Als kurz vor Jahreswechsel deutsche Arbeitnehmer danach gefragt wurden, was sie sich für 2010 vornehmen, antworteten 55 Prozent und damit die Mehrheit, sie wollten sich künftig mehr bewegen und im Job weniger den Fahrstuhl benutzen. Schade eigentlich. Denn im sozialen Mikrokosmos Aufzug begegnet man allerlei bemerkenswerten Typen, die einem viel über das Betriebsklima im Allgemeinen und die Kollegen im Besonderen verraten können.
Denn ob wir wollen oder nicht: Unsere Körpersprache (im Lift) offenbart mehr über uns, als vielen bewusst ist. Und nicht immer ist das sonderlich schmeichelhaft. Und ich rede jetzt nicht von Personen, die im Fahrstuhl niesen ohne sich die Hand vors Gesicht zu halten. Bevor also auch Sie sich unfreiwillig outen, hier eine Typologie der häufigsten Fahrstuhlbesucher. Welche Kollegen bei Ihnen so durch die Flure geistern, können Sie anschließend selber herausfinden, wenn Sie das nächste Mal statt die Treppe zu benutzen mit Kollegen im Lift stehen…
Der Telefonist
Kaum geht die Aufzugtür zu, holt dieser Typ schon sein Handy heraus und beginnt nervös darauf einzutippen. Oft nur zum Schein. Denn in vielen Aufzügen gibt es gar kein Netzempfang. Was dieser Kollege tatsächlich nonverbal sagt, ist a) “Ich bin gerade waaaaahninnig beschäftigt.” Und b) “Sprich mich nicht an!” Die eigentliche Offenbarung aber ist: Diese Typen versuchen damit entweder das simple Bild einer vermeintlich wichtigen Person abzugeben oder einer für sie unangenehmen (engen) Lage zu entgehen. Oder beides.
Der Armeverschränker
Das Verschränken der Arme – auch die Umarmung mit sich selbst genannt – ist weniger eine Schutzhaltung als vielmehr Ausdruck von kommunikativem Verschluss. So jemand ist mit Sicherheit nicht offen für einen netten Kurzplausch zwischen drei Etagen. Obendrein kann es sogar eine aggressive Geste sein, wenn dieser Typ so versucht harmloser auszusehen als er in Wirklichkeit ist und seine Körpersilhouette optisch verschlankt. Der beste Rat für Begegnungen dieser Art: nicht ansehen, nicht ansprechen, ignorieren!
Der Strammsteher
Der Rücken kerzengerade, die Hände fest am Körper anliegend, die Augen geradeaus, Bauch rein, Brust raus… so steht er da, der Strammsteher. Diese Körperhaltung verrät nicht nur ein großes Selbstbewusstsein, sondern auch ein starkes Kontrollbedürfnis. Dieser Typ ist extrem aufmerksam, nimmt alles um ihn heraus genauestens wahr – und gönnt sich selbst wenig Spielraum. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um einen ebenso loyalen wie disziplinierten Kollegen. Aber nicht unbedingt um einen geselligen.
Der Hosentaschenspieler
Steht da, tut nichts und hat beide Hände in den Hosentaschen (Frauen kramen auch gerne in ihrer Handtasche). Sieht lässig aus, soll aber vor allem die Unsicherheit und den Stress verbergen, den dieser Typ hat. Die weniger elegante Variante dieses Typs betrachtet die gesamte Fahrt über seine Schuhe, die elegantere versteckt nur eine Hand in der Tasche. Das sieht, zugegeben, etwas cooler aus, macht die Sache aber nicht besser: Hier weiß jemand einfach nicht wohin mit sich, mit den Händen und der gefühlten Ewigkeit, bis die Aufzugtür endlich wieder aufgeht.
Der Protektor
Typisch für junge Kolleginnen, die gerne auch mal etwas luftiger gekleidet sind: Kaum steigen ein paar Kollegen dazu, die sie auffällig (und wenig charmant) mustern, pressen die die Aktenmappe vor die Brust und verschränken die Beine. Eine typische Schutzhaltung, die durchaus auch bei Männern vorkommt. Nur halten die dann ihre Hände vor ihrem Genitalbereich verschränkt nach vorne oder die Akten davor. Tragischerweise erreicht die Geste das genaue Gegenteil von dem, was sie eigentlich will: Sie sexualisiert die Situation noch mehr. Obendrein degradiert sich die betreffende Person selbst zum Opfer.
Der Nuschler
HmmblnnngllmhmWowarnochmalderKnopffürdiedritteEtage?Achjahier!Undwasmachichdanndort?… Dieser Typ ist die Inkarnation des zerstreuten Professors. Entweder Sie hören von ihm nur lautes Gmurmel oder er führt Selbstgespräche von der Art: “Warum passiert das immer mir?”, “Ich darf nicht vergessen, gleich noch XY anzurufen…!” Im Grunde ein völlig harmloser Kollege. Nett, nur vielleicht etwas nervig, wenn man mehr als zwei Stockwerke mit ihm überwinden muss.
Der Türsteher
Es gibt Kollegen, die stellen sich wie selbstverständlich in die Mitte des Aufzugs und am besten noch direkt vor die Tür – egal, wie voll oder leer der Lift ist. Ein Paradebeispiel für Territorialverhalten. Hier bewacht jemand seine Höhle und schirmt sie gegenüber Eindringlingen (beim nächsten Halt) ab. Obendrein macht er den anderen Mitreisenden klar: “Ich bin hier der Chef – keiner steigt ein oder aus ohne, dass ich das will. Und schon gar nicht vor mir!” Tja, wenigstens im Aufzug kann dieser Typ den Takt vorgeben. Arme Wurst!
Der Drängler
Noch so ein Alpha-Tier. Mit dem Körper schirmt er die Fahrstuhlknöpfe ab, mit den Schultern hält er derweil die Kollegen auf Distanz. Letztlich auch nur, damit er zuerst aussteigen kann. Vordergründig handelt es sich hierbei um eine Bläh-Geste: Hier plustert sich einer sichtbar auf, indem er die Knappheit seiner Zeit und seine dringend erwartete Anwesenheit suggeriert. Auch ihn sollte man beherzt ignorieren. Treffen aber dieser Typ und der “Türsteher” zusammen, ist Krieg im Schacht: Der Drängler wird sich wortlos vorbeischieben – koste es was es wolle; der Türsteher indes versuchen, ihm die Flucht so schwer wie möglich zu machen. Immerhin: Für das famose Eitelkeits-Schauspiel müssen Sie nicht mal Eintritt zahlen!
Der Wandlehner
Man sollte denken, wer sich im Aufzug gegen die Wand lehnt, ist vor allem das: müde, ermattet, erschöpft. Denkste! In Wahrheit stellt diese entspannte Geste eine deutliche Machtdemonstration dar. Hier ist jemand, der es sich leisten kann, sowohl auf das aufdringliche Getöse eines Türstehers oder Dränglers zu verzichten sowie gegebenenfalls zu spät zu kommen. Denn er weiß: Ohne ihn läuft in dem Laden nichts. Seinen Machtanspruch muss dieser Typ nicht demonstrieren – er hat Macht und weiß es auch. Und kann deshalb ganz lässig in der Ecke lehnen und den anderen bei ihrem Theater zuschauen. Den sollten Sie ansprechen und genauer kennenlernen!







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Stefan
Ich kenne noch den “Trippler” oder auch “Wackler”, der schon aussieht, als ob er es nicht erwarten kann sich wieder zu bewegen. Er kreist die Hüfte oder wippt auf den Fußsohlen von vorne nach hinten und zurück. Er sieht den Fahrstuhl als Zwangspause an, wie ein Jogger das Dehnen. Und der “Glotzer” und “Grinser” ist noch sehr interessant, das macht übrigens echt Spaß. Man mustert die Person, die neu hinzu steigt von oben bis unten und grinst dabei die ganze Zeit.
Das hebt die Stimmung im Fahrstuhl. :D
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