18 von Jochen Mai am 3. Juni 2008 → Artikel in Knigge

Zwitscher-Etikette – Der Twitter-Knigge

twitter-iconGute Umgangsformen erleichtern überall das Miteinander. Wer sich benehmen kann, beweist nicht nur Stil, sondern findet meist auch schneller Freunde – oder im Fall von Twitter „Follower“.

Twitter ist schließlich nichts anderes als ein soziales Netzwerk. Auch wenn dort alle munter durcheinander zwitschern und alles ständig zwischen Banalität und Information oszilliert, kann man selbst mit diesem Mikrobloggen eine eigene Marke entwickeln. Oder umgekehrt dieselbe beschädigen. Profis sind die folgenden Ratschläge sicher längst bekannt, aber für sie sind sie auch gar nicht gedacht. Vielmehr sollen sie Twitter-Entdeckern, die auf der Plattform gerade flügge geworden sind, ein paar Wegmarken für den Twitstream geben:

  1. Bevor Sie mit dem Twittern beginnen, lesen Sie sich die Feeds von ein paar Vielschreibern mit großen Gefolgschaften an. Identifizieren Sie Stile, persönliche Noten, Ton und Sprache dieser Gemeinschaften, um davon zu lernen. Das Ganze wiederholen Sie mit den Gemeinschaften, denen Sie beitreten wollen. Üblicherweise lesen und verfolgen sich bei Twitter alte und neue Bekannte, Freunde und Kollegen. Entsprechend familiär ist der Umgangston – und entsprechend ungut wäre es, den falschen Ton zu treffen.
  2. Wenn Sie sich eine Marke via Twitter aufbauen wollen, verwenden Sie Ihren Nutzernamen, Ihr Hintergrundbild und Links mit Bedacht – aber auch möglichst einheitlich zu Ihrem übrigen Auftritt im Netz. Schließlich hat jede große Marke so etwas wie eine Corporate Identity.
  3. Schreiben Sie anfangs nicht zu oft. Sicher, Sie wollen sich in der Community etablieren. Das versteht jeder. Aber dazu gehört eben auch, dass Sie Ihren Ruf allmählich aufbauen. Wie in jedem realen Netzwerk gilt auch online: Immer freundlich bleiben, erst geben und erst dann nehmen. Willkommen sind anfangs vor allem Posts, die eine persönliche Note haben. So erfahren Ihre Follower ganz nebenbei, was Sie für ein Typ sind.
  4. Apropos Häufigkeit: Twittern Sie ruhig mindestens zweimal am Tag, zum Beispiel morgens und abends – ein bisschen Frequenz hilft dem Markenaufbau. Nur bitte nichts inhaltlich Belangloses, wie: „Gerade Kaffee gemacht“, „Gehe jetzt ins Bett“. Finden Sie lieber heraus, was Ihre Follower interessiert und twittern Sie darüber. Was immer geht: Softwaretipps, nützliche Tools, lesenswerte Artikel. Tabu ist hingegen: Werbung, Pornografie (die Leute twittern schließlich auch auf der Arbeit), Unflätigkeiten.
  5. Wenn Sie automatisierte Meldungen twittern wollen – etwa, immer wenn Sie ein Blog gepostet haben oder einen Nachricht auf Ihrer Webseite veröffentlichen –, dann nutzen Sie dafür einen eigenen Account (es sei denn Sie wollen Follower verlieren). Ihr Leser möchten unterscheiden können, ob sie Nachrichten von Ihnen oder Ihrer Seite bekommen. Das gilt im Übrigen auch für den Fall, dass Sie mehrere unterschiedliche Internet-Projekte betreuen.
  6. Bringen Sie echten Mehrwert. Allein durch die schiere Masse an Tweets, die über den Tag an einem vorbei rauschen, bekommen diese leicht Spam-Charakter. Verstärken Sie das also nicht noch, sondern liefern Sie echten Content. Akzeptiert und beliebt sind Links zu informativen Blogs, Links zu Bildern, Videos oder Podcasts. Aber auch Fragen zu einem Thema, das Sie beschäftigt sowie Bitten um Rat sind erlaubt. Meine Erfahrung: Ab rund 100 Followern, können Sie davon ausgehen, dass Sie auf eine Frage binnen 10 Minuten drei Antworten bekommen – sogar sehr gute.
  7. Beantworten Sie immer (!) direkte Fragen, die an Sie gerichtet sind (das sind die, die mit dem @-Zeichen beginnen). Solche Fragen gehen nicht über den großen Äther, sondern die können nur Sie lesen. Deswegen sollten Sie diese auch mindestens ebenso persönlich (@Nutzername: Text Text) beantworten.
  8. Folgen Sie allen Leuten, die Sie persönlich kennen – folgen Sie aber auch möglichst allen, die Ihnen folgen. Das gehört inzwischen zur Twitter-Kultur und sorgt dafür, dass Ihr Netzwerk künftig viral wächst. Folgen Sie aber dennoch nicht zu vielen Leuten. Wo die Grenze liegt, muss jeder selber entscheiden. Aber irgendwann sind Ihre Twitfeeds nur noch ein einziger Textstrom und der eigentliche Nutzen – mit Freunden in Kontakt zu bleiben – geht verloren.

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1. Kommentar

Carsten Pötter
04.06.08 um 07:30 Uhr

Zwei kurze Anmerkungen:

Nachrichten mit @Nutzername können von anderen gelesen werden. Nur Direct Messages, also Nachrichten mit d Nutzername, sind privat. Biz Stone, Gründer von Twitter, hat zu @-Nachrichten einen sehr ausführlichen Beitrag auf dem Twitter Blog geschrieben: blog.twitter.com/2008/05/how-replies-work-on-twitter-and-how.html

Grundsätzlich würde ich nicht allen Leuten folgen, die mir auch folgen. Nutzer, die 23000 Leuten folgen, denen selbst aber nur 100 Leute folgen, bringen mir weder in persönlicher Kommunikation noch in Bezug auf eigenss Branding einen Mehrwert. In der Regel handelt es sich dabei um Spammer.

2. Kommentar

Carola
04.06.08 um 08:23 Uhr

Zu Punkt 7: Ob andere die @replies mitlesen, hängt von deren Account-Einstellungen ab. Man kann wählen, ob man @replies mitlesen will, die an User addressiert ist, denen man selbst auch “folgt”, oder alle Replies – oder keine.

So legt man fest, ob das Twittern mehr wie ein überschaubarer Plausch unter Bekannten ist oder ob man in einem “Großraumgespräch” mitmischt und ständig neue Impulse findet, weiteren Usern zu folgen.

3. Kommentar

Jochen Mai
04.06.08 um 16:53 Uhr

@Carsten: d’accord. In Gänze allen folgen muss man nicht. Aber nur Follower zu sammeln ist eben auch nicht fein. Danke auch für die Aufklärung in Sachen @-Zeichen.

@Carola: Das gilt auch für Dich: Danke für die detaillierte Erklärung und Korrektur.

4. Kommentar

Susi
13.06.08 um 09:13 Uhr

Ich bin ja geneigt zu sagen, dass man mit etwas gesundem Menschenverstand …

5. Kommentar

Susi
13.06.08 um 09:15 Uhr

Es fehlte noch der manuelle Trackback, sorry:
http://www.textblog.de/index.php/notizen/comments/der-twitter-knigge/

6. Kommentar

Odenwelter
28.10.08 um 23:56 Uhr

Sehr schöner Beitrag mit Tipps zum Verhalten bei Twitter.
Meine Meinung dazu ist, dass man nicht alle oben genannten Regeln peinlich genau verfolgen sollte und auch ein bisschen ab und zu geben kann. Gesunder Menschenverstand und ein freundlicher, lockerer Umgang miteinander sind schon viel wert. Natürlich sollte man auch immer Bedenken, wer alles follower ist und für wen gezwitschert wird.
Alles in allem sollte gesunder Menschenverstand hierfür ausreichen. Ansonsten kann man sich ja hier die entsprechenden Verhaltensweisen anlesen.

Viele Grüße
Odenwelter

7. Kommentar

Roman
31.03.09 um 17:08 Uhr

ja, das war eine lehrreiche info. vielen dank

8. Kommentar

Martin Meyer-Gossner
21.04.09 um 09:54 Uhr

@8 ‘….folgen Sie aber auch möglichst allen, die Ihnen folgen. Das gehört inzwischen zur Twitter-Kultur …’

Prinzipiell ist das ehrenhafte und wertschätzende Manier, nur ab einem gewissen Bekanntheitsgrad folgen einem auch ‘unseriöse’ Accounts. Ob man denen wirklich hinterherlaufen muss…? Zudem folgt Twitter als einziges Social Network NICHT dem Prinzip der Gegenseitigkeit wie etwa Facebook oder XING… Wer gute Tweets schreibt, sollte die Wertschätzung des Folgens erhalten. Das ist das besondere Erfolgsrezept von Twitter, welches man inzwischen die Realtionship Symmetry nennt … http://tinyurl.com/dxmjlj

9. Kommentar

Benno Schmid-Wilhelm
05.06.09 um 01:17 Uhr

Da hatte ich doch glatt einen (kleineren) Beitrag mit einem fast identischen Titel veröffentlich – aber der obige Artikel hat mir dennoch Neues vermittelt.
Besten Dank!

10. Kommentar

Annabelle Meinhold
22.07.09 um 10:50 Uhr

Ich bin seit Mai auf Twitter unterwegs und habe mir in letzter Zeit einige Gedanken zum richtigen Verhalten gegenüber Twitter-Freunden und -Followern gemacht. Besonders wichtig finde ich den persönlichen Kontaktaufbau: Wer mir folgt, den begrüße ich unter meinen Followern und er bekommt eine Direct Message. So viel Aufmerksamkeit muss sein. Die persönliche Ansprache hilft, damit meine Tweets wahrgenommen werden und mir dadurch wieder andere folgen und meine Tweets weiterempfehlen. Mein kleiner Twitter-Knigge findet sich unter http://woerterladen.blog.de/2009/07/21/kleiner-twitter-knigge-6559748/

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