Mal ehrlich: An wen denken Sie bei dem Namen Kevin? An den Chef eines globalen Konzerns oder einen Versicherungsangestellten? Und wie ist es mit Justin, Maximilian? Oder bei Chantal und Jaqueline? Ich weiß, die Begriffe „Unterschicht“ oder „Klassengesellschaft“ sind politisch verpönt. Und doch ist es so, dass viele das soziale Milieu oft schon beim Vornamen assoziieren.
Über 200.000 verschiedene Vornamen sind in Deutschland regisitriert. Dabei fällt neben den jährlichen Hitlisten der beliebtesten Vornamen zunehmend auf: Namen sind nicht nur Geschmackssache, sie sind auch Ausdruck von Zugehörigkeit. So bevorzugen Akademiker derzeit gerne solide alte Vornamen, wie Jonathan, Friedrich, Elias, Franziska, Antonia oder Emilia, während einfachere Bildungsschichten eher zu Modenamen aus Film, Funk und Fernsehen greifen. Das ist dann vielleicht Ausdruck von Modernität, aber für die Kinder vielleicht nicht immer das Beste.
Dazu vielleicht ein kurzes Beispiel und Experiment. Es gibt Namen, mit denen verbinden wir ganz oft bestimmte Klischees. Diese schwanken zwar von Mensch zu Mensch, doch bei einigen Vornamen assoziieren nicht gerade wenige dasselbe Bild: Benjamin zum Beispiel wirkt sofort klein, Gabi ist vermutlich Frisörin, Jessica vermutlich auch. Maria ist bestimmt katholisch, Marie-Luise etwas Etepetete und Pamela ist nackt. Paul wiederum trägt sicher Brille, Wolfgang einen Bart, Wilfried häufig Pollunder und Kevin ist jetzt 16. Bestimmt fallen Ihnen dazu noch mehr Beispiele ein…
Das alles ist genau das: eine Reihe haltloser Klischees. Aber sie kann das Urteil unserer Umwelt beeinflussen, und im schlimmsten Fall wirkt sie negativ bei der Auswahl von Bewerbern. Und damit Sie mir glauben, dass das nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, werfen Sie doch mal einen Blick auf sogenannte Onogramme. Das sind Assoziationslisten zu bestimmten Namen. So ist demnach etwa ein Jochen zwar sehr männlich, eher groß,alt und zuverlässig, aber auch unsportlich, ernst, und unattraktiv.
Zugegeben, in manchen Fällen ist die Geburtsurkunde auch nichts anderes als ein Mittel zur Selbstinszenierung der Eltern. Diesen Erzeugern reicht dann nicht nur einfach ein Vorname – es müssen schon mindestens drei sein und die möglichst extraordinär. Klasse durch Masse, man gönnt sich ja sonst nichts. Hollywood (siehe Liste unten) macht es schließlich vor: Die vier Geschwister von River Phoenix etwa heißen Liberty, Rainbow, Summer und Leif – offenbar allesamt made in Woodstock. Flugzeug-Fan John Travolta wiederum benannte seinen Sohn direkt nach seiner Leidenschaft: „Jett“ – das zweite T sicher um Verwechslungen auszuschließen.
So ganz neu ist das nicht. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hieß eigentlich Wolfgang Theophil Mozart. Nur fand der Wiener Komponist die lateinische Form fescher. Der Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen („Simplizissimus“) etwa wurde von seinen Eltern mit gleich drei Rufnamen bedacht. Und der mittelalterliche Mediziner Paracelsus (1493-1541) hörte eigentlich auf den eindrucksvollen Titel Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Historisch sind Vornamen übrigens älter als Familiennamen: Erst vor rund 300 Jahren wurden Nachnamen für Bauern und andere Leibeigene eingeführt.
Das Bedürfnis nach Besonderem führt heute jedoch auch zu grotesken Taufgesuchen. So berichten Standesbeamte von Fällen, bei denen Eltern ihre Gören „Pepsi Cola“, „Karl der Große“ oder „Nicht Vaters Wunsch“ taufen wollten. Derartiger Mumpitz wird zurecht kategorisch abgelehnt.
Wo bei solchen Extravaganzen hierzulande die Grenzen liegen, ist aber nicht eindeutig geregelt. Erlaubt sind zum Beispiel: Azalee, Bavaria, Chelsea, Cheyenne, Europa, Momo, Oleander, Pumuckl, Sexana, Sunshine, Taiga oder Winnetou. Nicht erlaubt sind dagegen: Che, Gin, Grammophon, Judas, Möwe, Moon, November, Pfefferminze oder Wiesengrund. Die grobe Regel dahinter: Rufnamen müssen das Geschlecht eindeutig erkennen lassen. Und sie dürfen keine negativen Assoziationen wecken. Positive dagegen schon. Deshalb stammt beispielsweise heute nahezu jeder dritte Vorname aus der Bibel. Das haben Onomastiker ermittelt.
Den Rekord für Onomastik-Onanie hält dagegen ein 1904 in Bergedorf bei Hamburg geborener Mann (das stand in der 1978 veröffentlichten Ausgabe des Guinness Book of World Records). Er hieß: Wolfeschlegelsteinhausenbergerdorff-
voralternwarengewissenhaftsschaferswessenschafewarenwohlgepflegte undsorgfaltigkeitbeschutzenvonangreifendurchihrraubgierigfeindewel chevoralternzwolftausendjahresvorandieerscheinendenvanderersteerde menschderraumschiffgebrauchlichtalsseinursprungvonkraftgestartsein langefahrthinzwischensternartigraumaufdersuchenachdiesternwelchege habtbewohnbarplanetenkreisedrehensichundwohinderneuerassevonversta ndigmenschlichleitkonntefortpflanzenundsicherfreuenanlebenslanglic hfreudeundruhemitnichteinfurchtvorangreifenvoneinanderintelligentg eschöpfsvonhinzwischensternartigraum.
Und die längste URL im Web ist diese hier.
Sollten Sie zufällig auch gerade nach einem passenden Namen (für wen auch immer suchen) – hier ein paar Anregungen aus den Sphären der Schönen und Reichen. Zur Nachahmung jedoch nur bedingt empfohlen:
Ace – Natalie Appleton / Liam Howlett
Ahmet Rodan – Frank Zappa
Amandine – John Malkovich
Apple – Gwyneth Paltrow / Chris Martin
Aquinnah Kathleen – Michael J. Fox / Tracy Pollan
Arpad Flynn – Elle MacPherson
Assisi – Jade Jagger
Atticus William MacNaughton – Tony Adams
Aurelius – Elle MacPherson
Ava – Reese Witherspoon / Ryan Philippe
Beatrice Milly – Paul / Heather McCartney
Bibi Belle – Anna Ryder Richardson
Blossom – Kacey Ainsworth
Brooklyn – Victoria / David Beckham
Caspar – Claudia Schiffer / Matthew Vaughn
Chester – Rita Wilson / Tom Hanks
Clementine – Claudia Schiffer / Matthew Vaughn
Coco Riley – Courteney Cox / David Arquette
Cruz – Victoria / David Beckham
Daisy Boo – Jamie Oliver
Dakota – Melanie Griffith / Don Johnson
Dandelion – Keith Richard
Dashiell Michael – Helen Fielding
Dhani – George / Olivia Harrison
Diva – Frank Zappa
Dixie Dot – Anna Ryder Richardson
Dweezil – Frank Zappa
Dylan Jagger – Pamela Anderson Lee / Tommy Lee
Elijah Blue– Cher
Elijah Bob Patricus Guggi Q – Bono
Emma Tiger – Til Schweiger
Fifi Trixabelle – Paula Yates / Bob Geldof
Finlay – Sadie Frost
Grier Hammond – Brooke Shields
Heavenly Hirrani Tiger Lily – Paula Yates / Michael Hutchence
Henry Guenther Ademola Dashtu Samuel – Heidi Klum / Seal
Homer – Richard Gere
Ireland – Kim Basinger
Jaden Gil, Jaz Elle – Andre Agassi / Steffi Graf
Jett – John Travolta / Kelly Preston
Junior – Jordan / Peter Andre
Kal-El – Nicolas Cage / Alice Kim
Kiki – Charlie Brooks
Laird Vonne – Sharon Stone
Lennon – Liam Gallagher
Levi Roan Green – Uma Thurman / Ethan Hawke
Lola – Sara Cox
Lila Grace – Kate Moss / Jefferson Hack
Lily – Kerry Katona / Brian McFadden
Lourdes – Madonna
Mackenzie – JK Rowling
Maddox – Angelina Jolie
Marina Pearl – Matt LeBlanc / Melissa McKnight
Martha Sky Hope – Ulrika Jonsson / Lance Gerrard-Wright
Milo – Liv Tyler / Royston Langdon
Mingus Lucien – Helena Christensen
Misty Kyd – Sharleen Spiteri
Molly – Mariella Frostrup/ Kerry Katona / Brian McFadden
Moon Unit – Frank Zappa
Nathaniel Houseman – Jonathan Davis / Renee
Natashya Lorien – Tori Amos
Nayib – Gloria / Emilio Estefan
Nell Marmalade – Helen Baxendale
Ocean, True, Sonnet – Forest Whitaker
Paris – Michael Jackson
Peaches – Paula Yates / Bob Geldof
Phinnaeus, Hazel – Julia Roberts / Danny Moder
Phoebe – Vernon Kay / Tess Daly
Pilot Inspektor – Jason Lee
Pixie – Paula Yates / Bob Geldof
Presley Walker – Cindy Crawford / Rande Gerber
Preston Michael – Britney Spears / Kevin Federline
Prince and Prince Michael II – Michael Jackson
Racer, Rebel, Rocket – Robert Rodriguez
Rafferty, Rudy – Sadie Frost / Jude Law
Ripley – Thandie Newton
Rocco – Madonna / Guy Ritchie
Roman – Cate Blanchett
Romeo– Victoria / David Beckham
Ryder Russell – Kate Hudson / Chris Robinson
Rufus Tiger – Roger Taylor
Sailor – Christie Brinkley
Saffron Sahara – Simon LeBon / Yasmine
Satchel – Spike Lee/ Woody Allen
Scout LaRue, Rumer, Tallulah – Demi Moore / Bruce Willis
Stella del Carmen – Melanie Griffith / Antonion Banderas
Suri – Katie Holmes / Tom Cruise
Tallulah – Jessie Wallace / Angela Griffin
Tallulah Pine – Simon LeBon / Yasmine
Tianie-Finn – Duncan James (Blue) / seine Ex Claire
Truman – Rita Wilson / Tom Hanks
Wilf – Hermione Norris
Willow – Will Smith / Jada Pinkett Smith
Valentino Luca, Roman – Melanie Sykes
Victoria Kafka – Tommy Lee Jones / Kimberlea Cloughley
Zahra Savannah – Chris Rock
Ziggy – Bob Marley
Zola – Eddie Murphy
Zowie (Duncan Zowie) – David Bowie
Muddy Waters – McKinley Morganfield
Wolfman Jack – Bob Smith
Stan Laurel – Arthur Stanley Jefferson
Dean Martin – Dino Crocetti
Twiggy – Leslie Homby
Peter Lorre – Laszlo Lowenstein
Jerry Lewis – Joseph Levitch
Lauren Bacall – Betty Perski
James Stewart – Stewart Granger
Yves Montand – Ivo Livi
Shelley Winters – Shirley Schrift
Van Morrison – George Ivan
Roy Rogers – Leonard Slye
Charles Bronson – Charles Buchinsky
Stevie Wonder – Steveland Judkins Morris
Doris Day – Doris Kappelhoff
Boris Karloff – William Henry Pratt
Natalie Wood – Natasha Gurdin
Kirk Douglas – Issur Danielovitch
Rock Hudson – Roy Fitzgerald
Sophia Loren – Sophia Scicolone
Tony Curtis – Bernie Schwartz
John Wayne – Marion Michael Morrison
David Bowie – David Jones
Greta Garbo – Greta Gustafsson
Woody Allen – Allen Konigsberg
Fred Astaire – Fred Austerlitz
Anne Bancroft – Anne Italiano
Yul Brynner – Taidje Kahn, Jr.
George Burns – Nat Birnbaum
Michael Caine – Maurice Mickelwhite
Joan Crawford – Lucille Le Sueur
John Denver – Henry John Deutschendorf, Jr.
Douglas Fairbanks – Julius Ullman
Mel Brooks – Mel Kaminsky
1. Kommentar
Kittyluka
27.10.08 um 09:57 Uhr
Und “Sibylle” ist mal wieder in keiner Liste zu finden…
Das gilt doch bestimmt auch bei Nachnamen oder? So ist es doch etwas anderes, wenn man von einem Herrn Müller als von einem Herrn von Hofelbrünn (oder so ähnlich).
Ich meine fast, dass die Nachnamen da sogar noch viel mehr die Meinung beeinflussen, als die Vornamen…
Noch dazu ist es ein super Gesprächsanfang wenn man sich als “Frau Mozart” anstatt mit “Frau Schmidt” vorstellen kann.
2. Kommentar
Ansgar
27.10.08 um 15:48 Uhr
Spannend wird es aus meiner Sicht eigentlich immer dann, wenn man eine Gaby trifft, die keine angestellte Friseurin (nichts gegen die Friseurin) ist, sondern ein mittelständisches Unternehmen leitet, oder einen Jochen, der als erfolgreicher Alleinunterhalter Säle zum Kochen bringt.
Man fällt seine Urteile oft schnell, eventuell bereits, wenn man einen Namen liest, ein Gesicht sieht, den Klang einer Stimme hört, das ist wohl einfach menschlich, insofern nichts, was man beklagen sollte (kann), aber gerade Personalentscheider, so denke ich, sollten sich die Kunst bewahren, so etwas stets aufs Neue zu hinterfragen.
Nur Meinungsäußerung von
Ansgar
(wofür um Himmels willen steht der Name “Ansgar”?)
3. Kommentar
Jeanette
27.10.08 um 17:43 Uhr
Interessanter Beitrag..bin ich direkt am stöbern..
Zu der längsten URl ist mir direkt auch eine eingefallen, die ist sogar noch biserl länger :-)
http://www.eigendarstellungsprojektionsflaechederspassamkorbballvermittler.de
4. Kommentar
Nicole
04.11.08 um 23:33 Uhr
Da kann ich noch den Namen der Tochter des amerikanischen Magiers Penn Gilette (vom Duo Penn & Teller) beisteuern:
Moxie Crimefighter
Sehr cool – aber wenn man in Deutschland lebt und mit Nachnamen z.B. Lehmann oder Schulz heißt, ist das nicht mehr so ganz cool ;)
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