Social Media Knigge: Besser aufpassen im Internet!

Nahezu jeder nutzt heutzutage irgendwelche Social Media Kanäle. Eine ganze Generation ist bereits mit den Segnungen und Plagen des Internets aufgewachsen – braucht es da wirklich einen Social Media Knigge? Weiß nicht ohnehin bereits jeder, was zu tun und was besser zu unterlassen ist? Nein, offenbar nicht. Denn etliche vermeidbare Fehler passieren aus Unwissenheit und können sowohl Bewerber die Chancen beziehungsweise Mitarbeiter die Stelle kosten. Damit Ihnen das nicht geschieht, haben wir die häufigsten Fehler zusammengetragen…

Social Media Knigge: Besser aufpassen im Internet!

Social Media Knigge: Benimmregeln fürs Internet?

Knigge – das mag gerade für jüngere Generationen ein wenig steif und angestaubt klingen. Sofern sie überhaupt etwas damit verbinden können. Der gute Adolf Freiherr von Knigge muss seit einigen Jahrhunderten für etwas herhalten, das sich grob mit „Anstandsregeln“ und „gutes Benehmen“ zusammenfassen lässt.

Dabei ging es ihm ursprünglich einmal darum, ganz der Aufklärung verpflichtet, einen angemessenen Umgang mit Menschen untereinander zu fördern. Und weniger darum, welche Gabel auf welcher Seite des Tellers zu liegen hat und zu welchem Anlass benutzt wird. In dieser ursprünglichen Bedeutung geht es auch beim Social Media Knigge.

Was ist mit Social Media gemeint? Medien umfasste vor der Erfindung des Internets vor allem Zeitungen, das Radio und das Fernsehen. Ihnen allen gemeinsam ist das Informationsangebot an den Konsumenten. Soziale Medien hingegen leben von der Interaktion zwischen demjenigen, der Inhalte zur Verfügung stellt und demjenigen, der sie konsumiert.

Die Social Media Kanäle lassen sich einteilen in:

  • Blogs

    Hervorgegangen aus einer Art Online-Tagebuch (daher auch Weblog), in dem die Gedanken zu bestimmten Themen notiert wurden, sind sie teilweise in ihrer Professionalität heutzutage kaum von Webseiten zu unterscheiden. Zumal eins der wichtigsten Unterscheidungskriterien, die Möglichkeit, Kommentare zu verfassen, mittlerweile immer häufiger wegfällt.

  • Foren

    Zu allen möglichen Themen, die Menschen umtreiben, etwa Hobbys oder Karrierefragen, gibt es Foren, in denen Menschen ihre Fragen stellen können.

  • Netzwerke

    Hier lässt sich zwischen beruflichen und privaten Netzwerken unterscheiden. Zu den bekanntesten beruflichen Netzwerken gehören Xing und Linkedin. Bekannte private Netzwerke sind beispielsweise Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat oder Pinterest.

Den korrekten Umgang mit Social Media finden

Nur weil Sie lediglich in Ihrer Freizeit auf Facebook und Konsorten surfen, heißt das noch lange nicht, dass Ihre Aktivitäten privat sind. Sie sind es in dem Moment nicht, in dem Sie ein öffentliches Profil angelegt haben. Auch wenn der Gedanke an einen Personaler, der im Privatleben von Bewerbern „schnüffelt“ etwas an Stalking erinnert:

Rein rechtlich kann er das genauso wie jeder andere Internetnutzer. Wer nicht gerade beruflich die Facebookseite eines Unternehmens betreut, sondern vorzugsweise privat auf den diversen Kanälen unterwegs ist, sollte sich über die Konsequenzen im Klaren sein.

User sollten sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie verhalte ich mich anderen Menschen gegenüber?
  • Welche Informationen gebe ich von mir preis? Also: Welche Bilder, persönliche Daten, Meinungen?
  • Wann ist ein Rückzug sinnvoll?
  • Wen binde ich noch in meine Unterhaltungen oder mein Profil mit ein?
  • Wer kann auf meine Informationen zugreifen?

Leider passiert das viel zu wenig. Erkennbar ist das an Auswüchsen wie Fake News und Internettrollen. Das sind allerdings nur Extreme. Ein Social Media Knigge muss natürlich mehr umfassen als ahndungswürdige Strafbestände zu unterlassen.

Internet gleich Real Life?

Wenn man einen Social Media Knigge in einem Satz zusammenfassen müsste, könnte die Formel lauten: Verhalten Sie sich im Internet wie im realen Leben. Allerdings ergeben sich daraus zwei Probleme:

  • Zu viele Menschen können sich auch im realen Leben nicht angemessen verhalten und manche Menschen kennen bestimmte Regeln schlicht nicht. Oder sie können die Konsequenzen nicht abschätzen. Zu beobachten ist das immer wieder bei Eltern, die Fotos ihrer meist kleinen Kinder in öffentlichen Profilen posten. Dass sie damit nicht nur die Begeisterung unter Freunden, sondern womöglich auch das Interesse von Kriminellen wecken, kommt ihnen nicht in den Sinn.
  • Ein anderer Punkt ist, dass das Internet eben doch in einigen Bereichen vom realen Leben abweicht. Das liegt zum einen sicherlich an der englischsprachigen Dominanz (beispielsweise in Spiele-Foren), da die englische Sprache nicht zwischen Du oder Sie unterscheidet. Zum anderen war das Internet lange Zeit Spielwiese für Nerds und kleine Kreise, man war gewissermaßen „unter sich“, was ebenfalls eine Vertrautheit herstellte.

Nicht zu vergessen, dass das Internet in vielen Bereichen rechtsfreier Raum war und teilweise noch ist – auch das ermutigt weniger korrekte Zeitgenossen, Gedanken an einen möglichen Social Media Knigge beiseite zu schieben.

So betrachtet ist das Internet also nur bedingt mit dem echten Leben „da draußen“ vergleichbar, zumal die Reichweite eine ganz andere als im realen Leben ist. Was allerdings identisch ist: Sie sollten Ihr Gegenüber mit dem gleichen Respekt behandeln.

Hier gilt der alte Leitspruch: Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Das sollte unbedingt auch bei Meinungen beachtet werden. Denn einige User glauben, Beleidigungen und Behauptungen seien mit der Meinungsfreiheit abgedeckt.

Tatsächlich können aber falsche oder ehrenrührige Behauptungen strafrechtlich verfolgt werden.

Fehlverhalten: Diese Fehler können Sie vermeiden

Ob das Foto, das eine Person besoffen in der Ecke zeigt, als lustig empfunden wird, hängt vermutlich von mehreren Faktoren ab. Oft spielt das Alter eine Rolle – gerade jungen Absolventen und Berufsanfängern fehlt teilweise das Verständnis für das angemessene Verhalten in der Öffentlichkeit.

Sie sollten bei Fotos und Kommentaren daher immer Ihre Zielgruppe im Hinterkopf behalten: Personaler sehen solche Fotos vermutlich mit weniger Humor. Einer Umfrage des britischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge hat bereits einer von fünf Arbeitgebern in der Vergangenheit einen Bewerber abgelehnt, weil er das Verhalten in Social Media Kanälen als unpassend empfand.

In der Umfrage liegt das Berufsnetzwerk Linkedin mit 48 Prozent als einer der am häufigsten kontrollierten Kanäle weit vorne. Da hier Daten des britischen Marktes ausgewertet wurden, kann sich für Deutschland unter Umständen ein anderes Bild in der Rangfolge ergeben.

Klar ist aber auch: Sie tragen für sich und Ihre Außendarstellung die Verantwortung. Um sich im Nachhinein Ärger zu ersparen, sollten Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Privatsphäre

    Wer auf Nummer sicher geht, hat kein öffentliches Profil. Dazu gehört auch, nur solche Kontakte zu bestätigen, die Sie persönlich kennen. Bei Facebook können Sie beispielsweise in den Einstellungen wählen, ob nur Ihre Freunde oder auch deren Freude Ihre Inhalte und Kommentare sehen können – letzteres könnte für eine größere Reichweite als gewollt sorgen. Achten Sie nicht nur Ihre eigene, sondern auch die Privatsphäre von anderen Leuten. Wenn Sie beispielsweise ein Selfie mit sich und Freunden machen, veröffentlichen Sie das nicht einfach ungefragt.

  • Verhalten

    Beachten Sie, dass es nicht nur um eine vorteilhafte Bildauswahl und angemessenes Kommentieren geht. Zum Social Media Knigge gehört auch die Wahl des entsprechenden Buttons: Wer auf Facebook bei ernsten oder sogar traurigen Themen den Button mit dem lachenden Smiley drückt, wird mindestens Irritation, unter Umständen sogar Ärger provozieren. Vorsicht ist auch beim Mikrobloggingdienst Twitter geboten: Hier stehen mittlerweile 280 Zeichen zur Verfügung, um Sachverhalte auszudrücken. Das lädt einerseits zu Wortspielereien ein, andererseits trägt es zur Verkürzung von komplexen Themen bei, die so mißverständlich sein können.

  • Professionalität

    Die Internetkultur mag an vielen Stellen locker wirken – berufliche Netzwerke erfordern Professionalität. Sie wollen hier Ihre Fachkompetenz ausdrücken – den coolen Checker können Sie nach der Arbeit im realen Leben heraushängen lassen. Auf Xing und Linkedin gilt also: Lieber das Gegenüber siezen, duzen können Sie immer noch, wenn Sie besser miteinander bekannt sind und das Gegenüber es Ihnen anbietet.

  • Auswahl

    Gerade wenn Sie auch eine berufliche Vernetzung in Social Media Kanälen wünschen, sollten Sie nicht wahllos Kontakte sammeln. Das bedeutet Ihrerseits, dass Sie beispielsweise mit einer Kontaktanfrage bei Xing nicht irgendwelche Leute mit dem Kontaktbutton hinzufügen, sondern eine kleine Nachricht dabei schreiben, zum Beispiel: Guten Tag Frau Mustermann, mir hat Ihr Vortrag gestern beim Netzwerktreffen sehr gut gefallen. Gerne würde ich mehr über Ihre Arbeit erfahren und mich mit Ihnen beruflich austauschen. Mit freundlichen Grüßen, Frank Fantasiename.

  • Sorgfalt

    Ein besonderes Auge sollten Sie auch beim Verfassen von Texten haben: Peinliche Fotos sind ein No-go, aber Grammatikfehler ebenso. Wer die Groß- und Kleinschreibung kaum beherrscht, mit Rechtschreibung und Interpunktion Schwierigkeiten hat, disqualifiziert sich womöglich als zukünftiger Mitarbeiter, auch wenn das Bewerbungsschreiben fehlerfrei war.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
19. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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