Blogs, Facebook, Google+, Twitter, Pinterest, Youtube – es gibt viele Facetten von Social Media, die alle ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile bieten. Nicht jedes Unternehmen muss überall vertreten sein, wichtiger ist eine strategisch sinnvolle Auswahl der passenden Netzwerke für den jeweiligen Zweck. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen bei den meisten Firmen durchgesetzt. Umso erstaunlicher ist es für mich, dass sich manche Vorurteile im Hinblick auf Social Media hartnäckig halten. Natürlich sind Soziale Netzwerke nicht die Lösung aller Probleme, doch teilweise werden wirklich hanebüchene Vorurteile ins Feld geführt, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Deshalb habe ich heute die zehn Vorurteile – und meine Antworten darauf – zusammengestellt, mit denen ich am häufigsten konfrontiert werde. Vielleicht können Sie die Argumente ja gegenüber Ihren Kollegen oder Ihrem Chef verwenden.

  1. “Das ist ein Hype, der geht vorbei.” – Bei diesem Satz frage ich mich jedes Mal: Glaubt derjenige auch, dass dieses Internet wieder verschwinden wird? Social Media haben in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen und Soziale Netzwerke wachsen täglich. Sicher, einzelne Dienste und Netzwerke verschwinden auch wieder und die Sozialen Netzwerke verändern sich – wie Facebook mit seinem Chronik-Design – laufend. Doch aussitzen können Firmen Social Media nicht.
  2. “Das ist ein gigantischer Aufwand, da machen wir ja nichts anderes mehr.” – Das ist schlicht und ergreifend falsch. Es stimmt zwar, dass eine gute Social Media Strategie und deren Umsetzung Zeit in Anspruch nehmen, doch so bald sich die Mitarbeiter in die neue Rolle eingefunden haben und die Kommunikation sich eingespielt hat, hält sich der Zeitaufwand in Grenzen. Natürlich müssen Mitarbeiter die Firmen-Konten in den verschiedenen Netzwerken betreuen, doch das beschränkt sich eben auf die dafür vorgesehenen Mitarbeiter. Gerade bei kleineren Firmen haben diese Mitarbeiter meist noch andere Aufgaben, die Sie trotz Ihrer Kommunikation auf den Social Media Kanälen noch gut bewältigen können. Zum Zeitfresser werden Soziale Netzwerke für ein Unternehmen nur dann, wenn planlos drauf los kommuniziert wird.
  3. “Das lohnt sich vielleicht für große Firmen. Als mittelständisches Unternehmen brauchen wir so was nicht.” – Meine Gegenfragen lauten dann immer: Sie haben also keine Kunden, mit denen Sie in Dialog treten wollen? Neue Mitarbeiter und Kunden finden Sie von selbst? Warum? Wie eingangs bereits erwähnt, machen nicht alle Netzwerke und Möglichkeiten von Social Media für jedes Unternehmen Sinn. Doch es gibt viele Beispiele von kleinen und mittelständischen Unternehmen wie die Kelterei Walthers mit dem bekannten Saftblog oder die Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag, die Social Media erfolgreich einsetzen.
  4. “Das kostet ein Vermögen!” – Ganz im Gegenteil, Social Media bieten – bei richtiger Anwendung – eines der besten Kosten-Nutzen-Verhältnisse überhaupt. Zu den Gesamtkosten zählen zwar auch Arbeitszeit, Gehälter und ähnliches, doch alles in allem sind die Kosten wirklich gering. Das ändert sich natürlich, wenn sich Firmen für astronomische Summen die falsche Beratung einkaufen. Die Erarbeitung einer Social Media Strategie ist zwar nicht zum Nulltarif zu haben, ruinieren muss sich dafür jedoch kein Unternehmen.
  5. “Aber da könnten negative Kommentare und Kritik kommen.” – Klar, das kann passieren. Gegenfrage: Wollen Sie die Unzufriedenheit Ihrer Kunden lieber über Kommentare auf beispielsweise Facebook oder über sinkende Absatzzahlen mitbekommen? Den meisten Firmen dürften die Kommentare definitiv lieber sein. Rein destruktive Kritik ist natürlich nicht hilfreich. Doch mit ordentlichen Kommentarrichtlinien können Firmen solche Kommentare jederzeit auf ihren Seiten löschen oder gar nicht erst freischalten und dies auch begründen. Das sollte natürlich nur in Maßen geschehen, die Option ist jedoch immer vorhanden. Über konstruktive Kritik sollten sich Unternehmen jedoch freuen und angemessen antworten. Denn hier macht sich ein Kunde Gedanken um eine Marke oder ein Produkt, das ihm einen sinnvollen und konstruktiven Kommentar wert ist. Und für Fehler können sich Unternehmen ganz einfach entschuldigen, das wirkt oft besser als jeder PR-Stunt.
  6. “Das können unserer Jungspunde ja gerne machen, ich bin dafür zu alt.” – Halt! Stopp! Ganz falscher Ansatz. Gerade ältere – lies: erfahrene – Mitarbeiter können für die Kommunikation eines Unternehmens über Social Media wertvoll sein. Denn erfahrene Mitarbeiter haben im Lauf der Jahre oft einiges an Kritik mitbekommen und können bei entsprechenden Kommentaren viel gelassener reagieren als jüngere Mitarbeiter, denen die entsprechende Erfahrung fehlt. Und in Unternehmensblogs können die langjährigen Mitarbeiter Ihre Erfahrungen teilen und so auch jüngere Kollegen davon profitieren lassen.
  7. “Ist ja alles ganz nett, aber in unserer Branche nutzt das sowieso niemand. Warum sollten wir damit anfangen?” – Erstens glaube ich nicht, dass es irgendeine Branche gibt, in der Social Media noch gar nicht genutzt werden. Bisher habe ich noch immer Beispiele von Unternehmen in der jeweiligen Branche gefunden. Zweitens: Würden Sie das bei einem neuen Fertigungsverfahren auch sagen? Oder würde die Aussage da nicht viel her lauten: Klasse, damit sichern wir uns einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz? Warum sollte das bei Social Media anders sein?
  8. “Es gibt aber Firmen, die Ihre Facebook-Seiten und Firmenblogs schon wieder dicht gemacht haben und sich aus den Sozialen Netzwerken zurück ziehen.” – Natürlich gibt es die, doch was sind die Gründe dafür? Vielleicht waren bestimmte Kanäle einfach ungeeignet, vielleicht wurde ohne Strategie einfach mal angefangen, vielleicht verlagert sich die Aktivität auch nur in andere Netzwerke? Bei manchen Firmen kann auch ein Wechsel in der Geschäftsführung der Grund sein, denn möglicherweise fehlt der neuen Geschäftsführung das Verständnis für den Nutzen von Social Media. Vielleicht kommen die Unternehmen in wenigen Monaten auch wieder in die Sozialen Netzwerke zurück? Es gibt eine Vielzahl an möglichen Gründen und Ursachen für solche Entscheidungen. Doch aus dem Rückzug einer Firma lässt sich nicht ableiten, dass es für Unternehmen in dieser Branche generell sinnlos ist, sich in Social Media zu engagieren.
  9. “Wir wollen aber keine Firmendaten im Internet haben. Facebook und Google gehen unsere Daten nichts an.” – Gegenfrage Nummer eins: Nutzen Sie Onlinedienste, die nicht auf Ihren eigenen Servern laufen? Wenn ja, brauchen wir uns über “Daten im Internet” wohl eher nicht zu unterhalten. Gegenfrage Nummer zwei: Wer hat denn bitte gesagt, dass Sie Google oder Facebook interne Daten geben sollen? Ein Unternehmen gibt in den Sozialen Netzwerken nur die Informationen preis, die auch für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das sollte zumindest so sein, doch bei manchen Twitter- und Facebook-Accounts deutscher Firmen frage ich mich manchmal schon, was die Mitarbeiter geritten hat, bestimmte Antworten und Informationen öffentlich zu posten. Klare Richtlinien und gut geschulte Mitarbeiter sind die Lösung für dieses Problem.
  10. “Diese Netzwerke nutzen doch ohnehin nur Teenager, unsere Kunden sind jedoch deutlich älter und seriös. Die erreichen wir damit doch gar nicht.” – Bitte was? Würden Sie das noch mal wiederholen? Zu behaupten, Soziale Netzwerke würden nur von Teenagern genutzt ist genau so wie zu sagen, dass nur Menschen unter 50 Jahren ins Internet gehen. Natürlich werden Soziale Netzwerke stark von Jugendlichen und jüngeren Menschen genutzt, deshalb sind sie jedoch bei Leibe nicht die einzige Nutzergruppe – und das ist auch gut so. Und noch ein Punkt: Die Jugendlichen von heute werden in einigen Jahren die etwas älteren Kunden sein. Was spricht dagegen, schon heute Kontakt zu diesen potentiellen Kunden aufzunehmen?