Aufzug-Knigge: Die wichtigsten Regeln für den Lift

Fahren Sie gerne Aufzug? Oft herrscht dort betretenes Schweigen. Alle starren entweder die Wand oder den Boden an – keiner spricht. 30-60 Sekunden lang. Dabei gibt es einfache Knigge- bzw. Benimm-Regeln für den Lift, die die Fahrt für alle angenehmer machen. Hier die wichtigsten Manieren für den Fahrstuhl…

Aufzug Knigge Fahrstuhl Regeln Lift Benehmen

Aufzug-Knigge: Gute Manieren im Fahrstuhl

Zugegeben, so etwas wie eine allgemeine Aufzug-Etikette existiert nicht. Eher gelten auch im Lift weiterhin die generellen guten Manieren und Knigge-Regeln im Business. Das bedeutet für den Aufzug-Knigge konkret:

  • Grüßen beim Einsteigen

    Wer einen Raum betritt, grüßt die Anwesenden. Das gilt genauso für die enge Kabine eines Fahrstuhls. Allerdings müssen Sie sich dort weder mit Namen vorstellen, noch jedem die Hand geben. Ein kurzes Nicken, Lächeln und „Hallo“ oder „Guten Tag“ reichen völlig.

  • Ranghöhere haben Vortritt

    Im Geschäftsleben gibt es keine Gentlemen, dort herrscht strikte Hierarchie. Zumindest wenn man die Knigge-Regeln streng auslegt. Sollten Sie also im Büro Fahrstuhl fahren, hat der oder die Ranghöchste immer den Vortritt beim Einsteigen. Wo man im Alltag selbstverständlich Älteren oder Frauen den Vortritt lässt, gilt im Berufsleben: Chef vor Mitarbeiter, Kunde vor Chef.

  • Entschuldigen fürs Rempeln

    Treffen Fremde aufeinander, sollten diese stets die sogenannten Distanzzonen beachten – also Abstand halten. Diese lassen sich aufgrund der Enge im Aufzug aber nicht immer einhalten. Die Folge: Man kommt sich näher, als man will oder manchem angenehm ist. Falls Sie sich dann berühren oder aus Versehen anrempeln, gilt: Entschuldigen Sie sich bitte umgehend. Auch hier reicht ein kurzes, aber ehrliches „Entschuldigung“ oder „Pardon“.

  • Platz machen fürs Aussteigen

    Vor allem in vollen Aufzügen steht kaum jeder in Reihenfolge des gewählten Stopps im Aufzug. Deshalb lautet eine weitere Regel: Wer vorne steht, macht den Aussteigenden Platz, gegebenenfalls auch, indem er oder sie selbst kurz den Aufzug verlässt und später wieder einsteigt.

  • Knöpfe drücken für andere

    Ein anderes Problem bei vollen Aufzügen: Hinzusteigende erreichen nicht unbedingt den Knopf für die gewünschte Etage. Oder eine Person betritt den Aufzug, die beide Hände voll mit Taschen oder Unterlagen hat. In solchen Fällen ist es eine Frage der Höflichkeit, dass derjenige, der sich direkt an den Knöpfen befindet, diese für andere drückt. Statt zur Seite zu rutschen, sollten Sie also Ihre Hilfe anbieten und fragen: „In welche Etage möchten Sie?“ bzw. „Welchen Knopf darf ich für Sie drücken?“

Anzeige

Was sind No-Gos beim Liftfahren?

Generell gilt bei allen Knigge-Regeln, seine Mitmenschen nicht zu belästigen und Rücksicht zu nehmen. Deshalb müssten – genau genommen – schon all jene die Treppe nehmen, die sich in einen derart dichten Duftnebel hüllen, dass man sie selbst nach 10 Minuten noch im Aufzug riechen kann. Dasselbe gilt für jene, die unter ihren Kopfhörern so laut Musik hören, dass man meint, es sei Fahrstuhlmusik…

Aus dem Grund sind auch folgende Verhaltensweisen im engen Aufzug absolut tabu:

  • Laut telefonieren
  • Schmatzend Kaugummi kauen
  • Mit Döner oder Duftessen einsteigen
  • Im Aufzug essen
  • In der Lichtschranke stehenbleiben

Wer sich so verhält, wird ganz schnell zur „Elevator Bitch“.

Tipps für den Smalltalk

Auch der Smalltalk im Aufzug will gelernt sein. Es ist durchaus erlaubt, während der Aufzugfahrt ein kurzes Gespräch anzufangen. Als Eisbrecher eignen sich vor allem Fragen. Im Büro-Aufzug gehören dazu etwa:

  • Woran arbeiten Sie gerade?
  • Wie läuft es in Ihrer Abteilung?
  • In welches Stockwerk möchten Sie?

Oder Sie erzählen eine kleine, amüsante Anekdote. Hauptsache, keine Horrorgeschichten oder Mutmaßungen über das Steckenbleiben im Fahrstuhl. Die sind wieder tabu!

Aufzüge und Ihre Geschichte

Aufzüge gab es schon im alten Rom. Im Kolosseum wurden mit ihrer Hilfe Gladiatoren und wilde Tiere in die Arena hoch gehievt. Einer der ersten Aufzüge in Deutschland wurde im 17. Jahrhundert von dem Mathematiker Erhard Weigel entwickelt – eine Art Flaschenzug, den er in sein Wohnhaus in Jena einbaute.

Heute gibt es in praktisch jedem Hochhaus einen Aufzug. Aber haben Sie gewusst, dass es für Aufzüge Steuerungsstandards gibt? Seit den Siebzigerjahren ist die „Zielauswahlsteuerung“ Standard: Der Fahrgast muss sich schon vor der Fahrt entscheiden, ob er rauf oder runter will. Die Software ermittelt dann, welchen Lift er bekommt, damit möglichst viele Menschen in dieselbe Richtung fahren. Das spart Zeit und Energie.

Anzeige

Selbsttest: Welcher Aufzugtyp sind Sie?

Aufzugfahren ist wie ein Ritt durch die Geisterbahn: Man weiß nie, was als Nächstes passiert. Wer steigt ein? Wer aus? Im sozialen Mikrokosmos Aufzug begegnet man allerlei bemerkenswerten Typen, die einem viel über das Betriebsklima im Allgemeinen und die Kollegen im Besonderen verraten können. Denn ob wir wollen oder nicht: Unsere Körpersprache – auch im Lift – offenbart mehr, als vielen bewusst ist!

Mit welchen Kollegen Sie so zusammenarbeiten und wie die so ticken, können Sie ganz einfach herausfinden, indem Sie ausnahmsweise nicht die Treppe nehmen, sondern mit den Kollegen Fahrstuhl fahren. Machen Sie also ruhig unseren Fahrstuhl-Test mit einer – natürlich nicht ganz ernst gemeinten – Typologie der häufigsten Aufzugbesucher:

(Anm. d. Red.: So gut wie alle Typen gibt es natürlich auch in weiblicher Form. Bevor aber ein Streit darüber ausbricht, warum ausgerechnet diese weiblich und jener männlich ist, haben wir sie einheitlich verfasst.)

Der Telefonist

Kaum geht die Aufzugtür zu, holt dieser Typ schon sein Smartphone heraus und beginnt nervös darauf einzutippen. Oft nur zum Schein. Denn in vielen Aufzügen gibt es gar kein Netzempfang. Was dieser Kollege tatsächlich nonverbal sagt, ist a) „Ich bin gerade waaaaahninnig beschäftigt.“ Und b) „Sprich mich nicht an!“ Die eigentliche Offenbarung ist: Diese Typen versuchen damit entweder das simple Bild einer vermeintlich wichtigen Person abzugeben oder einer für sie unangenehmen engen Lage zu entgehen. Oder beides.

Der Armeverschränker

Das Verschränken der Arme – auch die „Umarmung mit sich selbst“ genannt – ist weniger eine Schutzhaltung als vielmehr Ausdruck von kommunikativem Verschluss. So jemand ist mit Sicherheit nicht offen für einen netten Kurzplausch zwischen drei Etagen. Obendrein kann es sogar eine aggressive Geste sein, wenn dieser Typ so versucht harmloser auszusehen als er in Wirklichkeit ist und seine Körpersilhouette optisch verschlankt. Der beste Rat für Begegnungen dieser Art: nicht ansehen, nicht ansprechen – ignorieren.

Der Strammsteher

Der Rücken kerzengerade, die Hände fest am Körper anliegend, die Augen geradeaus, Bauch rein, Brust raus… So steht er da, der Strammsteher. Diese Körperhaltung verrät nicht nur ein großes Selbstbewusstsein, sondern auch ein starkes Kontrollbedürfnis, selbst im Aufzug. Dieser Typ ist extrem aufmerksam, nimmt alles um ihn herum im Fahrstuhl genauestens wahr – und gönnt sich selbst wenig Spielraum. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um einen ebenso loyalen wie disziplinierten Kollegen. Aber nicht unbedingt um einen geselligen.

Der Hosentaschenspieler

Steht da, tut nichts und hat beide Hände in den Hosentaschen – Frauen kramen auch gerne in ihrer Handtasche. Sieht lässig aus, soll aber vor allem die Unsicherheit und den Stress verbergen, den dieser Typ hat. Die weniger elegante Variante dieses Typs betrachtet die gesamte Fahrt über seine Schuhe, die elegantere versteckt nur eine Hand in der Tasche. Das sieht, zugegeben, etwas lässiger aus, macht die Sache aber nicht besser: Hier weiß jemand einfach nicht wohin mit sich, mit den Händen und der gefühlten Ewigkeit, bis die Aufzugtür endlich wieder aufgeht.

Der Protektor

Typisch für junge Kolleginnen, die gerne auch mal etwas luftiger gekleidet sind: Kaum steigen ein paar Kollegen dazu, die sie auffällig und wenig charmant mustern, pressen die die Aktenmappe vor die Brust und verschränken die Beine. Eine klassische Schutzhaltung, die auch bei Männern vorkommt. Nur halten die dann ihre Hände vor ihrem Genitalbereich verschränkt nach vorne oder die Akten davor. Tragischerweise erreicht die Geste das genaue Gegenteil von dem, was sie eigentlich will: Sie sexualisiert die Situation noch mehr. Obendrein degradiert sich die betreffende Person zum Opfer.

Der Nuschler

„Hmmblnnngllmhm-WowarnochmalderKnopf-fürdiedritteEtage?-Achjahier!Undwasmachichdanndort?“ – Kein Wort verstanden. Normal. Dieser Typ ist die Inkarnation des zerstreuten Professors. Entweder Sie hören von ihm nur lautes Gemurmel oder er führt Selbstgespräche von der Art: „Warum passiert das immer mir?“, „Ich darf nicht vergessen, gleich noch XY anzurufen…!“ Im Grunde ein völlig harmloser Kollege. Nett, nur vielleicht etwas nervig, wenn man mehr als zwei Stockwerke mit ihm überwinden muss.

Der Türsteher

Es gibt Kollegen, die stellen sich wie selbstverständlich in die Mitte des Aufzugs und am besten noch direkt vor die Tür – egal, wie voll oder leer der Lift ist. Ein Paradebeispiel für Territorialverhalten. Hier bewacht jemand seine Höhle und schirmt sie gegenüber Eindringlingen beim nächsten Halt ab. Obendrein macht er den anderen Mitreisenden klar: „Ich bin hier der Chef – keiner steigt ein oder aus ohne, dass ich das will. Und schon gar nicht vor mir!“ Tja, wenigstens im Aufzug kann dieser Typ den Takt vorgeben. Arme Wurst.

Der Drängler

Noch so ein Alpha-Tier. Mit dem Körper schirmt er die Fahrstuhlknöpfe ab, mit den Schultern hält er derweil die Kollegen auf Distanz. Letztlich auch nur, damit er zuerst aussteigen kann. Vordergründig handelt es sich hierbei um eine Bläh-Geste: Hier plustert sich einer sichtbar auf, indem er die Knappheit seiner Zeit und seine dringend erwartete Anwesenheit suggeriert. Auch ihn sollte man beherzt ignorieren. Treffen aber dieser Typ und der „Türsteher“ zusammen, ist Krieg im Schacht: Der Drängler wird sich wortlos vorbeischieben – koste es was es wolle; der Türsteher indes versuchen, ihm die Flucht so schwer wie möglich zu machen. Immerhin: Für das famose Eitelkeits-Schauspiel müssen Sie nicht mal Eintritt zahlen.

Der Wandlehner

Man sollte denken, wer sich im Aufzug gegen die Wand lehnt, ist vor allem das: müde, ermattet, erschöpft. Denkste! In Wahrheit stellt diese entspannte Geste eine deutliche Machtdemonstration dar. Hier ist jemand, der es sich leisten kann, sowohl auf das aufdringliche Getöse eines Türstehers oder Dränglers zu verzichten sowie gegebenenfalls zu spät zu kommen. Denn er weiß: Ohne ihn läuft in dem Laden nichts. Seinen Machtanspruch muss dieser Typ nicht demonstrieren – er hat Macht und weiß das auch. Und kann deshalb ganz lässig in der Ecke lehnen und den anderen bei ihrem Theater zuschauen. Den sollten Sie ansprechen und genauer kennenlernen!

Anzeige

Treppe statt Aufzug

Wie oft haben Sie das schon gehört: „Nehmen Sie öfter die Treppe statt des Aufzugs!“ Irgendwie abgedroschen. Glaubt man jedoch einer Studie um Paul Loprinzi von der Oregon State Universität, wirken diese wenigen Minuten Bürosport am Tag genauso förderlich auf die Gesundheit wie die Zeit im Fitnessstudio. Ganze 43 Prozent der Probanden zeigten bei den Medizintests hinterher dieselben positiven Merkmale wie die Teilnehmer der Kontrollgruppe, die sich täglich ein 30-minütiges Workout im Fitnessstudio gaben.

Oder anders gesagt: Es ist nur ein kleiner Treppen-Schritt für Sie, aber ein großer für Ihre Gesundheit!


Was andere dazu gelesen haben