Die Auslastung der Studienplätze an deutschen Hochschulen steigt von Jahr zu Jahr. Jedenfalls an den Unis, die unter Studierenden besonders beliebt sind oder einen guten Ruf genießen. So wie Köln, Mannheim, Aachen, Karlsruhe, München oder Heidelberg. Die Folge ist, dass die Studenten nicht immer dort landen, wo sie hin wollten – etwa an eine Hochschule in der Provinz. Da kann es zwar auch ganz nett sein und teils sind die Studienbedingungen sogar besser. Doch wer sich damit so gar nicht arrangieren kann, wird den Studienplatz irgendwann wechseln wollen. Und damit geht das Problem erst richtig los…

Warum eine(r) den Studienplatz wechseln will, können vielfältig sein: Die eine will zurück in ihre Heimat und wieder näher zu den Freunden und der Familie, der andere sucht die Spezialisierung an einer Top-Uni mit Renommee. Mit dem Bologna-Prozess und der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen sollte der Uniwechsel europaweit leichter werden. Denn die mit den Studien-Modulen und dem Punktesystem durch das European Credit Transfer System (ECTS) sollten die Studiengänge vergleichbarer und austauschbarer (im positiven Sinn) werden. Theoretisch. Praktisch sieht die Sache anders aus.

Bei der Bewerbung an einer anderen Hochschule geht es ähnlich zu, wie bei einer Bewerbung für das Erstsemester: Zulassungsbeschränkungen müssen geklärt werden (Ein Studienplatz kann entweder zulassungsfrei oder örtlich zulassungsbeschränkt sein), zudem spielt die Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS) noch bei einigen Plätzen mit und kann diese vergeben. Mit anderen Worten: Es kommt doch wieder jedes Mal individuell auf den neuen Studienplatz an.

Immerhin aus dem Internet kommt einiges an Unterstützung für den Studienplatzwechsel. Studienplatztauschforen und –portale wie zum Beispiel Studis-Online, Uni-Pur, Studienplatztausch, Studenten-WG, Studienplatz-Tauschboerse und Unicum bieten teils übersichtliche Marktplätze, auf denen sich die Anzahl der potenziellen Tauschpartner durch Suchkriterien, wie Zielort, Studiengang oder aktuelles Semester erheblich einschränken und so gezielter suchen lässt. Eine seltenere Alternative ist der sogenannte Ringtausch: A wechselt zu B, B zu C und C zu A. Auch diese Möglichkeit besteht, kommt aber kaum vor. Und nicht zuletzt können Studenten den Platz auch untereinander tauschen – ganz analog, durch die zahllosen Suche-Biete-Angebote, die auf den schwarzen Bretten in den Universitäten aushängen.

Wie das ganz konkret aussehen kann, haben wir im Folgenden zusammengestellt. Die Annahme ist: Es handelt sich um einen Studienplatzwechsel an eine Universität mit identischem Abschluss und gleicher Bezeichnung des Studienganges – jedoch mit unterschiedlichen Zulassungsvoraussetzungen. Diesen:

Zulassungsfreie Studiengänge

Der Wechsel an eine Universität mit einem zulassungsfreien Studiengang ist vergleichsweise einfach. Zunächst einmal muss der Student sich an seiner alten Hochschule exmatrikulieren. Dazu muss er meist nur im Prüfungsamt den Antrag stellen. Anschließend kann er sich in aller Regel online auf der Homepage seiner Wunschuniversität neu einschreiben. Dafür werden jedoch unter anderem folgende Dokumente benötigt:

  • Studienzeitbescheinigung der ursprünglichen Hochschule
  • Anrechnungsbescheinigung der Wunschuniversität
  • Versicherungsbescheinigung der Krankenkasse

Also bitte rechtzeitig besorgen und in einer Mappe aufbewahren!

Örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge

Der Wechsel in einen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengang ist schon schwieriger. Zunächst muss man sich in das nächst höhere Fachsemester einschreiben. Doch selbst dort kann es in verschiedenen Studiengängen noch einen Numerus Clausus (NC) geben. Oder die Zulassung wird aufgrund fehlender freier Studienplätze verwehrt. In beiden Fällen wäre dann der Studienplatztausch mit einem Studenten an der Wunschuniversität die Ideallösung (wenn auch nicht besonders wahrscheinlich).

Für den klassischen Weg der Bewerbung werden indes folgende Dokumente benötigt:

  • Studienzeitbescheinigung der bisherigen Hochschule
  • Lebenslauf und Foto
  • Anrechnungsbescheinigung der Wunschuniversität
  • Gegebenenfalls eine Dienstbescheinigung (Wehr-, Zivildienst, soziales Jahr)
  • Gegebenenfalls eine Begründung für einen Härtefallantrag
  • Versicherungsbescheinigung der Krankenkasse
  • Zusatzangaben zur Bewerbung. Dieses Formular liefert der Hochschule unter anderem Informationen über den Grund des Wechsels und Beurlaubungen.

Studiengänge der Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS)

Ein Wechsel innerhalb eines Studiengangs, der von der Stiftung für Hochschulzulassung vergeben wird, kann sich als besonders schwer erweisen. Wer keine schweren persönlichen Umstände vorweisen kann, hat schlechte Karten und muss sich in aller Regel einen Tauschpartner suchen. Auch das oben bereits erwähnte Ringtauschen kann dann noch ein Ausweg sein, um einen Platz an der Traumuni zu ergattern. Hier helfen am besten die oben schon erwähnten Online-Tauschbörsen.

Darüber hinaus macht vielleicht die folgende Liste Hoffnung: Dies sind die am häufigsten getauschten Studiengänge. Hier stehen die Chancen also besonders gut, einen Tauschpartner zu finden:

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Biologie
  • Jura / Rechtswissenschaften
  • Medizin
  • Pharmazie
  • Psychologie
  • Tiermedizin / Veterinärmedizin
  • Zahnmedizin / Zahnheilkunde

Wessen Studiengang hier nicht aufgeführt wurde, sollte den Kopf trotzdem nicht hängen lassen. Auch in anderen akademischen Bereichen gibt es Wechselwillige, nur eben weniger.

Alles in allem gilt aber: Es ist nach wie vor nicht einfach die Universität zu wechseln. Die Zuständigkeiten und Fristen innerhalb der Hochschulen sind zum Teil sehr unterschiedlich. Daher sollte ein Studienplatzwechsel klug abgewogen werden. Wer sich frühzeitig an seiner aktuellen Hochschule und der Zieluniversität informiert, kann zumindest seine Chancen erhöhen, die nötigen Anträge stellen oder Tauschpartner finden, die den Wechselprozess beschleunigen.