Frage-stellen-Wozu-Warum
Wer im Web publiziert, stellt sich die Frage früher oder später: Was bringt Leser dazu, einen Artikel anzuklicken und zu lesen? Die Überschrift spielt dabei oft eine zentrale Rolle. Schließlich ist sie das, was in den SERPs (Search Engine Result Pages), also den Trefferlisten der Suchmaschinen groß angezeigt wird, daher ins Auge springt und eben - hoffentlich - geklickt wird. Die Frage selbst könnte dazu schon die Antwort liefern...

Ist die perfekte Blogüberschrift eine Frage?

Eine der klassischen Empfehlungen für die perfekte Blogüberschrift lautet etwa: Die Headline sollte nicht mehr als 60 Buchstaben enthalten. Dann wird sie vollständig und ungekürzt im Google-Index angezeigt - was den Leseanreiz und das Verständnis der Leser merklich erhöht als wenn sie mittendrin abreißt.

Und natürlich sollte sie das relevante Suchwort enthalten - möglichst weit vorn am Überschrift-Anfang.

Inzwischen hat sich auch der Ökonom Audun Farbrot von der Norwegian Business School in Oslo mit der Frage beschäftigt. Er selbst teilt Nachrichten alias @afarbrot regelmäßig auf Twitter - klassisch mit den Headlines plus Link aus den wissenschaftlichen Artikeln. Dann unterzog er sein Profil einem viermonatigem Experiment.

Immer noch twitterte er die Fundstücke aus dem Netz - jetzt aber zwei Mal am Tag. Einmal klassisch mit einer Aussage ("Macht korrumpiert") und eine Stunde später in Form einer Frage, mit der er die Leser teils ansprach ("Sind Chefs von Macht korrumpiert?", oder: "Ist Ihr Chef von Macht korrumpiert?").

Und tatsächlich: Die Fragen wurden 150 Prozent besser geklickt als die normalen Aussagen - unabhängig vom Thema. Fragen mit direkter Leseransprache schnitten sogar um 175 Prozent besser ab als die normalen Aussagen.

Fördern Fragen sogar den Verkauf?

Es folgte ein zweites Experiment, indem Farbrot zusammen mit seiner Kollegin Linda Lai verschiedene Produkte in einem norwegischen Online-Auktionshaus (nein, nicht Ebay!) verkaufte, darunter zum Beispiel ein iPhone oder ein LCD-Fernseher.

Auch hier wählten die Wissenschaftler zwei unterschiedliche Überschriften:

  • Eine typische Produktaussage: "Verkaufe Schwarzes iPhone 4 mit 16 GB"
  • Oder eine Frage: "Braucht jemand ein neues iPhone 4?"

Als extreme Variante sprachen die Forscher ihre potenziellen Kunden gar persönlich an: "Ist das Ihr neues iPhone 4?"

Mancher könnte das jetzt aufdringlich und anbiedernd finden. Ist es auch. Aber es funktioniert.

Die indirekten Fragen erzielten im Schnitt 137 Prozent mehr Klicks. Die direkte (und anbiedernde) Frage sogar 257 Prozent mehr gegenüber der klassischen Produktbeschreibung.

Warum das so ist?

Fragen reizen unser Gehirn. Sie machen uns neugierig und bringen uns zum Nachdenken. Wir fühlen uns sprichwörtlich angesprochen - auch wenn die Frage gar nicht an uns gerichtet ist und nur im Raum steht. Doch das reicht schon und erzeugt unmittelbar größere Aufmerksamkeit.

Und vielleicht war es ja auch der Grund, warum Sie diesen Artikel angeklickt haben.

Q.E.D.

Die perfekte Überschrift: 11 Tipps für Blog-Headlines

Falls Sie noch nach funktionieren Alternativen für Blog-Überschriften suchen: Hier folgen noch ein paar weitere Ideen und Headline-Anregungen:

  1. Emotionen, Baby

    Die einen nennen es Bild-Niveau, die anderen cleveres Marketing. Wie auch immer Sie zu emotional aufgeladenen Überschriften stehen: Sie erregen die Aufmerksamkeit der Leser und funktionieren. Ein aktuell ist prominentes Beispiel für diese Art der Überschriften ist die umstrittene Website Heftig.co, die sich fast ausschließlich dieser Mechanik bedient. Auf dieses Niveau sollten Sie sich zwar nicht begeben, doch als Lehrstück in Sachen emotionalere Überschriften ist es allemal gut.

  2. Achtung Warnhinweis

    Diese Überschriften begegnen Ihnen auch hier auf der Karrierebibel immer wieder. Durch Formulierungen wie "7 Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten" werden natürlich auch Gefühle angesprochen und die Neugier des Lesers geweckt. Wichtig: Sie sollten dann bitte nicht nur Fehler nennen, sondern - zumindest implizit - die passenden Gegenmaßnahmen und Strategien aufzeigen und Ihren Lesern so Mehrwert bieten. Denn diese Erwartung wird durch solche Überschriften auch geweckt.

  3. Wichtige Informationen

    "33 Psychotricks, die wirklich jeder kennen sollte" - Solche Überschriften wecken nicht nur Neugier, sondern richten sich auch ein klein wenig an das Ego der Leser. Denn wenn "jeder" die Tricks kennen sollte - und vielleicht schon kennt - können Sie doch nicht außen vor bleiben, oder? Außerdem verspricht die Überschrift implizit auch, dass es sich hier um 33 lesenswerte Tricks handelt. Diesen Ansatz können Sie natürlich auch verschiedenste Themen übertragen.

  4. Problemlösung voraus

    Diese Art der Überschriften begegnet Ihnen fast täglich auf den verschiedensten Seiten. Das Prinzip ist klar: Durch Versprechen wie "Lösen Sie Ihre Probleme in 5 Schritten" wird ein hoher Nutzwert suggeriert. Diese Überschriften funktionieren allerdings nur dann wirklich gut, wenn Sie erstens Probleme behandeln, die Ihre Leser auch wirklich interessieren und Sie zweitens dann auch konkrete Lösungsansätze bieten können. Ist Letzteres nicht der Fall, bleiben enttäuschte Leser zurück und die Überschrift wird zum Problem.

  5. Beispiele en masse

    "10 gute B2B Beispiele" - Überschriften dieser Art versprechen nicht nur Informationen, sondern konkret greifbare Anekdoten und Anregungen. Wählen Sie hier Themen und Beispiele mit hohem Praxisbezug und Relevanz für Ihre Zielgruppe, fühlen sich Ihre Leser direkt angesprochen und können sofort eine Verbindung zum Thema aufbauen. Klar, dass der Artikel dann auch interessant wirkt und aufmerksam gelesen wird.

  6. Berühmte Vorbilder

    Das Prinzip aus Punkt fünf können Sie noch weiter führen und statt Best Practice Beispiele auf Berühmtheiten und VIPs zurückgreifen. Hier können sowohl Namen bekannter Stars als auch Eigenschaften Interesse erwecken. Überschriften wie "10 Dinge, die erfolgreichen Menschen vor dem Frühstück tun" wecken die Erwartung, hier etwas für den eigenen Erfolg lernen zu können. Idealerweise wählen Sie hier Eigenschaften, die zu den Kerninteressen Ihrer Leser zählen.

  7. Tutorials und Guides

    Auch mit einem ganz konkreten Nutzwertversprechen können Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Leser erregen. Blog-Headlines "Studienstart: Der Guide für Erstsemester" machen von vornherein deutlich, worum es im Artikel geht. Wählen Sie hier das passende Thema - und können Sie im Artikel wirklich praxisorientierte Tipps und Anleitungen bieten - ist Ihnen die Aufmerksamkeit Ihrer Leser sicher.

  8. Fragen und Antworten

    Auch Fragen eignen sich hervorragend dazu, die Aufmerksamkeit Ihrer Leser zu erregen und sie zum Lesen zu animieren. Für die optimale Wirkung sollten Sie Fragen wählen, die sich die meisten Ihrer Leser ohnehin auf die eine oder andere Art stellen. Unsere Überschrift "Berufsunfähigkeit: Was tun, wenn die Arbeit krank macht?" greift beispielsweise ein oft diskutiertes und für die meisten Leser relevantes Thema auf. Die Antwort muss dann natürlich im Artikel folgen.

  9. Klare Worte

    Apropos Fragen: Dieses Prinzip können Sie sich auch noch auf andere Art und Weise für Ihre Überschriften nutzen. Mit Formulierungen wie "Die Wahrheit: Warum Sie den Job nicht bekommen" transportieren Sie vor allem eine Botschaft: Sie scheuen sich nicht davor, klare Worte zu sprechen und Ihren Lesern - implizit: im Gegensatz zu anderen - reinen Wein einzuschenken. Logisch, dass der Artikel dann auch wirklich klare Aussagen liefern muss.

  10. Listen über Listen

    Listen funktionieren nicht nur hervorragend als Artikel-Format, sondern eigenen sich ebenso gut für Überschriften. Hier gibt es zwei Extreme: Einerseits können Sie mit kurzen Listen wie beispielsweise unsere "Hausordnung" auch Leser erreichen, die keine ellenlangen Artikel lesen wollen. Andererseits schaffen machen durch Überschriften wie "10 Gründe, warum wir Listen lieben" deutlich, dass hier wirklich jeder Leser fündig wird. Solch große Zahlen schrecken manche Leser zwar ab, anderer werden davon jedoch angezogen.

  11. Ultimative Superlative

    Auch vor Superlativen sollten Sie in Ihren Überschriften nicht zurückschrecken. Wichtig ist jedoch, dass Sie solche Überschriften dosiert und mit Bedacht einsetzen und die geweckten Erwartungen dann auch im Artikel erfüllen. Wenn Sie mit Formulierungen wie "ultimativer Guide" oder ähnlichen um sich werfen weckt das sowohl hohes Interesse als auch entsprechende Erwartungen. Solche Artikel müssen dann groß und qualitativ hochwertig sein, sonst wird die Überschrift zum Fluch.

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