungen gebunden sind und wie frei sie ihre Arbeit gestalten. Auch digitale Plattformen können durch detaillierte Vorgaben, Bewertungssysteme und die Steuerung der Auftragsvergabe eine persönliche Abhängigkeit schaffen.
BAG-Urteil: Sind Crowdworker Arbeitnehmer?
Das Bundesarbeitsgericht hat mit einem Urteil (9 AZR 102/20) entschieden, dass Crowdworker unter bestimmten Umständen Arbeitnehmer sind:
Im konkreten Fall hatte ein Mann über eine App zahlreiche Kontrollaufträge in Geschäften und Tankstellen erledigt. Die Plattform gab Arbeitsschritte und Zeitfenster vor. Ein Bewertungssystem beeinflusste zudem, wie viele Aufträge er gleichzeitig übernehmen durfte. Innerhalb von 11 Monaten erledigte der Mann 2.978 Aufträge. Das Gericht stellte fest, dass durch die Zusammenarbeit ein Arbeitsverhältnis entstanden war. Die organisatorische Steuerung und die engen Vorgaben schränkten seine Selbstständigkeit erheblich ein.
Das Urteil ist ein wichtiges Signal für Crowdworker: Auch wer laut Vertrag als freier Auftragnehmer arbeitet, besitzt unter Umständen Arbeitnehmerrechte. Maßgeblich sind die tatsächlichen Arbeitsbedingungen. Bei Streitigkeiten über den Beschäftigungsstatus lohnt sich deshalb eine arbeitsrechtliche Beratung.
Muss ich Crowdworking versteuern?
Auch kleine Einnahmen aus Crowdworking sind nicht steuerfrei. Wer regelmäßig Aufträge gegen Bezahlung übernimmt, muss prüfen, ob eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit vorliegt. Daraus ergeben sich gegebenenfalls Pflichten gegenüber dem Finanzamt: Die Einnahmen sind in der Steuererklärung anzugeben. Sind Sie bereits angestellt, sollten Sie außerdem Ihren Arbeitsvertrag prüfen: Eine Nebenbeschäftigung muss je nach Vereinbarung dem Arbeitgeber angezeigt werden. Der darf sie zwar nicht ohne berechtigten Grund verbieten – genehmigen muss er sie trotzdem.
Für wen lohnt sich Crowdworking?
Crowdworking ist für Menschen interessant, die flexibel etwas hinzuverdienen möchten. Studierende, Berufstätige mit freien Zeitfenstern oder Menschen, die gelegentlich von zu Hause arbeiten wollen, finden hier einen unkomplizierten Einstieg. Wer dagegen auf ein sicheres monatliches Einkommen angewiesen ist, wird mit einfachen Mikrojobs selten glücklich. Bevor Sie sich anmelden, sollten Sie fünf Fragen klären:
- Passen die angebotenen Aufgaben zu meinen Fähigkeiten?
- Wie viel verdiene ich tatsächlich pro Arbeitsstunde?
- Welche Gebühren und Auszahlungsgrenzen gelten?
- Wie werden Ergebnisse geprüft und Aufträge vergütet?
- Welche steuerlichen und rechtlichen Pflichten entstehen?
Testen Sie zunächst eine Plattform mit überschaubarem Zeitaufwand. Wenn Sie feststellen, dass Sie für wenige Euro stundenlang arbeiten, suchen Sie nach besserbezahlten Aufträgen. Gerade mit Fachkenntnissen lohnt sich der Vergleich mit anderen Möglichkeiten, nebenbei Geld zu verdienen.
Crowdworking lohnt sich nicht für jeden
Crowdworking bietet einen einfachen Einstieg in die digitale Arbeitswelt und die Möglichkeit, flexibel Geld zu verdienen. Gerade für kleine Nebenverdienste ist das Modell interessant. Wer allerdings seinen Lebensunterhalt damit bestreiten möchte, braucht regelmäßig gut bezahlte Aufträge. Bei einfachen Mikrojobs bleibt nach Abzug des Zeitaufwands oft erschreckend wenig übrig. Prüfen Sie deshalb jedes Angebot kritisch und verkaufen Sie Ihre Arbeitszeit nicht unter Wert.
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