Über 40? Gründen Sie ein Unternehmen!
Über 40? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind prädestiniert dafür, das nächste Facebook an den Start zu bringen. Oder das nächste Apple. Oder ... Tatsächlich hat eine Auswertung von US-Datenspezialisten gezeigt, dass erstaunlich viele Gründer in den Vereinigten Staaten die 40er-Marke bereits überschritten haben. Was vor allem zählt, sind einschlägige Erfahrung, Bildung und räumliche Nähe zu den Entscheidungsträgern. Jetzt muss die Botschaft nur noch erfolgreich ins alternde Deutschland verpflanzt werden: Über 40? Bitte gründen!

Über 40: Bitte gründen

Wie sieht eigentlich der perfekte Gründer aus? Fragt man die Leute auf der Straße danach, dürften viele den Typus Mark Zuckerberg oder das Modell Steve Jobs ins Feld führen: innovativ, smart und zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung vor allem blutjung. Beide waren um die 20, als sie ihre damaligen Studentenzimmer- und Garagenklitschen (Facebook/Apple) aus der Taufe hoben.

Sollten Sie nun die 30er- oder gar 40-Jahresmarke bereits weit überschritten haben, seien Sie beruhigt: Sie sind weiterhin ein ganz heißer Kandidat für eine erfolgreiche Startup-Gründung!

Big Data sagt Gründer voraus

Diese optimistische Schlussfolgerung ziehen zumindest die US-Datenanalysten Mattermark und die Venture-Capital-Gesellschaft Bloomberg Beta. In einer hochspannenden Auswertung ging das US-Duo der Frage nach, welche Personen eigentlich am wahrscheinlichsten ein neues, erfolgreiches Startup gründen. Dahinter steckte, logisch, nicht nur wissenschaftlicher Erkenntnisdrang, sondern auch knallhartes Kalkül. Für Risikokapitalgeber wie Bloomberg Beta kann jeder Hinweis wertvoll sein, wie viele Dollars wann wo und in wen am besten angelegt sind.

Also wertete Mattermark die Informationen aus, die in den LinkedIn-, Facebook- und Twitter-Profilen von 1,5 Millionen Amerikanern aus den Großräumen San Francisco und New York öffentlich zugänglich waren. Wo haben Sie studiert? In welcher Position gearbeitet? Wie alt sind sie?

Und siehe da: Für die Generation Ü40 ist der Gründer-Zug längst noch nicht abgefahren.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • 38 Prozent der Gründer sind über 40 Jahre alt
  • Nur 15 Prozent der Gründer haben einen Informatik-Abschluss
  • Berater gründen doppelt so häufig wie Ingenieure
  • 43 Prozent der Gründer arbeiteten zuvor selbst in einem Startup
  • Zwei Drittel der Gründer haben zuvor nicht in einer Führungsposition gearbeitet
  • Personen, die zuvor über einen langen Zeitraum in einem Unternehmen „festgesteckt“ hatten, wiesen eine überraschend hohe Gründerquote auf



An dieser Stelle noch eine wichtige Einschränkung: Die Erkenntnisse beziehen sich allein auf Startup-Gründer mit Risikokapital im Rücken. Meist handelt es sich um junge, technikaffine Unternehmen - und nicht um die Agentur oder den Friseursalon um die Ecke (den Sie aber mit über 40 natürlich auch noch gründen sollten, wenn Sie davon überzeugt sind und Mittel und Know-how haben).

Ü40: Zug noch da

Jetzt sind all diese Zahlen nicht sakrosankt und erst recht nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Aber sie sollten potenziellen Gründern wenigstens Mut machen, auch hierzulande. In vielen Köpfen stecken glänzende Ideen. In noch mehr Köpfen stecken sie leider auch fest, weil oft das letzte Quäntchen Mut, die Prise Überzeugung und auch der Zuspruch von außen fehlen. "Was, du willst dich auf deine alten Tage mit so einer verrückten Idee noch selbstständig machen?"

Gerade "älteren" Arbeitnehmern jenseits der 40 kommt die Leier vom Fachkräftemangel oft wie ein Hohn vor. Einerseits schwer vermittelbar, aber fürs eigene Startup mit Investoren-Appeal natürlich auch schon zu alt!? Blödsinn. Die Mattermark-Leute zeigen auf, dass viele Ü40er exzellente Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung erfüllen.

Am erfolgversprechendsten ist Ihr Gründerprofil, wenn Sie einige der folgenden Tipps beherzigen oder schon beherzigt haben:

Zum Gründer werden: Was hilft?

  1. Studieren Sie: Für Ihre Referenzen und als Basislager für Kontakte in die Wirtschaft ist ein Studium nahezu unentbehrlich.
  2. Ziehen Sie um: Laut Startup-Monitor 2014 bieten Berlin und München innerhalb Deutschlands die besten Rahmenbedingungen für Gründer, gefolgt von Hamburg und der Region Rhein-Ruhr. In den Ballungsräumen sind die besten Fördermöglichkeiten vorhanden, das Netzwerk ist riesengroß, der Zugang zu Investoren offen. Aus einer deutschen Klein- oder Mittelstadt dagegen ein Startup großzuziehen, ist vielleicht nicht unmöglich, aber ungleich schwerer.
  3. Starten Sie Ihre berufliche Karriere in einem Startup: Im besten Fall werden Sie mit dem Gründerbazillus infiziert. In jedem Fall gewinnen Sie wertvolle Einblicke in Abläufe und Prozesse, lernen, was für Gründer wichtig ist, was Sie selbst besser machen und welche Fehler Sie auf keinen Fall begehen sollten.
  4. Bleiben Sie länger als zwei Jahre: Ihren Erfahrungsschatz füllen Sie erst mit Gold, wenn Sie gewisse Zyklen durch- und mitgemacht haben. Und: Ihr eigenes Netzwerk können Sie hier von innen clever erweitern.
  5. Finden Sie Mitstreiter: Die 350 Kandidaten, die Mattermark für die perfekten Gründerkandidaten hielt, lud man schließlich zu einem gemeinsamen Kennenlern-Dinner ein. Sinn und Zweck der Veranstaltung: Die Kandidaten untereinander bekannt machen, sich austauschen und ausloten, ob sich hier vielleicht Töpfe und Deckel für eine gemeinsame Gründung finden. Ursprünglich hatte die Datenschmiede für die auserwählten 350 auch nur eine Gründerwahrscheinlichkeit von 17 Prozent berechnet (beim Rest des Samples waren es lediglich 0,66 Prozent). Ihre Erfolgsaussichten steigen, wenn Sie Mitstreiter und Unterstützer finden.

Der wichtigste Ratschlag in diesem Zusammenhang: Lassen Sie Ihr Alter nicht mehr als Ausrede gelten, wenn Sie keine 25 mehr sind. 40+ ist ein gutes Alter zum Gründen. Das gilt eben nicht nur für die Agentur und den Friseurladen um die Ecke, sondern auch für das Startup mit technologischem Background.

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