Blogs, Facebook, Google+, Twitter, Pinterest, Youtube – es gibt viele Facetten von Social Media, die alle ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile bieten. Nicht jedes Unternehmen muss überall vertreten sein, wichtiger ist eine strategisch sinnvolle Auswahl der passenden Netzwerke für den jeweiligen Zweck. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen bei den meisten Firmen durchgesetzt. Umso erstaunlicher ist es für mich, dass sich manche Vorurteile im Hinblick auf Social Media hartnäckig halten. Natürlich sind Soziale Netzwerke nicht die Lösung aller Probleme, doch teilweise werden wirklich hanebüchene Vorurteile ins Feld geführt, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Deshalb habe ich heute die zehn Vorurteile – und meine Antworten darauf – zusammengestellt, mit denen ich am häufigsten konfrontiert werde. Vielleicht können Sie die Argumente ja gegenüber Ihren Kollegen oder Ihrem Chef verwenden.
- “Das ist ein Hype, der geht vorbei.” – Bei diesem Satz frage ich mich jedes Mal: Glaubt derjenige auch, dass dieses Internet wieder verschwinden wird? Social Media haben in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen und Soziale Netzwerke wachsen täglich. Sicher, einzelne Dienste und Netzwerke verschwinden auch wieder und die Sozialen Netzwerke verändern sich – wie Facebook mit seinem Chronik-Design – laufend. Doch aussitzen können Firmen Social Media nicht.
- “Das ist ein gigantischer Aufwand, da machen wir ja nichts anderes mehr.” – Das ist schlicht und ergreifend falsch. Es stimmt zwar, dass eine gute Social Media Strategie und deren Umsetzung Zeit in Anspruch nehmen, doch so bald sich die Mitarbeiter in die neue Rolle eingefunden haben und die Kommunikation sich eingespielt hat, hält sich der Zeitaufwand in Grenzen. Natürlich müssen Mitarbeiter die Firmen-Konten in den verschiedenen Netzwerken betreuen, doch das beschränkt sich eben auf die dafür vorgesehenen Mitarbeiter. Gerade bei kleineren Firmen haben diese Mitarbeiter meist noch andere Aufgaben, die Sie trotz Ihrer Kommunikation auf den Social Media Kanälen noch gut bewältigen können. Zum Zeitfresser werden Soziale Netzwerke für ein Unternehmen nur dann, wenn planlos drauf los kommuniziert wird.
- “Das lohnt sich vielleicht für große Firmen. Als mittelständisches Unternehmen brauchen wir so was nicht.” – Meine Gegenfragen lauten dann immer: Sie haben also keine Kunden, mit denen Sie in Dialog treten wollen? Neue Mitarbeiter und Kunden finden Sie von selbst? Warum? Wie eingangs bereits erwähnt, machen nicht alle Netzwerke und Möglichkeiten von Social Media für jedes Unternehmen Sinn. Doch es gibt viele Beispiele von kleinen und mittelständischen Unternehmen wie die Kelterei Walthers mit dem bekannten Saftblog oder die Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag, die Social Media erfolgreich einsetzen.
- “Das kostet ein Vermögen!” – Ganz im Gegenteil, Social Media bieten – bei richtiger Anwendung – eines der besten Kosten-Nutzen-Verhältnisse überhaupt. Zu den Gesamtkosten zählen zwar auch Arbeitszeit, Gehälter und ähnliches, doch alles in allem sind die Kosten wirklich gering. Das ändert sich natürlich, wenn sich Firmen für astronomische Summen die falsche Beratung einkaufen. Die Erarbeitung einer Social Media Strategie ist zwar nicht zum Nulltarif zu haben, ruinieren muss sich dafür jedoch kein Unternehmen.
- “Aber da könnten negative Kommentare und Kritik kommen.” – Klar, das kann passieren. Gegenfrage: Wollen Sie die Unzufriedenheit Ihrer Kunden lieber über Kommentare auf beispielsweise Facebook oder über sinkende Absatzzahlen mitbekommen? Den meisten Firmen dürften die Kommentare definitiv lieber sein. Rein destruktive Kritik ist natürlich nicht hilfreich. Doch mit ordentlichen Kommentarrichtlinien können Firmen solche Kommentare jederzeit auf ihren Seiten löschen oder gar nicht erst freischalten und dies auch begründen. Das sollte natürlich nur in Maßen geschehen, die Option ist jedoch immer vorhanden. Über konstruktive Kritik sollten sich Unternehmen jedoch freuen und angemessen antworten. Denn hier macht sich ein Kunde Gedanken um eine Marke oder ein Produkt, das ihm einen sinnvollen und konstruktiven Kommentar wert ist. Und für Fehler können sich Unternehmen ganz einfach entschuldigen, das wirkt oft besser als jeder PR-Stunt.
- “Das können unserer Jungspunde ja gerne machen, ich bin dafür zu alt.” – Halt! Stopp! Ganz falscher Ansatz. Gerade ältere – lies: erfahrene – Mitarbeiter können für die Kommunikation eines Unternehmens über Social Media wertvoll sein. Denn erfahrene Mitarbeiter haben im Lauf der Jahre oft einiges an Kritik mitbekommen und können bei entsprechenden Kommentaren viel gelassener reagieren als jüngere Mitarbeiter, denen die entsprechende Erfahrung fehlt. Und in Unternehmensblogs können die langjährigen Mitarbeiter Ihre Erfahrungen teilen und so auch jüngere Kollegen davon profitieren lassen.
- “Ist ja alles ganz nett, aber in unserer Branche nutzt das sowieso niemand. Warum sollten wir damit anfangen?” – Erstens glaube ich nicht, dass es irgendeine Branche gibt, in der Social Media noch gar nicht genutzt werden. Bisher habe ich noch immer Beispiele von Unternehmen in der jeweiligen Branche gefunden. Zweitens: Würden Sie das bei einem neuen Fertigungsverfahren auch sagen? Oder würde die Aussage da nicht viel her lauten: Klasse, damit sichern wir uns einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz? Warum sollte das bei Social Media anders sein?
- “Es gibt aber Firmen, die Ihre Facebook-Seiten und Firmenblogs schon wieder dicht gemacht haben und sich aus den Sozialen Netzwerken zurück ziehen.” – Natürlich gibt es die, doch was sind die Gründe dafür? Vielleicht waren bestimmte Kanäle einfach ungeeignet, vielleicht wurde ohne Strategie einfach mal angefangen, vielleicht verlagert sich die Aktivität auch nur in andere Netzwerke? Bei manchen Firmen kann auch ein Wechsel in der Geschäftsführung der Grund sein, denn möglicherweise fehlt der neuen Geschäftsführung das Verständnis für den Nutzen von Social Media. Vielleicht kommen die Unternehmen in wenigen Monaten auch wieder in die Sozialen Netzwerke zurück? Es gibt eine Vielzahl an möglichen Gründen und Ursachen für solche Entscheidungen. Doch aus dem Rückzug einer Firma lässt sich nicht ableiten, dass es für Unternehmen in dieser Branche generell sinnlos ist, sich in Social Media zu engagieren.
- “Wir wollen aber keine Firmendaten im Internet haben. Facebook und Google gehen unsere Daten nichts an.” – Gegenfrage Nummer eins: Nutzen Sie Onlinedienste, die nicht auf Ihren eigenen Servern laufen? Wenn ja, brauchen wir uns über “Daten im Internet” wohl eher nicht zu unterhalten. Gegenfrage Nummer zwei: Wer hat denn bitte gesagt, dass Sie Google oder Facebook interne Daten geben sollen? Ein Unternehmen gibt in den Sozialen Netzwerken nur die Informationen preis, die auch für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das sollte zumindest so sein, doch bei manchen Twitter- und Facebook-Accounts deutscher Firmen frage ich mich manchmal schon, was die Mitarbeiter geritten hat, bestimmte Antworten und Informationen öffentlich zu posten. Klare Richtlinien und gut geschulte Mitarbeiter sind die Lösung für dieses Problem.
- “Diese Netzwerke nutzen doch ohnehin nur Teenager, unsere Kunden sind jedoch deutlich älter und seriös. Die erreichen wir damit doch gar nicht.” – Bitte was? Würden Sie das noch mal wiederholen? Zu behaupten, Soziale Netzwerke würden nur von Teenagern genutzt ist genau so wie zu sagen, dass nur Menschen unter 50 Jahren ins Internet gehen. Natürlich werden Soziale Netzwerke stark von Jugendlichen und jüngeren Menschen genutzt, deshalb sind sie jedoch bei Leibe nicht die einzige Nutzergruppe – und das ist auch gut so. Und noch ein Punkt: Die Jugendlichen von heute werden in einigen Jahren die etwas älteren Kunden sein. Was spricht dagegen, schon heute Kontakt zu diesen potentiellen Kunden aufzunehmen?
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Martin Reti
Sehr schöne Zusammenstellung. Allerdings bleibt es doch wohl auch eine Bauchentscheidung in soziale Medien zu gehen. Das eine Unternehmen hat halt mehr Angst (vielleicht zu Recht, weil ja grundlegende Fragen auf den Tisch kommen könnten – und die Diskussion darüber kann man in Social Media nicht einfach unterdrücken), das ander weniger.
Vielen Dank für die beiden Blogtipps. Hier zeigt sich: Es kommt auch auf ein bisschen Humor und Selbstkritik an. Verlautbarungen will niemand lesen. Und der Leser will den Schreiber sympathisch finden.
Beste Grüße
Martin Reti
Christian Mueller
Hallo Martin,
sicher spielt “der Bauch” aka die Intuition bei Entscheidungen eine wichtige Rolle. Doch wenn grundlegende Fragen auf den Tisch kommen könnten, sollten diese zuerst intern geklärt werden. Dann kann das Unternehmen auch positiv in den Sozialen Netzwerken an den Start gehen. Ach ja, ein wenig Humor und vor allem offen und ehrliche Kommunikation kommen in den Sozialen Netzwerken immer besser an als reiner Marketing-Sprech ;-).
Gruß,
Christian
Jakob
Ich stimme allem zu – und doch: Mal den ROI von Social Media berechnet? Nein? Warum nicht? Und nächste Frage: Wer entscheidet in Unternehmen was – und womit? Sicher nicht mit “Bauchgefühl”, wenn es gleichzeitig risikoärmere Alternativen gibt.
Im Geschäft gehts um Geld und nicht um Follower, Fans, Likes. Erst wer Letzteres effektiv in in Dollars und Euros umwandelt, kann wirtschaftlich argumentieren.
Christian Mueller
Hallo Jakob,
wie kommst du darauf, dass der ROI nicht berechnet wird? Natürlich spielt der eine große Rolle, denn das Social Media Engagement muss sich für die Unternehmen auch lohnen. Intuition spielt bei Unternehmensentscheidungen durchaus eine Rolle, denn diese werden in den seltensten Fällen nur auf Basis von Fakten getroffen. Ach ja, Reputation und eine hohe Loyalität der Kunden können sich durchaus in Geld ,sprich steigenden Absatzzahlen ausdrücken. Ob der Zusammenhang immer direkt messbar ist, sei mal dahingestellt, vorhanden ist der Einfluss auf jeden Fall.
Gruß,
Christian
gsohn
Du meinst wohl Vorurteile….
Christian Mueller
Hallo Gunnar,
“falsche Vorurteile” passt schon, es gibt ja auch Vorurteile, die sich als richtig herausstellen. Guter Artikel auf deiner Seite dazu, übrigens.
Gruß,
Christian
webmatr1x
Sehr schöner Artikel. Den ROI messbar zu machen, halte ich für sehr schwierig.
Zum Punkt 10 hat gestern erst internetworld.de einen Artikel geschrieben
http://www.internetworld.de/Nachrichten/Medien/Zahlen-Studien/Silver-Surfer-entdecken-Social-Media-Mehr-als-ein-Viertel-der-Senioren-nutzt-Facebook-und-Co-64479.html
Also sind auch immer mehr ältere auf facebook und co unterwegs…
djane0815
Sehr schöner Freudscher in deiner Einleitung “Deshalb habe ich heute die zehn VORTEILE – und meine Antworten darauf – zusammengestellt, mit denen ich am häufigsten konfrontiert werde. ”
Aber grundsätzlich alles richtig und tausendfach gehört. Angst ist da und “Bauchgefühl” als Entscheidungsgrundlage finde ich persönlich etwas zu riskant. Besser mit Zahlen & Fakten argumentieren. Und das leidige Thema ROI; Ja, es ist nicht einfach dies zu messen, aber ganz ehrlich – anders als die vage Vermutung, dass genau dieser Fernsehspot oder eine XY-Printkampagne für den plötzlich wachsenden Absatz eines Produkts verantwortlich ist, ist es doch mit dem Social Media ROI auch nicht.
Man muss nur ganz genau hingucken, welche potentiell dafür verantwortlichen Kommunikationsmaßnahmen noch parallel liefen etc. Na ja, ein unendliches Thema. Jedenfalls richtiger Artikel hier :)
Christian Mueller
Hallo Jeannine,
na, den Freudschen hab ich doch gleich mal korrigiert. Danke dir.
Zum ROI. Sicher lässt sich die Wirkung von Social Media Aktivitäten nicht zu 100 Prozent messen. Doch den Zusammenhang zwischen steigenden Fanz- und Absatz-Zahlen lässt sich schon erfassen und abbilden.
Gruß,
Christian
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Dirk
Social Media kann wunderbar genutzt werden,
um die Stimmung aussen für ein bestimmtes
Thema oder Produkt zu ermitteln und in
einen Diskurs zu stellen.
Und das ganze geht sehr schnell und kostet
im Prinzip fast nichts -
nur etwas Zeit.
Es gibt in den Firmen sicher Mitarbeiter die gerne
chatten und im Internet ihre Zeit verbringen,
es ist keine grosse Anstrengung nötig,
einen Mitarbeiter mit so einer Aufgabe zu betreuen,
er würde sich sogar geehrt fühlen, wenn er sowieso
zu Hause gerne privat Social Media nutzt,
diese Fähigkeiten in der Firma einzubringen.
Und diese Tätigkeit kann man sogar neben seiner
Tagesarbeit erledigen im Büro – und es bietet dem
Mitarbeiter eine gute Abwechslung seiner evt.
eintönigen Arbeit. Und der Mitarbeiter gewinnt noch etwas:
Das Gefühl, für die Firma sprechen zu dürfen und zu können,
das gibt ihm eine Identität mit der Firma, die er sonst nie erfahren würde, meist fühlen sich die Mitarbeiter nur “als Rädchen” und finden keine grosse Anerkennung für ihren Job von aussen.
Die Firma hat mit Social Medie die Möglichkeit sehr günstig an Meinungen von Kunden heranzukommen.
Wenn ich überlege was andere ausgeben für Fragebögen usw, dazu müssen sie die Leute noch zum Mitmachen bewegen mit Gutscheinen und Gewinnspielen – das braucht es nicht in Social Media – die Leute in Social Media kommen von ganz alleine und sind eigenmotiviert, da sie sowieso schon drin sind – wenn sie nicht auf Deiner Website sind, sind sie auf der anderen Website – und lernen dann das Produkt Deines Konkurrenten über eine Diskussion kennen –
hier müssen die Firmen präsenz zeigen -
und wenn es doch mal schief läuft und ein Fauxpass passiert:
Negativwerbung ist auch Werbung – das machen uns die Popstars jeden Tag in den Medien vor…
Fazit:
Keine Angst vor diesem neuen Medium -
es bietet fantastische Möglichkeiten
die sich dem Nutzer erst erschliessen,
wenn er anfängt das Medium zu nutzen
Dirk
Mia Stadelmann
Einer Eurer besten Artikel, nahe zu wortwörtlich höre ich das beinahe täglich. Teilweise auch von “jungen” Firmen, ich kann das immer gar nicht fassen, wie weit diese Mentalität noch verbreitet ist: “Das haben wir schon immer so (also ohne socialmedia) gemacht” oder: “das ist doch nur Spielerei”.
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Werner Deck • malerdeck
Vielen Dank. Klasse Artikel. Allen Offlinern dringend empfohlen. Trage zur Verbreitung durch Weitergabe über Blog und alle meine Kanäle wie Facebook, Xing, Twitter etc., bei.
Mit farbenfrohen und :-) Grüßen, Ihr Opti-Maler-Partner,
Werner Deck
Tim Bremenkamp
Genau auf den Punkt!
Diese “Vorurteile” bzw. Bedenken bekomme ich bisweilen auch zu hören und widerlege sie mit ähnlichen bis gleichen – weil sachlich richtigen – Argumenten. Und das durchaus mit Erfolg.
Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Fraktion der “Social Media Skeptiker” von Monat zu Monat kleiner wird und sich Sinn und Nutzen langsam aber sicher herumsprechen.
Der größte Killer für das Thema Social Media Marketing lauert m. E. in Punkt 8. Viele von denen, die schon aktiv sind, haben meist die Grundidee nicht richtig verstanden oder scheitern spätestens bei der zielführenden Umsetzung.
Die Einsicht in die Notwendigkeit könnte verfliegen, wenn der Gedanke: “das bringt doch alles nix!” sich viral verbreitet und in Unternehmen salonfähig wird.
Ein ähnliches Muster konnte man beim Thema Internet Anfang 2001 – nach dem platzen der Blase in der New Economie – beobachten … .
Nicolas
Schön mit einem Augenzwinkern geschrieben. So muss man den Nutzen von Social Media verdeutlichen ;-)