Irren ist menschlich. Und Peinliches passiert. Wer einen Fehler macht, sollte sich dafür entschuldigen. Eine Entschuldigung beweist nicht nur menschliche Größe, sondern ist auch Balsam für Beziehungen. Leugnen - auch wenn das die meisten versuchen - wäre absolut verkehrt. Schließlich sind Fehler wie Schutzimpfungen: Sie stärken unser kognitives Immunsystem und bewahren uns davor, denselben Fehler ein zweites Mal zu begehen (vorausgesetzt, wir sind bereit, daraus zu lernen). Entschuldigen Sie sich also formvollendet, aber bleiben Sie dabei stets sachlich und souverän. Einem theatralischen Ausbruch Ihrer Zerknirschung, wie in Japan üblich, möchte hierzulande keiner beiwohnen...

Definition: Kann man sich überhaupt entschuldigen?

Definition: Kann man sich überhaupt entschuldigen?Immer wieder wird darüber semantisch gestritten, dass man sich gar nicht entschuldigen könne. Die Schuld könne einem schließlich nur der Geschädigte erlassen. Deshalb könne man nur um Verzeihung, Vergebung oder eben um Entschuldigung bitten - sich aber nicht selbst entschuldigen.

Wer die Sprache beim Wort nimmt, mag damit Recht haben - vergisst aber zugleich die Moral von der Geschichte: Wer seine Schuld anerkennt und deshalb Abbitte leistet, darf (bis auf sehr seltene Ausnahmen) erwarten, dass ihm vergeben wird. Schließlich sind wir alle nicht ohne Schuld und Fehler. Wer sich also sprach-rhetorisch erhöht und darauf verweist, dass die Selbstentschuldigung unmöglich sei, übersieht womöglich, morgen schon die Person zu sein, die auf Vergebung hofft.

Entschuldigung Spruch Zitat Radiergummi

Entschuldigung: Der Scheinkampf um das verlorene Gesicht

Wer einen Fehler macht, ein Versprechen bricht oder sonstwie versagt, lädt moralische Schuld auf sich. Das gilt im Kleinen wie im Großen und kann letztlich jedem von uns passieren. Zurück bleibt dennoch in der Regel ein schlechtes Gewissen - und das wollen wir möglichst bald wieder loswerden.

Dazu gibt es allerlei Mittel und Wege:

  • Wiedergutmachung leisten etwa.
  • Ein trauriges Gesicht aufsetzen und Blumen überreichen.
  • Barfuß nach Canossa gehen kann man natürlich auch.
  • Oder aber man bittet um Pardon, verbal, voller Reue und das möglichst glaubwürdig. Das geht am schnellsten, wirkt am nachhaltigsten.

Das Mea Culpa kostet allerdings zwei Dinge: Überwindung und unseren Stolz. Für viele ist dies ein zu hoher Preis.

Vor allem für Männer. Ihr Alphatier-Verhalten hat stets einen eingebauten Unfehlbarkeitsgenerator. Meistens jedenfalls.

Bestätigt wird das durch Studien von Karina Schumann und Michael Roos. Die beiden Psychologen von der kanadischen Universität von Waterloo in Ontario untersuchten einst, ob Frauen oder Männer öfter Fehler eingestehen und sich dafür exkulpieren.

Dazu ließ das Duo in zwei Versuchen einmal 33 Probanden zwölf Tage lang in einem Tagebuch aufschreiben, wann sie in Situationen kamen, in denen sie sich selbst hätten entschuldigen sollen (Täterrolle) sowie Gelegenheiten, wann sich andere bei ihnen hätten entschuldigen müssen (Opferrolle).

Im zweiten Versuch wurden 120 Teilnehmer in unterschiedliche Situationen gebracht, in denen es angebracht wäre, sich zu entschuldigen.

Tatsächlich entschuldigten sich die Frauen häufiger. Sie nahmen allerdings auch mehr Situationen wahr, in denen sich andere aus ihrer Sicht falsch verhalten hatten.

Mit Blick auf die Täter-Opfer-Relation unterschieden sich Männer und Frauen wiederum kaum: Beide Geschlechter exkulpierten sich im Schnitt bei 81 Prozent aller von ihnen wahrgenommenen Fälle von Fehlverhalten. Nur dass die Männer insgesamt weniger feinfühlig waren, all diese Situationen wahrzunehmen.

Elton John hatte also Recht: Sorry scheint wirklich eines der am schwersten auszusprechenden Worte zu sein. Wobei man dazu sagen muss, dass die englische Variante (oder das Lateinische Mea culpa) hierzulande den meisten wohl deutlich leichter über die Lippen huscht, als ein wahrhaft zerknirschtes "Entschuldigung".

Damit steht das anglophon rausgerutschte "Sorry!" mit dem lapidaren "Tschulljung!" oder dem jovialem "Schuldigänse" nahezu auf einer Ebene. Dass einem so tatsächlich vergeben wird, steht indes auf einem ganz anderen Blatt.

Entschuldigen lohnt sich mehr als entschädigen

Entschuldigen lohnt sich mehr als entschädigenEine Entschuldigung kostet zwar Stolz, bringt aber mehr als jede finanzielle Entschädigung. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie der Universität Nottingham. Damals untersuchte ein Forscherteam um den Wirtschaftswissenschaftler Johannes Abeler, was etwa ein Unternehmen tun kann, wenn es seine Kunden verärgert hat.

Und um es kurz zu machen: Diese verziehen dem Unternehmen doppelt so oft, wenn sich dieses entschuldigte, als wenn es seine Kunden für den Vorfall entschädigte.

Abeler und sein Team wählten für ihre Untersuchungen das Online-Auktionshaus eBay aus: Jeden Monat gab es dort rund 100 negative, mindestens aber neutrale Beurteilungen. Von diesen unzufriedenen Kunden wählten die Wissenschaft nun zufällig mehrere aus.

Den einen schickten sie ein Entschuldigungsschreiben, den anderen boten sie eine finanzielle Kompensation an - mal 2,50 Euro, mal 5 Euro. Resultat: Zogen bei dem 2,50-Euro-Angebot allenfalls 19,3 Prozent ihre negative Bewertung zurück, waren es bei 5 Euro auch nicht viel mehr: 22,9 Prozent. Auf die schriftliche Entschuldigung aber reagierten ganze 44,8 Prozent positiv und löschten die negative Bewertung wieder.

PS: Mit einer Entschuldigung lässt sich sogar Vertrauen gewinnen.

Es tut mir leid: Warum wir uns so ungern entschuldigen

Auch wenn die Experimente von Philip Tetlock schon einige Jahre zurückliegen – an ihrer Gültigkeit dürften sie kaum etwas eingebüßt haben.

Es war in den Achtzigerjahren als der Psychologie-Professor an der Universität von Kalifornien in Berkeley damit begann, rund 300 Volkswirte, Politologen und Journalisten zu rekrutieren, um sie regelmäßig über ihre Einschätzungen der Zukunft zu befragen. 15 Jahre lang sammelten er und seine Kollegen deren Prognosen, insgesamt rund 27.000 Vorhersagen kamen dabei zusammen. Und sei das nicht schon genug Arbeit, glichen die Forscher diese dann auch hin und wieder mit der Realität ab, wenn der Zeitpunkt erfüllt war.

Sie ahnen natürlich, was dabei heraus kam: nichts Gescheites. Die schlauen Experten lagen mal richtig und mal meilenweit daneben. Es waren bestenfalls Zufallstreffer, die sie landeten. Da half auch ihr Expertenwissen nichts.

Tetlock war allerdings so kühn, die vermeintlichen Experten mit diesem Ergebnis zu konfrontieren. Und was nun passierte, war das, was man in zahlreichen Talkshows beobachten kann: Die Experten rechtfertigten sich, relativierten, schoben die Fehlprognosen auf weitere, natürlich unkalkulierbare Ereignisse, deklassierten sie als dumme Einzelfälle oder behaupteten ganz kühn, dass sie noch immer Recht hätten – man möge nur die Zukunft abwarten, die werde ihnen schon Recht geben...

Entschuldigung sagen schwer

Warum aber fällt es vielen so schwer, um Verzeihung zu bitten? Warum erfinden wir lieber Ausreden, leugnen oder beschuldigen andere oder die Umstände?

  • Ego versus Entschuldigung

    Der erste Grund, ist der offensichtlichste: Menschen hassen es, mit ihrer eigenen Imperfektion konfrontiert zu werden. Noch schlimmer: Sie hassen es, diese öffentlich eingestehen zu müssen.

    Unser Ego mag so etwas gar nicht. Wobei es da ein interessantes Phänomen gibt: Je egaler einem die Leute sind, desto leichter fällt die Entschuldigung. Je wichtiger uns diese Leute (oder die Gunst des Publikums) aber sind, desto verbissener kämpfen wir um unser verlorenes Gesicht - und machen es nur noch schlimmer.

    Wie schwer fällt es beispielsweise vielen Menschen gegenüber ihrem Partner zuzugeben, dass sie einen dummen Fehler gemacht haben. Ich denke da etwa an Männer, die sich hoffnungslos verfahren haben, aber dennoch darauf pochen, den Weg zu kennen, statt einen Passanten nach selbigem zu fragen.

    Oder an Frauen, die zwoundtrölfzig Gründe dafür (er)finden, warum sie dieses Paar Schuhe auch noch kaufen mussten, obwohl sie nicht einen Fetzen im Kleiderschrank haben, der dazu passt (oder bereits sieben andere Paar Schuhe, die noch besser passen).

    Im Job ist es nicht viel anders: Gegenüber dem Chef oder (als Chef) vor dem Team zuzugeben, Mist gebaut zu haben, fällt ungleich schwerer als das einem Kollegen einzugestehen, den wir weder als Konkurrenten noch als ebenbürtig betrachten.

  • Selbstwertgefühl versus Entschuldigung

    Der zweite Grund: Offenbar muss auch das Verneinen und Vermeiden einer Entschuldigung psychologische Vorteile haben. Und genau das haben die Wissenschaftler Tyler G. Okimoto, Michael Wenzel und Kyli Hedrick von der Universität von Queensland untersucht.

    Rund 228 Erwachsene nahmen an der Untersuchung teil, Ergebnis: Wer sich bewusst nicht entschuldigt, fühlt sich mächtiger und erhabener. Und diese gefühlte Macht, Dinge kontrollieren zu können, führt wiederum zu mehr Selbstwertgefühl. Einem guten Gefühl.

    Verstehen Sie die Studie aber bitte nicht falsch: Sie erklärt, warum wir uns besser fühlen, obwohl wir uns nicht entschuldigen. Sie liefert aber keine Rechtfertigung dafür! Das nämlich ist weniger eine psychologische, sondern mehr eine soziale und moralische Frage.

Öffentliche Entschuldigungen - auch per Video

Die öffentliche Entschuldigung, am besten noch per Video, ist das ganz GROSSE Sorry. Es gibt eine schon etwas ältere Seite, die Bilder mit diversen Sorrys von Privatpersonen gesammelt und zu einem Buch verarbeitet hat... Sorry Everybody.

Das Ganze gibt es aber auch eine Nummer größer - dann etwa, wenn Unternehmen Mist gebaut haben und persönlich dokumentieren möchten, dass es den Verantwortlichen wirklich leid tut. In dem Fall: dem Chef.

Natürlich setzt das Persönlichkeit und charakterliche Stärke voraus. Nicht jeder CEO kann das. Fatal! Denn falls das Sorry nur aufgesetzt und gespielt ist, geht der Schuss mit Sicherheit nach hinten los. Andernfalls aber sind die Chancen groß, die aufgewühlten Kunden zu beruhigen, Emotionswellen zu glätten und den Schaden zu begrenzen. Nicht zuletzt, weil eine solche Aktion einem – trotz gemachter Fehler – Respekt einbringen kann.

In den USA gibt es dazu längst Beispiele. Die Fluglinie JetBlue etwa nutzt solche Sorry-Videos bereits wiederholt. Hier entschuldigt sich etwa JetBlue-Airways-Gründer und CEO David Neeleman (und man sieht regelrecht, dass er an manchen Stellen mit der Fassung ringt):

Natürlich wurden diese Videos nicht nur auf Youtube ausgestrahlt, sondern erschienen ebenso auf der Facebook-Seite, auf Twitter und auf deren Blog und Webseiten. Und das gute an solchen Videos: Sie zeigen zugleich, dass ein Unternehmen auch so etwas wie eine moderne Social-Media-Strategie für Krisen hat - eben weil sie über all die Social Media Kanäle IHRE Version der Geschichte erzählen können - zunächst ohne die Auswahl und Kommentierung der Medien. Dass sie sich danach den Kundenreaktionen stellen müssen, ist freilich ebenso klar.

Richtig entschuldigen: Besser sofort als nie

Richtig-entschuldigen-EntschuldigungÜberraschend, aber wahr: Es ist ziemlich egal, ob eine Entschuldigung aufrichtig oder erzwungen ist. Betroffene beziehungsweise Geschädigte machen da überhaupt keinen Unterschied. Das ist das Ergebnis eines recht interessanten Experiments des US-Psychologen Thomas Gilovich von der Cornell Universität.

Dazu wurden 130 Studenten in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die eine Hälfte jeweils auf "Andrew", einen Test-Komplizen, traf, während die anderen mit der ebenfalls eingeweihten "Lynn" ein Zweierteam bildeten. Das Andrew-Gespann sollte ein Puzzle zusammenlegen, während das Lynn-Duo die beiden dabei beobachtete. Für jeden Puzzle-Erfolg bekamen die Probanden 25 Cent zugesprochen.

Nach einer gewissen Zeit allerdings begann Andrew das Spiel zu sabotieren: Er telefonierte einfach mit seinem Handy oder gab fehlerhafte Hinweise. Kurz: Er mutierte zum Spielverderber.

Nach dem Ende des Versuchs wurden die Probanden wiederum in drei Gruppen eingeteilt:

  • Beim ersten Drittel entschuldigte sich Andrew spontan.
  • Beim zweiten Drittel entschuldigte er sich nur, weil Lynn ihn dazu nötigte.
  • Bei der letzten Gruppe entschuldigte er sich gar nicht.

Jetzt fragten die Wissenschaftler ihre Probanden, wie hoch denn der monetäre Erfolgs-Anteil von Andrew sein sollte. Was glauben Sie, was passierte?

Tatsächlich sprachen ihm seine Puzzlepartner immer noch 36 Prozent des Gewinns zu, auch wenn sich der Grobian bei ihnen für sein Fehlverhalten überhaupt nicht entschuldigte. 40 Prozent erhielt er, wenn er um Abbitte bat – jedoch völlig unabhängig davon, ob die Vergebung erzwungen oder freiwillig zustande kam.

Interessanter jedoch war die Reaktion der Beobachter: Sie hielten 31 Prozent der Gewinns für gerechtfertigt, auch wenn Andrew keinerlei Reue zeigte; 34 Prozent erhielt er, wenn er sich freiwillig exkulpierte – aber nur 19 Prozent, wenn er erst unter moralischem Druck nachgab.

Die Lektion daraus:

Warten Sie mit Ihrer Entschuldigung nie zu lange – oder aber verzichten Sie ganz darauf.

Je länger Sie damit warten und je größer der soziale Druck, um Vergebung zu bitten, desto geringer die Gnade des Publikums.

Zudem wird beim Blick auf die Prozentsätze deutlich: Zwar bekommt der reuige Sünder den größeren Anteil zugesprochen, der Unterschied fällt allerdings nicht allzu groß aus. Das passiert allein bei den Beobachtern – und da besonders negativ, falls die Entlastung unter Druck entstand.

Mea culpa: Effektiver entschuldigen

Mea culpa: Effektiver entschuldigenBedauern Sie nicht, was Sie getan haben, sondern was man Ihnen vorwirft.

Immer wieder haben Psychologen untersucht, wie Entschuldigungen möglichst effektiv wirken, wann sie ankommen und wann nicht - also im Sinne, dass sie die gewünschte Reaktion hervorrufen. Neben zahlreichen Komponenten, die dabei erfüllt sein müssen - Aufrichtigkeit, ehrliche Reue, ... -, gibt es eine besonders bemerkenswerte Erkenntnis:

Entschuldigen Sie sich nicht dafür, was Sie denken, dass Sie falsch gemacht haben (selbst wenn es objektiv der Wahrheit entsprechen sollte). Entschuldigen Sie sich vielmehr für den Fehler, der ihr Gegenüber erzürnt hat. Das legen Untersuchungen von Ryan Fehr und Michele Gelfand von der Universität von Maryland nahe.

Bemerkenswerte Nebenerkenntnis:

  • Individualisten sprangen bei den Versuchen mit den 171 Probanden besonders auf eine in Aussicht gestellte Wiedergutmachung an.
  • Wem dagegen Beziehungen enorm wichtig waren, der nahm die Entschuldigung umso lieber an, wenn der Bittsteller eine empathische Note einflocht ("Ich weiß, das hat dir und deiner Freundin sehr weh getan...").
  • In größeren sozialen Gruppen oder Teams hingegen wirkte das "Sorry" vor allem dann, wenn zugleich die reuige Einsicht und der Appell zugleich an das große Ganze gerichtet waren ("Mir ist bewusst, dass ich damit dem Ansehen unserer Firma enorm geschadet habe...").

So oder so: Die größten Chancen, ungeschoren davon zu kommen, hatte der Übeltäter jedoch, wenn er bedauerte was man ihm vorwarf - und nicht was er in seinen Augen verpatzt hatte.

Fehler gemacht? So entschuldigen Sie sich richtig

Die Quintessenz daraus: Wenn Sie einen Fehler gemacht haben - natürlich nur dann -, geben Sie ihn zu. Ansonsten erklären Sie die Sache ehrlich und aufrichtig.

Wer dann immer noch meint, es war Ihr Fehler, ist selber schuld.

Gehen wir aber davon aus, dass Sie den Mist tatsächlich verursacht haben, wäre es fatal, das Problem zu ignorieren, Motto: Alles halb so schlimm und morgen ist auch noch ein Tag. So entstehen Katastrophen. Obendrein bekommt Ihr Chef den Eindruck, dass Sie das wahre Ausmaß nicht einmal selbst erkennen.

Noch schwerer wiegt daran allerdings, dass Sie so aussehen wie jemand, der keine Verantwortung für die Malaise übernehmen will. Und das diskreditiert Sie für so ziemlich jeden künftigen Führungsjob.

Was also tun?

Verschaffen Sie sich erst einmal einen genauen Überblick: Wer, was, wann, wo, warum? Analysieren Sie zuerst für sich das Problem:

  • Was ist schief gelaufen?
  • Wie konnte das passieren?
  • Waren Sie schlampig oder unaufmerksam?
  • Oder haben Sie einfach nur falsch und zu schnell reagiert?

Danach folgt der klassische Dreiklang der Schadensbegrenzung und perfekten Entschuldigung:

  1. Entschuldigen

    Geben Sie zu, dass Sie einen Fehler gemacht haben und dazu stehen. Entschuldigen Sie sich in aller Form bei den Betroffenen und immer beim Chef. Erklären Sie (jetzt wissen Sie es ja), Ihrem Boss, was genau passiert ist und wie es dazu kam. Übernehmen Sie die Verantwortung - ohne Ausflüchte oder Rechtfertigungen (Umstände, Bad-Hair-Day, ...), die die Schuldfrage nur verlagern sollen. Das wirkt verantwortungslos. Ganz schlecht: Kollegen anschwärzen. Egal, welche Rolle Sie im Team spielen – beweisen Sie Rückgrat.

  2. Lernen

    Erklären Sie nicht nur, wie es dazu kommen konnte. Das unterstreicht zwar Ihr Analysepotenzial. Hilft aber nicht in der Zukunft. Wichtiger ist jetzt die Fehlerquelle zu identifizieren und künftig ausschalten. Zeigen Sie also, dass und was Sie gelernt haben, und bieten Sie am besten gleich eine Lösung oder - falls nötig - Wiedergutmachung an. Zumindest aber einen Weg, um das Folgeproblem in den Griff zu bekommen. Das unterstreicht erneut, dass Sie die Verantwortung übernehmen. Nur: Machen Sie bei allem nicht zu viele Worte dabei. Das könnte wieder als Ablenkungsmanöver interpretiert werden. Kurze knappe Hauptsätze sind genau richtig.

  3. Beruhigen

    Versuchen Sie bei allem auch Ihre Emotionen zu beherrschen und packen Sie die schlechte Nachricht weder in Watte, noch die Lösung in Präsentpapier. Und tränenreiche Selbstkasteiungen, wie in Japan üblich, will hierzulande keiner sehen. Wirkt auch extrem unsouverän. Sie haben einen Fehler gemacht, sich entschuldigt, daraus gelernt und eine Lösung gefunden. Nun ist es wichtig, dass auch Sie darüber hinweg kommen und sich nicht von peinlichen Schuldgefühlen blockieren lassen. Das bringt schließlich auch keinen weiter.

5 Tipps, die Ihre Entschuldigung besser machen

Eine gute und ehrliche Entschuldigung braucht nicht viel, ist aber dennoch unglaublich schwer in die Tat umzusetzen. Dem anderen und vor allem sich selbst einen Fehler einzugestehen und dafür um Verzeihung zu bitten, erfordert einige Überwindung. Um Ihnen dabei zu helfen und dafür zu sorgen, dass Ihre Entschuldigung auch wirklich ankommt und akzeptiert wird, haben wir fünf Tipps für bessere Entschuldigungen gesammelt:

  • Entschuldigen Sie sich immer persönlich.

    Ernst gemeinte und aufrichtige Entschuldigungen sind nichts für Telefonate oder E-Mails. Wenn Sie wollen, dass Sie ernst genommen werden, müssen Sie sich persönlich entschuldigen und Ihrem Gegenüber dabei in die Auge sehen, während Sie um Verzeihung bitten. Das macht es noch einmal schwerer, sorgt aber dafür, dass Ihre Geste wirklich verstanden wird und angenommen wird.


  • Reden Sie sich nicht raus.

    Eine Entschuldigung ist nicht der Zeitpunkt, um sich endlose Ausreden einfallen zu lassen, warum es nicht Ihre Schuld war und das Sie eigentlich doch gar nichts dafür konnten. Sie haben etwas falsches getan oder falsch gelegen. Punkt. Aus. Ausreden können Sie sich sparen, da sie nur die Wirkung Ihrer Entschuldigung abschwächen.


  • Sagen Sie, wofür genau Sie sich entschuldigen.

    Auf ein allgemeines Entschuldigung... kommt meist die Frage: Wofür entschuldigst du dich denn genau? Ihren eigenen Fehler zu nennen, zeigt, dass Sie wissen, was Sie falsch gemacht haben und es wirklich ernst meinen, wenn Sie um Vergebung bitten.


  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit.

    Ein im Vorbeilaufen zugerufenes Hey, ich wollte mich noch entschuldigen für... kommt bei niemandem gut an. Bitten Sie die betroffene Person lieber kurz zur Seite, fragen Sie, ob gerade ein paar Minuten Zeit sind und entschuldigen Sie sich in aller Ruhe.


  • Geloben Sie Besserung.

    Der krönende Abschluss einer Entschuldigung ist die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Versichern Sie, dass es nicht noch einmal vorkommen wird und dass Sie von nun an ganz besonders auf Ihr Verhalten achten werden.

Perfekte Entschuldigung

Wissenschaftler um Roy Lewicki von der Ohio State Universität haben ebenfalls untersucht, was eine perfekte Entschuldigung ausmacht – eine, die höchstwahrscheinlich dazu führt, dass einem tatsächlich verziehen wird. Mehr als 700 Versuchsteilnehmer wurden dazu befragt. Heraus kamen am Ende sechs Komponenten, die eine gute Entschuldigung haben sollte:

Zwar gilt: Je mehr dieser Elemente eine Entschuldigung enthält, desto eher wird einem vergeben. Dennoch merkten die Forscher an, dass von den sechs Komponenten (Ausdruck des Bedauern, Erklärung, Verantwortungsübernahme, Reue, Wiedergutmachung und der Bitte um Vergebung) die Punkte 3 und 5 besonders wichtig seien - also die volle Verantwortung für sein Tun zu übernehmen und ebenfalls Wiedergutmachung anzubieten. Sonst könne man sich den Rest auch sparen.

Wir alle sind nun mal Menschen. Und die machen Feler... ;)

Kein Pardon: Wann Sie sich nicht entschuldigen sollten

Nicht für jedes Malheur zwischen Kaffeemaschine und Kickertisch müssen Sie Abbitte leisten. Manchmal ist kein Pardon besser als ein Sorry. Zum Beispiel in diesen sechs Situationen...

  • Wenn Sie eine Entscheidung treffen, die Ihrer Überzeugung entspricht.

    Entschuldigen Sie sich niemals für eine Entscheidung, die Sie für die richtige halten. Erst recht, wenn sie die einzige ist, die Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren können. Wer Unmoralisches von Ihnen verlangt, müsste sich eigentlich bei Ihnen entschuldigen - nicht umgekehrt.

  • Wenn Sie gar keinen Fehler gemacht haben.

    Anderen die Schuld von den Schultern nehmen - das klingt nobel, ist aber falsch. Bewahren Sie sich Ihre Entschuldigungen für Fehlleistungen, die Sie tatsächlich selbst zu verantworten haben.

  • Wenn Sie mit jemandem streiten, der nicht Ihrer Meinung ist.

    "Entschuldigung, aber ich bin in diesem Punkt nicht Ihrer Meinung." Das hört und liest man oft, aber warum? Eine Gespräch unter Erwachsenen lebt von gegensätzlichen Positionen und Meinungsaustausch. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihren Standpunkt, allenfalls für den Ton, wie Sie diesen vertreten.

  • Wenn Sie sich dadurch ein Alibi verschaffen wollen.

    Klassisches Beispiel ist die Präsentation im Unternehmen - oder auch beim Referat in der Uni: "Entschuldigung, aber ich hatte kaum Zeit, um mich vernünftig darauf vorzubereiten." Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Ausrede. Überdies werten Sie Ihre Arbeit von vornherein und ohne Not ab - aus falscher Bescheidenheit oder Bammel. Einfach verkneifen!

Überhaupt sollten Sie mit Ihren Entschuldigungen haushalten. Natürlich nicht da, wo sie angebracht sind. Aber unbedacht und inflationär verwendet, verlieren sie ihre Kraft. Sie mögen es gut meinen, aber es gibt gut Gründe gegen den lapidaren Pardon:

  • Sie machen sich selbst klein. Einen Fehler einzugestehen, demonstriert Größe. Sich immer nur zu entschuldigen ohne einen Anlass dafür zu haben, lässt Sie hingegen deutlich kleiner wirken, als Sie eigentlich sind. Auch wenn Sie freundlich sein wollen, dürfen Sie Selbstbewusstsein ausstrahlen und auch dazu stehen, wenn Ihnen etwas nicht gefällt.
  • Ihre echten Entschuldigungen verlieren an Wert. Wenn Sie Entschuldigungen scheinbar willkürlich verteilen, werden Ihre Mitmenschen die ernst gemeinten Worte kaum noch von den unbewussten unterscheiden können. Eine wahrhaftige Entschuldigung, die Ihnen am Herzen liegt, wird dann auch abgetan und nicht gewürdigt, was nicht nur zu Streit führen kann, sondern auch zu Frustration.
  • Sie lernen nicht, mit Konflikten umzugehen. Niemand streitet gerne, doch manche Konflikte sind einfach unvermeidbar und gehören zum sozialen Leben dazu. Jedem Konflikt durch voreilige Entschuldigungen aus dem Weg zu gehen, führt langfristig nur dazu, dass Sie nicht wissen, wie Sie sich in einer Konfliktsituation verhalten sollen.
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