Pressmaster/shutterstock.comSie arbeiten bereits zwanzig, dreißig Jahre in Ihrem Beruf. Damit bringen Sie einen reichen Schatz an Lebens- und Arbeitserfahrung mit. Doch in der Arbeitswelt richten sich die Hierarchien nicht immer nach dem Alter. Immer häufiger übernehmen junge Fachkräfte leitende Funktionen und finden sich in der Position, Mitarbeiter zu führen, die ihre Eltern sein könnten. Oftmals haben Junior Chefs ihre eigenen Vorstellungen davon, wie das Unternehmen geleitet werden sollte. Sie haben einen Führungsstil, der für Sie als langjähriger Mitarbeiter ungewohnt ist. Dieses Machtverhältnis birgt jede Menge Konfliktpotenzial. Weder für den Chef noch für die Mitarbeiter ist das eine leichte Situation. Wie Sie ein gutes Verhältnis zu einem Chef aufbauen, der jünger ist als Sie...

Wenn zwei Arbeitswelten aufeinanderprallen

Junior Chefs brillieren mit fachlichem Know-how. In der Theorie macht ihnen keiner etwas vor, denn ihr Wissen ist auf dem neusten Stand. Sie sind jung, dynamisch und stecken voller Ideen und Visionen. Oftmals haben sie sich während Ihres Studiums für Führungspositionen qualifiziert und übernehmen bereits am Anfang ihrer Karriere die Verantwortung für ein Team. Das hat Einfluss auf ihren Führungsstil, der meist lockerer ist. Beispielsweise bevorzugen Sie es ihre Mitarbeiter zu duzen oder halten lieber informelle Meetings.

Doch für etablierte Mitarbeiter, die zum ersten Mal mit einem jüngeren Chef zusammenarbeiten müssen, ist die neue Situation gewöhnungsbedürftig. Zu Anfang fühlt es sich für viele komisch an. "Von diesem Jungspund lasse ich mir doch nicht meinen Job erklären" - mit dieser Einstellung begegnen diese dem neuen Chef. Sie sind skeptisch, was den neuen Führungsstil angeht und zweifeln vielleicht sogar an der Kompetenz des jungen Chefs. Damit begegnen sie ihrem jüngeren Chef mit Ablehnung und wehren sich dagegen, altbewährte Arbeitsprozesse zu ändern.

Prallen diese unterschiedlichen Verständnisse von Arbeit aufeinander, führt das zu Konflikten. Der Junior Chef steckt in einem Dilemma, denn die Führungsetage setzt große Stücke auf ihn und erwartet gute Ergebnisse. Auf der einen Seite muss er sich also beweisen, hat jedoch damit zu kämpfen, dass ihm seine Mitarbeiter Steine in den Weg legen, statt ihn zu unterstützen.

Wie Junior Chefs in dieser Situation reagieren:

  • Sie wollen sich unter allen Umständen Respekt verschaffen und ihr Führungsstil wird autoritärer.
  • Sie werden unnahbar und bauen Distanz zu ihrem Team auf.
  • Sie werden übereifrig und versuchen das Team nach ihren Vorstellungen umzukrempeln.

Doch das führt nur dazu, dass sich die Fronten verhärten und ein Bürokrieg ausbricht.

Wie Sie als Junior Chef erfahrene Mitarbeiter auf Ihre Seite bringen

Konstantin Chagin/shutterstock.comWeder das Studium noch die ersten Jahre Berufserfahrung haben Sie auf diese Aufgabe und die neue Situation vorbereitet. Vielleicht überrascht es Sie auch, dass Sie auf so viel Gegenwehr stoßen. Jetzt geht es darum, Ihre Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Hier ein paar Anregungen:

  • Machen Sie sich Ihre Stärken und Kompetenzen bewusst. Diese haben dazu geführt, dass Sie die Ihnen übertragene Führungsposition überhaupt erst erhalten haben. Man traut Ihnen also diesen Job zu. Das sollten Sie auch selbst. Mit Ihren fachlichen Stärken haben Sie dem Team eine ganze Menge zu bieten und können sie davon überzeugen, dass Sie wissen, wovon Sie sprechen.
  • Seien Sie nicht zu stolz um Rat zu fragen. Um sich zu beweisen, versuchen viele den unfehlbaren Chef zu spielen. Doch genau dieses Auftreten führt dazu, dass die Mitarbeiter Sie für arrogant und unbelehrbar halten. Es wird Ihnen eher Respekt einbringen, wenn Sie auch zugeben können, etwas nicht zu wissen und um Rat und Unterstützung bitten.
  • Zeigen Sie Wertschätzung für die Berufserfahrung Ihrer Mitarbeiter. Das ist eines der größten Probleme in der Beziehung zwischen jungen Chefs und etablierten Mitarbeitern. Die "alten Hasen" haben das Gefühl, dass Ihre Berufserfahrung nicht adäquat honoriert wird. Sie fühlen sich übergangen. Auch empfinden sie es als Affront, wenn der Chef ihnen sagt, wie sie ihren Job machen sollen. Nutzen Sie den enormen Erfahrungsschatz Ihrer Mitarbeiter und bringen Sie ihnen Vertrauen entgegen.
  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in Änderungen mit ein. Macht man etwas über Jahre, sogar Jahrzehnte auf eine bestimmte Art und Weise, fällt es schwer sich umzustellen. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Zeit, sich Stück für Stück an Veränderungen zu gewöhnen und versuchen Sie nicht von heute auf morgen das gesamte Team und seine Arbeitsweise umzukrempeln. Auch sollten Sie Veränderungen nicht über die Köpfe Ihrer Mitarbeiter durchsetzen, sondern sie an dem Prozess teilhaben lassen. Dann fällt es auch leichter die Veränderungen zu akzeptieren.
  • Nehmen Sie Feedback an. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter auch Einwände und Bedenken äußern. Diskutieren Sie diese im Team. Nehmen Sie Kritik und Ablehnung, die Ihnen entgegenschlägt, nicht persönlich. Das verleitet nur zu emotionalen Reaktionen, die Konflikte eskalieren lassen.

Wie Sie als erfahrener Mitarbeiter mit einem jüngerer Chef zurecht kommen

Zudy and Kysa/shutterstock.com"Der ist doch viel zu jung für diesen Job" - mögen Sie vielleicht denken. Wahrscheinlich fühlt es sich auch komisch und sogar etwas unangenehm an, dass Ihr neuer Chef auch Ihr Sohn sein könnte. Der Altersunterschied macht es Ihnen wahrscheinlich schwer, Anweisungen von ihm entgegenzunehmen. Doch diese Haltung führt zu Problemen, denn Sie geben Ihrem neuen Chef von Anfang an keine Chance Sie zu überzeugen. Was helfen könnte Ihr Verhältnis zu entspannen:

  • Erkennen Sie die Kompetenz Ihres jüngeren Chefs an. Auch wenn der jüngere Chef nicht über so viel Erfahrung verfügt wie Sie, gibt es einen Grund dafür, dass ihm diese Führungsposition übertragen wurde. Bei genauerer Betrachtung stellen Sie vielleicht fest, dass der "Jungspund" ganz schön viel auf dem Kasten hat. Sind Ihnen diese Kompetenzen bewusst geworden, wird es Ihnen auch leichter fallen, seine Position zu akzeptieren.
  • Treten Sie Ihrem neuen Chef aufgeschlossen gegenüber. Begegnen Sie ihm von Anfang an mit Ablehnung, verhindern Sie, dass eine fruchtbare Arbeitsbeziehung entsteht. Ihr Chef wird Ihnen nicht vertrauen können, weil er fürchtet, dass Sie ihm bei der nächst besten Gelegenheit in den Rücken fallen. Zeigen Sie ihm stattdessen, dass er sich auf Sie verlassen kann und Sie ihm loyal gegenüberstehen.
  • Gehen Sie sparsam mit Ratschlägen um. Genauso wie Sie nicht möchten, dass Ihnen der neue Chef sagt, wie Sie Ihren Job zu machen haben, wird es auch Ihr Chef nicht gerne hören. Merken Sie, dass er auf dem falschen Weg ist, argumentieren Sie aus der Ich-Perspektive. Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Chef sich dabei weder angegriffen noch bloß gestellt fühlt, denn dann wird er Ihren Rat nicht annehmen.
  • Sehen Sie die Veränderungen als Chance. Der jüngere Chef bringt frischen Wind in die Abteilung und ins Team. Klar, einiges ändert sich. Doch diese Veränderungen müssen nicht schlecht sein. Es ist auch eine Chance für Sie sich einzubringen und Ideen zu äußern. Sie können positiv überrascht werden und feststellen, dass Ihr Chef diesen Ideen gegenüber aufgeschlossen ist.
  • Zeigen Sie Lernbereitschaft. Auch nach jahrelanger Berufserfahrung gibt es immer etwas, dass man selbst dazu lernen kann. Seien Sie offen und neugierig für Neues. Lassen Sie sich auf neue Arbeitsweisen ein und erweitern Sie auf diese Weise Ihr bestehendes Wissen. Denn mit Sicherheit gibt es Einiges, was Sie von Ihrem jüngeren Chef lernen können.
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