Obelix-Effekt: Ist alleine essen müssen schon Mobbing?

Mittags, halbeins in Deutschland. Alle gehen in die Mittagspause essen – nur Sie sind ausgeschlossen? „Obelix-Effekt“ heißt das Phänomen in der Fachsprache: Regelmäßig muss der dicke Gallier zuschauen, wie Asterix und seine Freunde vom Zaubertrank trinken – nur er darf nicht. Ist das soziale Phänomen noch okay oder schon Mobbing? Was tun?

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Definition: Was ist der Obelix-Effekt

Der Obelix-Effekt beschreibt die gezielte Ausgrenzung von Mitarbeitern oder Kollegen – speziell in der Mittagspause. Das frustriert Betroffene nicht nur (wie Obelix im Asterix-Comic), sondern kann eine Form von Mobbing oder gar Bossing sein – wenn etwa der Chef mobbt.

Das psychologische Phänomen ist wissenschaftlich noch wenig erforscht. Sicher ist aber, dass Ausgrenzung am Arbeitsplatz kein Kavaliersdelikt ist.

Wann spricht man arbeitsrechtlich von Mobbing?

Mobbing im Job hat viele hässliche Gesichter und Formen. Damit es sich aber auch laut Arbeitsrecht um „Mobbing am Arbeitsplatz“ handelt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Systematisch

    Die Schikane durch Chef oder Kollegen muss systematisch und zielgerichtet erfolgen. Erst dann liegt eine strafbare Handlung vor. Vorher ließe sich das Fehlverhalten als „Ausrutscher“ abtun.

  2. Wiederholt

    Mobbing muss über einen längeren Zeitraum stattfinden. Nicht jedes böse Verhalten ist gezielter Psychoterror. Zum Nachweis und zur Dokumentation brauchen Betroffene – leider – unbedingt einen längeren Leidensweg und ein Mobbingtagebuch.

Tatsächlich handelt es sich beim Mobbing meist um ein Gruppenphänomen oder „Mobbing System“ – aus Tätern und Opfer sowie Mitläufern, Zuschauern und Wegschauern. Ganz selten sind es nur Einzeltäter.

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Welche (soziale) Funktion hat die Mittagspause?

Die Mittagspause ist mehr als Frischzellenzufuhr mit Nahrungsaufnahme. Sie ist ein soziales Happening, das zugleich den Status auf der Beliebtheitsskala im Job oder Büro offenbart:

  • Wer isst mit wem?
  • Wer wird mittags umworben?
  • Wer nicht?
  • Wer unterhält die Gruppe?
  • Wer wird beklatscht?
  • Wer darf zu spät kommen – und trotzdem warten alle huldvoll?

All das sind Indizien für die soziale Rangordnung im Bürogehege – vom Alpha-Tier bis zum Tetra-Pack. Rein psychologisch betrachtet, ist das ein normales Ränke- und Machtspiel im Job. Aber auch eines, an dem man nicht vorbeikommt.

Gemeinsames Essen steigert Vertrauen

Gleichzeitig ist das gemeinsame Mittagessen ein wichtiger Eisbrecher: Indem wir mit Kollegen essen gehen oder sie dazu einladen, schaffen wir eine Verbindung und die Basis für gegenseitiges Vertrauen.

Beim gemeinsamen Essen schmeckt es nicht nur doppelt gut – es hat zahlreiche positive Effekte auf die berufliche Zusammenarbeit:

  • Sozialwissenschaftler konnten nachweisen, dass dabei Glückshormone ausgeschüttet werden. Die steigern die gegenseitige Sympathie und spätere Kooperation sowie den wechselseitigen Respekt.
  • Der regelmäßige, private Austausch mit den Kollegen verbessert zudem die Arbeitsatmosphäre. Dabei finden viele auch Gemeinsamkeiten (Hobbys, Sport, Musik), was wiederum dem Obelix-Effekt vorbeugt.
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Ursachen: Warum wird man zum Obelix im Job?

Die Ursachen für den Obelix-Effekt liegen selten bei nur einer Person, sondern fast immer in einem Zusammenspiel aus individuellen, sozialen und organisatorischen Faktoren. Typische Ursachen für den Obelix-Effekt am Arbeitsplatz sind etwa:

  • Abweichung von der Norm

    Menschen, die irgendwie anders sind – durch Aussehen, Alter, Herkunft, Einschränkungen oder Persönlichkeit sowie durch besonders hohe oder niedrige Leistung fallen auf und werden durch die Abweichung leichter angreifbar.

  • Unsichere Teamdynamik

    In Teams mit ausgeprägtem Konkurrenzdruck, Machtkämpfen oder Angst vor Fehlern suchen sich einzelne Täter oft die Schwächsten als Opfer und „Ventil“ – manchmal sogar um den Zusammenhalt der Übrigen zu stärken.

  • Geringe Gegenwehr

    Wer konfliktscheu ist, sich schlecht abgrenzt oder Angriffe still hinnimmt, wird häufig weiter attackiert. Nicht, weil die Betroffenen „schuld“ wären, sondern weil Täter wenig Widerstand zu erwarten haben.

  • Schwache oder fehlende Führung

    Ein zentraler Auslöser und Faktor ist mangelhafte Führung. Greifen Vorgesetzte nicht ein, dulden abwertendes Verhalten oder beteiligen sich sogar daran, verfestigt sich der Obelix-Effekt schnell. Denn Schweigen wird als Zustimmung interpretiert.

  • Kultur ohne Werte

    In Unternehmen ohne klare Werte und Regeln zu Kommunikation und Konfliktlösung entsteht leicht ein Klima, in dem Spott, Lästern und Ausgrenzung normalisiert werden. Der Obelix-Effekt ist dann kein Einzelfall, sondern Symptom für Unternehmenskultur-Versagen.

De facto sagt der Obelix-Effekt mehr über das Umfeld aus als über die Betroffenen. Niemand ist der „Obelix“ – man wird dazu gemacht, wenn Strukturen, Führung und Teamdynamik versagen! Frühzeitiges Erkennen, klare Grenzen und Unterstützung (z.B. durch Betriebsrat, Führungskraft, Mentoren) sind entscheidend, um den Effekt zu stoppen, bevor er in systematisches Mobbing übergeht.

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Welche Folgen hat der Obelix-Effekt?

Alleine zu essen, ist nicht nur trübsinnig, sondern auch ungesund. Die Enttäuschung über die mangelhaften Kontakte und die soziale Isolation erhöht sogar den empfundenen Stress auf der Arbeit. Zugleich haben viele Betroffene Angst, dass hinter ihrem Rücken über sie gelästert wird.

Nicht wenige ausgeschlossene Kollegen, bringen sich deshalb gleich das Essen mit und verbringen die Mittagspause alleine am Schreibtisch. Auch damit es weniger auffällt, dass sie keiner mitnimmt.

Wer aber alleine am Schreibtisch isst, schaltet nicht richtig ab und erholt sich kaum. Obendrein ist zu viel Sitzen ungesund – es fehlt die notwendige Bewegung zum Ausgleich.

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Machtnix: Wie kann ich den Obelix-Effekt vermeiden?

Falls Sie vom Obelix-Effekt betroffen sind, können Sie die regelmäßige Ausgrenzung beklagen und in Selbstmitleid versinken (wie Obelix) – oder aktiv etwas dagegen unternehmen. Das ist gar nicht mal so schwer…

  • Verhalten hinterfragen

    Überlegen Sie, seit wann die Kollegen sich abweisend verhalten. Gibt es einen Auslöser? Und wie reagieren Sie selbst darauf? Zunächst sollten Sie immer das eigene Verhalten prüfen und korrigieren.

  • Feedback einholen

    Sprechen Sie mit Kollegen, denen Sie vertrauen, und bitten Sie um deren Einschätzung: Was könnten die Gründe für den Obelix-Effekt sein? Was wären deren Tipps, um das Problem zu lösen?

  • Hilfe anbieten

    Anbieten – nicht anbiedern! Gehen Sie aktiv auf die Kollegen zu und fragen Sie, wo Sie diese bei ihrer Arbeit unterstützen können. Ziel ist, ins Gespräch zu kommen und Vertrauen zu gewinnen.

  • Offenheit signalisieren

    Wer aus Frust über den Obelix-Effekt mittags zum Selbstversorger mutiert, zeigt nicht gerade Bereitschaft für eine Einladung. Lassen Sie sich nichts anmerken und bleiben Sie weiterhin offen und freundlich.

  • Selber einladen

    Statt aus falsch verstandenem Stolz zu schmollen, laden Sie einfach mal selber 1-2 Kollegen, die Sie mögen, in die Pause ein. Ein Plausch in der Kaffeeküche kann ein guter Anfang sein.

  • Gespräch suchen

    Nutzen Sie gute Gelegenheiten zum Smalltalk und erzählen Sie etwas über sich oder stellen Sie Fragen zum Kennenlernen.

Indem Sie diese Tipps beherzigen und die Ausgrenzung nicht beleidigt akzeptieren (wie Obelix), werden Sie anderen sympathischer und bauen aktiv Vorbehalte oder Missverständnisse ab. Hauptsache, Sie lassen sich nicht obelixen!!


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