Nicht umsonst heißen Vorstellungsgespräche auch Jobinterviews. Gewiss, in erster Linie geht es dabei darum, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Der Personaler will heraus finden, ob sein (schriftlicher) Eindruck stimmt; der Bewerber kann und sollte prüfen, ob die Stelle und die Unternehmenskultur zu ihm passen. Damit aus der Vorstellung ein echtes Gespräch und kein Vorstellungsverhör wird, kommt es also darauf an, dass sich beide gut vorbereiten, sich gegenseitig zuhören – und dass auch der Bewerber ein paar Rückfragen stellt. Sie geben Personalern nicht nur Aufschluss über die Motivation und den Anspruch eines Kandidaten, sondern auch darauf, wie intensiv der sich mit dem Job, dem Unternehmen und der jeweiligen Branche auseinander gesetzt hat.
Täuschen Sie sich nicht: Es gibt dabei auch dumme Fragen! Dämlich wäre zum Beispiel Fragen zu stellen, die man mit einem Klick auf der Unternehmens-Webseite leicht beantworten kann. Genauso fatal: Fragen, die der Interviewer sowieso nur auf eine Art beantworten kann, also etwa: Ist das Betriebsklima gut? Ist mein künftiger Chef nett? Habe ich gute Aufstiegschancen? … Nein, haben Sie nicht! Wer solche Fragen stellt, ist offensichtlich naiv, unvorbereitet und katapultiert sich subito ins Aus.
Diese Fragen sollten Sie nicht stellen…
Unklug sind aber auch Fragen zu Arbeits- oder Urlaubszeiten, zu Zusatzleistungen, Vergünstigungen oder baldigen Gehaltserhöhungen. Das stellt Ihre Motivation gewaltig in Frage. Ebenso wenig sollten Sie Unsicherheit durchblicken lassen. Fragen Sie also bitte nicht, ob Sie einen guten Eindruck hinterlassen haben oder wie Ihre Chancen stehen. Die Grundhaltung muss sein: Das Unternehmen hat hier gerade eine Superchance, Sie einzustellen. Auch wenn Sie das bitte nie verbalisieren oder den Fehler begehen, in Arroganz zu verfallen! Es ist nur eine Grundhaltung um Ihr Selbstbewusstsein zu festigen.
Deutlich besser wirkt, wer sich während des Vorstellungsgesprächs Notizen macht und anschließend Detailfragen zu seinem künftigen Einsatzgebiet stellt: Wie groß ist das Team? Welche Erwartungen hat man von mir in den kommenden zwei Jahren? Wo liegen die speziellen Herausfordungen der Position? Wo werde ich überall eingesetzt? An wen muss ich berichten? Wer berichtet mir? Ist noch Zeit, sich den Arbeitsplatz vielleicht gerade noch anzusehen? Haben Sie keinerlei Skrupel nachzubohren, falls der Personaler an einigen Stellen ungenau geblieben ist. Chuzpe ist nie verkehrt, übertreiben Sie es aber auch nicht. Heißt: Drehen Sie den Spieß nicht einfach herum und stellen Sie dem Personaler dieselben Fragen mit vertauschten Rollen (“Warum sollte ich mich denn für Ihr Unternehmen entscheiden?”). Einzig erlaubt: der Wechsel auf die persönliche Ebene (“Warum haben Sie sich damals für dieses Unternehmen entschieden?”).
Das allerdings ist die Kür, voran steht noch das Pflichtprogramm der typischen Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch fallen können. Die folgende Auswahl listet ganze 100 davon auf, die so natürlich nie auf einmal gestellt werden und die Sie auch nicht akribisch samt dazugehöriger Antwort auswendiglernen sollten. Das wäre Unfug (Deshalb gibt es dazu auch keine Antworten: Personaler erkennen Standardantworten sofort und hassen sie). Sich darauf vorbereiten und zumindest darüber nachdenken, was Sie darauf antworten könnten, sollten Sie aber trotzdem. Denn viele der Fragen liefern zugleich gute Denkanstöße – nicht nur, um sich gedanklich auf das Interview einzustimmen, sondern auch um im Vorfeld zu prüfen, warum Sie den Job überhaupt antreten wollen.
100 typische Fragen im Vorstellungsgespräch
- Erzählen Sie etwas über sich.
- Warum sollten wir Sie einstellen?
- Was können Sie für uns tun, was andere nicht können?
- Warum möchten Sie diesen Job?
- Warum kommen Sie zu spät? (pure Provokation)
- Welche Ziel verfolgen Sie mit diesem neuen Job?
- Warum haben Sie noch keine neue Stelle gefunden?
- Warum wollen Sie Ihren bisherigen Job aufgeben?
- Was haben Sie an Ihrem vergangenen Job überhaupt nicht gemocht?
- Was werden Sie an Ihrem jetzigen/letzten Job am meisten vermissen?
- Was denken Sie über Ihren letzten Chef?
- Was wissen Sie über unser Unternehmen?
- Was wissen Sie über unsere Branche?
- Was haben Sie vorher verdient?
- Welches Gehalt stellen Sie sich vor?
- Wenn ich Ihnen Ihr Gehalt zahle, dass Sie fordern, dafür aber von Ihnen verlange, Ihre Stellenbeschreibung für das kommende Jahr zu schreiben – was stünde darin?
- Wie lange würde es dauern, bis Sie bei uns einen signifikanten Beitrag leisten?
- Wären Sie bereit, umzuziehen?
- Haben Sie auch Fragen an mich?
- Wenn Sie jemanden für diese Stelle interviewen müssten, auf was würden Sie achten?
- Was sind Ihre Stärken?
- Nennen Sie bitte drei positive Dinge, die Ihr ehemaliger Chef über Sie sagen würde.
- Und was würde er negatives über Sie sagen?
- Was sind Ihre Schwächen?
- Geben Sie mir ein paar Beispiele von Ideen, die Sie umgesetzt haben.
- Was ist Ihr größter Fehler – und was haben Sie daraus gelernt?
- Wenn ich Ihren ehemaligen Vorgesetzten fragen würde, welche Weiterbildung für Sie noch wichtig wäre – was würde er antworten?
- Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?
- Wovor haben Sie am meisten Angst?
- Nennen Sie mir jeweils ein Beispiel, wann Sie überdurchschnittliches und unterdurchschnittliches geleistet haben.
- Können Sie beschreiben, wie das war, als Sie für Ihre Arbeit kritisiert wurden?
- Was irritiert Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
- Sagen Sie mir etwas über Sie, das ich Ihrer Meinung nach unbedingt wissen sollte.
- Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?
- Wohin möchten Sie sich in Ihrer Karriere entwickeln?
- Was ist Ihr größter Erfolg, den Sie außerhalb Ihres Berufs erreicht haben?
- Was sind Ihre großen Lebensträume?
- Wie motivieren Sie sich?
- Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil beschreiben?
- Was war das letzte Projekt, an dem Sie gearbeitet haben und was war das Ergebnis?
- Welche Techniken oder Werkzeuge nutzen Sie, um sich selbst zu organisieren?
- Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie Ihre Tagesaufgaben unmöglich alle schaffen können?
- Wie stellen Sie möglichst schnell Ihre Vertrauenswürdigkeit in Ihrem neuen Team unter Beweis?
- Wie fühlen Sie sich, wenn Sie ein “Nein” als Antwort erhalten?
- Erzählen Sie mir davon, wie Sie einen Kollegen kritisieren mussten. Wie haben Sie das gemacht?
- Haben Sie jemals in einem Team gearbeitet, in dem einer oder mehrere sich auf der Arbeit anderer ausgeruht haben. Wie sind Sie damit umgegangen?
- Wie gehen Sie mit Veränderungen um?
- Welche Aufgabe war für Sie zu schwer und wie haben Sie das Problem gelöst?
- Was werden Sie in den ersten 30 Tagen dieses Jobs unternehmen?
- Für was waren Sie in Ihrem alten Job verantwortlich?
- Was hat Sie an diesem Unternehmen interessiert?
- Wie sieht das ideale Unternehmen für Sie aus?
- Was wäre für Sie eine ideale Arbeitssituation?
- Wann waren Sie in Ihrem Job am meisten zufrieden?
- Welche Kultur reizt Sie mehr – stukturiert oder unternehmerisch?
- Was trifft mehr auf Sie zu: Sie sind Detail orientiert – Sie sind visionär?
- Was ist besser: Sollte ein Chef geliebt oder gefürchtet werden?
- Was sind die zentralen Eigenschaften einer guten Führungskraft?
- Und einer schlechten?
- Was ist der Unterschied zwischen gut und außergewöhnlich?
- Welche Konflikte haben Sie in Ihren bisherigen Jobs schon erlebt?
- Wenn ich Ihr Chef wäre und würde etwas von Ihnen verlangen, von dem Sie nicht überzeugt sind – was würden Sie tun?
- Nennen Sie fünf Begriffe, die Ihren Charakter beschreiben.
- Welche drei Charaktereigenschaften würden Ihre Freunde Ihnen nachsagen, um Sie zu beschreiben?
- Worauf sind Sie besonders stolz?
- Was war die wichtigste Lektion, die Sie in der Schule gelernt haben?
- Was war die wichtigste Lektion Ihres Studiums?
- Wer hat Sie in Ihrem Leben entscheidend geprägt? Wie?
- Gab es einen Menschen in Ihrer Laufbahn, der Sie verändert hat?
- Welcher Manager ist für Sie ein Vorbild und warum?
- Mit welchen Persönlichkeiten kommen Sie am besten zurecht und warum?
- Was war die schwerste Entscheidung, die Sie in den vergangenen zwei Jahren treffen mussten?
- Wann haben Sie etwas falsch gemacht. Wie sind Sie damit zurecht gekommen?
- Was bedauern Sie am meisten? Warum?
- Mittagessen: Sie ordern ein Steak, englisch. Der Kellner bringt es durchgebraten. Was tun Sie?
- Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie für jemanden arbeiten müssten, der weniger weiß als Sie?
- Angenommen Sie finden heraus, dass Ihr Arbeitgeber etwas Verbotenes tut – wie gehen Sie damit um?
- Was für ein Auto fahren Sie?
- Wir haben ein Video im Netz gefunden, dass Sie bei einem Hallenturnier zeigt. Dabei foulen Sie einen Mitspieler, was der Schiedsrichter jedoch nicht mitbekommen hat. Würden Sie sich auch heute über Regeln hinwegsetzen, wenn es Ihnen nutzt?
- Auf Twitter schreiben Sie häufig, dass Sie gerade keine Lust haben zu arbeiten. Sind Sie jemand, der stark motiviert werden muss?
- Sie schreiben in Ihrer Bewerbung, dass Sie gute Kontakte in Ihrer Branche besitzen. In Xing sind Sie aber mit den einschlägigen Leuten und auch mit vielen Ihrer Kollegen gar nicht vernetzt. Wie erklären Sie sich das?
- Auf StudiVZ gehören Sie einer Gruppe von Frauen an, die sich dazu bekennt, meistens keine Unterwäsche zu tragen. Glauben Sie das könnte den Betriebsfrieden stören, falls das unsere Kunden erfahren?
- Haben Sie schon mal einen persönlich beleidigenden Kommentar in einem Blog gepostet? Wir hatten da neulich etwas gefunden bei… Wie hieß das Blog doch gleich…?
- Bei unseren Recherchen haben wir festgestellt, dass Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber während der Arbeitszeit viel online waren und auf anderen Webseiten Kommentare gepostet haben. War das in Ihrem bisherigen Job erlaubt oder waren Sie dort nicht ausgelastet?
- In Ihrem Lebenslauf steht, dass Sie sich zwischen März und Juli weitergebildet haben. In Ihrem Facebook-Profil findet man aus dieser Zeit aber fast ausschließlich Strandfotos aus Thailand. Worin genau bestand die Weiterbildung?
- In Ihrem Blog beschreiben Sie, dass Sie es hassen mit Kollegen zusammen zu arbeiten, die nicht einmal Ihre Muttersprache richtig sprechen. Wie schätzen Sie Ihre interkulturelle Kompetenz ein?
- Im Profil eines Ihrer besten Freunde auf StudiVZ ist ein Foto von Ihnen verlinkt, dass Sie in ziemlich desolatem Zustand auf einer Party zeigt. In den Profilen Ihrer anderen Freunde haben wir ähnliche Bilder gesehen. Könnte das die Note 3 in Ihrem Bachelor-Abschluss erklären?
- Auf Myspace besteht Ihr Freundeskreis fast ausschließlich aus Pornodarstellerinnen. Kennen Sie die eventuell aus einem früheren Job?
- Wozu ist der Filz auf einem Tennisball?
- Wie oft am Tag überlappen sich die Zeiger einer Uhr?
- Wie würden Sie ein Flugzeug vermessen – ohne Maßstab?
- Wenn Sie ein Superheld sein könnten, welche Superkraft würden Sie wählen?
- Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?
- Wenn Sie wählen können, jetzt an irgendeinem Ort dieser Erde zu sein, wo wären Sie?
- Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
- Was würden Sie tun, wenn Sie im Lotto gewinnen?
- Verkaufen Sie mir diesen Bleistift!
- Nennen Sie mir 10 Dinge, wozu man einen Stift noch benutzen kann!
- Was machen Sie, wenn Sie Spass haben wollen?
- Wie mache ich mich in Ihren Augen als Interviewer?
Gern genutzte Gesprächsöffner
Fragen zur Bewerbungsmotivation
Persönlichkeit / Stärken-Schwächen-Profil
Fragen zur Arbeitsweise
Kulturfragen / Fitting
Charakterfragen / Wertetest
Fangfragen zum Web 2.0 (beispielhaft)
Spontanitäts- und Stressfragen
Die letzte Frage ist natürlich besonders perfide. Denn hier geht es in der Regel nicht um ein Feedback – oder zumindest nur vordergründig. Vielmehr ist es eine Art Rückgrat-Test oder Selbstbewusstseinsfrage. Denn wer jetzt sofort undiffereniert loslobt, outet sich als potenzieller Schleimer, der womöglich alles für diesen Job tun würde. Der beste Ausweg aus einer solch fiesen Fangfrage ist übrigens, diese nicht zu beantworten, sondern der Wechsel in die Metaebene: “Das klingt für mich wie eine Fangfrage. Ich würde mich mit Ihnen lieber noch über den Job unterhalten…”
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
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Smalltalk-Tipps:



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Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Andy Hausmann
Hallo und vielen Dank für den vorbereitenden und sehr informativen Beitrag.
Ich muss gestehen, dass ich bisher keine der gezeigten Fragen gestellt bekam.
Bisher verlief jedes Gespräch (3 hatte ich bisher in der Medienbranche) sehr rund und sachlich. Nach einer Vorstellung beider Seiten gab es eigentlich ausschließlich nur noch fachliche Fragen, die aber lediglich auf meine Fähigkeiten abzielten und ansonsten hat man über den Arbeitsalltag in der Firma gesprochen und die Gehaltsvorstellungen angeschnitten ;-)
Die sollte man übrigens nicht in die E-Mail schreiben, es sei denn, man möchte gerne schnell aussortiert werden können. Das ist jedenfalls so mein persönlicher Tipp.
Dennoch ist eine Vorbereitung angebracht, aber macht euch nicht wild bzgl. Bewerbung und Vorstellung und seid ihr selbst.
Stefan
schon wieder “danke” für die Fragen.
Ich bin gespannt ob Sie beim Telefoninterview am Do. vorkommen.
Martin Pauer
Exzellenter Beitrag, der sowohl informativ und unterhaltsam ist. Besten Dank dafür!
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Peter
Warum stellen Personaler Standardfragen, wenn sie Standard-Antworten so hassen? Wer qualitativ minderwertig fragt, bekommt in einem wirklich ausgeglichenen Gespräch, das auf gleicher Augenhöhe stattfindet, auch eine qualitativ minderwertige Antwort.
Die Antwort auf diese Frage ist wohl, dass ein Vorstellungsgesräch per Definition niemals ein ausgeglichenes, neutrales Gespräch auf gleicher Augenhöhe mit vollständiger Authentizität beider Gesprächspartner sein kann.
Für mich in der Rolle des Stellensuchenden wären Personaler keine Zielgruppe. Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Wenn ich in der Personalabteilung anfangen möchte. Vorstellungsgespräche sind für mich entsprechend wenig erstrebenswert. Vorstellungsgespräche sind dann ok, wenn man schon eingestellt ist, also wenn sie nur noch der Form halber durchgeführt werden. Warum Vorstellungsgesprächen immer wieder diese übertrieben hohe Bedeutung zugemessen wird, will mir einfach nicht in den Kopf.
Und wer erst im Vorstellungsgespräch versucht, herauszufinden, ob der die Stelle überhaupt antreten würde, der hat seine Hausaufgaben eigentlich nicht gemacht.
Vorstellungsgespräche sind so etwas wie künstlich erzeugte Laborsituationen, in denen die Rollen verteilt sind und in denen sich sowohl der Personaler als auch der Bewerber den Regeln des Vorstellungsgesprächs zu unterwerfen haben.
Ich habe das in der Vergangenheit immer so gemacht, dass ich zuerst dafür gesorgt habe, dass mich der Entscheider haben möchte und ich dann ins Vorstellungsgespräch mit dem Personaler gegangen bin. Das ist dann meistens so gelaufen, dass er mit seinen typischen Personalerfragen angefangen hat, ich ihn daraufhin fragte, ob es wirklich so sinnvoll sei, jetzt mit stereotypen Fragen anzufangen, auf die ich selbstverständlich stereotype Antworten geben kann, die ich aus stereotypen Bewerbungshandbüchern auswendig gelernt habe. Wenn das nichts half und es trotzdem mit diesen stereotypen Fragen losging, habe ich eben gesagt: “Also, ich habe mich selbstverständlich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet und die einschlägigen Bewerbungsratgeber gelesen. Hesse/Schrader empfehlen als Antwort auf diese Frage … … …”. Damit war dieser Teil des Gesprächs dann doch meist schnell beendet, man ging direkt zur Vertrags- und Gehaltsverhandlung über und ich wurde eingestellt.
Warum sich erst über eine Bewerbung auf seinen schriftlichen Eindruck konzentrieren, obwohl bei der Schriftform ungefähr 90% der wirklich für die spätere Zusammenarbeit relevanten Information einfach abgeschnitten wird? Und das auch noch für die falsche Zielperson – den Personaler, der nichts zu entscheiden hat? Und mich nebenbei dabei auch noch freiwillig mit einem Haufen Konkurrenz herumschlagen? Nur weil das Konvention ist? Das wäre für mich ein recht wenig effizienter Ressourceneinsatz.
Ich mache mir bei der Stellensuche lieber Gedanken darüber, wer der Entscheider ist, was sein Umfeld ist, das eventuell seine Entscheidung über eine Einstellung in entscheidendem Maße beeinflussen kann und was die wichtigsten entscheidungsauslösenden Punkte sind, die ich triggern muss. Wenn ich herausgefunden habe, wo die strategischen Angriffspunkte bei diesem Entscheider und seinem Team sind, d.h. welche Probleme im Arbeitsalltag bestehen, was die wichtigsten Gewinntreiber sind, wohin sich das Tätigkeitsfeld entwickelt bzw. entwickeln sollte, wie die Konkurrenzsituation aussieht usw. usw. usw., erst dann suche ich das persönliche Gespräch mit ihm und mache ihm ein attraktives, ganz konkretes Angebot über meine Mitarbeit. Selbstverständlich nicht ohne auch zu Entscheidern aus einem ähnlichen Tätigkeitsfeld in anderen Unternehmen zu gehen und ihnen das gleiche Angebot vorzulegen und sie es jeweils auch wissen zu lassen.
Das setzt zwar eine etwas sorgfältigere Planung, Vorbereitung und Recherche voraus als die Standard-Bewerbung, die man mal eben so im Briefkasten versenkt. Man braucht dafür aber bei der Stellensuche nur einen einzigen Anlauf und nicht 500 wie bei so manchem Bewerber. Und der Aufwand lohnt sich, denn das, was dabei rumkommt ist dann kein Zufallstreffer wie bei so mancher Bewerbung.
Also bei diesem ganzen Bewerbungs- und Vorstellungsgesrpächszirkus habe ich manchmal den Eindruck, als wäre er inzwischen schon zu einer Art Religion mutiert.
Jochen Mai
@Andy: Die Medienbranche funktioniert sowieso ganz anders… :)
@Peter: Danke für den sehr ausführlichen Kommentar. Wobei ich der Generalkritik in einem Punkt widersprechen möchte: Du kritisierst Standardfragen, ignorierst meines Erachtens aber, dass es so was wie OFFENE FRAGEN gibt. Zu diesen gehört auch die von mir inzwischen in rund 50 Video-Interviews gestellte Frage: Was bedeutet für dich Erfolg? Dazu gehören aber auch Fragen wie “Warum wollen Sie diesen Job?” oder “Warum sollten wir Sie einstellen?” Natürlich ist die Frage immer gleich und klingt wie aus der Stanzmaschine – aber sie ist so offen, dass dabei unendlich viele Antworten herauskommen. Und das ist auch gut so. Denn so entsteht Vergleichbarkeit: Wer antwort auf dieselbe Frage besser, hat sich besser vorbereitet, hat sich mehr Gedanken gemacht? Ich persönlich fände einen Bewerber, der diesen Fakt ignoriert und mir erst einmal zeigen will wie schlau er und wie doof der Fragensteller ist unglaublich arrogant.
Der Schachzug zunächst den Chef zu überzeugen, ist natürlich klug – gelingt aber auch nicht immer.
Peter
@Jochen: Klar, die offenen Fragen sind schon was anderes und haben eine ganz andere Qualität. Wenn man über die o.g. Strategie sich eben nicht bewirbt, sondern Mitarbeitsangebote vorlegt, so stellen sich diese Fragen gar nicht mehr, weil sie schon im Mitarbeitsangebot ausführlich beantwortet sind.
Und der Einstellungsentscheider ist nicht notwendigerweise der Chef. Das können auch die Mitarbeiter oder Kollegen oder die Sekretärin des Chefs sein, der genau diese Personen zuerst nach ihrer Meinung zum Kandidaten befragt (ist ja auch ganz natürlich und menschlich) und dann erst – formell – über die Einstellung entscheidet.
Ich hatte meine Chefs nach einiger Zeit einfach mal gefragt, warum sie mich eigentlich eingestellt haben und es war fast immer so, dass sie zuerst mit Kollegen, denen ich vor dem Mitarbeitsangebot schon persönlich begegnet war, sprachen und sich deren Meinung einholten. Bei den der Form halber nachgeschalteten Vorstellungsgesprächen war es dann meistens so, dass bereits Vorgespräche zwischen dem Entscheider und dem Personalchef stattgefunden hatten und dass daraufhin die Standardfragen einfach ausgespart wurden.
Hauptthema des Gesprächs war dann lediglich die ungewöhnliche, aber sehr effektive Vorgehensweise bei der Suche, die insgesamt immer sehr gut und keineswegs arrogant oder doof ankam. Nebenthemen waren dann irgendwelche Sachen aus meinem Lebenslauf, die dann aber für die Einstellungsentscheidung keine Rolle mehr spielten, weil diese Entscheidung schon gefallen war. Einen Fall hatte ich, da wurde die Stelle sogar trotz Umstrukturierung und Einstellungsstopp geschaffen. Ich bezweifle stark, dass so etwas mit einer Standard-Bewerbung möglich ist.
birgit permantier
Wie gefährlich die Web 2.0. Kommunikation nicht nur für Bewerber, sondern auch für Angestellte sein kann, zeigt dieser spannenden und brandaktuelle Spiegelartikel:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,621185,00.html
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ThomasSchmidtMuc
Danke, das hilft :-) Allerdings iest auch eine gewisse Gelassenheit unerlässlich: Man sollte dem Interviewer gute Absichten unterstellen, schließlich hat er einen ja aus guten Gründen eingeladen! Vorbereiten ja, aber nicht auf einen Kampf sondern auf eine wohlwollende beiderseitige Prüfung, ob der erste gute Eindruck bestätigt wird oder nicht.
Hannes
Peter, nur mal spekulativ:
Du bist neu in einer Stadt und hast null Kontakte und bist ein Niemand.
Keiner, der dich weiterempfehlen oder über dich reden könnte. Keine “Connections”.
Wie willst du jetzt an den “Entscheider” rankommen und vor allem, woran erkennst du, wer der Entscheider ist? Und wie kommst du ins Gespräch mit einer derart wichtigen Person?
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Totti
Also Bewerbungstips hin oder her. Was ich gemerkt habe bei meinen Bewerbungsgesprächen und bis dato zum Erfolg geführt hat war, dass ich einfach ich selbst geblieben bin. Sich vorher darüber Gedanken zu machen, wie das Gespräch laufen könnte bzw. wie ich auf welche Fragen antworte hat mir nie etwas gebracht bzw. nur Nervosität bei mir erzeugt. Vielmehr habe ich meine gute Erziehung gezeigt die ich zuhause genossen habe und entsprechende Kleidung mit Körperpflege kombiniert. Zudem war ich offen, ehrlichund interessiert. Meistens kam dann der Rest von selber. Und wenn dann noch die Chemie zwischen mir und dem Chef gestimmt hat, hat es sogar viel Spass gemacht!
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Klaus-Peter
Das Wichtigste ist wirklich die Ruhe zu bewahren und versuchen sich so darzustellen wie man ist. Je natürlicher man wirkt, um so weniger fallen möglicher Weise die Fettnäpfchen auf, in die man ungewollt tritt und die keiner hören will.
Es hängt natürlich schwer von dem Job ab, aber beim ersten Treffen geht es meist um das Abhaken der Basics und eben um den ersten Eindruck.
Moritz
Danke für die Fragen. Haben sie meiner Freundin gegeben, für ihr Bewerbungsgespräch und hat ihr ziemlich geholfen und auch ein wenig die Nervosität genommen.
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Chris
Hey, vielen dank für den Fragenkatalog! Da ich durch die Fragen hier schon sämtliche Antworten parat hatte konnte ich entspannter in die letzten 2 Vorstellungsgespräche gehen. Einige Fragen wurden mir fast identisch gestellt, manche leicht abgewandelt aber da passten die vorbereiteten Antworten auch und wenn man dann noch ein wenig kreativ ist, steht dem Gespräch nichts mehr im Wege! Danke für diese Seite!
Daniel
Vielen Dank für die ausgezeichneten Fragen. Dank der Vorbereitung darauf ist es mir gelungen meinen absoluten Traumjob zu bekommen :-)!. Nochmal herzlichen Dank und alles Gute für die anderen Bewerber.
Gruß
Daniel
Jochen Mai
@Daniel, Moritz, Chris: Gern geschehen.
rainwebs
Interessante Liste. Allerdings scheinen mir einige der Fragen das Persönlichkeitsrecht zu verletzen. Die Fangfragen-Thematik wird ja gerade in diesem Zusammenhang stärker in der Politik diskutiert. Für mich wären solche Fragen ein entscheidender Hinweis, daß es nicht paßt ;-).
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