Studieren-LernenEs gibt Studenten, die lernen – entgegen aller Lerntipps – ihren Stoff immer erst auf den letzten Drücker. Während des Semesters gehen Sie in die Vorlesungen, lesen Skripte oder Bücher, merken sich ein bisschen was. Aber so richtig gelernt wird meist erst kurz vor der Klausur – Prüfungsangst inklusive. Kann man so machen, ist aber keine clevere Lerntechnik. Forscher sagen: Das lohnt allenfalls kurzfristig…

Kurzfristiges Lernen lohnt – hält aber nicht lange

LernenSchülerDruckbetankung für den Kopf: büffeln, pauken, eintrichtern – schon die Synonyme für Lernen machen klar, dass das nichts ist, was einem zufällt.

Lernen ist harte Arbeit. Kein Wunder also, dass mancher versucht, diese auf ein Minimum zu beschränken – bei maximalem Lerneffekt. Für dieses effiziente Lernen wurden bereits zig Lerntipps und -methoden entwickelt, die auch durchaus funktionieren. Nur nicht bei allen gleich gut. Sie kommen also nicht drumherum, jene Methoden für sich zu identifizieren, die optimal zu Ihrem Naturell und Lerntyp passen.

Wie aber ist das mit dem kurzfristigen Pauken für eine Klausur oder Prüfung: Lohnt sich das überhaupt?

Die Psychologen Doug Rohrer und Harold Pashler sich dazu schon vor einiger Zeit optimale Lernkurven angesehen und bei ihren Vergleichsstudien (PDF) Überraschendes festgestellt:

Zuerst teilten sie ihre Probanden in zwei Gruppen auf und ließen diese Vokabeln büffeln.

  • Die erste Gruppe paukte den Stoff fünf Mal – und erreichte damit ein ganz passables Ergebnis.
  • Die zweite Gruppe büffelte doppelt so hart, also zehn Mal. Und tatsächlich: Mit diesem zusätzlichen Einsatz schafften sie dreimal so gute Prüfungsergebnisse.

Mehr zu lernen, führt also zu besseren Noten. Damit war der Versuch aber nicht vorbei:

Die Forscher testierten ihre Probanden noch einmal – nach einer Woche und drei weitere Wochen später. Auch hier zunächst dasselbe Ergebnis:

  • Die Studenten, die doppelt so lange gepaukt hatten, erzielten nach einer Woche deutlich bessere Ergebnisse.
  • Drei Wochen darauf aber war ihr Vorteil jedoch futsch.

Jetzt schnitten beide Gruppen in etwa gleich (schlecht) ab. Oder anders gesagt: Sie hatten ihr Wissen zum Großteil schon wieder vergessen. Ein klares Argument für das kurzfristige Lernen vor der Klausur oder Prüfung – auch Bulimielernen genannt.

Wer versucht, Wissen zu verinnerlichen, um es bald in einem Test wieder abzurufen, kann sich den Aufwand des Permapaukens in der Regel sparen. Auf lange Sicht behält er deswegen nicht mehr.

Wer zu Prüfungen Wasser mitnimmt, verbessert seine Noten

Forscher um Chris Pawson von der Universität von East London sowie Mark Gardner von der Universität von Westminster hatten schon länger den Verdacht, dass Dehydratation (auch Dehydrierung genannt) akademische Leistungen verschlechtert. Also zeichneten die Leistungen von 447 Studenten in unterschiedlichen Prüfungen auf – allerdings in Abhängigkeit davon, ob diese Getränke mit in die Prüfungen nahmen oder nicht.

Resultat: Zu den Prüfungen Wasser mitzunehmen, verbesserte die Klausurnoten deutlich. Achten Sie aber bitte auf den Wortlaut: Tatsächlich registrierten die Wissenschaftler lediglich die Prüfungsergebnisse und ob die Studierenden Wasser dabei hatten. Sie prüften nicht, ob und wie viel Wasser die Studenten während der Klausur tranken. “Unsere Resultate legen den Schluss nahe, dass es schon ausreicht, Wasser zu den Tests mitzunehmen, um seine Noten zu verbessern”, sagt Studienleiter Chris Pawson. Allerdings – das muss man fairerweise sagen, handelt es sich hierbei um eine auffällige Korrelation, keine Kausalität.

Als erwiesen aber gilt, dass Trinken hilft, Stress abzubauen und den Stoffwechsel anzuregen und damit die grauen Zellen geschmeidig zu halten.

Die Vergessenskurve: Nach einer Woche sind drei Viertel vergessen

VergessenskurveDas Ganze hat auch etwas mit der sogenannten Ebbinghaus’schen Vergessenskurve (siehe Grafik) zu tun. Kennen Sie nicht? Vielleicht nur vergessen…

Genau das fand der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus bei seinen Selbstversuchen heraus:

  • Nach rund 20 Minuten hatte er frisch Gelerntes bereits zu 40 Prozent wieder verlernt.
  • Nach einer Stunde sank die Halbwertzeit des Wissens gar auf 45 Prozent.
  • Nach einem Tag erinnerte er allenfalls noch ein Drittel (34 Prozent).
  • Nach nur sechs Tagen ist das Erinnerungsvermögen auf läppische 23 Prozent geschrumpft – auf lange Sicht behalten wir gerade mal 15 Prozent des Erlernten. Schade eigentlich.

Wie lässt sich das Vergessen stoppen?

Denkfehler-GehirnTäglich wird unser Gehirn von einer Unmenge an Informationen geflutet. Würden wir versuchen uns sämtliche Informationen zu merken, würde unser Gehirn wie eine Sicherung durchbrennen. Vergessen ist für uns also zugleich überlebenswichtig und damit fester Bestandteil unseres Lebens und Lernens.

Damit unsere Oberstube also nicht heißläuft, verarbeiten 100 Milliarden Nervenzellen jeden Sekundenbruchteil tausende von Impulsen und filtern neue Informationen: Wichtiges wird dauerhaft abgespeichert und Unwichtiges gleich wieder verworfen.

Wenn wir von Gedächtnis sprechen, meinen wir die Fähigkeit Informationen zu ordnen, abzuspeichern und wieder abzurufen. Es handelt sich dabei um ein komplexes Netzwerk verschiedener Bereiche unseres Gehirns. Wenn wir uns etwas merken, wird eine Verbindung zwischen verschiedenen Nerven hergestellt. Diese Verbindung ist entscheidend, damit wir etwas Neues lernen können.

Wie funktioniert das Lernen?

Wenn wir eine abgespeicherte Information abrufen, wird diese als Reiz von einem Nervenende zum anderen übertragen. Für den Lernprozess ist es entscheidend, wie gut die Reizübertragung funktioniert:

  • Bei einem starken Reiz wird dieser nicht nur weitergegeben, sondern der empfangende Nerv reagiert bei nächsten Mal auch stärker auf einen schwächeren Reiz. Die Kommunikation beider Nerven wird schneller, und wir können uns leichter an diese Information erinnern.
  • Ist der Reiz allerdings von vornherein zu schwach, reagiert der empfangende Nerv beim nächsten Mal gar nicht mehr. Diese Verbindung ist hauchdünn, und wir haben Probleme die betreffende Information wieder aufzurufen.

Damit das Lernen gut funktioniert und wir uns an Gelerntes schnell erinnern können, brauchen wir also gut funktionierende Nervenverbindungen. Mit jeder neu eintreffenden Information werden die Verbindungen zwischen unseren Nerven neu kombiniert. Informationen aus alten Verbindungen sind dann nicht mehr verfügbar, sie werden praktisch überschrieben. Sie können sich diesen Prozess wie Straßenarbeiten vorstellen: Dabei wird eine Straße, die kaputt und wenig befahren ist, durch eine neue ersetzt. Nur führt die neue Straße an einen ganz anderen Ort.

Lernen ist bei Weitem nicht die schönste Sache der Welt, sondern eher ein notwendiges Übel. Doch gibt es dabei auch Fehler, die Sie vermeiden sollten…

4 Fehler beim Lernen – und wie Sie diese vermeiden

Der Google-Effekt

Wir merken uns bestimmte Informationen schlechter, wenn wir wissen, dass diese online verfügbar und für uns jederzeit nachschlagbar sind.

So vermeiden Sie diesen Fehler: Versuchen Sie sich die Information selbst zu merken und nicht nur den Ort, an dem Sie zu finden ist. Beispielsweise wird es Ihnen in einer Statistikklausur wenig helfen, zu wissen, dass die Formel die Sie brauchen, auf Seite 94 unten links steht, wenn Sie die Formel selbst nicht kennen.

Der Zeigarnik-Effekt

Wir vergessen etwas schneller, wenn es sich dabei um abgeschlossene Prozesse handelt. Dies fiel der russischen Psychologin Bluma Zeigarnik auf, als sie in einem Restaurant saß und den Kellnern dabei zusah, wie diese Bestellungen aufnahmen. Sie fand heraus, dass die Kellner sich jene Bestellungen, die noch offen waren, besser merken konnten.

So vermeiden Sie diesen Fehler: Die meisten Studenten lernen nur auf den Klausurtermin hin. Nach der Klausur ist die Veranstaltung für sie abgeschlossen und das Wissen nicht mehr wichtig. Das führt dazu, dass das bereits erlernte Wissen vergessen wird. Versuchen Sie sich klar zu machen, dass Sie dieses Wissen auch weiterhin brauchen werden und nutzen wollen.

Widerspruchsfreiheit

Es fällt uns schwer, Dinge, die nicht in unser Weltbild passen, einzuordnen und zu behalten. Wir wünschen uns eine möglichst widerspruchsfreie Sicht der Welt. Aus diesem Grund tendiert unser Gehirn dazu, Widersprüche auszuräumen. Dies fand der britische Psychologe Frederic Bartlett heraus, als er britischen Versuchsteilnehmern eine Geschichte über Indianer vorlas. Alle Hinweise auf Geister und übernatürliche Phänome verschwanden aus den Nacherzählungen der Probanden.

So vermeiden Sie diesen Fehler: Hier reicht es bereits, sich dieser Tatsache bewusst zu sein. Gehen Sie selbstkritisch mit den Interpretationen und der Wiedergabe von Informationen um. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass Ihre Sichtweise durch Ihren Kulturkreis beeinflusst wird.

Negative Emotionen

Es gilt heute als wissenschaftlich bewiesen, dass negative Erinnerungen schneller verblassen als positive. Psychologen gehen davon aus, dass dies geschieht, um uns selbst zu schützen.

So vermeiden Sie diesen Fehler: Wenn Sie für eine wichtige Klausur lernen, gehen Sie mit einer positiven Grundhaltung ans Werk. Es fällt uns beispielsweise deutlich schwieriger komplexe Formeln auswendig zu lernen, wenn wir uns einreden, dass Wirtschaftsmathematik das schlimmste Fach an der Uni ist und die Klausur eh schief gehen wird.

Diese Fehler zu vermeiden, ist zwar noch keine Garantie dafür, der nächste Gedächtnisweltmeister zu werden. Aber Sie helfen mindestens bei der Vorbereitung auf die nächste Klausur.

Lernen vergrößert den Hippocampus

Die Hirnforscherin Eleanor Maguire vom University College in London untersuchte die Veränderungen im Gehirn von Londoner Taxifahrer-Bewerbern. Dazu muss man wissen, dass London eine der größten und wohl auch kompliziertesten Städte Europas ist. Wer hier Taxi fahren will, muss sich gut 25.000 Straßenverläufe einprägen. In ein paar Wochen ist das nicht getan. So mancher Anwärter büffelt vier Jahre dafür.

Gut, so hatte Eleanor Maguire die Chance, über einen längeren Zeitraum die Gehirne ihrer 79 Probanden (und 31 Kontrollpersonen) per Hirnscan zu durchleuchten. Und siehe da: Wer die Taxifahrer-Prüfung am Ende bestand, hatte einen deutlich vergrößerten Hippocampus – bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe sowie den Gescheiterten war das Volumen hingegen gleich geblieben.

Daraus lässt sich laut der Hirnforscherin folgern:

  • Lernen ist auch im hohen Alter noch möglich. Und wer lernt – insbesondere schwierige Dinge -, verbessert seine Fähigkeit auch künftig Neues zu lernen.
  • Allerdings gelingt das nicht jedem (wie die Gescheiterten zeigen). Eine Garantie, lebenslang zu lernen, gibt es nicht.

Lerntipps fürs Studium: Die 10 besten Lerntechniken

LernenErstaunlicherweise setzen sich die wenigsten Studenten – und noch weniger Arbeitnehmer – aktiv mit Lerntechniken auseinander. Zugegeben, viele Lerntechniken lassen sich einfach erklären, brauchen für die optimale Umsetzung allerdings einige Übung.

Diese Investition an Zeit und Energie lohnt sich jedoch, denn sobald Sie die für Sie passende Lerntechnik beherrschen, können Sie sich neue Inhalte einfach und schnell erschließen, verstehen und merken. So sparen Sie nicht nur Zeit, Sie schonen auch Ihre Nerven und haben mehr Energie für andere Aktivitäten übrig.

Diese Lerntechniken empfehlen wir:

Alphabet-Methode – Bei dieser Technik dienen die Buchstaben des Alphabets als Ordnungsmerkmale. Jedem Buchstaben wird dabei ein Bild zugeordnet, für den Buchstaben B also beispielsweise ein Buch. Wenn Sie sich zum Beispiel an den Begriff der Relativitätstheorie erinnern müssen, könnten Sie sich Albert Einstein vorstellen, der in einem Buch liest. Solche Bilder prägen sich leicht ein.
Gedächtnispalast – Sie verfügen über eine gute Vorstellungskraft? Dann könnte diese Technik für Sie optimal sein. Das Prinzip funktioniert wie folgt: Aus den zu lernenden Inhalten konstruieren Sie gedanklich ein Gebäude. Die grundlegenden Inhalte bilden das Fundament, die wichtigsten Punkte können tragende Säulen darstellen und Details schließen Ihren Gedankenpalast als Dach ab. Wenn Sie dieses Gebäude ganz bewusst entstehen lassen und sich mehrfach vor Augen rufen, werden Sie die Inhalte bald verinnerlicht haben.
Karteikarten – Diese Lernmethode lernen viele Menschen bereits in den ersten Schuljahren kennen. Die klassische Lerntechnik besteht darin, einen Begriff auf die Vorder- und dessen Definition auf die Rückseite der Karte zu schreiben. Ein Karteikasten kann beispielsweise in drei Abschnitte unterteilt sein. Ganz vorne befinden sich alle Inhalte, die noch zu lernen sind. Im zweiten Abschnitt befinden sich Inhalte, die Sie wiederholen müssen und im dritten die Begriffe, die Sie bereits beherrschen und nur alle paar Wochen durchsehen. Eine Softwarelösung für diese Lernform ist beispielsweise der Zettelkasten.
Listen – Wer mit eher optisch orientierten Lernmethoden nicht viel anfangen kann, ist mit Listen vielleicht besser bedient. Durch verschiedene Ebenen lassen sich Informationen einfach und klar strukturieren. Diese Struktur kann ihrerseits dazu beitragen, die Inhalte leicht aufzunehmen und Zusammengänge verstehen zu können. Um komplexe Inhalte zu vereinfachen, eignen sich Listen beispielsweise hervorragend.
Loci-Methode – Diese Methode soll ihre Wurzeln im antiken Griechenland haben. Das Prinzip basiert auf der Verknüpfung von Orten und Objekten mit Lerninhalten. Wenn Sie beispielsweise einen Vortrag vorbereiten, sollten Sie sich eine Route aussuchen, die Sie entweder zu Fuß abgehen oder mit Ihrem Blick folgen. Jedem Punkt dieser Route ordnen Sie dann bestimmte Inhalte zu. So können Sie diese Punkt für Punkt abrufen und die Inhalte so speichern.
Mind Mapping – Wenn Sie eher kreativ veranlagt sind, eignet sich die bekannte Mind-Map-Technik wunderbar, um Inhalte aufzubereiten und Zusammenhänge darzustellen. Von dem im Zentrum stehenden Thema oder Schlagwort gehen Äste mit weiteren Informationen und einzelnen Aspekten ab. Die Unterpunkte können dabei beliebig viele neue Äste ausbilden. Ab einer gewissen Komplexität wird eine Mind Map jedoch unübersichtlich, auch elektronische Lösungen können hier nur bedingt helfen.
SQR3 – Francis Robinson – seines Zeichens amerikanischer Pädagoge – hat mit der SQR3-Technik einen aufwändigen, jedoch effektiven Weg entwickelt, um komplexe wissenschaftliche Texte zu bearbeiten. Zu Beginn lesen Sie nur das Inhaltsverzeichnis und die Überschriften (Survey). Anschließend stellen Sie Hypothesen auf, worüber der Text handeln könnte und notieren alle Fragen, auf die Sie nach dem Lesen eine Antwort haben wollen (Question). Die dritte Phase besteht aus dem Lesen des Textes, dabei sollten Sie gründlich vorgehen und mit Markierungen und Kommentaren arbeiten (Read). Anschließend fassen Sie den Text Abschnitt für Abschnitt zusammen (Recite). Zum Schluss geben Sie den Text inhaltlich wieder (Review).
Verständnis – Eine der grundlegendsten Techniken überhaupt: Legen Sie bei Texten und neuen Inhalten den Fokus darauf, die Zusammenhänge und Aussagen zu verstehen. Ignorieren Sie zunächst alle Details und Zahlen und konzentrieren Sie sich wirklich nur auf Prinzipien und Strukturen. Details sind danach das i-Tüpfelchen, dass Ihr Verständnis abrundet.
Visualisierung – Wenn Sie mit einer lebhaften Fantasie ausgestattet sind, sollten Sie diese auch für das Lernen neuer Inhalte nutzen. Assoziieren Sie Inhalte mit Bildern und stellen Sie sich die beschriebenen Situationen und Aussagen möglichst lebhaft vor. Arbeiten Sie dabei ganz bewusst mit möglichst plastischen Bildern und nutzen Sie beispielsweise Organigramme und Mind Maps, um sich die Inhalte – sprichwörtlich – vor Augen zu führen.
Wiederholung – Die bekannteste aller Lernmethoden: Wiederholen Sie die zu lernenden Inhalte so oft, bis Sie diese sicher wiedergeben können. Die Kritik an dieser Methode ist naheliegend: Stumpfe Wiederholung kann bei reinem Faktenwissen zwar funktionieren, ist jedoch zeitaufwändig und nicht sehr effektiv. In Kombination mit beziehungsweise als Ergänzung anderer Lernmethoden kann Wiederholung jedoch sinnvoll sein.

50 Tipps für besseres Lernen

Noch mehr praktische Lerntipps haben wir in unserem kostenlosen Ratgeber
“50 Tipps für besseres Lernen” zusammengefasst. Sie können ihn HIER als PDF herunterladen.

Lerntipps: Machen Sie öfter und längere Pausen!

sint/123rfNun hat all diese Druckbetankung zwei entscheidende Nachteile: Sie ermüdet enorm und macht noch weniger Spaß. Aber es gibt eine – ebenfalls wissenschaftlich verbürgte Lösung: Machen Sie zwischendurch mehr Pausen!

Kein Scherz: Als etwa die Wissenschaftler Soren Ashley und Joel Pearson von der Universität von New South Wales in Sydney erfolgreiche Lernstrategien untersuchten, konnten Sie nachweisen: Wer zu viel übt, macht (wie beim Gesetz des abnehmenden Ertrags) immer kleinere Lernfortschritte.

Oder positiv formuliert: Der Lernerfolg stellt sich schneller ein, wenn man dazwischen Pausen macht. Am besten regelmäßig: Beim Lernen neuer Fähigkeiten entstehen im Gehirn neue Verbindungen, im Fachjargon werden diese auch neuronale Plastizität genannt.

Um sich Fertigkeiten langfristig anzueignen, müssen diese Veränderungen im Gehirn aber vertieft und gefestigt werden. Das gelingt nur durch den Transfer vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis – zum Beispiel durch regelmäßige, längere Pausen. “Werden die Informationen und neuralen Veränderungen nicht entsprechend konsolidiert, macht sich der Lernfortschritt nur kurzfristig bemerkbar oder stellt sich gar nicht erst ein”, sagt Soren Ashley.

Bestätigt wurde dies auch in Rohrers und Pashlers Studien: Als diese ihre Experimente wiederholten, bauten sie ebenfalls zwischen den Lernphasen Pausen ein – von fünf Minuten bis hin zu zwei Wochen. Ergebnis: Diejenigen, die sich einen Tag frei genommen hatten, schrieben die besten Tests, wenn diese zehn Tage später stattfanden. Wurden Sie aber sechs Monate später geprüft, dauerte die optimale Lernpause bereits einen Monat.

Die Quintessenz daraus:

  • Wer versucht, sich einen komplexen Stoff in kurzer Zeit einzuverleiben, wird damit vielleicht die Prüfung gut bestehen, langfristig aber wenig behalten.
  • Wer das Wissen auch danach noch behalten (und im späteren Job abrufen können) will, sollte auch während des Semesters lernen, immer wieder Pausen machen und den Stoff sacken lassen.
  • Und je mehr wir (langfristig) lernen, desto länger sollten auch die Pausen sein.

Die ideale Lernstrategie wäre demnach: Bücher intensiv lesen, lernen, zur Seite legen, Urlaub machen und dann kurz vor der Prüfung das Wissen noch einmal ins Kurzzeitgedächtnis trümmern.

Lernen im Schlaf

ollyy/shutterstock.comEs stimmt: Wir lernen im Schlaf. Und wer gleich nach dem Büffeln zu Bett geht, behält mehr. Zu dieser Erkenntnis gelangte schon die renommierte Schlafforscherin Jessica Payne von der Universität von Notre Dame. Allerdings nicht im Schlaf, sondern bei Experimenten mit insgesamt 207 lernenden Studenten…

Die mussten zunächst kräftig büffeln – ganztags, zwischen 9 und 21 Uhr. Danach mussten sie Tests absolvieren: jeweils eine halbe Stunde nach dem Lernen, zwölf Stunden später und noch einmal 24 Stunden danach. Der Trick war allerdings, dass einige der Probanden zwischen dem ersten unmittelbaren Test und dem zweiten eine gute Mütze voll Schlaf nehmen konnten. Und tatsächlich: Danach schnitten sie in den Tests deutlich besser ab – sogar besser als jene, die noch einmal einen ganzen Tag wach geblieben waren.

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