Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt: Viele Unternehmen haben Social Media als einen wichtigen Kommunikationskanal erkannt und engagieren sich entsprechend. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren aufgebaut hat und sich auf absehbare Zeit auch fortsetzen wird. Angesichts der großen Zahl an Unternehmensauftritten in den sozialen Netzwerken sollte man davon ausgehen können, dass die Grundlagen der Kommunikation in den Social Media klar sind und entsprechend umgesetzt werden. Doch weit gefehlt, zahlreiche Shitstorms und Kommunikationsfails haben auch 2012 gezeigt, dass in diesem Bereich – trotzt des teilweise hervorragenden Engagements der Unternehmen – noch deutlicher Nachholbedarf besteht. Zu den Grundlagen einer gelingenden Kommunikation in den Social Media haben wir auf der Karrierebibel bereits zahlreiche Artikel veröffentlicht. Heute haben wir daher 66 Verhaltensweisen für Sie, mit denen Sie garantiert jeden Social Media Auftritt vergeigen.
Eine Vorbemerkung sei noch gestattet: Wir hätten diesen Artikel wirklich gerne als Satire eingestuft. Doch leider sind die im Folgenden genannten Verhaltensweisen – so banal und offensichtlich falsch sie teilweise auch sein mögen – leider traurige Realität. Alle Punkte haben wir in der einen oder anderen Art und Weise bereits erlebt. Damit die Liste jedoch nicht allzu niederschmetternd wird, sind manche Punkte mit einem Augenzwinkern formuliert. Etwas Humor sollten Sie – trotz des wichtigen und ernst gemeinten Themas – also mitbringen.
66 Wege zum #epic fail
- Setzen Sie Mitarbeiter der PR-Abteilung ohne Kenntnisse der sozialen Netzwerke auf die Betreuung Ihrer Präsenzen an.
- Informieren Sie das Social Media Team nur spärlich und nach allen anderen Abteilungen über Veränderungen.
- Stimmen Sie Pressemitteilungen und Produkteinführungen auf keinen Fall mit dem Social Media Team ab.
- Trennen Sie Kundensupport und Social Media Team rigoros voneinander.
- Übertragen Sie die Betreuung der Social Media Kanäle einem Mitarbeiter als zusätzliche Aufgabe. In Teilzeit, versteht sich.
- Ignorieren Sie Kleinigkeiten wie ein rechtssicheres Impressum oder die Nutzungsbedingungen der sozialen Netzwerke vollständig.
- Bieten Sie Fans und Kunden möglichst wenig Kontaktmöglichkeiten.
- Achten Sie unbedingt auf die Optik und das Design und vernachlässigen dafür die Inhalte und Beiträge völlig.
- Posten Sie möglichst unregelmäßig und in schlechter Qualität.
- Informieren Sie Ihre Fans nur mit den notwendigsten Informationen.
- Formulieren Sie Beiträge bewusst missverständlich und zweideutig.
- Überlassen Sie anderen Medien die Berichterstattung über Ihr Unternehmen und gehen Sie in den sozialen Netzwerken nicht auf die Berichte ein.
- Kommentieren Sie Probleme nur mit ganz allgemein gehaltenen Beiträgen, die nichts zur Sache beitragen.
- Moderieren Sie keinerlei Kommentare und lassen Sie Trollen freie Bahn.
- Beobachten Sie einen entstehenden Shitstorm, greifen Sie jedoch auf keinen Fall ein.
- Antworten Sie nicht oder nur sehr spät und unpräzise auf die Fragen von Fans und Kunden.
- Beantworten Sie Direktnachrichten öffentlich – ohne das Einverständnis des Fragenden einzuholen.
- Verwenden Sie völlig unpassende Bilder und Videos. Katzencontent bietet sich dafür an.
- Ignorieren Sie Lizenzen und Urheberrechte, vor allem bei Bildern.
- Werden Sie in Beiträgen und Antworten ausfallend und beleidigend gegenüber Fans.
- Versuchen Sie, auf alle Kommentare und Reaktionen sofort und emotional zu antworten. Zu jeder Uhrzeit, versteht sich.
- Stimmen Sie Antworten auf keinen Fall mit der zuständigen Fachabteilung ab. Das bekommen Sie auch alleine hin.
- Beziehen Sie das Social Media Team nicht in Strategieentwicklung und Planung ein.
- Geben Sie Probleme mit Produkten oder Diensten nicht an das Social Media Team weiter. Die merken das schon früh genug durch Kommentare der Fans.
- Starten Sie ohne klare Strategie und Haltung in die Social Media.
- Entwickeln Sie das Social Media Konzept völlig losgelöst von der sonstigen Unternehmenskommunikation.
- Nutzen Sie die Social Media Kanäle ausschließlich für Werbung.
- Ignorieren Sie Feedback und Vorschläge der Fans.
- Setzen Sie Vorschläge der Fans zwar um, behaupten Sie dann jedoch, es sei Ihre eigene Idee gewesen. Geben Sie Fans auf keinen Fall Credit für gute Vorschläge.
- Führen Sie Social Media als völlig eigenständigen Teil im Unternehmen ein und kommunizieren Sie die neuen Kanäle auf keinen Fall intern.
- Gehen Sie mit einer großen Portion Skepsis und Vorsicht an die sozial Netzwerke heran. Offenheit schadet hier definitiv.
- Probieren Sie auf keinen Fall neue Ansätze und Konzepte aus. Abwechslung braucht in den Social Media nun wirklich niemand.
- Halten Sie sich nicht auf dem Laufenden. Was heute funktioniert reicht auch in fünf Jahren noch.
- Übernehmen Sie Ihre Pressemitteilungen eins zu eins in die sozialen Netzwerke.
- Lassen Sie zwischen den einzelnen Beiträgen Lücken von mehreren Wochen.
- Posten Sie auf allen Kanälen immer die gleichen Inhalte. Das spart Arbeit.
- Lagern Sie Ihre Social Media Arbeit komplett an Freiberufler aus. Und zwar dauerhaft.
- Sorgen Sie dafür, dass die Geschäftsführung den sozialen Netzwerken skeptisch gegenüber steht.
- Veröffentlichen Sie Informationen, die nur für den internen Gebrauch bestimmt sind.
- Vergessen Sie jeglichen Anstand. Respekt und Höflichkeit sind in den sozialen Netzwerken völlig unnötig.
- Löschen Sie kritische Kommentare und lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein.
- Bügeln Sie berechtige Kritik platt ab und lassen Sie keine Argumente gelten.
- Entschuldigen Sie sich niemals – auch wenn der Fehler offensichtlich ist.
- Veröffentlichen Sie in erster Linie reine Produktinformationen, die Ihre Kunden auch auf der Firmen-Homepage nachlesen können.
- Beginnen Sie auf keinen Fall mit einem Corporate Blog.
- Nutzen Sie einfach alle verfügbaren Netzwerke, ohne Ziel und Plan. Quantität zählt.
- Werden Sie auf keinen Fall aktiver Teil der Community. Kommentieren Sie daher niemals die Beiträge anderer Unternehmen oder Fans.
- Teilen Sie keine Inhalte anderer Seiten.
- Nennen Sie Ihre Quellen in Beiträgen auf keinen Fall und verlinken Sie auch nicht darauf.
- Sehen Sie Blogger als Konkurrenz und Gefahr, die es zu bekämpfen gilt.
- Ignorieren Sie Kontaktanfragen von Bloggern oder Medien und antworten Sie gar nicht erst darauf.
- Machen Sie Ihre Social Media Auftritte nicht in Ihrem Netzwerk bekannt.
- Ignorieren Sie bei Beiträgen völlig die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kunden.
- Wiederholen Sie bestimmte Themen immer wieder – und zwar auf die gleiche Art und Weise. Redundanz ist oberstes Gebot.
- Monitoren Sie auf keinen Fall die Aktivitäten rund um Ihre Marke.
- Verlassen Sie sich bei der Themenwahl nur auf Ihr Gefühl und ziehen Sie keinesfalls Statistiken für die Planung heran.
- Löschen Sie Kommentare von Mitarbeitern konsequent.
- Machen Sie das Liken der Unternehmens-Fanpage zur Pflicht für jeden Mitarbeiter und kontrollieren Sie die Umsetzung streng.
- Schränken Sie den Zugriff auf die sozialen Netzwerke auf den Firmenrechnern ein – auch für das Social Media Team.
- Kommentieren Sie negativ bei den Beiträgen Ihrer Mitbewerber.
- Kaufen Sie Likes und Follower ein. So lässt sich die Zahl der Fans schnell erhöhen.
- Setzen nur die reinen Zahlen der Fans und Follower als Maßstab für Erfolg an.
- Achten Sie bei Beiträgen grundsätzlich nicht auf Rechtschreibung oder Grammatik.
- Reagieren Sie auf Themen immer erst Wochen nach der größten medialen Aufmerksamkeit. Das tut außer Ihnen bestimmt niemand.
- Nerven Sie Ihre Fans jeden Tag mit “Guten Morgen”-Beiträgen.
- Posten Sie niemals am Wochenende. Das machen die meisten anderen Unternehmen ja auch so.
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SM-Lady
Und weniger ist manchmal mehr. Sorry, bin aber bei 39 ausgestiegen.
Jochen Mai
Es ist ja nur ein Angebot. Keiner muss das lesen. Andere hätten sogar gerne noch mehr gelesen und haben sich für die vielen Schmunzler bedankt – bei Twitter oder G+ zum Beispiel. So ist halt: Jeder liest anders.
Michael Rajiv SHAH
Hallo Herr Müller …
jep, Sie haben ja leider so etwas von Recht. Bei dem einen oder anderen der breiten Auswahlpunkte muss wohl jeder für das eine oder andere gemachte Projekt schlucken, denke ich. Zumindest die, die ehrlich zu sich sind ;-))
Andere Frage, ich wollte den Beitrag auf XING Sharen. Leider transportiert Ihr Button weder Bilder (was ja bei Stockfotos juristisch sinnvoll sein kann) noch Artikel, sondern verlinkt die Karrrierebibel an sich. Die XING-Nutzer, die keinen Share-Button im Browser haben sind dann etwas ‘behindert’. Und XING ist ein recht guter Business-Traffic-Lieferant!
http://www.networkfinder.cc/netzwirkung/welche-shares-retweets-bringen-webtraffic/#more-5778
Vielleicht gelegentlich verbessern.
Lieben Gruß aus Wien und weiter so! ;-)
claudine
Punkt 66 ist schwierig. Support muss natürlich verfügbar sein. Aber ich nehme es Firmenaccounts eher übel, wenn sie mich Sonntags mit ihrem kommerziellen nerven. Das Wochenende ist für mich da noch sehr heilig. Ich schmeiße auch Newsletter aus meinem Account landen die Sonntags im Mailordner.
Gleichfalls bin ich oft irritiert, wenn gerade bei Twitter z. B. ein prominenter Verstorbener beklagt wird oder eine andere Tragödie, wenn mir dann ein Firmenaccount mit seinem – in dem Moment – leider sehr unwichtigen Werbetext dazwischen grätscht. Man muss schon ein Gespür für den Moment haben.
Christian Mueller
Natürlich sind Gespür und Feingefühl wichtig. Doch gerade samstags können Seiten – mit Beiträgen, die echten Mehrwert bieten und eben keine Werbung sind – zahlreiche Fans und Leser erreichen. Das darf natürlich nicht zur Masche werden, klar. Aber eine Reaktion auf aktuelle Ereignisse und Meldungen sollte auch am Wochenende möglich sein.
Cornelia
Hallo,
jeder einzelne der 66 Punkte ist gerechtfertigt und sollte wohl überlegt sein. Jedoch: 66 Punkte? Diese gewaltige Anzahl?
Ich glaube nicht, dass ich in der Lage bin, alle 66 Punkte ständig zu berücksichtigen. Auch denke ich, dass sie je nach der eigenen Situation unterschiedlich gewichtet werden müssen.
Wie auch immer. Die Anregungen sind jedenfalls erstklassig und ich will daraus etwas machen. Deshalb habe ich mir die Liste ausgedruckt, will sie durcharbeiten (wohlgemerkt: In der Praxis!) und versuchen, die Dinge in 3 bis maximal 5 Gruppen zusammenzufassen. Ich denke, dass die Sache alsdann vielleicht etwas übersichtlicher wird – weil klarer strukturiert.
Darf ich mich nochmals hier an dieser Stelle melden, sobald ich glaube, etwas im vorgenannten Sinne erreicht zu haben?
Viele Grüße
Cornelia Wilms