6 von Jochen Mai am 19. August 2008 → Liste in Reputation

Weiße Weste – Strahlend rein soll der Ruf im Netz sein

ReputationOb es nun gekränkte Eitelkeit ist, die einen Ex-Partner dazu bewegt, kompromittierendes Material ins Internet hochzuladen, die Unachtsamkeit eines Freundes oder gar jugendlicher Überschwang – das Problem am Internet ist: Was einmal drinsteht, bekommt man kaum noch heraus.

Und das beeinflusst die eigene Reputation zunehmend stärker. Schon heute nutzt jeder Dritte Personaler das Internet, um Bewerber auszugoogeln, 57 Prozent haben bereits Kandidaten aussortiert, weil sie Negatives im Netz über sie fanden. Gleichzeitig betreibt rund jeder fünfte Deutsche bereits eine eigene Internetpräsenz – sei es als Profil bei einem der zahlreichen Online-Netzwerke wie Xing, Facebook, Myspace oder StudiVZ, als eigene Webseite oder als Blog, so eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom. Bei Schülern und Studenten ist der Anteil sogar noch größer: Von ihnen offenbaren sich schon rund 45 Prozent im Netz. Rund zehn Prozent der Deutschen sind laut Umfrage auf Plattformen wie StudiVZ, Xing oder Myspace zu finden. Und nicht immer ist das vorteilhaft, was man dort findet.

Nun gibt es zugleich immer mehr Dienstleister, die versprechen, die – freiwillig oder unfreiwillig – beschmutzte Weste wieder reinzuwaschen, gegen Geld versteht sich. Gestern war ich zu diesem Thema in Potsdam. Der RBB hat mich für sein Wirtschaftsmagazin WAS! als Studiogast eingeladen, Thema der Sendung: Saubere Weste im Netz. Ich sage hier gerne, was ich auch in der Live-Sendung sagte: Ich halte von solchen Diensten in der Regel nicht viel. Juristisch kann man nur etwas gegen unliebsame Einträge machen, wenn diese von Dritten ohne eigene Zustimmung eingestellt wurden – und wenn der Seitenbetreiber bekannt ist. Andernfalls bleibt man auf Goodwill angwiesen. Und wie gesagt: Was einmal im Netz steht, kann, wer geübt ist, auch nach der vermeintlichen Löschung noch finden – etwa auf Seiten wie Wayback.

Was mich in dem Zusammenhang allerdings noch mehr wundert: Warum sehen die Seiten dieser Dienstleister mehr oder weniger alle gleich aus? Oder anders gefragt: Warum sehen diese Seiten dem US-Vorbild ReputationDefender so ähnlich? So bieten sie fast standardisiert einen Dienst zur permanenten Ruf-Überwachung an. Einen Service, den man etwa bei Google auch gratis bekommt: Einfach einen oder mehrere Google-Alert(s) mit dem eigenen Namen oder Namenszusätzen, wie Wohnort, Arbeitgeber, gelernter Beruf oder auch Schimpfwörter, wie (sorry) “Schlampe” oder (nochmal sorry) “Arschloch” einrichten – und schon bekommt man Post, sobald dazu ein Eintrag im Internet erschienen ist. Und sich selbst gründlich auszugoogeln ist ja nun wirklich nicht so schwer und obendrein vielleicht sogar ganz interessant. Nützlich für die Karriere ist es allemal. Was das Entfernen unliebsamer Einträge via Anwalt wiederum anbelangt: Da habe ich eben so meine Zweifel. Denn leider sind auch die neuen Online-Dienstleister diesbezüglich mit nachprüfbaren Erfolgen mehr als sparsam.

Falls Sie dennoch neugierig geworden sind: Hier ein kurzer Überblick über drei deutsche Anbieter. Eine umfangreichere Liste der diversen Reputations-Dienste finden Sie HIER im Blog.

Saubere Weste

SaubereWesteMit Saubere Weste ist ein neuer Dienstleister für einen besseren Ruf im Netz gestartet. Die Versprechen sind vollmundig: “Wir suchen das Internet für Sie nach jeglichen Informationen über Sie persönlich, Ihre Firma, Ihr Kind ab und stellen diese in einem monatlichen Bericht für Sie übersichtlich und ausführlich zusammen. Wir entfernen und korrigieren negative, unerwünschte Einträge im Internet für Unternehmen und Personen. [Und] Wir arbeiten mit auf Image-Verteidigung spezialisierten Top-Anwälten Deutschlands zusammen. Schützen Sie mit uns Ihren Namen und Ihren guten Ruf!” Die Preise sind es aber auch: 9,99 Euro für einen monatlichen Reputations-Bericht, 29,99 Euro für das Entfernen rufschädigender Einträge, pro entfernten Eintrag!

Dein Guter Ruf

DeinguterRufAuch der konstenpflichtige Dienst Dein Guter Ruf bietet im Wesentlichen drei Services an: Suchen, Schützen, Entfernen. Die „Suche“ bietet einen Überblick zur eigenen Online-Identität. Das „Schützen“ hilft etwa Eltern, im Dialog mit dem eigenen Kind, die Online-Risiken zu reduzieren. Beim „Entfernen“ sollen – möglichst in Kooperation mit Seitenbetreibern – unliebsame Einträge und Fotos, die negativen Einfluss auf das Privatleben der Auftraggeber haben, aus dem Internet entfernt werden. Die Preise bei Dein Guter Ruf: 9,95 Euro für den Identitäts-Report, 24,95 Euro pro entferntem Eintrag.

Webreputation

WebreputationDer im Februar 2008 gestartete Dienst ist etwas anders und konzentriert sich vornehmlich auf Geschäftskunden. So können etwa Unternehmen Produktnamen und andere Suchbegriffe im Internet überwachen, wobei Webreputation auch Foren, Blogs und Bewertungsportale im Auge behält. Zudem bietet der Dienst Maßnahmen zur Rufverbesserung an. Das Kernverfahren auch hier: Positive Einträge verdrängen schlechte, andere sollen möglichst gelöscht werden. Preise: leider nur auf Anfrage.

Datenwachschutz

DatenwachschutzAuch der Dienst mit dem etwas sperrigen Namen Datenwachschutz will beim Löschen, Optimieren und der Beweissicherung von Daten aller Art im Internet helfen. Dabei sollen dann etwa Nacktfotos aus dem Google-Cache entfernt, Keywords analysiert oder Webseiten optimiert (SEO) werden. Der Preis: 19,95 Euro.

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1. Kommentar

Thomas Schulze
19.08.08 um 17:44 Uhr

Zu nennen wäre unbedingt auch noch MyOnID. Gruss Thomas

2. Kommentar

Dennis Erdmann
19.08.08 um 18:55 Uhr

Hallo,
dem kann ich nur zustimmen. Gerade Studenten, die sich gegen Ende des Studiums anfangen zu bewerben, werden Social Networks wie StudiVZ schnell zum Verhängnis.
Da bekommt der Bewerber auch gerne mal das letzte Partyfoto, auf dem er mit Bierfass auf der Schulter posiert, per Mail zugeschickt.

Außerhalb der SN kann man eigentlich nur dafür sorgen, dass die ungeliebten Inhalte weiter hinten in den Ergebnissen stehen.
Grüße, Dennis

3. Kommentar

Jochen Mai
19.08.08 um 18:57 Uhr

@Thomas: Nein, die funktionieren völlig anders. Deswegen stehen sie aber durchaus in der großen Liste drin.

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