SmalltalkMit dem Plaudern ist es wie mit dem Flirten: Dem ersten Satz haftet ein nahezu mythisches Sexualisierungsfanal an – so als gäbe es hernach keine Höhepunkte mehr. Im Zeitalter der Globalisierung, der Ad-hoc-Mitteilungen, der Stehpartys und professionellen Prahlhanserei, ist der Smalltalk alles andere als ein Privileg der oberen Zehntausend. Eine gekonnte Konversation ist ein wichtiger Erfolgsschlüssel. Mit dem richtigen Schnack kann man das sprichwörtliche Eis unter Fremden brechen und beim Plaudern einen positiven (ersten) Eindruck hinterlassen. Wählt man indes die falschen Worte, ist die Chance genauso leicht verspielt.

Smalltalk-Tipps: Plaudern ist nicht Präsentieren!

Der erste Satz ist der schwerste. Und klar, zuerst sollte man sich immer erst selber vorstellen, seinen vollen Namen nennen und vielleicht noch zwei, drei Sätze zu seinem Beruf (wenn es ein Business-Empfang ist) sagen. Aber dann?

Wenn manche an Smalltalk denken, dann assoziieren sie entsprechend die mitreißende Eloquenz und geschliffene Rhetorik eines Alleinunterhalters. Dabei ist Smalltalk das genaue Gegenteil davon: Es ist die Kunst des unangestrengten, ebenso amüsanten wie eleganten Geplauders – der Sprezzatura, wie Smalltalk früher hieß.

Wer etwa dem inneren Zwang erliegt, jedem beweisen zu müssen, wie kommunikativ er ist, kann nur scheitern. Eine solche Haltung wird immer unbewusst wahrgenommen und wirkt entsprechend aufdringlich.

Der englische König Charles II. soll einmal gesagt haben:

Die Kunst guter Konversation besteht darin, Unsicheren Sicherheit zu geben.

Entsprechend dient das lockere Parlieren dazu, sich unverbindlich auszutauschen, sich besser kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu betonen und so eine gute Atmosphäre sowie Vertrauen zu schaffen.

Situationen, in denen Smalltalk besonders sinnvoll ist

Smalltalk ist universal einsetzbar: Als Plauderei mit Kollegen, als Schwatz auf einer Feier, als kleine Unterhaltung im Fahrstuhl oder in der Bahn und ähnliches. Doch es gibt auch Situationen, in denen es besonders wichtig ist, dass Sie mit Ihren Mitmenschen ins Gespräch kommen.

  • Am ersten Tag im neuen Job. Sie sind neu und kennen noch niemanden. Um einen sympathischen ersten Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie mit Ihren Kollegen ins Gespräch kommen.
  • Bei dem Besuch einer Messe oder eines Kongresses. Stehen Sie zwischen den Vorträgen und in den Pausen nicht alleine rum. Nutzen Sie die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen. Damit schaffen Sie die Basis für eine eventuelle berufliche Zusammenarbeit.
  • Beim Treffen mit einem Kunden. Sicher, der Grund Ihres Treffens ist geschäftlich. Doch leichte Konversation lockert die Atmosphäre auf und heißt den Kunden willkommen.
  • Im Vorstellungsgespräch. Bereits die ersten Minuten des Zusammentreffens entscheiden über die Sympathie. Nehmen Sie das Angebot des Personalers an und betreiben Sie etwas zwanglose Konversation. Dann fällt auch der Rest leichter.

Smalltalk im Aufzug

Peshkov Daniil/shutterstock.comSmalltalk im Aufzug kann peinlich sein, muss er aber nicht. Was bei vielen schon für Unbehagen sorgt, ist die Enge des Raumes. Hinzu kommt, dass für die Zeit der Aufzugfahrt ein Ausweichen unmöglich ist. Was also tun? Worüber reden?

Ein simpler Trick hilft, das Eis zu brechen: Schauen Sie beim Einsteigen gar nicht erst weg, sondern nicken oder lächeln Sie Ihrem Lift-Mitfahrer zu. Das verändert die Atmosphäre im Aufzug schlagartig. Und das bisschen Plaudern fällt sofort leichter.

Jetzt zum Worüber: Auch im Aufzug bieten sich Fragen an. Sie könnten sich beispielsweise danach erkundigen, in welches Stockwerk die andere Person möchte. Alternativ und bitte nur unter Kollegen können Sie während der Fahrt auch eine klitzekleine Anekdote erzählen oder Informationen weitergeben – etwa was es heute Mittag als Highlight in der Kantine gibt oder dass Sie festgestellt haben, dass der Kaffee vom Automaten im dritten Stock besonders gut schmeckt. So was. Hauptsache, es ist positiv.

Smalltalk-Tipps: Plaudern ist stets zweckfrei

Smalltalk-TippsKonversation ist die Kunst eine interessante Geschichte zu erzählen – Storytelling wie es heute auch genannt wird -, sie mit ein wenig Geist zu garnieren und als Amuse-Gueule anzubieten.

Smalltalk ähnelt in seinem Wesen daher eher guter Bildung: Er versprüht Charme und Charisma, Witz und Esprit, ist aber völlig zweckfrei.

Weil das leider einige vergessen, führen zwischenmenschliche Begegnungen bei latent Schüchternen und um Worte verlegenen Menschen regelmäßig zu einer verkrampften Alertheit, deren Folgen ebenso schaurig schlicht und flüchtig sind wie weiße Weihnachten im Rheinland:

  • “Schönes Wetter heute?”
  • “Sind Sie öfters hier?”
  • “Und sonst?”
  • “Läuft. Muss!”

Sollten Sie davon betroffen sein, ist das Folgende sicher nicht bequem, aber wahr:

Hören Sie auf zu grübeln!

Es mag ein starkes Indiz für einen empathischen Menschen sein, man kann es aber auch übertreiben. Es allen recht machen zu wollen, führt in die geistige Sklaverei. Also genießen Sie den Augenblick, Ihre Freiheit – und die Chance, Ihren Horizont zu erweitern.

Sehen Sie es positiv: Sich nicht in der Vordergrund zu drängeln, ist eine Tugend, die viele schätzen. Genauso wie zuhören zu können.

Wenn Sie also Sorge haben, anfangs das Falsche zu sagen oder nicht smalltalken zu können, stellen Sie eben Fragen und gehen auf die Antworten Ihres Gegenübers ein – es wird Sie dafür mehr schätzen als jeden Draufgänger und Sprücheklopfer.

Smalltalk-Tipps: Wie Sie Redehemmungen überwinden

michaeljung/shutterstock.comViele Menschen trauen sich nicht auf andere zuzugehen und ein Gespräch zu beginnen. Sie fürchten sich etwas falsch zu machen und sind dadurch gehemmt. Diese Tipps können helfen:

  • Schauen Sie Ihren Gesprächspartner freundlich an und lächeln Sie. Damit ist bereits der erste Schritt getan. Mit Ihrer offenen Haltung signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie sich gerne unterhalten würden.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, über Belangloses zu sprechen. So gut wie jedes Thema eignet sich für Smalltalk. Hauptsache Sie beginnen ein Gespräch. Dieses können Sie auch gerne mit einer Feststellung über das Wetter beginnen. Sie könnten aber auch über den Anlass des Treffens, die Musik, das Essen und vieles mehr sprechen.
  • Achten Sie darauf, sich positiv zu äußern. Sie wollen für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Mit Nörgelei verschrecken Sie Ihr Gegenüber.
  • Üben Sie das zwanglose Gespräch. Smalltalk lässt sich lernen. Fühlen Sie sich unsicher, üben Sie, bevor es ernst wird. Sprechen Sie zum Beispiel Ihre Mitmenschen auf dem Heimweg in der Bahn an oder beginnen Sie einen Plausch mit Ihren Nachbarn. Dadurch werden Sie selbstsicherer auf dem Gebiet.

Was eine gute Konversation ausmacht

Die Grundvoraussetzung für ein gelungenes Gespräch ist aufrichtiges Interesse an Ihrem Gegenüber. Nur wenn Sie Ihrem Gesprächspartner mit echter Anteilnahme und Respekt begegnen, wird sich dieser im Gespräch wohl fühlen und ganz darauf einlassen. Ein solches Gespräch verbindet zwei Menschen miteinander, schon beim Smalltalk hat man den Eindruck, auf der gleichen Wellenlänge zu sein und fühlt sich verstanden.

Einstieg in ein Gespräch: Wie fange ich bloß an?

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Falls es Ihnen schwer fällt, ein spannendes Gespräch zu beginnen oder an ein bestehendes anzuknüpfen, gibt es einen einfachen Trick: Stellen Sie ein paar Fragen! So gut wie jeder Mensch liebt es, über sich selbst zu sprechen. Klasse, wenn Sie Ihrem Gegenüber diese Chance eröffnen.

Nur ein Klotz fällt mit der Tür ins Haus. Ein solch lockeres (Party-)Gespräch hat stattdessen die Beziehung im Fokus, die es zwar noch nicht gibt, aber bald schon geben könnte. Es geht beim Smalltalk darum, Menschen zu verbinden und Gemeinsamkeiten zu finden. Sonst kratzt auch die spätere Konversation nur an der Oberfläche.

Fragen zu stellen, eignet sich generell zum Anwärmen und Auflockern (ganz besonders, wenn einem nichts Besseres einfällt) – vorausgesetzt, es sind die richtigen Fragen. Hier ein paar Vorschläge:

  • Was machen Sie beruflich? Der Klassiker unter allen Smalltalk-Intros, denn er eröffnet eine Reihe von Anschlussfragen, etwa zum Unternehmen, der Branche oder der Position, in der Ihr Gegenüber arbeitet. Die Frage ist gut, allerdings auch ziemlich abgedroschen. Durch Originalität fällt man damit nicht auf.
  • Wodurch lassen Sie sich inspirieren? Zweifellos der originellere Opener. Denn er bringt den anderen dazu, über sich selbst zu reflektieren – und das inspiriert Sie beide. Die Frage eignet sich daher nicht nur als Gesprächseinstieg, sondern auch als Diskussionsauftakt in einer bereits etablierten Gruppe.
  • Welches Buch lesen Sie gerade? Diese Frage zielt ebenfalls auf Inspirationsquellen, kann aber auch durch Hobbys oder private Interessen erweitert werden. In jedem Fall gewinnen Sie so eine Menge Informationen über Ihr Gegenüber sowie weiteren Gesprächsstoff.
  • Was haben Sie davor gemacht? Diese Frage können Sie stellen, nachdem sich der andere ausgiebig vorgestellt hat. Allerdings sollte sie nie so klingen, als würden Sie sich nicht für seinen aktuellen Job interessieren. Sonst ist Ihr Gegenüber beleidigt. Ein bisschen über den Werdegang des anderen herauszufinden, verrät Ihnen viel über seine Profession und seine potenziellen Erwartungen an Sie.
  • Und was machen Sie hier? Obacht: Die Frage lässt sich so und so betonen. In der einen Variante klingt sie nach Verhör. Gemeint ist aber die zweite: Sie interessieren sich, wie es Ihr Gegenüber auf diese Veranstaltung, zu diesem Vortrag oder zu der Party verschlagen hat und in welchem Verhältnis er oder sie zum Veranstalter steht. Spätestens damit haben Sie die erste Gemeinsamkeit, denn auch Sie kennen den Veranstalter ja irgendwo her.
  • Wie fanden Sie den Vortrag? Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es eine solche Präsentation gegeben hat. Wichtig ist dann aber, dass Sie Ihre eigene Meinung nicht gleich herausposaunen. Insbesondere wenn Sie den Vortrag doof fanden. Sonst verbreiten Sie sofort zu Beginn negative Stimmung. Und das blockiert. Eine inhaltliche und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Gesagten betont indes Ihre Gemeinsamkeit als Zuhörer und schafft neue Gesprächspunkte.
  • Das sieht wirklich lecker aus! Wo haben Sie das her? Zugegeben, die Frage ist eher etwas für Mutige und Extrovertierte und für Partys mit Büffet. Dafür kommt sie meistens extrem gut an, denn in ihrem humorvollen Kleid steckt Lob: „Sie haben Geschmack!“ Und das bringt Sympathien ein. Außerdem können Sie sich, nachdem Sie sich dasselbe geholt haben, dazustellen und mit dem Plaudern beginnen: Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist…
  • Möchten Sie etwas trinken? Der ideale Einstieg für jemanden, der noch einsam und allein an einem Tisch steht. Sie beweisen so nicht nur Aufmerksamkeit und gute Manieren, sondern schaffen zugleich ein Reziprozitäts-Verhältnis, das zu Ihren Gunsten spielt. Alternativ: „Soll ich Ihnen etwas von der Bar mitbringen?“ Falls Sie einer attraktiven Frau begegnen und mit ihr auf diese Weise ins Gespräch kommen wollen, empfiehlt sich jedoch die Gentleman-Variante: Bringen Sie ihr den Drink direkt mit. Vorher aber bitte ihre Vorlieben ausspähen!

Auch das ist ein bisschen wie beim Flirten. Nur eben weniger absichtsvoll, solange es Smalltalk bleibt.

Überhaupt hat Fragen stellen und zuhören zahlreiche Vorteile…

11 konkrete Smalltalk-Tipps

Noch einmal zusammengefasst: Darum geht es beim lockeren Parlieren…

Hohe Erwartungen vermeiden. Smalltalk ist keine tiefschürfende Konversation, sondern zwangloses Sprechen – seien Sie nicht zu streng mit sich. Echte Gespräche entstehen höchstens hinterher daraus.
Den Anfang machen. Betretenes Schweigen entsteht häufig nur dadurch, dass sich keiner traut, als erster zu sprechen. Nehmen Sie sich ein Herz und durchbrechen Sie die Schallmauer!
Passenden Einstieg wählen. Hierfür stehen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten offen. Was fast immer geht, ist ein Plausch über die gerade stattfindende Situation oder Themen aus den Massenmedien.
Ruhig Belangloses ansprechen. Sicherlich gibt es spannendere Themen als das Wetter. Wenn sich jedoch gerade nichts anderes anbietet, dann sprechen Sie lieber über Offensichtliches als gar nicht.
Kritische Themen auslassen. Smalltalk soll keine erschreckenden Erkenntnisse liefern, sondern Spaß machen. Tod, Sex, Krankheit, Politik, Geld, Religion und Gerüchte (sowie mitunter eklige Kombinationen daraus) sind tabu.
Pausen schaden nicht. Im Gespräch mit Fremden entstehen immer Pausen, die sich unangenehm anfühlen, aber normal sind. Nutzen Sie die Zeit, um das bisher Gesagte durchzugehen und interessante Fragen zu finden!
Mimik gezielt einsetzen. Auch wenn Ihr Gesprächspartner ein Stinkstiefel ist – ein nettes Lächeln während des Smalltalks bringt Sie nicht um und schafft eine freundliche Atmosphäre. Auch deutliches und selbstbewusstes Sprechen ist wichtig!
Auf Gesprächspartner eingehen. Sie können nur die richtigen Fragen stellen, wenn Sie konzentriert und interessiert zuhören. Beachten Sie auch die Körpersprache Ihres Gegenübers; so sammeln Sie weitere Infos über dessen Befinden.
Besserwisser sind unsympathisch. Wir nehmen Ratschläge nur von Menschen an, die wir mögen oder deren Kompetenz wir respektieren. Beim ersten Plausch fehlt beides. Also weg mit dem erhobenen Zeigefinger.
Übung ist alles. Wie alle sozialen Vorgänge ist Smalltalk fast reine Übungssache. Wenn Sie ihn in unverfänglichen Situationen üben, sind Sie für den Ernstfall gewappnet!
Smarten Ausstieg finden. Wer sich nach den ersten sieben Sätzen ruckartig umdreht und davonrennt, hinterlässt möglicherweise bleibenden Eindruck – allerdings keinen sonderlich positiven.

10 peinliche Smalltalk-Fehler

Hat man den Dreh erst einmal raus, funktioniert Smalltalk wie von selbst. Doch es gibt Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Insbesondere die folgenden Formulierungen führen aufs Glatteis:

  1. Haben Sie auf das Kleid der Rednerin geachtet? Das war ja wohl ein Griff ins Klo. Vorsicht! Sie könnten gerade mit einer Freundin oder der Schwester der Rednerin sprechen. Mit Lästereien wie diesen können Sie sich ganz schön blamieren. Außerdem fragt sich Ihr Gegenüber, ob Sie bei nächster Gelegenheit auch über ihn lästern werden. So entsteht keine angenehme Atmosphäre.
  2. Unglaublich, dass der Schröder seinen Geburtstag in Sankt Petersburg gefeiert hat. Und das bei der Politik, die Putin betreibt. Binden Sie Ihrem Gegenüber nicht Ihre politische Meinung auf die Nase. Wenn Sie Ihr Gegenüber noch nicht kennen, ist ein Gespräch über Politik ein Glücksspiel. Entweder Ihr Gegenüber entrüstet sich mit Ihnen über Putins Politik oder er ist ganz anderer Meinung. Im letzteren Fall hat sich ein tiefer Graben zwischen Ihnen aufgetan. Diesen werden Sie nicht mehr schließen können und Sie werden nicht in positiver Erinnerung bleiben.
  3. Haben Sie schon gehört, dass Herr Mustermann aus der Buchhaltung aufhört? In Nullkommanichts haben Sie sich Gehör verschafft und eine Traube interessierter Kollegen wird sich um Sie scharen. Sollte es sich dabei jedoch um eine Gerücht handeln, können Sie ganz schön auf die Nase fallen. Die anderen könnten Ihre Aussage hinterfragen. Wenn sich dann herausstellt, dass Sie Blödsinn erzählen, haben Sie Ihren Ruf dauerhaft beschädigt. Man wird Sie künftig nicht mehr ernst nehmen.
  4. Ich finde es nicht richtig, dass Johannes Paul II. heilig gesprochen wurde. Äußern Sie eine solche Meinung einem glaubigen Katholiken gegenüber, wird er sich gekränkt fühlen. Der eigene Glaube ist religiösen Menschen wichtig, greifen Sie diesen an, haben Sie die Person sofort verprellt. Religiöse Äußerungen können beim Smalltalk zu Sprengstoff werden.
  5. Ich bin so froh, dass ich noch etwas auf der hohen Kante habe. Damit brauche ich mir über die Rente keinen Kopf zu machen. Sie haben sich gerade noch ganz zwanglos mit Ihrem Gegenüber unterhalten. Doch eine zwangloses Gespräch kann schnell kippen, wenn das Thema Geld auf den Tisch kommt. Finanzen sind für viele Menschen mit Emotionen behaftet. Sorgen und Existenzängste können damit verbunden sein. Ihr Gegenüber kann einen teuren Anzug tragen und trotzdem verschuldet sein. In diesem Fall wird er Sie für einen arroganten Schnösel halten. Doch selbst, wenn Ihr Gesprächspartner vermögend ist, kann es ihm peinlich sein, darüber zu sprechen. In beiden Fällen hätten Sie verspielt.
  6. Ich stecke gerade mitten im Scheidungsprozess. Solche Offenbarungen sind den meisten Menschen, die Sie nicht kennen, peinlich. Was soll man darauf antworten? Die meisten entscheiden sich für betretenes Schweigen. Mit Informationen zu Ihrer Ehe haben Sie eine Grenze überschritten. Mit derlei Problemen konfrontiert, fühlt sich Ihr Gegenüber unwohl. Über Beziehungsthemen lässt sich nicht leicht plaudern, besonders nicht, wenn Frust mitschwingt.
  7. Es hat mir sehr gut gefallen, wie der Redner Alliterationen gezielt eingesetzt hat. Doch auf die Pleonasmen hätte er verzichten können. Sie wollen ein gehaltvolles Gespräch über den Vortrag beginnen. Doch damit könnten Sie Ihr Gegenüber überfordern. Was soll er sagen, wenn er nicht genau weiß, was ein Pleonasmus ist? Niemand wird gerne bloßgestellt. Im Zweifel wird er Sie für einen Angeber und Klugscheißer halten und kein Gespräch führen wollen. Versuchen Sie nicht krampfhaft klug zu wirken. Seien Sie natürlich.
  8. Bevor ich hier angefangen habe, war ich drei Jahre lang in den USA tätig. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Blablabla… Wenn Sie Minutenlang wie ein Wasserfall reden, schaltet Ihr Gegenüber irgendwann ab. Sie verwandeln den Smalltalk damit in einen Monolog. Das wird von Ihrem Gegenüber negativ goutiert, wer will schon gerne zur Bühne degradiert werden? Eine angenehme Gesprächsatmosphäre entsteht, wenn beide Gesprächspartner ungefähr den gleichen Redeanteil haben.
  9. Ihr Gegenüber: Mallorca ist eine wunderschöne Insel. Ihre Antwort: Aha. Einsilbige Antworten zeigen Desinteresse. Im Smalltalk sind sie tabu. Stellen Sie lieber eine Rückfrage. Ihr Gegenüber wird sich freuen, wenn Sie nachhaken und ihm so die Möglichkeit geben, von einen tollen Urlaub zu erzählen. Bietet man dem anderen Raum über das zu erzählen, was ihn begeistert, kann sich ein nettes Gespräch entwickeln.
  10. Gefällt Ihnen die Messe auch so gut? Im Prinzip ein guter Anfang für ein Gespräch. Allerdings verleiten geschlossene Fragen zur Einsilbigkeit (siehe oben). Antwortet Ihr Gegenüber nur mit einem “Ja”, kommt das Gespräch nicht in Schwung. Es entsteht eine unangenehme Pause. Offene Fragen eignen Sich besser dazu, ein Gespräch zu beginnen. Zum Beispiel könnten Sie fragen: Wie gefällt Ihnen die Messe? Oder: Welcher Vortrag hat Ihnen gut gefallen? Damit regen Sie Ihr Gegenüber zum Nachdenken und Plaudern an.

Langweiliger Smalltalk? Das läuft schief

Peter Bernik/shutterstock.comDer Einstieg ist gut gelungen, das Gespräch fing vielversprechend an. Doch dann gerät die Konversation ins Stocken… Plötzlich nur noch Langeweile. Das kann verschiedene Gründe haben. Wenn der Smalltalk verkrampft, liegt es häufig hieran:

  • Sie erzählen nur von sich selbst.

    Ihr Gesprächspartner hat nicht die Chance, sich einzubringen und auch eigene Erfahrungen zu teilen. Doch genau das wollen die meisten Menschen. Immerhin soll ein Gespräch die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen. Wer zuviel von sich selbst erzählt, wirkt schnell arrogant.

    Was können Sie tun? Statt über sich sprechen, bieten Sie dem anderen eine Plattform. Stellen Sie Fragen und erkundigen Sie sich auf diese Weise nach den Interessen Ihres Gegenübers.

  • Sie monologisieren.

    Ohne es zu merken, reden und reden Sie ohne Punkt und Komma. Das mag an Ihrer Nervosität liegen und ein Versuch sein, Ihre Unsicherheit zu überspielen. Reden Sie jedoch so viel, dass der andere nicht dazwischen kommt, ist Ihr Gegenüber auf Dauer frustriert von der Situation und verliert das Interesse sich zu beteiligen.

    Was können Sie tun? Konzentrieren Sie sich auf das Zuhören. Bringen Sie den Stein ins Rollen und sorgen Sie dafür, dass aus dem Monolog ein Dialog wird. Und achten Sie generell darauf, dass Ihr Redeanteil nicht zu groß wird.

  • Sie haben ein uninteressantes Thema gewählt.

    Natürlich ist es von der Person abhängig, welches Thema gut ankommt und welches nicht. Merken Sie jedoch, dass Ihr Gegenüber nichts zur Konversation beiträgt und nur einsilbig antwortet, kann es daran liegen, dass seine Interessen ganz woanders liegen.

    Was können Sie tun? Hier ist ein Themenwechsel im Smalltalk angebracht. Leiten Sie diesen mit einer Frage ein und geben Sie auf diese Weise Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, ein anderes Thema zu wählen.

  • Ihr Gesprächspartner versteht Sie nicht.

    Einsilbige Antworten können auch ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Gegenüber sich in der gerade ausgesprochenen Thematik nicht auskennt. Ist man Experte für ein bestimmtes Thema, vergisst man leicht, dass andere nicht so bewandert sind auf dem Gebiet. Dann besteht die Gefahr, den Gesprächspartner zu überfordern. Dieser schaltet ab, weil er nicht mehr mitkommt.

    Was können Sie tun? Ihr Smalltalk-Partner kann nicht offen zugeben, dass er nicht versteht, wovon Sie sprechen, dann würde er sein Gesicht verlieren. Also beziehen Sie ihn wieder ins Gespräch ein und stellen Sie eine Frage. Generell: Achten Sie darauf, nie zu sehr ins Detail zu gehen und nicht in eine Fachsprache abzudriften.

Warnzeichen: Sie langweilen Ihr Gegenüber, wenn…

  • Ihr Gegenüber wiederholt nur, was Sie bereits gesagt haben. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Sie nicht mehr die volle Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers genießen. Da seine Gedanken bereits woanders sind, spricht er nur noch die letzten Worte nach.
  • Ihr Gegenüber hat sich von Ihnen abgewendet. Der Körper lügt nicht. Menschen, die sich aufmerksam belauschen, sich sympathisch finden und füreinander interessieren, stehen sich frontal zugewandt gegenüber. Sie schotten sich damit von äußeren Einflüssen ab und signalisieren: Wir wollen nicht gestört werden. Dreht sich einer von beiden jedoch wieder dem Raum zu, öffnet er die Gemeinschaft – und sagt nonverbal: Kann mich bitte jemand wieder interessieren?
  • Ihr Gegenüber schaut sich im Raum um. Sie merken, dass Ihr Gegenüber Sie nicht mehr anschaut, sondern den Blick schweifen lässt, während Sie reden. Wahrscheinlich sucht er nach einer Gelegenheit, sich zu verabschieden.
  • Ihr Gegenüber schaut auf die Uhr oder auf sein Smartphone. Auch das ist ein Signal dafür, dass Ihr Gesprächspartner sich bei der nächsten Gelegenheit verabschieden wird. Wahrscheinlich denkt er gerade: “Wie lange muss ich mir das noch anhören?” oder “Dafür ist mir meine Zeit zu schade”.
  • Ihr Gegenüber trommelt mit seinen Fingern auf die Tischplatte. Das ist ein Zeichen für Ungeduld. Ihr Gesprächspartner wartet wahrscheinlich darauf, dass Sie zum Punkt kommen. Höchste Zeit den eigenen Redefluss zu stoppen.

Smalltalk-Ende: Wie Sie eine Konversation elegant beenden

 michaeljung/shutterstock.comNicht immer hat man das Glück, einen geistreichen Gesprächspartner zu finden. Dann wird das Plaudern zur Qual und die Suche nach einem Helden-Notausgang unumgänglich.

Dennoch tun sich viele damit schwer. Entweder, weil sie versuchen, höflich zu bleiben oder weil sie Angst vor den Konsequenzen haben: Schließlich könnte der andere gekränkt sein oder den sermon interruptus gar persönlich und dazu übel nehmen. Und man begegnet sich bekanntlich immer zweimal im Leben…

Natürlich wäre es weder nett, noch zeugt es von Kultiviertheit, den anderen spüren zu lassen, was für Konversationsvakuum er darstellt und dass man lieber eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt hätte, als sich mit ihm weiter zu unterhalten. Soweit muss es aber auch nicht kommen. Egal, in welcher Situation Sie stecken – es gibt gewandtere Ausstiege:

  • Entschuldigen. Die einfachste Methode, einen Smalltalk zu beenden, ist noch immer die beste: Entschuldigen Sie sich, dass Sie gerne auch noch mit anderen Gästen plaudern würden. Natürlich nicht gleich nach den ersten 30 Sekunden. Ein, zwei Takte sollten Sie mit Ihrem Gegenüber schon aushalten. Wichtig ist nur: Verzichten Sie auf jedwede Begründung. Die wirkt immer wie ein Schuldbekenntnis. Besser: Nennen Sie lieber einen konkreten Namen, mit wem Sie noch reden wollen.
  • Versprechen. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Abgang allzu abrupt ausfällt, können Sie demjenigen auch ein Versprechen geben, etwa: “Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt blieben. Wenn Sie mir Ihre Karte geben, melde ich mich bei Ihnen…” Natürlich sollten Sie Ihr Wort dann auch halten. Andernfalls sind Sie wortbrüchig und Ihr Gegenüber wird die Geste im Nachhinein (zurecht) als Abbügelei interpretieren. Die Alternative ist, dem anderen Ihre Karte zu geben und ihm vorzuschlagen, er möge sich melden. Im Zweifel haben Sie später eben gerade keine Zeit.
  • Vorstellen. Noch eleganter können Sie sich aus der Affäre stehlen, indem Sie Ihrem Gegenüber einen alternativen Gesprächspartner vorstellen und beide miteinander bekannt machen. Charmanterweise ist das nicht irgendwer (sonst wird der sich anschließend bei Ihnen bedanken), sondern jemand, von dem Sie glauben (oder wissen), dass er mit Ihrem bisherigen Gesprächsgenossen harmoniert. Womöglich, weil beide ein gemeinsames Interesse haben.
  • Retten. Für Schauspieltalente eignet sich die Methode Überraschungsgast: Merken Sie unvermittelt auf und stellen Sie auf dramaturgisch hohem Niveau fest, dass gerade jemand gekommen ist, mit dem Sie unbedingt sprechen müssen – “eine wirklich wichtige Sache…”. Bitten Sie um Verständnis – und weg sind Sie. Nicht gerade eine 6,0 in Sachen Höflichkeit, aber wenigstens ein guter Grund. Für Gentleman mit weiblicher Begleitung gibt es zudem die Variante Held: “Ich sehe gerade, meine Partnerin/Freundin/Frau steckt in Schwierigkeiten. Bitte entschuldigen Sie mich, Sie gab mir ein Signal, sie aus der Situation zu retten…”
  • Irritieren. Nur weil Sie beim Smalltalk dummerweise an einen vielsagenden Profilneurotiker geraten sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie keinen Spaß mit ihm haben dürfen. Verunsichern Sie ihn, indem Sie ihn immer wieder unterbrechen, um gleich darauf völlig aus der Luft gegriffene Anekdoten zu erzählen, Motto: “Das erinnert mich an meinen letzten Mallorca-Urlaub…” Oder stellen Sie regelmäßig Rückfragen bei denen Sie ihn kategorisch missverstehen. Schon bald wird er derjenige sein, der das Gespräch nur allzu gerne beenden will.
  • Thema wechseln. Gut, der Typ ist langweilig und hat Superkleber zwischen den Zähnen. Dann wechseln Sie das Thema – und zwar möglichst hörbar zu einem Inhalt, der Ihre Nachbarn interessieren könnte. Wenn Sie Glück haben, beteiligen die sich schon bald an dem Gespräch – und Sie sind raus.
  • Zirkulieren. Wenn nichts davon klappt, hilft das Motto jeder guten Smalltalk-Party. Prosten Sie dem Zeitgenossen mit Maulsperre zu und sagen Sie: “Ich glaube, es wird von uns erwartet, dass wir auf dieser Party zirkulieren.” Und tschüss…
[Bildnachweis: Silhouette, Peshkov Daniil, michaeljung, Peter Bernik, michaeljung by Shutterstock]